Lebensdaten
gestorben 1055
Sterbeort
Pescara
Beruf/Funktion
Abt von Montecassino
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139135219 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Richer von Niederaltaich
  • Niederaltaich, Richer von

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Zitierweise

Richer von Niederaltaich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139135219.html [23.07.2019].

CC0

  • Leben

    Herkunft und Geburtsjahr R.s sind unbekannt. Unter Abt Godehard (960–1038), dem Reformator Hersfelds und Tegernsees und späteren Bischof von Hildesheim, war R. Mönch im bayer. Reformkloster Niederaltaich. Ks. Konrad II. machte ihn vermutlich Ende 1035 oder Anfang 1036 zum Abt des Klosters Leno (südl. von Brescia, nahe der Heerstraße der dt. Italienzüge), das er formell bis zur Resignation kurz vor seinem Tod leitete. Das Wirken R.s in Leno bleibt im Dunkeln, da das Klosterarchiv 1135 vollständig verbrannte. 1037 und 1038 gehörte R. zum Gefolge Konrads II. auf dessen Italienzügen. Im Mai 1038 ließ der Kaiser nach einem Kurzbesuch in Montecassino die Wahl des dortigen Abtes Basilius, eines Günstlings der Capuaner Grafen, für ungültig erklären und schlug R. als neuen Abt vor; vermutlich Anfang Juni wurde er auf dem Abtsstuhl in Montecassino inthronisiert. Auch dem Nachfolger Konrads II. eng verbunden, war R. 1046 auf den Synoden von Pavia und Sutri sowie bei der Kaiserkrönung Heinrichs III. zugegen. Im Feb. 1047 besuchte dieser Montecassino, bevor er die Verhältnisse in Süditalien neu regelte. Wie auf die ksl. Gönner und Schutzherren war R. auch auf die päpstl. Seite angewiesen und unterstützte Papst Leo IX. sowohl bei der Kirchenreform als auch in der problematischen Normannenpolitik. Dies wird u. a. deutlich an den fast alljährlichen Besuchen des Papstes in Montecassino, an Zahl und Inhalt einiger außergewöhnlicher päpstl. Privilegien für den Benediktskonvent und seinen Abt, an den engen Beziehungen R.s zu führenden Männern der Reformkurie und an der Reihe der Mönche seines Konvents, die später hohe Kirchenämter bekleideten.

    Als Abt von Montecassino kämpfte R. mit wechselndem Kriegsglück, aber insgesamt erfolgreich gegen die Capuaner Langobardengrafen und deren normann. Verbündete und brachte die verlorengegangenen Burgen, entfremdeten Grundbesitz und sonstiges Eigentum wieder unter die Botmäßigkeit der Abtei. Mit der Wiederherstellung der politischen Unabhängigkeit und der wirtschaftlichen Konsolidierung des zudem durch zahlreiche Schenkungen vermehrten Klosterbesitzes schuf er die äußeren Voraussetzungen für die Blütezeit Montecassinos in der zweiten Hälfte des 11. Jh. Im Klosterbereich begann er mit einigen Reparaturmaßnahmen und Neubauten und errichtete auf der Insel Limata bei S. Giovanni Incarico eine dem Patron seines Heimatklosters Niederaltaich geweihte Mauritiuskirche. Inwieweit R. die innere Klosterreform voranbringen konnte, ist schwer zu sagen; skeptischer als früher werden neuerdings die Leistungen des Cassineser Skriptoriums unter R. beurteilt. Die Mönche jedenfalls bewahrten R. ein außergewöhnliches Gedächtnis, indem sie im Kapitelsaal ein Bild mit dem Porträt ihres tatkräftigen bayer. Abtes anbringen ließen (1063 durch Blitzschlagzerstört).

  • Quellen

    Qu Annales Altahenses maiores, ed. E. v. Oefele, , 1891; Desiderius v. Montecassino, Dialogi de miraculis sancti Benedicti, 30/2, ed. G. Waitz, 1929, S. 1111-51; Chronik v. Montecassino, ed. H. Hoffmann, 34, 1980; P. Garbini (Hg.), Desiderio di Montecassino: Dialoghi sui miracoli di San Benedetto, 2000.

  • Literatur

    J. F. Böhmer u. H. Appelt, Regesta Imperii III/1, 1 (Konrad II. 1024-1039), 1951;
    Gesch. d. Abtei Niederaltaich 731-1986, hg. v. G. Stadtmüller, 21986;
    W. Wühr, Die Wiedergeburt Montecassinos unter seinem ersten Reformabt R. v. Niederaltaich ( 1055), in: Studi Gregoriani 3, 1948, S. 369-450;
    H. Hoffmann, Die älteren Abtslisten v. Montecassino, in: QFIAB 47, 1967, S. 224-354, hier S. 313-16;
    H. Dormeier, Montecassino u. d. Laien im 11. u. 12. Jh., mit e. einl. Btr. v. H. Hoffmann, 1979, S. 16, 30-32, 96 f., 184 (u. Register);
    H. Bloch, Montecassino in the Middle Ages, 3 Bde., 1986;
    F. Newton, The scriptorium and library at Monte Cassino, 1058–1105, 1999.

  • Autor/in

    Heinrich Dormeier
  • Empfohlene Zitierweise

    Dorrmeier, Heinrich, "Richer von Niederaltaich" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 514-515 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139135219.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA