Lebensdaten
960 oder 961 bis 1038
Geburtsort
Niederalteich
Sterbeort
Hildesheim, Mauritiusstift
Beruf/Funktion
Bischof von Hildesheim ; Abt von Niederaltaich ; Heiliger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118695630 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Godehard von Hildesheim
  • Gotahard
  • Gotthard
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Zitierweise

Godehard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118695630.html [09.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    Das Dienstmannengeschl. mit den Leitnamen Godehard u. Ratmund, nach der Tradition auf d. Godlhof in Reichersdorf b. Schwanenkirchen nordostwärts v. Niederaltaich ansässig, überflügelte, wie Wolfher erzählt, „die Vornehmen der Gegend“ nach Vermögen u. Stellung, als es sich nach d. Ungarnwirren mit bes. Energie f. d. Interessen d. verfallenden Gründung d. 8. Jh. einsetzte. V Ratmund, Dienstmann u. Hauptverwalter d. Stiftes Niederaltaich; seine gute wirtsch. Leitung ermöglichte Altaich, seinen Seelsorgeverpflichtungen in d. Umgebung wieder nachzukommen u. d. Lehrbetrieb zu verbessern, sie schuf zugleich Voraussetzungen f. e. Werk G.s: die religiöse Erneuerung;
    N Ratmund, 2. Nachfolger G.s als Abt 1027-48/49.

  • Leben

    G.s Grundausbildung in der Stiftsschule unter Odalgisus, drei Lehrjahre im Gefolge EB Friedrichs von Salzburg, der als Inhaber der Kommende Altaich den jungen Mann zu fördern begann und ihn teils im Gelehrtenkreis um Liutfried, teils auf einer Italienreise mit den politischen, geistigen, künstlerischen Zeitströmungen vertrauter machte, die Tätigkeit des zurückgekehrten und vom Passauer Diözesanbischof zum Diakon geweihten jungen Mannes als Stiftsvorsteher – all das blieb scheinbar im Rahmen der Familienpläne, führte aber schrittweise zu Revisionen. G. lernte die lateinische Literatur schätzen, wurde Experte für Schreibkunst, Buchmalerei und Architektur. Er las Sulpicius Severus so begeistert, daß er Sankt Martin als Einsiedler persönlich nachahmte, dessen Apostolat er für Altaich verbindlich erklärte. Vor allem begegnete er in Ramwold und Wolfgang von Regensburg den Männern, die den von Sankt Maximin in Trier übernommenen Gorzer Reformstil am tatkräftigsten in Niederbayern verfochten, und machte sich ihre Ideale von Weltabgeschiedenheit, von der Besitzlosigkeit des Einzelmönches, von der freien Obernwahl der Konvente zu eigen. So unterwarf er sich im Gegensatz zu den übrigen Kanonikern, obwohl am meisten „betroffen“, dem von Herzog Heinrich von Bayern 990 zum Reformabt von Altaich eingesetzten Erkanbert, wurde selbst Mönch, bald danach Prior und Schulrektor, schließlich nach der Priesterweihe 993 durch Wolfgang von Regensburg Seelsorger und nach Erkanberts vieldiskutiertem Rücktritt am 27.12.996 Abt. Er empfand also die Rückverwandlung des Kanonikerstifts in ein Kloster nicht als oktroyiert, sondern als notwendig, und er sorgte, daß Altaich mit seinen neuen kirchlichen, wirtschaftlichen und militärischen Bauten, mit seiner gut ausgerüsteten Schule, mit seinen Außenzellen wie Rinchnach und Ortsgründungen wie Hengersberg eine Fülle von Enthusiasten und Talenten für die Bewältigung der zukünftigen Aufgaben an sich zog. Da war der exemplarische Wirkungskreis Niederbayern: Sankt Emmeram in Regensburg, Sankt Mauritius in Altaich und Kloster Niedernburg in Passau teilten sich in die Aufsiedlung des Bayerischen Waldes, damals „Nordwald“ genannt. Hier waren die Erfolge der nächsten Jahrzehnte so groß, weil die Pioniere, an ihrer Spitze der G.schüler Sankt Gunther, asketischem Leben einen religiösen Sinn zu geben wußten und doch die irdische Welt so nüchtern einschätzten, daß sie an einer Straße nach Böhmen bauten. Mit freundschaftlichem Verständnis schaute man auf die slawischen Nachbarn. In Altaich scheint der Ländergürtel der Wenden, Böhmen, Mährer, Ungarn, Südslawen als eine Einheit betrachtet worden zu sein, gegen die man keine Forderungen, wohl missionarische Pflichten hatte. Da war sodann die Verbreitung der Gorzer Ideen und Lebensformen: Altaich wurde aus einer kleinen Filiale ein hochbedeutsames Expansionszentrum und blieb bis 1130/40, wahrscheinlich sogar bis 1152 gegen Einflüsse aus Cluny und Hirsau immun.

    Die Bedenken gegen Doppelämter überwindend, suchte G. als Abt von Tegernsee 1001-02 die Reform in Oberbayern zu festigen, als Abt von Hersfeld 1005-12 in Hessen einzuführen, dort mit geringerem, in Hersfeld und seinen Propsteien und Zweigstellen Johannisberg, Göllingen und Memleben mit durchschlagendem Erfolg, und nicht ohne seine Initiative wurde auch Kremsmünster wieder aufgebaut und erlebte später unter Sigmar einen glänzenden Aufstieg. Besonders fruchtbar waren die beiden Wirkungsfelder im Ausland: Abgesandte und Schüler G.s wie Lambert, Meginhard und Wolfram wandten sich Böhmen, Mähren und Kärnten zu, um in Břevnow bei Prag, Ostrow nach Brünn und Ossiach nordöstlich Villach mitzuwirken, andere gründeten das Kloster Bakonybel in Ungarn, und als Konrad II. für reformbedürftige Klöster Oberitaliens Helfer suchte, fand er sie ebenfalls in der G.schule. Ihren Kulminationspunkt erreichte die Reformarbeit Altaichs in dem von G. geprägten Mönch Richer, dem es nach langjähriger Tätigkeit als Abt von San Leno bei Brescia gelingen sollte, die Regel im Mutterkloster Montecassino wiederherzustellen. Da war schließlich der Reichsdienst des Klosters, umso ernster genommen, weil er die königliche Unterstützung für Siedlung und Reform verstärkte. Wie gut das Verhältnis zum Hofe war, zeigen in den nächsten Jahrzehnten die Ernennungen von Altaichern zu deutschen oder lombardischen Bischöfen, zum Beispiel in Minden und Treviso.

    G. selbst wurde von Heinrich II. eine besondere Aufgabe zugedacht, nämlich an der Beseitigung des sächsisch-süddeutschen Gegensatzes mitzuhelfen. Eben in Grona bei Göttingen in der Umgebung des Kaisers, als der Tod Bernwards von Hildesheim am 20.11.1022 bekannt wurde, zweifelte er zunächst, als Bayer der rechte Nachfolger für seinen Altersgenossen zu sein, aber umgestimmt, am 30.11. von Vertretern der Hildesheimer Domgeistlichkeit auf Herrschervorschlag gewählt, am 2.12. noch in der Gronaer Pfalzkapelle von Aribo von Mainz zum Bischof geweiht, hat er 1022-38 in Hildesheim Bernwardinische Tradition und Altaicher Reformgeist im ganzen glücklich zu verbinden gewußt. Der Kampf um die Hildesheimer Rechte in Gandersheim verlangte bis 1030 bald diplomatische Finesse, bald Festigkeit und Härte. Im Innern der Diözese setzte sich der hierarchische Ausbau fast noch planvoller als zuvor fort. Nicht weniger als dreißig Kirchenbauten schrieb die Zeit G. zu, darunter die Blasiuskirche in Braunschweig, Sankt Marien in der Pfalz zu Goslar, die Kirche in Adenstedt. Hildesheim selbst, Muster einer durchdachten Ordnung, griff damals von seinem kirchlichen und bürgerlichen Kern (der Dom erhielt ein Westwerk und wurde in seiner Wirkung durch eine neue Epiphaniuskirche in der Nachbarschaft unterstützt, während am Altmarkt Sankt Andreas entstand) nach dem Westen und Osten aus (Sankt Mauritius auf dem Zierenberg und Sankt Bartholomäusspital und -kirche „in der Sülte“), so daß im Koordinatensystem der Stadt nur noch ein südliches Gegenstück zu Bernwards, von G. vollendetem und 1035 geweihtem Kloster Sankt Michael, eben das 1136 gegründete Godehardkloster, fehlte. Bei solcher Bauaktivität verwundert nicht, daß ausdrücklich von einer Pflege der Bernwardinischen Werkstätten durch den bischöflichen Architekten G. berichtet wird, wenngleich die persönliche Mitarbeit des Bischofs selten, der Akzent von den bildenden Künsten auf Schule und Malschule verschoben sein mochte. Nur Willensvollstrecker war G. keineswegs. Von Planänderungen unter ihm hören wir zwar nur in zwei Fällen: Er hat sehr wahrscheinlich die Bernwardstüren von der „Engelskirche“ Sankt Michael auf das neue Westwerk des Domes überführt, und – noch bezeichnender – er beabsichtigte in den Hildesheimer Anfängen eine Verlegung von Sankt Michael, dessen Umgebung im damals gewiß friedlichen Hildesheim ihm zu städtisch-unruhig vorkam, nach seinem Lieblingsort Wrisbergholzen (Holthuson), um freilich vor den Protesten zurückzuweichen und auf die Schaffung eines förmlichen norddeutschen Altaich zu verzichten. Sein Wille bestand jedoch darauf, daß Altaichs Funktionen als Zentrum kultureller Tätigkeit (landwirtschaftliche Versuchshöfe) und religiöser Verinnerlichung von allen lebendigen Kräften der Diözese übernommen wurden, und wie einst als Abt, so sah er jetzt als Bischof seine Hauptaufgabe in der Kunst ausgeglichener Menschenführung zwischen Beharrung und Aufgeschlossenheit, zwischen Strenge und Güte. Es mag bedeutsam sein, daß die Überlieferung gerade seine beiden Hirtenstäbe über die Zeiten rettete. – Heiligsprechung: auf Veranlassung Bischof Bernhards I. durch Innozenz II. am 29.10.1131. Besondere Verehrungsgebiete: außer Bayern und Niedersachsen einmal die österreichischen und ostdeutschen Siedlungsgebiete sowie die westslawischen Länder, dann Oberitalien mit besonderen Mittelpunkten in Brescia, Mailand, Genua; aber auch die alpenländische Heimat des Altaicher Benediktinertums wurde stark erfaßt (Sankt Gotthard-Paß), dazu Flandern und Niederrhein.|

  • Auszeichnungen

    Heiligenattribut: Kirchenmodell.

  • Literatur

    ADB IX;
    Wolfhere, Vita Godehardi prior et posterior, in: MGH SS XI, S. 167 ff., übers. v. H. Hüffer u. W. Wattenbach in: Geschichtsschreiber d. dt. Vorzeit, 21892, u. v. B. Gerlach, 1939;
    Translatio et Miracula, in: MGH SS XII, S. 639 ff. - Briefe:
    Migne PL 141, 1229 ff.;
    krit. ed. MG Epp. sel. III = Tegernseer Briefslg. ed. K. Strecker, nr. 50 ff. - Urkk.:
    UB d. Hochstifts Hildesheim, ed. K. Janicke, Bd. 1;
    Ann. Altahenses maiores, in: SS in us. schol. ed. altera rec. ed. Oefele, 1891, bes. S. 15 ff.;
    Ann. Hild., ebd. ed. G. Waitz, 1878, bes. S. 33 ff.;
    Chron. Hild., in: MGH SS VII, bes. S. 853. -
    Wattenbach-Holtzmann;
    Hauck III, S. 451 ff., 549 ff.;
    O. J. Blecher, Der hl. G., 21957;
    K. Algermissen (Hrsg. u. Mitarbeiter), Bernward u. G. v. Hildesheim, Ihr Leben u. Wirken, 1960 (darin auch Btrr. v. J. G. Machens u. K. Engelbert);
    H. A. Lüntzel, Gesch. d. Stadt u. Diözese Hildesheim I, 1858, S. 195 ff.;
    A. Bertram, Gesch. d. Bistums Hildesheim I, 1899, S. 88 ff., 146 ff.;
    E. Tomek, Stud. z. Reform d. dt. Klöster im 11. Jh., I: Die Frühreform, 1910, S. 106 ff.;
    S. Herzberg-Fränkel, Wirtsch. Gesch. d. Stiftes Niederaltaich, in: MIÖG, Erg.bd. 10, 1928, bes. S. 107 ff.;
    W. Wühr, Die Wiedergeburt Montecassinos unter s. Reformabt Richer v. Niederaltaich 1055, in: Studi Gregoriani III, Rom 1948, S. 369-450;
    K. Hallinger, Gorze-Kluny, Stud. zu d. monast. Lebensformen u. Gegensätzen im Hoch-MA I, Rom 1950, bes. S. 163 ff.;
    R. Bauerreiß, KG Bayerns II, 1950, S. 36 ff.;
    G. Schreiber, Ma. Alpenpässe u. ihre Hospitalkultur, Misc. G. Galbiati III, Mailand 1951, S. 348 f.;
    LThK.

  • Autor/in

    Wilhelm Berges
  • Empfohlene Zitierweise

    Berges, Wilhelm, "Godehard" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 495-497 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118695630.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gotthard, am 5. Mai 1038 als Bischof von Hildesheim, der erste Baier von Geburt, den die Kirche selig gesprochen, und einer jener Heiligen, deren hohes Verdienst auch ein nichtkirchlicher Standpunkt nicht verkennen läßt. Die Canonisation erfolgte 1131 durch Papst Innocenz II. und ihr verdankt es G., wenn sein Name zunächst auf das Hospiz an dem belebten Alpenpasse, dann seit den Tagen König Albrechts I. auf diesen selbst übertragen wurde, was ihn mehr als alles andere noch heute im Munde der Welt lebendig erhält. In neuerer Zeit bevorzugt man, seinem Hildesheimer Biographen Wolfhere folgend, irriger Weise die niederdeutsche Schreibweise Godehard; Gotthards landsmännische Zeitgenossen gebrauchten, wie sich nach seiner baierischen Abstammung erwarten läßt, stets die oberdeutschen Formen Gotehard, Gotahard. Um 961 ward er in der Nähe des alten Klosters Niederaltaich an der Donau als Sohn eines Dienstmannes, dann Verwalters des Klosters, Namens Ratmund, geboren. Für seinen ersten Unterricht stand im Kloster selbst in dem Priester Udalgis ein trefflicher Lehrer zur Verfügung. Einst fiel dem Knaben das Leben des hl. Martinus von Sulpicius Severus in die Hände, worin die Verdienste und Gnaden der Anachoreten des Orients geschildert sind. Da ließ es ihm keine Ruhe, mit einem geistesverwandten Altersgenossen zog er in die Einsamkeit, unter Gebeten und Psalmengesang, kümmerlich von Beeren und Kräutern sich nährend, bis ihn nach 10 Tagen seine Angehörigen fanden und nach Altaich zurückführten. Der Salzburger Erzbischof Friedrich nahm dann den strebsamen Knaben auf einem Kriegszuge nach Italien mit sich und ließ ihm nach der Rückkehr in Salzburg von einem Lehrer Liutfried weiteren Unterricht ertheilen. Bald ward G. zum Diacon geweiht und von den Altaichern zu ihrem Propste gewählt. Dies geschah einige Jahre vor der Berufung des Abtes Erchanbert, dessen durchgreifende Neuerungen bei den Klosterbrüdern heftigem Widerstande begegneten. Die meisten wanderten lieber aus, als daß sie sich der strengen Ordensregel beugten. G. aber, wiewol durch Erchanberts Ernennung aus der ersten Stelle verdrängt, ging freudig auf das neue Leben ein, das seiner Gesinnung völlig entsprach, legte in Erchanberts Hände die Mönchsgelübde ab, empfing von ihm die Würde des Priorats und vom Bischofe Wolfgang von Regensburg die Priesterweihe. Seine geistlichen Uebungen und gelehrten Studien hatten ihn nicht gehindert, auch als Baumeister sich auszubilden; in kurzer Zeit riß er die Klostergebäude nieder und errichtete an ihrer Stelle neue, die den Bedürfnissen der Mönchsregel entsprachen. Als Herzog Heinrich IV. von Baiern von den ausgewanderten Altaichern gegen ihren strengen Abt Erchanbert aufgehetzt, G. an dessen Stelle setzen wollte, widersetzte sich dieser demüthig der Zumuthung, entwich aus dem herzoglichen Palaste und unterwarf sich dann geduldig auch einem so wunderlichen Vorstande wie dem Bischof Megingaud von Eichstädt, dem Heinrich nun das Kloster mit dem Auftrage, die klösterliche Zucht dort durchzuführen, zu Lehen übertrug. Später, von allen Seiten bestürmt, ließ sich G. doch bewegen, die Abtswürde anzunehmen. In Ranshofen, wohin ihn der Herzog als getreuen Freund zur Feier des Weihnachtsfestes mitgenommen, ward er am 27. Decbr. 996 vom Bischofe Christian von Passau zum Abte geweiht. Mehr als dreißig Mansen rings um das Kloster, besonders im Böhmerwalde, wurden nur durch seine und seiner Genossen eigene Hände aus Waldboden in fruchtbares Land verwandelt; der Marktflecken Hengersberg ist seine Gründung. Ueberhaupt waltete er in Altaich so, daß bald das Verlangen rege ward, auch in anderen Klöstern durch ihn solchen kirchlichen, geistigen und wirthschaftlichen Aufschwung geweckt zu sehen. Im J. 1001, nach dem Tode Gozberts, mußte er auf Herzog Heinrichs Wunsch auch die Leitung Tegernsees, 1005 auch die Hersfelds übernehmen. Nachdem er dort die schwierige Aufgabe gelöst, die verfallene Zucht wieder herzustellen — und wie Froumund von Tegernsee singt, lastete seine Hand schwer auf denen, die sich auflehnten — nachdem er insbesondere in Hersfeld die einschneidendsten Reformen durchgeführt, auch völlig neue Klostergebäude errichtet hatte, kehrte er 1012 nach Altaich zurück, wie er denn die baierische Heimath stets über alles liebte. Durch seine Schüler aber wirkte er von dort auf die weitesten Kreise: man begegnet Altaicher Mönchen als Aebten in Montecassino, Böhmen und Mähren. — Durch Gotthard ward jene kirchliche Richtung fortgepflanzt, welche, in Baiern vom hl. Wolfgang angebahnt, tiefe Frömmigkeit auf das glücklichste mit praktischer Klugheit und Rührigkeit, mit classischen Studien, mit künstlerischer Arbeit verband. Er ist der hervorragendste einheimische Vertreter dieser bedeutenden kirchlichen Reformbewegung, die von Baiern ausgehend, Dank besonders der Unterstützung Heinrichs II., bald das Reich umspannte. Energisch und vielseitig, streng und doch populär, hat er auf das kirchliche Leben den nachhaltigsten Einfluß geübt. Echt baierisch ist seine schlichte und anspruchslose|Art, wenn er, wiewol in der herzoglichen wie königlichen Pfalz Heinrichs II. stets als liebster Gast gefeiert, doch dem höfischen Leben so viel als möglich auszuweichen sucht; wenn er sich unter den Bauleuten herumtreibt, bei Kirchweihen und Jahrtagen gern an das Volk sich wendet; auch die unverhohlene Abneigung gehört hierher, mit der er herumziehenden geistlichen Wunderthätern und Abenteurern entgegentritt, sie spöttisch als Peripatetiker bezeichnet. 1022 erhielt er als würdiger Nachfolger Bernwards den Ruf auf den bischöflichen Stuhl von Hildesheim, dem er, wiederum auf Kaiser Heinrichs Drängen, Folge leistete, wiewol er gern bis zur Erledigung eines heimathlichen Sitzes, etwa Regensburg oder Passau, gewartet hätte. Noch immer von jugendfrischer Lebhaftigkeit, die im nordischen Hildesheim zuweilen wol allzugroß erschien, entfaltete er nun auch im weiteren Kreise die ersprießlichste Wirksamkeit. Er verschönerte und vollendete das Münster, erbaute im Süden desselben eine neue Kirche, ein Spital, zwei Festen im Osten und Westen der Stadt und auf Wunsch der Kaiserin Gisela auch eine Kirche in der Pfalz zu Goslar. Großen und wohlverdienten Ruf gewann unter seiner Leitung die Hildesheimer Domschule, wie er denn selbst, noch unberührt von dem lichtscheuen Geiste späterer Mönchsrichtung, sich gern an den Alten erquickte. Noch aus Tegernsee ist ein Brief erhalten, worin er die Altaicher bittet, ihm den Horaz und Cicero's Briefe nachzusenden. 1024 begründete er das Kloster Wrisbergholzen (Holthuson), wo er die letzten Lebensjahre mit Vorliebe verweilte, wo ihm auch die Todesstunde geschlagen hat. Auf daß die Stille des Ortes wohlthätig ihre geistliche Beschaulichkeit fördern möge, hatte er dorthin die Mönche aus dem Michaelskloster von Hildesheim verpflanzt, doch bei den stadtgewohnten stieß seine Maßregel auf so hartnäckiges Widerstreben, daß er sie rückgängig machen mußte. Einen unseligen, Jahrzehnte lang sich hinziehenden Streit mit Mainz wegen des Diöcesanrechtes über Gandersheim, den er vom Vorgänger ererbt hatte, führte er gegen Erzbischof Aribo, seinen Landsmann, in der Hauptsache zum Vortheil seiner Kirche glücklich durch. Gotthards Gebeine, im Jahre nach seiner Heiligsprechung erhoben, ruhen im Münster zu Hildesheim. Seine Verehrung breitete sich rasch über Thüringen, Sachsen, Baiern, bald ganz Deutschland aus und es fehlte nicht an Berichten über Wunder, die er lebend und todt gewirkt haben sollte. In zwei glücklich erhaltenen Biographien hat ihm sein Schüler Wolfhere, der aus Hildesheim nach Altaich übersiedelte, ein würdiges Denkmal gesetzt.

    • Literatur

      Vitae Godehardi auctore Wolfher., prior et posterior, Mon. Germ. hist., Script. XI. 167 ss., 196 ss. Briefe Gotthards bei Pez, Thes. VI. a, 133 ff. Chronic. Tegernseens. bei Pez, Thes. III. c, 505. Hirsch, Heinrich II. Für die Hildesheimer Thätigkeit Lüntzel, Gesch. der Diöcese und Stadt Hildesheim, I. 203—236.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Godehard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 482-484 unter Gotthard [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118695630.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA