Wolfstein, Rosi( geborene)

Lebensdaten
1888 – 1987
Geburtsort
Witten/Ruhr
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
sozialistische Politikerin ; KPD-Funktionärin
Konfession
jüdisch
Namensvarianten

  • Wolfstein, Alma Rosalie
  • Frölich, Rosi( verheiratete)
  • Koch, Marta( Tarnname)
  • Wolfstein, Rosi( geborene)
  • wolfstein, rosi
  • Wolfstein, Alma Rosalie
  • Frölich, Rosi( verheiratete)
  • frölich, rosi
  • Koch, Marta( Tarnname)
  • koch, marta
  • Coch, Marta( Tarnname)

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Zitierweise

Wolfstein, Rosi( geborene), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142960.html#indexcontent [28.04.2026].

CC0

  • Wolfstein, Alma Rosalie (Rosi), verheiratete Frölich (Tarnname Marta Koch)

    | sozialistische Politikerin, KPD-Funktionärin, * 27.5.1888 Witten/Ruhr, † 11.12.1987 Frankfurt/Main, ⚰ Frankfurt/Main. (jüdisch)

  • Genealogie

    V Samuel (1839–1901), Kaufm.;
    M Klara Adler (1851–1931);
    1 B Paul (1884–1918), 2 Schw Wilhelmine (1886–1942 KZ Auschwitz), Berta (1891–1942 KZ Auschwitz);
    1948 Paul Frölich (1884–1953), aus Leipzig, Journ., Red. sozialist. Ztgg., Pol., Schriftst., Journ., 1902 Mitgl. d. SPD, 1918/19 Mitgründer d. KPD, Teilnehmer b. Gründungskongreß d. KPD, April 1919 Mitgl. d. Vollzugsrats d. Münchner Räterep., 1921–24 u. 1928–32 RT-Abg. (KPD), 1925 Mithg. d. Schrr. Rosa Luxemburgs, emigrierte 1934 n. Paris, 1939/40 inhaftiert, emigrierte 1941 in d. USA, kehrte 1950 n. F. zurück (s. Demokrat. Wege; Dt. Kommunisten; L).

  • Biographie

    W. besuchte das städtische Lyzeum in Witten, absolvierte bis 1905 eine kaufmännische Ausbildung, arbeitete kurzzeitig als Angestellte in einer Fabrik und anschließend als Kindermädchen. Seit ihrem Eintritt in den Frauen- und Mädchen-Arbeiterbildungsverein Hagen 1907 engagierte sie sich politisch|und trat 1908 in die SPD, 1910 in den Zentralverband der Angestellten (ZdA) ein. 1910 traf sie Rosa Luxemburg, deren Schülerin sie 1912 an der Parteischule der SPD in Berlin wurde. W. entwickelte als Wahlkampfrednerin eine außerordentliche Präsenz und wurde in Polizeiberichten als gefürchtete „Agitatorin“ bezeichnet. 1914 wandte sie sich gegen die „Burgfriedenspolitik“ der SPD und die Zustimmung zu den Kriegskrediten und wurde als aktives Mitglied der Spartakusgruppe während des 1. Weltkriegs mehrfach inhaftiert, so Ostern 1916 als Teilnehmerin an der illegalen Jugendkonferenz in Jena und 1917 als Vertreterin der Spartakusgruppe am Gründungsparteitag der USPD in Gotha.

    Während der Novemberrevolution 1918 in Düsseldorf Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats, war sie an der Jahreswende 1918/19 Delegierte und Schriftführerin auf dem Gründungsparteitag der KPD in Berlin und 1920 dt. Delegierte am 2. Kongreß der Kommunistischen Internationale in Moskau. W. wurde 1920 Kandidatin und 1921 Mitglied der Zentrale und des Organisationsbüros der KPD, außerdem leitete sie die Parteiverlage. 1921–24 war sie Mitglied des Preuß. Landtags. Seit den 1920er Jahren war Paul Frölich ihr Lebensgefährte. Nach dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 trat W. wegen politischer Differenzen mit der ultralinken Führung um Ruth Fischer (1895–1961) von ihren KPD-Parteiämtern zurück. Seit 1928 war sie Lektorin im Malik-Verlag. Anfang 1929 als „Rechte“ aus der KPD ausgeschlossen, arbeitete sie bis 1932 in der Kommunistischen Partei (Opposition), dann in der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Im März 1933 flüchtete W. nach Belgien, 1936 nach Frankreich; in Paris gehörte sie der Auslandsleitung der SAP an. Im Jan. 1937 unterschrieb sie unter dem Pseudonym Marta Koch den Aufruf für eine Volksfront mit dem Ziel, Hitler zu stürzen. Stalins Sowjetunion war für W. eine bürokratische Diktatur, sie verurteilte entschieden die Moskauer Prozesse gegen die alten Bolschewiki.

    Nach Kriegsausbruch 1939 in Frankreich interniert, kam sie 1941 mit einem Notvisum gemeinsam mit Frölich nach New York. Ihre beiden Schwestern, die in Deutschland geblieben waren, wurden in Auschwitz und Litzmannstadt (Łódź) ermordet.

    W. hatte Paul Frölich bei der Herausgabe der Werke Rosa Luxemburgs seit 1919 unterstützt, sie arbeitete auch an der Biografie Luxemburgs mit, die 1939 unter Frölichs Namen in Paris erschien. Nach 1945 engagierten sich W. und Frölich mit anderen sozialistischen Emigranten in Wohlfahrtsorganisationen und unterstützten von den USA aus ihre in Deutschland lebenden Freunde. 1951 nach Deutschland zurückgekehrt, wohnten beide in Frankfurt/M. und schlossen sich der SPD an. Als Nachlaßverwalterin Frölichs bearbeitete W. nach 1953 mit wissenschaftlicher Akribie einige seiner Werke für Neuausgaben. Sie blieb politisch aktiv, unterstützte die Arbeiterwohlfahrt, Amnesty International und beteiligte sich am Aufbau der Industriegewerkschaft Druck und Papier.

  • Auszeichnungen

    |R.-W.-Ges., Witten (1991).

  • Werke

    |Paul Frölich, Rosa Luxemburg, Gedanke u. Tat, 3. Ausg., Durchsicht u. Bearb. v. Rose Frölich, Mit e. Nachw. v. I. Fetscher, 1967, Neuaufl. 1973;
    Rosi Frölich berichtet über ihre Begegnung mit Rosa Luxemburg, hg. v. d. Arb.gemeinschaft soz.demokrat. Frauen, 1987;
    Übers.: J. Barbash, Strategie u. Taktik d. amerik. Gewerkschaften, 1951.

  • Literatur

    |Sie wollte u. konnte nie etwas Halbes tun, Die Sozialistin R. W.-Frölich 1914 bis 1924, hg. v. d. R.-W.-Ges. Witten, bearb. v. F. Ahland u. B. Brunner, 1995;
    H. Weber, R. W, Eine zweite Rosa Luxemburg, in: Wittener, Biograf. Porträts, hg. v. F. Ahland u. M. Dudde in Zus.arb. mit d. StadtA Witten, 2000;
    R. Altieri, Luxemburg oder Lenin, Die unterschiedl. Positionen R. W.s u. Paul Frölichs z. Rev. in Rußland, in: Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hg.), Stud.reihe, Nr. 35, 2017, S. 3 f. (P);
    ders., Paul Frölich, American Exile, and Communist Discourse about the Russian Rev., in: American Communist Hist. 17, 2018, H. 2, S. 220–31;
    ders., R. W., Eine vergessene ,Ehefrau‘ d. dt. Sozialismusgesch., in: zeitgenossin, 2018, Nr. 4, S. 24 f.;
    ders., „Antifaschisten, das waren wir …“, R. W. u. Paul Frölich, Eine Doppelbiogr., 2022;
    Dt. Kommunisten.

  • Porträts

    |Photogr., um 1921 (StadtA Witten), Abb. in: R. Altieri, 2017, S. 4 (s. L);
    Photogr. v. A. Sander, 1928, Abb. in: A. Sander, Antlitz d. Zeit, sechzig Aufnahmen dt. Menschen d. 20. Jh., mit e. Einl. v. A. Döblin, 1929.

  • Autor/in

    Andreas Herbst
  • Zitierweise

    Herbst, Andreas, "Wolfstein, Alma Rosalie (Rosi), verheiratete Frölich (Tarnname Marta Koch)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 475-476 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142960.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA