Ziesenis

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Ziesenis, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143033.html [27.01.2026].

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  • Ziesenis

    |Künstlerfamilie aus Hannover. (katholisch und lutherisch)

  • Biographie

    Die Z. waren seit dem frühen 18. Jh. über drei Generationen als Bildhauer und Porträtmaler tätig. Am Beginn steht Johann Conrad (1671–1727), ältester Sohn des Zeug- und Schreibschulmeisters Dietrich (um 1648–98) und dessen zweiter Frau Anna Catrina Lohmann (1644–1720). Johann Conrad ist als Bildhauer in Hannover nachweisbar, wo er 1710 den Bürgereid leistete. 1715 wurde er für Arbeiten am Hausgerät in Schloß Herrenhausen entlohnt; nachweisbare Werke sind nicht erhalten.

    Sein jüngerer Bruder Johann Georg d. Ä. (Johann Jürgen, Hans) (1680–1748) ging bereits in jungen Jahren nach Kopenhagen, wo er 1709 das Bürgerrecht erhielt. Er war als Porträtmaler, vermutlich vorwiegend als Kopist, für den dän. Hof tätig. Aufträge für Porträts der Königsfamilie sind zwischen 1721 und 1747 archivalisch nachweisbar, es haben sich jedoch keine Werke erhalten. Die von Chri|stian Ludwig v. Hagedorn (1712/13–80), dem sächs. Gesandten am kurfürstlichen Hof, Kunsttheoretiker und Sammler, überlieferte Vermutung, daß Johann Georg für Balthasar Denner (1685–1749) die Gewänder gemalt haben soll, ist nicht belegt.

    Johann Georgs Söhne, Johann Georg d. J. (1716–76) und Christian Friedrich (um 1727–92), waren wie ihr Vater als Porträtmaler tätig. Während Johann Georg (s. u.) als Hofmaler in Mannheim und Hannover Karriere machte, war sein jüngerer Bruder Christian Friedrich in bescheidenerem Maße in Büdingen tätig.

    Maria Elisabeth (1744–96), die Tochter von Johann Georg d. J., wurde als Miniatur- und Porträtmalerin bekannt. Sie wurde von ihrem Vater ausgebildet, dem sie nach dem Tod der Mutter 1771 auch den Haushalt führte. Ende 1774 hielt sie sich zu Studienzwecken in Mannheim auf. Als Mitglied der Mannheimer Zeichnungsakademie wird sie jedoch nicht geführt. Vermutlich schulte sie sich, wie bereits ihr Vater, durch das Kopieren von Werken aus der kurfürstlichen Gemäldegalerie.

    Nach dem Tod ihres Vaters heiratete Elisabeth 1776 den kgl. Leibchirurgen Johan Bodo Lampe (1738–1802) in Hannover. 1780 reichte sie für die Ausstellung der Kasseler Akademie „ihr frey und meisterhaft gezeichnetes Bild“ ein, wie Johann Georg Meusel berichtet.

    Zu den wichtigsten ihr zugewiesenen Werken gehören eine Miniatur der engl. Kgn. Sophie Charlotte (1761, Hannover, Hist. Mus.) und die Pastellbildnisse des Ehepaars Pichelieu (um 1765/70, Niedersächs. Landesmus. Hannover).

    Johann Conrads jüngster Bruder Johann Heinrich Ludwig (1686–1765) war ebenfalls als Bildhauer in Hannover tätig. Über sein Leben und seine Werke ist nichts weiter bekannt.

    Dessen Sohn Johann Friedrich Blasius (1715–87) jedoch erlangte als hann. Hofbildhauer regionale Bekanntheit. Er begann seine Ausbildung zum Holz- und Steinbildhauer wohl zunächst bei seinem Vater in Hannover und setzte sie später bei dem Bildschnitzer Ernst Dietrich Bartels (1679–1762) in Hildesheim fort. Hier kam es 1731 zur Begegnung mit dem Mannheimer Bildhauer Paul Egell (1691–1752), dem er vermutlich zur weiteren Ausbildung nach Mannheim folgte. Seit Mitte der 1740er Jahre ist Johann Friedrich mit Werken im niedersächs. Raum um Hannover, Göttingen und Hildesheim nachweisbar. 1743 schuf er für den Hildesheimer Dom die Alabaster-Figuren am Altar der Georgskapelle. 1746 erhielt er das Bürgerrecht in Hannover, 1747 wurde er zum Hofbildhauer ernannt und erhielt ein Stipendium, um sich lt. den Hofbestallungsakten in Paris „unter dem berühmten Bouchardon zu perfectionieren“. Trotz seiner Stellung als Hofbildhauer arbeitete Johann Friedrich Blasius vorwiegend für kirchliche Auftraggeber, da am hann. Hof aufgrund der Personalunion mit England kaum höfisches Leben stattfand. Johann Friedrich Blasius schuf eine bedeutende Anzahl einachsiger Kanzelaltäre eigener stilistischer Prägung, u. a. für die Kreuzkirche und die Neustädter Kirche in Hannover, von denen jedoch ein Großteil im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Zu seinen Hauptwerken zählt das Epitaph für den Landdrosten Johann Georg v. dem Bussche (um 1746), welches sich ehemals in der Marktkirche Hannover befand (die erhaltene Figur des Chronos heute im Niedersächs. Landesmus. Hannover). Zu den weiteren erhaltenen Werken gehören ein Johannes der Täufer (Holz, 1753), ehemals St. Lamberti in Hildesheim (heute Städt. Mus. Hildesheim), der Kanzelaltar St. Petri-Kirche in Göttingen-Grone (1754), ein Christus an der Geißelsäule (Alabaster, 1766; Hildesheim, Domschatz) sowie die Kanzelaltäre der St. Martins-Kirche Hoya (1755), der St. Martini-Kirche Seelze (1767) und der Liebfrauenkirche in Neustadt am Rübenberge (1787).

    Johann Friedrichs Neffe Anton (Anthonie) (1731–1801) wurde zum Begründer einer eigenständigen niederl. Künstlergeneration.

    Nach der Ausbildung bei seinem Onkel ließ er sich zunächst in Hamburg nieder und ging 1758 nach Amsterdam, wo er als einer der Direktoren der Amsterdamer Zeichenakademie und Stadtbildhauer bis zu seinem Tode tätig war.

  • Quellen

    Qu J. G. Meusel, Miscellaneen artistischen Innhalts, 1785, XXIV, S. 349; Ch. L. v. Hagedorn, Betrachtungen über d. Mahlerey, 2 Bde., Leipzig 1762.

  • Literatur

    |ADB 45;
    F. Bleibaum, Bildschnitzerfamilien d. hann. u. hildesheim. Barock, 1924;
    Hann. Rokoko, Johann Friedrich, Johann Georg, Elisabeth Z., bearb. v. G. van der Osten, Ausst.kat. Landesmus. Hannover 1937;
    L. Bobé, Zu Johann Jürgen Z., in: Kunstmuseets Aarskrift 28, 1941, S. 141 f.;
    H. Zimmermann, Hann. Bildhauer zw. 1550 u. 1750, in: Hann. Gesch.bll. NF 12, 1959, S. 261–358;
    ders., Die Malerin Elisabeth Z., ebd. NF 14, 1960/61, S. 143–48;
    K. Dielmann, Zur Person d. Malers Christian Friedrich Z., in: Hanauer Gesch.bll. 20, 1965, S. 313–16;
    U. Müller, Die Gestaltung d. einachsigen Kanzelaltars durch Johann Friedrich Blasius Z., in: Niederdt. Btrr. z. Kunstgesch. 11, 1972, S. 155–64 (W-Verz.);
    J. Rasmussen, Egell u. Z., in: Jb. d. Hamburger Kunstslgg. 21, 1976, S. 155–64;
    A. v. Rohr, Vater u. Tochter Z., in: Heimatland, H. 2, März 1983, S. 40–44;
    K. Schrader, Der Bildnismaler Johann Georg Z. (1716–1776), Leben u. Werk mit|krit. Œuvrekat., 1995 (mit W-Verz. zu Johann Georg d. J., Christian Friedrich u. Elisabeth);
    V. Gerhard, Elisabeth Z., in: Aufgedeckt–Malerinnen im Umfeld Tischbeins u. d. Kasseler Kunstak. 1777–1830, 2016, S. 47;
    Mathias Zisenis, Anthonie Z. u. Söhne, Bildhauer u. Architekten in Amsterdam, 2019;
    ThB;
    N. Jeffares, Dict. of pastellists before 1800, 2006 (zu Elisabeth Ziesenis);
    H. Thielen, Ziesenis, (1) Johann Conrad;
    Ziesenis, (2) Johann Friedrich Blasius;
    Ziesenis, (3) Johann Georg d. J.;
    Ziesenis, (4) Maria Elisabeth, verh. Lampe, in: Stadtlex. Hannover.

  • Porträts

    P zu Elisabeth: Bildnis d. Künstlerin an d. Staffelei v. Johann Georg Z., um 1769 (Statens Mus. for Kunst, Kopenhagen).

  • Autor/in

    , Karin Schrader
  • Familienmitglieder

  • Zitierweise

    Schrader, Karin, "Ziesenis" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 689-692 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143033.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA