Zitscher, Arthur

Lebensdaten
1880 – 1965
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Kronberg (Taunus)
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Zitscher, Ernst Hans Arthur
  • Zitscher, Arthur
  • Zitscher, Ernst Hans Arthur

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Zitierweise

Zitscher, Arthur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143049.html#indexcontent [28.05.2026].

CC0

  • Zitscher, Ernst Hans Arthur

    | Chemiker, * 3.5.1880 Hannover, † 28.8.1965 Kronberg (Taunus), ⚰ Kronberg (Taunus), Friedhof Frankfurter Straße (aufgelassen). (evangelisch)

  • Genealogie

    V August (1850–1909), aus Wittenberge (Prignitz), kgl. Eisenbahnsekr. in H., S d. Hans Joachim Ludwig Christian (* 1819) u. d. Wilhelmine Henriette Auguste Thiede (* 1826), aus Kyritz (Ostprignitz);
    M Johanna (1856–1942), aus H., T d. Ernst Heinrich Rehbock u. d. Sophie Charlotte Mönkeberg;
    Schw Pau|la (1881–1944);
    Elisabeth (1896–1954, kath.), T d. Adolf Conrads u. d. Elisabeth Schmidt, beide in Frankfurt/M.;
    Verwandte Hans, Eisenbahnbeamter in Wittenberge;
    Ernst Rehbock, Rentier in H.

  • Biographie

    Nach dem Abitur am Realgymnasium I in Hannover 1899 studierte Z. bis 1901 Chemie an der TH Hannover und der Univ. Heidelberg, ehe er an die Univ. Leipzig wechselte.

    Während seiner Studienzeit in Hannover besuchte er Vorlesungen und Praktika u. a. bei Karl Seubert (1851–1942), Robert Behrend (1856–1926), Herrmann Ost (1852–1931), Wilhelm Kohlrausch (1855–1936) sowie in Heidelberg bei Theodor Curtius (1857–1928) und Harry Rosenbusch (1836–1914). In Leipzig wurde er 1906, betreut von Hans Stobbe (1860–1938), Arthur Hantzsch (1857–1935) sowie Johannes Wislicenus (1835–1902), mit einer Dissertation über „Ungesättigte Dicarbonsäuren aus cyklischen Ketonen und Bernsteinsäureester“ zum Dr. phil. promoviert.

    Nach kurzer Tätigkeit in der „Actien-Zuckerfabrik Stendal“ trat Z. zum Juli 1907 als wiss. Mitarbeiter in das Werk Oehler der „Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron“ (später „Naphtol-Chemie Offenbach“ bzw. Werk Offenbach der Hoechst AG) ein.

    Unter Leitung von Leopold Laska (1869–1952), der ebenfalls in Leipzig bei Wislicenus 1897 promoviert worden war, arbeitete Z. auf dem Gebiet der organischen Zwischenprodukte sowie der Azo-, Pigment- und Lackfarbstoffe. Im Verlauf ihrer Arbeiten über Farblacke, die mit Adolf Winther (1854–1946) begonnen wurden, gelangten sie, ausgehend von den bekannten Pigment- und Eisfarben des ß-Naphthols, über Lackfarbstoffe der 2,3-Oxynaphtoësäure zu den Pigmentfarbstoffen des 2,3-Oxynaphtoësäureanilids. Mit dem Anilid der 2,3-Oxynaphthoësäure als Kupplungskomponente wurden brillante Pigmente hergestellt, die über ausgezeichnete Echtheitseigenschaften verfügten und, wie Z.s Beobachtungen zeigten, bei ihrer technischen Anwendung keinen Farbumschlag beim Verlacken aufwiesen. In der Folge entwickelte sich daraus eine neue Azo-Farbstoffgruppe auf der Grundlage der Arylamide der Oxyarylcarbonsäuren, die aus wirtschaftlicher Sicht zu den bedeutendsten der gesamten Farbstoffindustrie wurden. Ursprünglich waren diese Farbstoffe zum Färben und Bedrucken von Pflanzenfasern bestimmt, später gelang es, sie auch für fast alle Kunstfasern sowie für Wolle und Mischgewebe zu verwenden. Seit 1912 traten sie als „Naphtol AS“ (AS steht für „Amid der Säure“) ihren weltweiten Siegeszug an. Als Erfinder bzw. Miterfinder in über 120 Patenten genannt, war Z. an dieser rapiden Entwicklung des neuentstandenen Gebiets der Farbentechnik beteiligt.

    Nach der Gründung der I.G.-Farbenindustrie AG wurde Z. in deren neugeschaffene Naphtol AS-Kommission und wissenschaftliche Azo-Kommission berufen. Nach Laskas Ausscheiden 1934 übernahm er die Leitung der wiss. Arbeiten im Werk Offenbach sowie den Vorsitz in der Naphtol AS-Kommission. 1935 wurde Z. Prokurist der I.G.-Farbenindustrie AG. Nach dem 2. Weltkrieg half er der Werkleitung beim Wiederaufbau des Offenbacher Werks, ehe er 1950 in den Ruhestand trat.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Senckenberg. Naturforschenden Ges. Frankfurt/M. (1921) u. d. Ges. Dt. Chemiker (1921);
    Gr. BVK (1954);
    Adolf v. Baeyer-Denkmünze d. Ges. Dt. Chemiker (1954);
    Perkin-Medaille d. brit. Soc. of Dyers and Colourists (1954);
    „Laska-Zitscher-Laboratorium“ b. Hoechst AG, Offenbach/Main (1954);
    – A.-Z.-Str., Offenbach/Main (1974).

  • Werke

    |The Development of Naphtol AS Dyes, in: Coloration Technology 70, 1954, H. 12, S. 530–39;
    Patente DE 256999, Verfahren z. Darst. bes. z. Pigmentfarbenbereitung geeigneter Monoazofarbstoffe, 1911;
    DE 261594, Verfahren z. Darst. v. Monoazofarbstoffen, 1912.

  • Literatur

    |W. Kirst u. W. Neumann, Zur Entwicklungsgesch. d. Naphtol AS-Farbstoffe, in: Angew. Chemie 66, 1954, S. 429–34;
    Chemiker Ztg., Chem. Apparatur 78, 1954, H. 19, S. 661 (P);
    G. Wittenberger, Naturforscher in Offenbach, Lb., in: Abhh. d. Offenbacher Ver. f. Naturkde. 7, 1989, S. 93–95 (P);
    W. Herbst u. K. Hunger, Naphtol AS Pigments, in: Industrial Organic Pigments, Production, Properties, Applications, ³2004, S. 280;
    Lex. bed. Chemiker;
    Qu Archive d. Univ. Leipzig u. d. Ges. Dt. Chemiker Frankfurt/M.;
    StadtA Kronberg u. Offenbach/Main.

  • Autor/in

    Wladimir Reschetilowski
  • Zitierweise

    Reschetilowski, Wladimir, "Zitscher, Ernst Hans Arthur" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 736-737 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143049.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA