Wolff, Wilhelm
- Lebensdaten
- 1809 – 1864
- Geburtsort
- Tarnau (Kreis Schweidnitz, Świdnica, Schlesien)
- Sterbeort
- Chorlton-on-Medlock, Manchester
- Beruf/Funktion
- Journalist ; Mitgründer des Bundes der Kommunisten
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Wolff, Friedrich Wilhelm
- Wolff, Johann Friedrick Wilhelm
- Lupus( Pseudonym)
- Wolff, Wilhelm
- Wolff, Friedrich Wilhelm
- Wolff, Johann Friedrick Wilhelm
- Lupus( Pseudonym)
- lupus
Vernetzte Angebote
Verknüpfungen
Personen im NDB Artikel
Orte
Symbole auf der Karte
Geburtsort
Wirkungsort
Sterbeort
Begräbnisort
Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.
-
Wolff, Friedrich Wilhelm (Johann Friedrick Wilhelm) (Pseudonym Lupus)
| Journalist, Mitbegründer des Bundes der Kommunisten, * 21.6.1809 Tarnau (Kreis Schweidnitz, Świdnica, Schlesien), † 9.5.1864 Chorlton-on-Medlock, Manchester, ⚰ Manchester, Ardwick Cemetery (1966 eingeebnet). (evangelisch)
-
Genealogie
V Johann Friedrich, Tischler, erbuntertäniger Kleinbauer (Freigärtner), Ger.scholze in T.;
M Marie Rosine Hoffmann, verw. Jaeschkin;
ledig. -
Biographie
W. besuchte die Elementarschule in Konradswaldau und 1824–29 das Gymnasium Schweidnitz. 1829–34 studierte er Klassische Philologie in Breslau, wo er 1834/35 wegen Zugehörigkeit zur „Alten Breslauer Burschenschaft 1831“ vom Berliner Kammergericht zu acht Jahren Festungshaft verurteilt wurde, die er bis zur Begnadigung 1838 auf der schles. Festung Silberberg verbüßte. Hier zählte der Dichter →Fritz Reuter (1810–1874) zu seinen Mithäftlingen. Ohne Hochschulabschluß verdiente W. zeit seines Lebens seinen Unterhalt als Hauslehrer, zunächst im Ghzgt. Posen, dann in Ratibor, 1842 in Striegau, seit 1843 in Breslau und schließlich während seines Emigrantenlebens in Großbritannien.
Seit 1840 war W. Mitarbeiter von Zeitungen und Zeitschriften, u. a. 1840/41 der „Schlesischen Provinzialblätter“ (Breslau), seit 1842 der „Breslauer Zeitung“, der „Silesia“ (Liegnitz), 1844 des „Vorwärts“ (Paris), 1845 des „Gesellschaftsspiegels“ (Elberfeld) und des „Westphälischen Dampfboots“ (Bielefeld). In der „Breslauer Zeitung“ machte er 1843 auf die elenden Lebensverhältnisse der Ärmsten, insbesondere der Kinder, in den als Obdachlosenquartier genutzten ehemaligen Breslauer Kasematten, aufmerksam, was ihm den Beinamen „Kasematten-Wolff“ eintrug. Auf W.s Aufsatz „Das Elend und der Aufruhr in Schlesien“ (1845) stützte sich →Gerhart Hauptmann (1862–1946), als er zu Beginn der 1890er Jahre sein Drama „Die Weber“ schrieb. 1846 wegen eines kritischen Zeitungsartikels erneut zu Festungshaft verurteilt, floh W. nach London und dann nach Brüssel, wo er →Karl Marx (1818–1883) und →Friedrich Engels|(1820–95) kennenlernte. In Brüssel wirkte er bis März 1848 als Mitarbeiter des „Deutschen Zeitungs- und Correspondenz-Bureaus“.
Zeit seines Lebens engagierte sich W. in demokratischen, republikanischen und seit 1847 auch kommunistischen Vereinen, wo er mit seinen wöchentlichen Zusammenfassungen der Tagesereignisse ein beliebter Redner war. 1847 war er Mitgründer des „Bundes der Kommunisten“ und Mitglied der internationalen Brüsseler „Association Démocratique“. 1848 wegen Beteiligung an republikanischen Bestrebungen von den belg. Behörden verhaftet und ausgewiesen, ging W. im März nach Paris, von April bis Juni nach Breslau, wo er als Mitglied des dortigen Arbeitervereins und stellv. Redakteur der „Schlesischen Chronik“ tätig war. Im Juni 1848 zog er nach Köln, arbeitete bis Mai 1849 als Redakteur der von Marx geleiteten „Neuen Rheinischen Zeitung“ und unterstützte die „Kölner Demokratische Gesellschaft“ und den von →Andreas Gottschalk (1815–1849) gegründeten Arbeiterverein. Wegen republikanischer Reden auf Volksversammlungen im Sept. 1848 steckbrieflich gesucht, hielt er sich zeitweise in Köln versteckt. Mai/Juni 1849 war W. Mitglied der Dt. Nationalversammlung (Rumpfparl., Fraktion Donnersberg) in Frankfurt/M. und Stuttgart. Erneut zur Flucht gezwungen, lebte er als Privatlehrer 1850/51 in Zürich, 1851–53 in London und seit 1853 in Manchester, wo er regelmäßig mit Engels zusammenkam. 1867 widmete Marx, dem W. den größten Teil seiner Ersparnisse vermacht hatte, seinem „unvergeßlichen Freunde, dem kühnen, treuen, edlen Vorkämpfer des Proletariats“, W. den ersten Band des „Kapitals“.
W. zählte zu einer Generation kommunistischer und republikanischer Emigranten, die trotz ihrer Bedeutung für die europ. Geschichte keine Beachtung fanden oder – wie in der marxistischen Forschung – lediglich als Mitstreiter von Marx und Engels.
-
Auszeichnungen
A W.-W.-Str., Berlin.
-
Werke
|Die Kasematten, in: Breslauer Ztg. Nr. 271 v. 18.11.1843, Nachdr. in: N. Bachleitner, Der engl. u. franz. Soz.roman d. 19. Jh. u. seine Rezeption in Dtld., 1993, Anh.;
Das Elend u. d. Aufruhr in Schlesien, in: Dt. Bürgerbuch f. 1845, hg. v. H. Püttmann, Bd. 1, 1845, S. 174–99;
* Köln, 15. Dezbr., Die Ablösung d. Feudallasten, in: Neue Rhein. Ztg. Nr. 171 v. 17.12.1848, S.1 f.;
* Köln, 28. Dez., Das interimist. Ablösungsgesetz f. Schlesien, ebd. Nr. 181 v. 29.12.1848, S. 1;
* Köln, 19. Jan., Das kgl. Patent an d. Bauern, ebd. Nr. 200 v. 20.1.1849, S. 1 f.;
Die schles. Milliarde, ebd. v. 22. 3.-25.4.1849, Nachdr. 1886 u. 1890;
Ges. Schrr. v. W. W., Nebst e. Biogr. W.s v. F. Engels, Mit Einl. u. Anmm. hg. v. F. Mehring, 1909;
Der Kasematten-W., Schrr. v. W. W. u. sein Lb. v. F. Engels, hg. v. E. Reiche, 1950;
Aus Schlesien, Preußen u. d. Reich, Ausgew. Schrr., hg. v. W. Schmidt, 1985;
– Nachlaß: Internat. Inst. f. Soz.gesch., Amsterdam, W. W. Papers. -
Literatur
|F. Engels, in: Die Neue Welt 1, 1876, Nachdr. in: K. Marx u. F. Engels, Ges.ausg. (MEGA), Bd. I/25, 1985, S. 46–82 u. 576–606;
K. Marx, Biogr. Notizen zu W. W., ebd., Bd. IV/18, 2019, S. 62 u. S. 931–33;
ders., Notizbuch Febr. bis Juni 1864, ebd., S. 5–31 u. S. 889–96 (Bücherliste d. Bibl. W.s, S. 11–17, S. 58 f. u. S. 62–64);
[G. Freytag], Eine Erinnerung an d. Communisten W., in: Die Grenzboten 23, Bd. 2, 1864, S. 398–400, Abschr. v. W. Liebknecht, in: K. Marx u. F. Engels, Ges.ausg. (MEGA), Bd. III/12, 2013, S. 1348–50;
F. Mehring, Gerhart Hauptmanns „Weber“, in: Die Neue Zeit 11, 1892/93, Bd. 1, S. 769–74;
W. Schmidt, W. W., Sein Weg z. Kommunisten 1909–1846, 1963;
ders., W. W., Kampfgefährte u. Freund v. Marx u. Engels 1846–1864, 1979 (Liste d. Ztg.art. W.s, S. 423–29);
ders., Der verstreute W.-W.-Nachlass, sein Schicksal u. seine Bedeutung f. d. Gesch. d. demokrat. u. Arb.bewegung v. 1830 bis 1864, in: Btrr. z. Marx-Engels-Forsch. NF 2003, S. 96–109;
ders., Die Widmung im ersten Bd. d. Kapitals, Zum 200. Geb.tag v. W. W., ebd. NF 2009, S. 99–112;
ders., W. W. im vormärzl. Schlesien, in: H. Bleiber u. ders. (Hg.), Schlesien auf d. Weg in d. bürgerl. Ges., Bd. 2, 2007, S. 115–60;
Schles. Lb. I;
Demokrat. Wege (P);
Biogr. Hdb. Frankfurter NV;
Biogr. Lex. Arbeiterbewegung;
Biogr. Lex. Sozialismus;
Kosch, Biogr. Staatshdb.;
Breslau-Lex.;
Biogr. Lex. Burschenschaft (L, P);
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L). -
Porträts
|Photogr., vermutl. 1863, Abb. in: I. Omura u. a. (Hg.), Fam. Marx privat, Die Foto- u. Fragebogen-Alben v. Marx’ Töchtern Laura u. Jenny, 2005, Nr. 13. Zeichnung, in: Die Neue Welt, Leipzig 1876, S. 244, Nachdr. in: Biogr. Lex. Burschenschaft.
-
Autor/in
Jürgen Herres -
Zitierweise
Herres, Jürgen, "Wolff, Friedrich Wilhelm (Johann Friedrick Wilhelm) (Pseudonym Lupus)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 453-454 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142952.html#ndbcontent