Lebensdaten
1712 oder 1713 bis 1780
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Kunsttheoretiker ; Kunstsammler und Radierer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118908154 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hagedorn, Christian Ludwig von
  • Hagedorn, Christian L. von
  • Hagedorn, Christian Ludwig de

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Hagedorn, Christian Ludwig von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118908154.html [17.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hans Statius (1668–1722), dän. Konferenz- u. Staatsrat, Gesandter beim Nd.sächs. Kreis in H., S d. dän. Majors Joh. Ernst (* 1637, 1676 b. Lund) u. d. Margarethe Roitze; M Anna Maria (1676–1732), T d. Kaufm. Joachim Schomaker (1637–80) in H. u. d. Maria Elis. Fock;
    B Friedrich (s. 2);
    Vt Seneca Christophersen v. H. ( 1750), dän. Admiral; - ledig.

  • Leben

    H. trat nach seiner Ausbildung in Hamburg 1735 in kursächsische Dienste und wurde zwei Jahre später Legationsrat in Wien. 1740 ging er mit Heinrich Graf Bünau nach Mainz und war dort 1743/44 wiederum als Legationsrat tätig. Weitere Stationen seines diplomatischen Dienstes waren Mannheim, Düsseldorf und Bonn. Er wurde dann nach Dresden zurückberufen. Auf seinen Reisen hatte H. sich, vor allem während seines Aufenthaltes am Rhein (1743–45), mit dem Zeichnen und Radieren von Landschaften beschäftigt und Gelegenheit gehabt, Gemälde zeitgenössischer Künstler sowie neuere und ältere Graphik zu sammeln. Auf diese Weise in mancherlei Kunstkenntnis erfahren, veröffentlichte er 1755 die Beschreibung seiner Sammlung in der „Lettre à un Amateur de la Peinture avec des Éclaircissements historiques sur un Cabinet“. 1762 folgten die „Betrachtungen über die Malerei“. Mit dem Titel eines Geheimen Legationsrats wurde H. 1764 Direktor der Kunstakademie und der Galerie in Dresden (als den ihn der junge Goethe besuchte). Damals nahm er 2 Jahre lang seine Arbeit als Landschaftsradierer wieder auf. Über die von ihm erstmals 1765 veranstaltete Gemäldeausstellung der Akademie berichtete H. bis 1774 in der „Bibliothek der schönen Wissenschaften und Künste“.

    In seinen Schriften trägt H. eine selbständige Kunstansicht vor, nach der das Kolorit in der Malerei der Natur entsprechen, die Zeichnung aber von der Antike genommen werden soll. In verwandtem Sinne hofft er, daß sich mit der Zeit die niederländische Genre- und Farbenkunst mit dem klassischen Stil Italiens werde vereinigen lassen. Das echte Kunstwerk, so ist die Meinung H.s, zeigt die gefühlsmäßige Verbundenheit des Künstlers mit seinem Werk. Dieses ist für den Betrachter ein Gegenstand der Empfindung, die Malerei ein „Mittel zur Bildung des Herzens“, die die Schönheit belebende Anmut jedoch die Seele der Kunst. H. hat Gefallen an den „Gesellschaftsgemälden“ des Rokoko. Und obgleich zu seiner Zeit die Entwicklung der Landschaftsmalerei ihren Höhepunkt überschritten hat und zur Vedutenmalerei übergeht, versteht er es, wohl als erster, Landschaftsbilder ästhetisch zu würdigen. Da er Blätter Dürers und Cranachs gesammelt hat und sogar über die Brüder van Eyck zu berichten weiß, Raffael aber als den Höhepunkt aller Kunst bewundert, ist für ihn eine Sammlung, jede Galerie eine redende Geschichte der Kunst. Es scheint, daß er aus den historischen Schemata des G. B. Vico seine Gedanken vom Wachstum und Verfall der Künste übernommen hat. Die verlorene Einheit von Kunst und Handwerk wünschte H., gebunden an die merkantilistischen Ideen seiner Zeit, durch Förderung einheimischer Kräfte und durch Ausbreitung des guten Geschmacks in Fabriken und Manufakturen wiederzugewinnen. Sein Amt, seine Urteile und seine Fähigkeiten, nicht weniger die plaudernde Schriftstellerei charakterisieren H. als einen Hofmann des Rokoko, dessen Denken bürgerlich-historisch wird. Zwar reicht H. nicht an die fordernden Grundsätze eines J. J. Winckelmann, der 1755 seine erste Schrift veröffentlichte, heran, dennoch ist er für den Geschmack seines Standes und seiner Zeit bedeutungsreich.

  • Werke

    Weitere W Briefe üb. Kunst v. u. an H., hrsg. v. T. Baden, Leipzig 1797.

  • Literatur

    ADB X;
    Goethe, Dichtung u. Wahrheit, in: Artemis-Ausg. Bd. 10, 1948, S. 355 f.;
    C. Justi, Winckelmann u. seine Zeitgenossen I, 21898, S. 325-32;
    M. Stübel, Ch. L. v. H., 1912 (P);
    W. Waetzold, Dt. Kunsthistoriker I, 1924, S. 94-103;
    ThB.

  • Portraits

    v. A. Graft, 1772 (Leipzig, Univ.-Bibl.;
    Foto Marburg), Abb. b. Rave;
    H. W. Singer, Allg. Bildniskat., 1931, Nr. 35989-96.

  • Autor/in

    Wolfgang Freiherr von Löhneysen
  • Empfohlene Zitierweise

    Löhneysen, Wolfgang Freiherr von, "Hagedorn, Christian Ludwig von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 465 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118908154.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hagedorn: Christian Ludwig von H., Bruder des Dichters, Kunstfreund und Radirer, geb. zu Hamburg den 14. Febr. 1713, gest. zu Dresden am 24. Jan. 1780. Als Sohn eines dänischen Etatsrathes erhielt er die sorgfältigste Erziehung, studirte an den Universitäten Halle und Jena und entschied sich für die diplomatische Laufbahn. Zur Kunst hatte er schon frühzeitig, besonders durch seine kunstübende Mutter Anregung erhalten, doch übte er sie mehr zum Vergnügen. Er malte artige Landschaften und versuchte sich auch mit der Radirnadel. Seine radirten Landschaften wurden früher sehr bewundert; heutzutage werden sie selten, weil sie nicht mehr gesucht werden. Größeres Verdienst um die Kunst hat sich H. in seiner Stellung als Director an der Dresdner Kunstakademie erworben, wozu ihn der Kurfürst Friedrich Christian von Sachsen ernannt hatte. H. ist auch als Kunstschriftsteller thätig gewesen; seine Schriften: „Lettre à un amateur“, 1755 und „Betrachtung über die Malerei", 1762 haben bei ihrem Erscheinen großes Aufsehen gemacht und letztere Schrift wurde durch Huber auch ins Französische übersetzt. Als Curiosum sei erwähnt, daß der Künstler von Basan und Strutt „Versuch“ genannt wird. Man nahm die Inschrift auf dem Titelblatt seiner radirten Landschaften: „Versuche“ für den Namen des Künstlers.

    • Literatur

      Hamb. Künstlerlexikon.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Hagedorn, Christian Ludwig von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 325 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118908154.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA