Lebensdaten
1879 – 1936
Geburtsort
Altenricht bei Amberg (Oberpfalz)
Sterbeort
Locarno
Beruf/Funktion
Jesuit ; Rundfunkprediger ; Schriftsteller ; Seelsorger ; Katholischer Theologe ; Autorenlesung
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118640593 | OGND | VIAF: 15562960
Namensvarianten
  • Lippert, Peter
  • Lippert, Pedro
  • Lippert, Pether

Objekt/Werk(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lippert, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118640593.html [25.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Peter ( 1895), Bauer in Altenricht;
    M Rosina ( 1901), T d. Bauern Johann Scharf in Trisching.

  • Biographie

    L. trat nach dem Abitur in Amberg 1898 in das Regensburger Priesterseminar ein und begann 1899 das Noviziat bei der Societas Jesu in Feldkirch (Vorarlberg). Nach dem üblichen Ausbildungsgang des Ordens (seit 1902 philos. und theolog. Kurs in Valkenburg/Niederlande) empfing er 1909 die Priesterweihe. Nach dem Terziat (1910/11) widmete er sich – neben Aufsätzen in Zeitschriften (besonders in „Die Seele“ und in „Stimmen der Zeit“) – religiösen Vorträgen, für die er sein Publikum in den allgemein-kulturellen Zentren der Großstädte suchte. Weiten Kreisen wurde L. seit 1930 durch seine unkonventionellen Rundfunkpredigten bekannt. Seine eigentlich geistliche Ausstrahlung ging von den von ihm geleiteten Exerzitien und der Einzelseelsorge aus, die er seit 1922 aus gesundheitlichen Gründen einschränken mußte. Der literarische Niederschlag dieser pastoralen Gespräche „Von Seele zu Seele, Briefe an gute Menschen“ (1924) erschien bis 1940 in 41 Auflagen (421959). Der Gedanke an ein eigenes „Ordensprojekt“ (1918), an eine formal lose, aber von einer elitären Spiritualität getragene Gemeinschaft, begleitete ihn bis zu seinem Tod (Einsam und gemeinsam, 1936, ⁷1959). 1928 kam es zu einer Krise wegen Zensuren durch den Orden, der 1929/30 einen sechsmonatigen Aufenthalt im röm. Bellarminkolleg verfügte. Das in dieser Zeit verfaßte Werk „Die Kirche Christi“ (1931, ³1956) nannte L., der sich in all seiner Individualität, wenn auch mit Problemen (Briefe in ein Kloster, 1932), in seinen Orden einfügte, ein „Schmerzensbuch“. Seit 1929 verordneten die Oberen Winteraufenthalte in der Schweiz (Engadin, Locarno, Arosa) und in Südtirol (Meran). Die Fragen der Theodizee und das Thema der andauernden Weltzeit bis zur Vollendung der Erlösung in der Wiederkunft Christi beschäftigten L. während wachsender geistlicher Bedrängnis seit dem Buch „Aus dem Engadin, Briefe zum Frohmachen“ (1929, ²1949) in seinen Publikationen, besonders in „Der Mensch Job redet|mit Gott“ (1934) und in dem Essay „Sicherungen?“, der im Todesmonat des Autors in den „Stimmen der Zeit“ erschien. L. kann sich den harmonisierenden „Alleserklärern“ nicht anschließen, am wenigsten denen, „die Dich rechtfertigen und herausreden bei allem, was Du tust. Ich gestehe Dir lieber, daß ich Dich nicht verstehe …“ (so der „Mensch Job“). L.s Klage gilt aller Kreatur und ihrem „brüllenden Schmerz“. Daß der Mensch den Weg des Erlösers gehen muß, immer wieder, und daß er ihn verfehlen kann, dies nennt L. „die Tragik unserer Erlösung“. „Die Welt geht schwanger“ mit dem Geheimnis Gottes, bis es endlich zutage tritt. Die Eschatologie ist ein frühes Thema bei L., und ein nicht mehr geschriebenes Buch sollte den Titel tragen: „Ein Fenster fängt zu wandern an“. Der Versuch, L.s Schriften nach dem Zweiten Weltkrieg wieder bekannt zu machen, blieb erfolglos. Die hymnische Gottseligkeit, in welche die dunklen Fragen dieses frommen Mannes schließlich münden, ist in ihrer Sprache heute kaum mehr nachzuvollziehen. Gleichwohl nimmt L. in der Geschichte der modernen christlichen Spiritualität eine wichtige Stelle ein.

  • Werke

    Weitere W u. a. Zur Psychol. d. Jesuitenordens, 1912;
    Credo, 6 T., 1916–23, ³1955;
    Stimme im Rundfunk, 4 Bde., 1932 f., ²1953;
    Die sieben Worte Jesu am Kreuz, 1937, ⁵1952;
    A. Wurm (Hrsg.), P. L. zum Gedächtnis, Selbstzeugnisse u. Erinnerungen, 1937;
    Worte von Mensch zu Mensch, Ausw. v. C. Winterhalter, 1978.

  • Literatur

    J. Kreitmaier, P. L., d. Mann u. s. Werk, 1938, ²1939 (P);
    H. Schwander, P. L., Sprache u. Weltbild, 1951;
    F. Boesmiller, P. L., 1962;
    J. M. Nielen, in: Begegnungen, 1966;
    K. Rahner, Vorwort zu Worte v. Mensch zu Mensch, s. W;
    O. Köhler, Homo patiens - Deus patiens, in: Stimmen d. Zeit 8, 1979, S. 519-31;
    L. Koch, Jesuiten-Lex., 1934;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    LThK².

  • Porträts

    Gem. v. L. Samberger, 1931 (beim Brand d. Münchener Glaspalastes vernichtet), Abb. b. Kreitmaier, s. L;
    Phot., 1922 (Archiv d. Jesuitenhochschule, München).

  • Autor/in

    Oskar Köhler
  • Zitierweise

    Köhler, Oskar, "Lippert, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 660-661 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118640593.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA