Zittel, Bernhard

Lebensdaten
1912 – 1983
Geburtsort
Muggensturm bei Rastatt (Baden)
Sterbeort
Starnberg
Beruf/Funktion
Archivar ; katholischer Publizist ; Aktivist der Erwachsenenbildung
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Zittel, Bernhard

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Zitierweise

Zittel, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143050.html [20.03.2026].

CC0

  • Zittel, Bernhard

    | Archivar, katholischer Publizist, Aktivist der Erwachsenenbildung, * 1.11.1912 Muggensturm bei Rastatt (Baden), † 10.1.1983 Starnberg, ⚰ München, Friedhof Feldmoching.

  • Genealogie

    V Gerhard (1883–1962), Angest. d. Reichsbahn, Landwirt, S d. Franz Josef (1845–1895) u. d. Theresia Gingelmaier (1845–1928);
    M Rosa (1886–1964), T d. Bernhard Knörr (1864–1917) u. d. Maria Eva Adam (1866–1928);
    B Gerhard (1915–69), Dr. phil., Dipl.-Volkswirt, Doz. an d. PH Freiburg (Br.) (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1966);
    Lindenberg (Allgäu) 1947 Amanda Mader (1915–1999), Berufsschullehrerin;
    2 S Bernhard Walter (* 1949), Werner (* 1955), Dr. rer. nat., Physiker, Vorstand d. Ludwig-Bölkow-Stiftung, 2 T Roswitha Amanda (* 1952), Luitgard Maria (* 1953).

  • Biographie

    Z. wurde in eine kleinbürgerliche Eisenbahnerfamilie hineingeboren, die nebenher eine Landwirtschaft betrieb. Nach dem Besuch der Volksschule in Muggensturm 1919–26|wechselte er auf das Gymnasium Rastatt, wo er 1933 das Abitur ablegte. Anschließend absolvierte er auf dem landwirtschaftlichen Versuchs- und Lehrgut Dorneck b. Waldshut (am Oberrhein) als Vorbereitung auf ein geplantes Studium der Landwirtschaft 1933–35 ein Praktikum, setzte diesen beruflichen Weg jedoch nicht fort. Nachdem er schon während seiner Gymnasialzeit führend im kath. Jungmännerverein tätig war und dort Vortrags- und Bildungsabende eingerichtet hatte, studierte er 1935–38 an der Philosophischen Hochschule Berchmannskolleg der Jesuiten in Pullach (b. München) Philosophie und schloß mit dem Lizentiat ab. Er lebte zwar in der Societas Jesu, legte jedoch nicht die feierlichen Gelübde ab und schied nach dem Lizentiat aus. Anschließend war er 1938–39 Mitarbeiter von P. Johannes Metzler SJ (1883–1946), Kirchenhistoriker und Archivar der Oberdt. Provinz der Jesuiten in München, sowie bei der Wochenzeitung der kath. Arbeiterbewegung „Ketteler-Feuer“ in München.

    Nach einem Grundwehrdienst beim Gebirgsjägerbataillon in Füssen 1938 wurde Z. 1939 zur Wehrmacht eingezogen und leistete bis Mai 1945 Kriegsdienst (Feldwebel) in Frankreich, den Niederlanden und der Sowjetunion.

    Für das WS 1940/41 erhielt er Urlaub zu einem Studium an der Univ. Wien (Geschichte, Philosophie) und für das WS 1942/43 an der Univ. München (Geschichte, Philosophie, Volkswirtschaft). Er wurde mehrmals verwundet, zuletzt am 5.1.1945 in Hannover bei einem Fliegerangriff verschüttet und lebensgefährlich verletzt, was Lähmungen an beiden Beinen zur Folge hatte. 1946 nahm Z sein Studium an der Univ. München wieder auf und schloß es 1947 mit der Promotion bei Fritz Wagner (1908–2003) über „Ranke und der Humanismus“ ab. Um seinen Unterhalt zu finanzieren, arbeitete er von Juni 1946 bis Dez. 1947 als Journalist in der Redaktion der „Schwäbischen Zeitung“ in Leutkirch und besorgte die Schriftleitung der Ausgabe für den oberen Teil des Landkreises Lindau. Im Frühjahr 1948 erwarb er die Verlagslizenz für den von ihm gegründeten, hauptsächlich landwirtschaftlich ausgerichteten „Allgäuer Buchverlag“. Z.s Berufsziel war jedoch der staatliche bayer. Archivdienst, in den er am 1.10.1947, kurz nach seiner Hochzeit, als Referendar eintrat und den er 1950 als Bester seines Ausbildungskurses abschloß. Er begann seine Archivarstätigkeit in München zunächst beim Allgemeinen Staatsarchiv, anschließend beim Geheimen Staatsarchiv, und machte für die damalige Zeit rasch Karriere: 1950 Archivassessor, 1952 Staatsarchivrat, 1962 Oberregierungsarchivrat, 1968 Direktor des Staatsarchivs für Oberbayern, 1970 Generaldirektor der staatlichen Archive Bayerns. Diese Ernennung war angebahnt worden, indem Z. seit 1959 die Planungen für den Neubau des Bayer. Hauptstaatsarchivs und später auch die Personalangelegenheiten betreute. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Heinz Lieberich (1905–1999), einem hochgeachteten, aber introvertierten Rechtshistoriker und Professor an der Univ. München, der die Öffentlichkeit eher mied, war Z. im Umgang mit Menschen unkompliziert und von freundlicher Offenheit. Außerdem kamen ihm in München seine besten Verbindungen zu kath. Kreisen zugute. Kurz nach Z.s Pensionierung 1977 wurde sein Langzeitprojekt, der Neubau des Bayer. Hauptstaatsarchivs an der Ludwig-/Schönfeldstraße, eingeweiht.

    Neben der Archivarbeit waren Z. die Jugendarbeit und die Erwachsenenbildung wichtige Anliegen. Seit Aug. 1949 beteiligte er sich an der Gründung und Entwicklung des Dt. Jugendarchivs, bis 1953 als stellv. Leiter, seit 1954 als dessen 1. Vorsitzender. An der Gründung des Dt. Jugendinstituts (DJI) war er seit 1955 als Gutachter für das Bundesinnenministerium tätig. Ab 1950 nahm er Lehraufträge an der Volkshochschule München wahr. Intensiv brachte er sich in die Eingliederung der Spätheimkehrer und Sowjetzonenflüchtlinge ein (Wochenendtreffen in Haus Buchenried in Leoni am Starnberger See, Heimkehrertreffen in Würzburg). Darüber hinaus entfaltete er eine reiche Vortragstätigkeit bei unterschiedlichen Gremien und Gruppierungen (Verband d. Heimkehrer, Domschule Würzburg, Gesellschaft f. Auslandskunde, Bayer. Lehrerverbände u. v. a.). Themen waren überwiegend der Kampf der Demokratie mit totalitären Systemen sowie die dt. und bayer. Geschichte im 20. Jh. Dabei ging es ihm primär um die Vermittlung von Grundkenntnissen an eine breite Öffentlichkeit.

    Fest verwurzelt in seiner kath. Glaubenswelt beteiligte sich Z. auch an der Gründung der Kath. Akademie in Bayern (1957). Im Ruhestand schrieb er die „Gründungsgeschichte der katholischen Akademie in Bayern“ (1982).

  • Auszeichnungen

    |silbernes Verwundetenabzeichen;
    E. K. II;
    Infanterie-Sturmabzeichen;
    Mitgl. d. Komm. f. Zeitgesch. (1962), d. Wiss. Beirats d. Inst. f. Zeitgesch. (1970–76) u. d. Komm. f. bayer. Landesgesch. b. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1971);
    Bayer. Verdienstorden (1975);
    Freundeszeichen d. Kath. Ak. in Bayern (1981).

  • Werke

    Weitere W u. a. Hermann v. Lingg, in: Lb. Bayer. Schwaben II, 1953, S. 396–415;
    Josef Edmund Jörg, ebd. IV, 1955, S. 395–429;
    Franz Ludwig v. Bau|mann, ebd. VI, 1958, S. 468–94;
    „Die Aufarbeitung unserer Vergangenheit“, unsere Aufgabe, 1956;
    Die Vertretung d. Hl. Stuhles in München 1785–1934, 1960, in: Der Mönch im Wappen, Aus Gesch. u. Gegenwart d. kath. München, hg. v. M. Schattenhofer u. a., 1960, S. 419–94;
    Die staatskirchen- u. kirchenrechtl. Behandlung d. gemischten Ehen im bayer. Herrscherhause 1804–1842, in: Bayern, Staat u. Kirche, Land u. Reich, Wilhelm Winkler z. Gedächtnis, hg. v. d. staatl. Archiven Bayerns, 1961, S. 110–80;
    Die bayer. Vfg. v. 1818 im Spiegel d. Gesandtenber., in: 150 J. bayer. Vfg., hg. v. A. Goppel u. a., 1968, S. 34–52;
    Die Volksstimmung im Dritten Reich im Spiegel d. Geh.ber. des Reg.präs. v. Schwaben, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben, 1972, S. 1–58;
    Die UNRRA-Univ. in München 1945–1947, in: Archival. Zs. 75, 1979, S. 281–301;
    Die obersten Staatsbehörden, in: Hdb. d. bayer. Ämter, Gemeinden u. Gerichte 1799–1980, hg. v. W. Volkert, S. 11–22.

  • Quellen

    Qu Bayer. HStA: Nachlass Z.; Gen.direktion d. Staatl. Archive Bayerns, Registratur Personalakt.

  • Literatur

    |Archive, Gesch.–Bestände–Technik, Festgabe f. B. Z. [z. 60. Geb.tag], 1972 (P);
    Gesch. u. Archive, B. Z. z. 1.11.1977, 1977 (P);
    W. Jaroschka, in: Nachrr. aus d. Staatl. Archiven Bayerns, Nr. 25, 1983;
    ders., in: ZBLG 47, 1984, S. 911 f.

  • Porträts

    |Photogrr., Abb. in Festgabe, 1972 u. Gesch. u. Archive, 1977, jeweils vor d. Innentitel (s. L).

  • Autor/in

    Joachim Wild
  • Zitierweise

    Wild, Joachim, "Zittel, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 737-739 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143050.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA