Wulf, Friedrich
- Lebensdaten
- 1908 – 1990
- Geburtsort
- Düsseldorf
- Sterbeort
- München
- Beruf/Funktion
- Jesuit ; geistlicher Schriftsteller
- Konfession
- katholisch
- Namensvarianten
-
- Wulf, Fritz
- Wulf, Friedrich Clemens
- Wulf, Friedrich
- Wulf, Fritz
- Wulf, Friedrich Clemens
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- Ballof, Johanna Dominica/Ordensname
- Balthasar, Hans Urs von
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- Benedikt XVI.
- Biser, Eugen
- Bleienstein, Heinrich
- Brunner, August
- Dannenbauer, Heinrich
- Döpfner, Julius
- Ignacio
- Leiprecht, Carl Joseph
- Lippert, Peter
- Przywara, Erich
- Rahner, Hugo
- Rahner, Karl
- Schlier, Heinrich
- Severus, Emmanuel von
- Steger, Albert
- Steinbüchel, Theodor
- Sudbrack, Josef
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Wulf, Friedrich (Fritz) Clemens
| Jesuit, geistlicher Schriftsteller und Publizist, Konzilsberater, * 18.6.1908 Düsseldorf, † 2.5.1990 München, ⚰ Pullach bei München, Ordensfriedhof der Jesuiten.
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Genealogie
V →Friedrich (1876–1960), Schuhmacher in D.;
M Maria Ahrens (1880–1955);
3 Geschw u. a. →Hans (1907–68), SJ, →Maria Hölters (1910–1989), CDU-Pol., 1955–80 LT-Abg. in NRW. -
Biographie
W. wuchs in einem kath. Elternhaus in Düsseldorf auf, wo ihn auch der „Bund Neudeutschland“ religiös prägte. 1918–27 besuchte er die altsprachliche Hindenburgschule (heute Humboldtgymn.) in Düsseldorf und trat einen Monat nach dem Abitur 1927 mit seinem Bruder Hans in ’s-Heerenberg in die Niederdt. Provinz der Jesuiten ein. An der Hochschule der dt. Jesuiten in Valkenburg (Niederl.) studierte er 1929–32 Philosophie und 1935–39 Theologie (Priesterweihe 1938, letzte Gelübde Hannover 1944). 1932–35 war er als Erzieher am Jesuitenkolleg Bad Godesberg eingesetzt. W.s Vorhaben, ein Spezialstudium im Fachbereich Spiritualität an der Gregoriana in Rom aufzunehmen, scheiterte kriegsbedingt, so daß er 1939/40 in Münster studierte und 1940/41 dort ein ordensinternes Jahr der Ausbildung (Tertiat) absolvierte.
Danach zum Kriegsdienst eingezogen, wurde er seit Juni 1942 an der Ostfront eingesetzt, zuletzt als Sanitätssoldat. Noch im selben Jahr ging W. zum Studium der Geschichtswissenschaft, Germanistik und Moraltheologie an die Univ. Tübingen, wo er eine prägende Freundschaft mit →Theodor Steinbüchel (1888–1949) schloß. 1946 wurde W. bei dem kirchen- und jesuitenkritischen →Heinrich Dannenbauer (1897–1961) mit der Arbeit „Beruf und Berufsethos der Laien in der Karolingerzeit, Kirchliche Idee und Wirklichkeit“ (1946) zum Dr. phil. promoviert.
Noch vor Abschluß der Dissertation war W. mit der Neuherausgabe der „Zeitschrift für Aszese und Mystik“ beauftragt worden, die →Heinrich Bleienstein SJ (1884–1960) 1926–44 geleitet hatte. W. lebte seit April 1946 in München und führte das Periodikum seit Mai 1947 unter dem von →August Brunner SJ (1894–1985) inspirierten, neutestamentlichen Titel „Geist und Leben“ fort. Er setzte damit ein Signal, daß Spiritualität theologisch fundiert sein müsse und sich nicht in Aszese und Mystik erschöpfen dürfe. Ziel war die Überwindung eines einseitigen, inhumanen Aszetismus und Moralismus. Impulse für seine theologisch-anthropologische Konzeption einer zeitgemäßen Spiritualität erhielt W. von seinen Mitbrüdern Brunner, →Erich Przywara (1889–1972) und →Karl Rahner (1904–1984).
W. galt als Einzelkämpfer und Perfektionist.
Seit 1962 konnte er sich auf →Josef Sudbrack SJ (1925–2010) als Mitarbeiter stützen, der ihn 1979 als Chefredakteur ablöste. Zu W.s Autoren gehörten u. a. Karl und →Hugo Rahner SJ (1900–1968), →Hans Urs v. Balthasar (1905–88), →Joseph Ratzinger (1927–2022), →Heinrich Schlier (1900–1978), →Emmanuel v. Severus OSB (1908–1997), →Eugen Biser (1918–2014) und →Corona Bamberg OSB (1921–2018). W. gab Exerzitien, war ein gefragter Referent, wurde Berater von Bischöfen und Ordenskapiteln und gehörte von 1970 bis zu seinem Tod dem Kuratorium des „Beratungsdienstes für kirchliche Berufe“ im Bereich der Freisinger Bischofskonferenz an. Der Rottenburger Bf. →Carl Joseph Leiprecht (1903–1981) berief ihn 1962 zu seinem Berater auf dem 2. Vatikan. Konzil, wo W. ab der dritten Session auch offizieller Konzilsberater (Peritus) war und u. a. Kard. →Julius Döpfner (1913–1976) zuarbeitete. Zudem gehörte er der Kommission für Dienst und Leben des Priesters an. 1968 gründete W. mit →Johanna-Dominica Ballof (1891–1978) in München das Institut der Vereinigung der Ordensoberen Deutschlands (VOD), das sich der theologischen und geistlich-humanen Fortbildung von Ordensfrauen in München widmete und so half, die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens nach dem 2. Vatikanum zu forcieren. 1971–75 war er Mitglied in zwei Sachkommissionen der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik, 1974/75 Delegierter der 32. Generalkongregation der Jesuiten in|Rom, was er als Höhepunkt seines Ordenslebens empfand.
W.s schriftstellerische Tätigkeit und seine Beiträge im „Handbuch der Pastoraltheologie“, in „Mysterium Salutis“ und im „Staatslexikon“ fanden ebenso weite Beachtung wie seine Konzilskommentare zum Ordensdekret „Perfectae caritatis“ (1965), an dem er wesentlich mitschrieb, zu den Kapiteln 1–6 und 12–16 des Priesterdekrets „Presbyterium ordinis“ (1965) sowie zur Kirchenkonstitution „Lumen gentium“ (Kap. 5/6) (1965). 1978 gab er den Kommentarband „Nachfolge als Zeichen“ zum Synodenbeschluß über Orden und geistliche Gemeinschaften heraus.
W. engagierte sich für die theologische Erneuerung des Ordenslebens und eine anthropologisch fundierte Spiritualität und machte mit Jesuiten wie den Brüdern Rahner, →Peter Lippert (1879–1936) und →Albert Steger (1884–1958) den mystischen →Ignatius von Loyola gegenüber einem aszetisch Verzeichneten wieder stark. Enormes Aufsehen erregte er mit einem anonym veröffentlichen Artikel über „Zeitgemäße Anpassung der weiblichen Orden und Genossenschaften und die Nachwuchsfrage“ (Geist u. Leben 34, 1961, S. 129–40), worin er er die traditionelle Begründung und Deutung des Ordenslebens, besonders monastische Gewohnheiten bzw. Skurrilitäten, kritisierte und Anpassungen forderte.
Sach- und Glaubenswissen müßten durch Erfahrungswissen gedeckt sein, war W.s Credo, das johanneische „Geist und Leben“ und das ignatianische „Gott suchen und finden in allen Dingen“ die beiden Pole seiner Ordensexistenz.
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Werke
|Ignatius v. Loyola, Seine geistl. Gestalt u. sein Vermächtnis, 1556–1956, 1956 (Hg.);
Geistl. Leben in d. heutigen Welt, Gesch. u. Übung d. christl. Frömmigkeit, 1960;
Zeitgemäße Erneuerung d. Ordenslebens, Dok. d. Zweiten Vatikan. Konzils, Einf. u. Erl. v. F. W. SJ, 1968, Sonderdr.;
L. Bertsch u. a. (Hg.), Gemeinsame Synode d. Bistümer in d. Bundesrep. Dtld., Offizielle Ges.ausg., 1976/77, Neuausg. 2012;
Nachfolge als Zeichen, 1978 (Hg. mit C. Bamberg u. A. Schulz);
Mitten unter den Menschen, Spiritualität, Aufgaben u. Probleme d. Priester u. Ordensleute heute, 1979;
Gott begegnen in d. Welt, Erfahrungen d. Glaubens, 1988;
Dialektik v. Mystik u. Dienst b. Ignatius v. Loyola, in: M. Sievernich u. G. Switek (Hg.), Ignatianisch, Eigenart u. Methode d. Ges. Jesu, 1990, S. 54–74;
– Nachlaß: Archiv d. Zentraleurop. Prov. SJ, München;
Karl-Rahner-Archiv, München (P). -
Literatur
|H. Schlier u. a. (Hg.), Strukturen christl. Existenz, Btrr. z. Erneuerung d. geistl. Lebens, Festgabe f. P. F. W. z. 60. Geb.tag, 1968 (W);
A. Kronenberger, Das Inst. d. Vereinigung d. Ordensoberinnen Dtld.s in München, in: Geist u. Leben 53, 1980, S. 450–52;
A. R. Batlogg, in: Ordensnachrr. (Wien) 27, 1988, H. 4, S. 79 f.;
P. Imhof, in: Geist u. Leben 63, 1990, S. 241 f.;
C. Bamberg, Wer war P. F. W.?, Ein Porträt, ebd., S. 243–56;
dies., Was ich noch sagen wollte, Rückblick e. Benediktinerin, in: Stimmen d. Zeit 229, 2011, S. 267–75;
J. Herberg, Erinnerungen an F. W., in: Christ in d. Gegenwart 42, 1990, S. 172;
L. Ä. Schulte, Aufbruch aus d. Mitte, Zur Erneuerung d. Theol. christl. Spiritualität im Spiegel u. Werk F. W.s SJ (1908–1980), 1998;
ders., Pater F. W. SJ u. sein Einfluß auf Entwicklung u. Rezeption d. Ordensdekretes „Perfectae Caritatis“, in: Geist u. Leben 72, 1999, S. 212–24;
A. Schönfeld (Hg.), Spiritualität im Wandel, Leben aus Gottes Geist, FS z. 75. Jg. v. „Geist u. Leben“, 2002 (darin: A. R. Batlogg, Eine Kriegsehe, Zu e. „Episode“ aus d. Gesch. d. Red. „Zs. f. Aszese u. Mystik, S. 387–94;
W, S. 417);
K. Schatz, Gesch. d. dt. Jesuiten, Bd. 4, 2013;
Personenlex. 2. Vatikan. Konzil;
LThK³;
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L). -
Autor/in
Andreas R. Batlogg , SJ -
Zitierweise
Batlogg SJ, Andreas R., "Wulf, Friedrich (Fritz) Clemens" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 534-535 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142982.html#ndbcontent