Zuckerkandl, Viktor
- Lebensdaten
- 1851 – 1927
- Geburtsort
- Raab (Győr, Ungarn)
- Beruf/Funktion
- Industrieller
- Konfession
- jüdisch
- Namensvarianten
-
- Zuckerkandl, Victor
- Zuckerkandl, Viktor
- Zuckerkandl, Victor
Vernetzte Angebote
Verknüpfungen
Personen in der NDB Genealogie
- Freund, Emma / verheiratete
- Freund, Richard
- Freund, Sigmund Simon Jeschijahu
- Gropius, Walter
- Klimt, Gustav
- Redlich, Amalia / verheiratete
- Redlich, Emil
- Rudinger, Julius
- Sigmund Schlesinger, 1832 –1918
- Viktor (Victor) (1896 –1965 )
- Zuckerkandl, Amalie / verheiratete
- Zuckerkandl, Bertha/verheiratete
- Zuckerkandl, Emil
- Zuckerkandl, Hermina
- Zuckerkandl, Leon
- Zuckerkandl, Otto
- Zuckerkandl, Paula / verheiratete
- Zuckerkandl, Robert
- Zuckerkandl, Therese / verheiratete
Personen im NDB Artikel
Orte
Symbole auf der Karte
Geburtsort
Wirkungsort
Sterbeort
Begräbnisort
Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.
-
Zuckerkandl, Viktor (Victor)
| Industrieller, * 11.4.1851 Raab (Győr, Ungarn), † 9.2.1927 Berlin. (jüdisch)
-
Genealogie
V →Leon (um 1819–99), aus Bądy (Bunden, Masuren, Ostpreußen), Kaufm., zuletzt in Wien;
M Eleonore König (um 1828/29–1900), aus Sighetu Marmat¸iei (Máramarossziget, Maramures¸, Rumänien);
3 B →Emil (1849–1910, ⚭ →Bertha Szeps, s. 2), Dr. med., o. Prof. f. Anatomie in Graz u. Wien, HR (s. Gen. 2), →Robert (1856–1926, ⚭ →Therese Kern, 1861–1942 Suizid n. Erhalt d. Deportationsbescheids, aus Gleiwitz, Industr.T, Photogr., Kunstmäzenin, beauftragte →Walter Gropius mit Entwurf ihres Hauses in Jena), Dr. iur., Jur., Wirtsch.wiss., 1896 o. Prof. d. pol. Ökonomie an d. Dt. Univ. Prag, HR (s. Wi. 1926), →Otto (1861–1921, ⚭ 1895–1919 →Amalie [Mirjam] Schlesinger, 1869–1942, aus Wien, wurde 1917/18 v. →G. Klimt porträtiert, T d. →Sigmund Schlesinger, 1832–1918, Schriftst., s. Gen. 2), Dr. med., Urol., Chirurg, o. Prof. in Wien, 1917 Primararzt an d. Allgemeinen Poliklinik in Wien, 1919 Präs. d. Wiener Urol. Ges. (s. Fischer; Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft; Wien Gesch. Wiki), 2 Schw →Hermina (1847–94), →Amalia (1868–1941, ⚭ 1] 1893–1901 →Julius Rudinger, 1861–1930, Arzt, 2] 1901 →Emil Redlich, 1866–1930, o. Prof. f. Neuropathol. in Wien, Leiter d. Nervenheilanstalt Maria-Theresien-Schlössel, s. NDB 18), Kunstsammlerin;
– ⚭ um 1885 (?) →Paula (1856/57–1927), aus Gleiwitz, Kunstsammlerin (s. L), T d. →Sigmund Simon Jeschijahu Freund (1823–1896), Dr. med., 1889 Vors. d. Synagogengde.-Verbands d. Reg.bez. Oppeln, Sanitätsrat, u. d. →Emma Milch (1828–1883);
kinderlos;
Schwager →Richard Freund (1859–1941), Dr. iur., Magistratsassessor in B., 1892–1923 Gründer u. Präs. d. Invaliditäts- u. Altersvers.anstalt (Landesvers.anstalt) ebd., Vors. d. Verbands d. dt. Arbeitsnachweise, Geh. Reg.rat (s. D. G. Maier u. J. Nürnberger, Dr. R. F., 2010);
N →Viktor (Victor) (1896–1965), Musikwiss., 1927–33 Musik- u. Kulturkriker in B., 1934–38 Lektor d. Bermann Fischer Verl., Prof. f. Musiktheorie u. Musikphilos., emigrierte 1938 über Schweden in d. USA (s. ÖML; MGG²; New Grove; LexM). -
Biographie
Über Z.s Bildungsgang ist nichts bekannt. 1873 war er einige Monate Mitprokurist der Wiener Zweigniederlassung des Budapester Bankhauses „Glatz, Holzwarth & Schubert“. 1879, noch im aktiven Dienst als Infanterieleutnant eines Hoch- und Deutschmeisterregiments, scheint Z. in Wien als „Beamter“ (Angestellter) auf. Möglicherweise schon damals, anderen Quellen zufolge erst 1881 nach seiner Übersetzung in die Reserve, trat er als kaufmännischer Leiter in die Drahtfabrik „Hermann Kern & Co.“, gegründet 1865 mit →Robert Caro (1819–1875) als Geldgeber, in Gleiwitz (Gliwice, Polen) ein. Diese fusionierte 1887/88 mit dem Werk ihres Hauptkonkurrenten →Wilhelm Hegenscheidt (1823–1891) zur „Oberschlesischen Eisenindustrie AG für Bergbau und Hüttenbetrieb“ (Obereisen, auch Caro-Hegenscheidt gen.). Z. wurde 1. kaufmännischer Direktor bzw. technischer Leiter der Eisenhütten, 1902 stellv., 1903 o. Vorstandsmitglied und 1904 Generaldirektor. In diesen Ämtern konsolidierte und erweiterte er das Unternehmen zum Konzern. Strategisch setzte Z. auf Syndikalisierung sowie Ein- und Verkaufsgemeinschaften: Er förderte u. a. das Oberschles. Eisensyndikat, die Einkaufsgenossenschaft für Alteisen und diverse Verkaufsgemeinschaften für Fertigeisen. Wesentlich war dabei die Unterstützung durch die Hausbank „Berliner Handels-Gesellschaft“, in der Z. 1921 Mitglied des Aufsichtsrats wurde.
Die Vielzahl seiner Funktionen spiegelt Z.s Bedeutung für die schles. Industrie; u. a. war er ca. 1915 Begründer und Aufsichtsratsvorsitzender der „Chemischen Werke Oberschlesien G.m.b.H.“, außerdem Vorsitzender des Aufsichtsrats der „Industriebau AG“ sowie 1905 Mitbegründer, Vorstandsvorsitzender und später stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats der „Russischen Eisenindustrie-AG“. 1923 schied er aus dem Vorstand der Obereisen aus und wurde 1924 in den Aufsichtsrat gewählt. 1923 ging die Obereisen mit der „Linke-Hofmann-Lauchhammer AG“ einen Interessengemeinschaftsvertrag ein, 1926 schlossen sich die nach der Teilung Oberschlesiens in Deutschland verbliebenen Teile mit der „Oberschlesischen Eisenbedarfs AG“ und der „Donnersmarck-Hütte“ zur „Vereinigten Oberschlesischen Hüttenwerke AG“ zusammen.
In Gleiwitz gründete Z. den philanthropischen Verein der Österreicher und Ungarn und wurde 1900 als dessen Präsident für Verdienste auf dem Gebiet der Wohltätigkeit ausgezeichnet. 1903 erwarb er in Purkersdorf bei Wien eine Kur- und Wasserheilanstalt, die er zum Sanatorium umbauen ließ (Architekt →Josef Hoffmann, 1870–1956). Der Komplex wurde durch Villen erweitert und diente Mitgliedern der Familie Z. als Domizil. 1913 kaufte er das Parksanatorium Hütteldorf-Hacking. Bekannt ist Z. auch als bedeutender Kunstsammler (Maler d. 19. Jh., G. Klimt, japan. Kleinkunst, 1917 dem Breslauer Kunstgewerbemuseum vermacht; Teile der Kollektion 1916 in Wien versteigert). Während des 1. Weltkriegs übersiedelte Z. nach Berlin-Grunewald.
-
Auszeichnungen
|AR-Mitgl. d. Linke-Hofmann-Lauchhammer AG, d. Preußengrube, d. Vereinigten Oberschles. Hüttenwerke AG, d. Dt. Eisenhandel AG u. d. Kokswerke &
Chem. Fabriken AG (1921) u. in d. Verw. ihrer Tochtergesellschaften;
Rr.kreuz d. Franz Josephs-Orden (1900);
Dr.-Ing. E. h. (TH Breslau 1917). -
Werke
|Die dt. Eisen- u. Stahlind. v., während u. n. d. Kriege, in: Nord u. Süd 39, 1915, S. 274–77;
Zum wirtsch. Bündnis Dtld.s mit Österr.-Ungarn, ebd. 40, 1916, S. 212–18. -
Quellen
Qu Wiener Stadt- u. Landesarchiv, Handelsregister Ges. 16/72; Leo Baeck Archives Memoir Collection.
-
Literatur
|Lehmann’s Allg. Wohnungs-Anz., 1859–90;
Wiener Ztg. v. 16.3.1873;
Österr. Soldatenfreund v. 1.3.1881;
Sport u. Salon v. 14.6.1900;
Neue Freie Presse v. 19.11.1873 u. 17.6.1900;
Neues Wiener Journ. v. 23.12.1917;
k.-k. Armee-Verordnungsbl. v. 9.4.1886;
Kunstgewerbebl. 28, 1916/17, H. 9;
Berliner Tagebl. u. Handels-Ztg. v. 10. 2., 11. 2., 12. 2. u. 13.2.1927;
C. J. Wawra, Versteigerung d. Kollektion Gen.dir. V. Z., 1916;
ders., Nachlaß-Versteigerung Gen.dir. Dr. V. u. Paula Z., 1928;
Der österr. Volkswirt v. 12.9.1925, S. 1372;
– R. Freund, Zur Gesch. d. Consolidierten Gleiwitzer Steinkohlengrube (mit biogr. Skizze zu Z.);
ders., Aus d. Gesch. d. Oberschles. Eisenind. (Typoskripte);
Stahl u. Eisen 47, 1927, H. 11, S. 479 (P);
Oberschles. Eisen-Ind. AG, Ber. f. d. J. 1920;
A. Gutfeld, Oberschlesien, Aufbau u. Verflechtung seiner Wirtsch., in: Zs. d. Preuß. Statist. Landesamts 69, 1930, S. 127–86;
A. Perlick, Hegenscheidt u. Caro, Zur Gesch. d. beiden Untern.gruppen im oberschles. Ind.revier, in: Tradition 8, 1963, H. 4, S. 172–92;
K. Fuchs, Zur Rolle d. schles. Judentums b. d. wirtsch. Entwicklung f. Oberschlesien, in: Zs. f. Ostforsch. 28, 1979, H. 2, S. 270–83;
S. Lillie, Was einmal war, Hdb. d. enteigneten Kunstslgg. Wiens, 2003. -
Porträts
|Radierung v. M. Liebermann, 1921.
-
Autor/in
Manfred Zollinger -
Zitierweise
Zollinger, Manfred, "Zuckerkandl, Viktor (Victor)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 761-762 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143059.html#ndbcontent