Wolffsohn, David
- Lebensdaten
- 1855 oder 1858 – 1914
- Beruf/Funktion
- Holzhändler ; Präsident der Zionistischen Weltorganisation
- Konfession
- jüdisch
- Namensvarianten
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- Wolffsohn, David
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Wolffsohn, David
|Holzhändler, Präsident der Zionistischen Weltorganisation, geboren 9.10.1855, 1856 oder 1858 Darbėnai bei Kretinga (Gouvernement Kowno, Rußland, heute Litauen), gestorben 15.9.1914 Bad Homburg vor der Höhe, ⚰ Köln-Deutz, Jüdischer Friedhof, seit 1952 Jerusalem, Herzlbergfriedhof. (jüdisch)
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Genealogie
Aus litau. Lehrer- u. Rabbinerfam.;
V →Eisik, Lehrer u. Rabbiner in D.;
M Feige;
6 Geschw – ⚭ 1880 Frumet (Fanny) Judel (1860–1912), aus Rusnė b. Memel (Ruß) (Litauen). -
Biographie
W. wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Darbėnai (sog. Ansiedlungsrayon) auf und wurde religiös erzogen. Einer kaufmännischen Ausbildung folgte eine Anstellung im Holzhandel in Memel. In diese Zeit fiel ein enger Austausch mit →Isaak Rülf (1831–1902) und →David Gordon (1826/31–86), führenden Vertretern der osteurop. zionistischen Bewegung „Chibbat Zion“. 1884 übersiedelte W. nach Papenburg (Emsland), wo er mit →Phöbus Bernstein (1840–1914) das durch den Handel mit Osteuropa florierende Holzhandelsunternehmen „Bernstein & Wolffsohn“ gründete (seit 1888 in Köln), und erwarb dafür die preuß. Staatsbürgerschaft.
In Köln gehörte W. in den frühen 1890er Jahren u. a. mit →Max I. Bodenheimer (1865–1940) zu den Gründern der „Nationaljüdischen Vereinigung Köln“, die zum Grundstein der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ (1897) wurde, dem dt. Landesverband der „Zionistischen Organisation“ (ZO). Nach der Lektüre von →Theodor Herzls (1860–1904) Werk „Der Judenstaat“ (1896) reiste W. nach Wien und sagte Herzl die Unterstützung der Gruppe für dessen Ziele zu. 1897 nahm er am 1. Zionistenkongreß in Basel teil und trat in das vorbereitende Komitee der Jüd. Kolonialbank mit Sitz in London (Jewish Colonial Trust) ein, die als Finanzierungsinstrument für die jüd. Besiedlung Palästinas dienen sollte und als deren Präsident W. seit 1899 fungierte; Tochtergesellschaften wurden in Jaffa (1903), Jerusalem (1904) und Konstantinopel (1908) eröffnet. Aus der Filiale in Jaffa entwickelte sich nach 1948 die Bank „Leumi“, heute eines der größten Bankhäuser Israels.
Seit dem 1. Zionistenkongreß 1897 zählte W. zu den engsten Vertrauten Herzls, dessen visionäre Ideen er mit kaufmännischer Sorgfalt und rationaler Planung komplementierte und dem er als Vorlage für die Figur des David Littwak in dessen Roman „Altneuland“ (1902) diente. Zudem fungierte W. als Mittler zu den osteurop. Zionisten und war um Zusammenarbeit mit anderen jüd. Organisationen bemüht, um alle Kräfte für den Zionismus zu mobilisieren. 1898 reisten W. und Herzl mit einer zionistischen Delegation nach Palästina, um in einer Audienz von Ks. →Wilhelm II. (1859–1941) empfangen zu werden, der sich anläßlich der Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem befand. 1905, ein Jahr nach Herzls Tod, wurde W. als dessen Nachfolger zum Präsidenten der ZO gewählt (Wiederwahl 1909), die unter ihm eine tiefgreifende Neuorganisation erfuhr: Ihre Strukturen wurden demokratischer und die Arbeit auf realpolitische Ziele und Möglichkeiten ausgerichtet. So wurde etwa von der Absicht, eine eigene Staatsgründung öffentlich anzustreben, abgesehen und stattdessen die Eingliederung der Juden als Staatsbürger in das osman. Staatswesen propagiert. Zudem wurden wichtige Infrastruktureinrichtungen der ZO in Palästina geschaffen, etwa die Palestine Land Development Company (1908), das Palästina-Amt in Jaffa (1908) und die jüd. Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem (1906). Auch die Gründung der Stadt Tel Aviv fiel in W.s Amtszeit. Neben seiner Tätigkeit als Präsident, in deren Rahmen W. zahlreiche Auslandsreisen unternahm, engagierte er sich in jüd. Vereinen und der Synagogengemeinde Köln. 1911 trat er aus gesundheitlichen Gründen und wegen interner Machtkämpfe von seinem Amt zurück, behielt seine Posten in den Bankgremien und im Engeren Aktionskomitee der ZO aber bei.
W.s Nachfolger als Präsident wurde →Otto Warburg (1859–1938). Mit W.s Vermögen, das er fast vollständig der ZO vererbte, wurde der Bau der Jüd. National- und Universitätsbibliothek auf dem Jerusalemer Skopusberg finanziert.
Mit Herzl und Bodenheimer hatte W. eine Flagge als Raumschmuck für den ersten Zionistenkongreß entworfen, die 1948 zur Flagge des Staats Israel wurde. W. gab zudem an, daß die Benennung des jährlichen Mitgliedsbeitrags der ZO in Anlehnung an die antike Tempelsteuer „Schekel“ auf seinen Vorschlag zurückgehe.
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Auszeichnungen
|D.-W.-Haus d. Jüd. Nat.bibl., Jerusalem (1930).
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Literatur
|A. Robinson, D. W., Ein Btr. z. Gesch. d. Zionismus, 1921;
E. B. Cohn, D. W., Herzls Nachfolger, 1939, engl. 1944;
M. Eliav, D. W., The Man and His Times, 1977 (hebr.);
J. Wachten, D. W. u. d. Kölner Judenschaft, in: J. Bohnke-Kollwitz (Hg.), Köln u. d. rhein. Judentum, 1984, S. 300–07;
I. Meybohm, D. W., Aufsteiger, Grenzgänger, Mediator, 2013 (P);
Rhein. Gesch.;
– Nachlaß: Central Zionist Archives, Jerusalem. -
Autor/in
Ivonne Meybohm -
Zitierweise
Meybohm, Ivonne, "Wolffsohn, David" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 458-459 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142955.html#ndbcontent