Winkler, Wilhelm

Lebensdaten
1893 – 1958
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Archivar
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Winkler, Wilhelm Karl Franz
  • Winkler, Wilhelm
  • Winkler, Wilhelm Karl Franz
  • Winkler, Wilhelm Carl Franz

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Zitierweise

Winkler, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142894.html#indexcontent [12.08.2026].

CC0

  • Winkler, Wilhelm Karl Franz

    | Archivar, * 29.5.1893 München, † 5.10.1958 München, München, Nordfriedhof (Grab aufgelöst). (katholisch)

  • Genealogie

    V Anton ( 1946), aus Kötzting (Oberpfalz), Obering.;
    M Ap(p)olonia Mühl ( 1939);
    Heidelberg 1930 Hedwig (1907 – n. 1958), T d. Friedrich Karl Hermann (* 1871, ev.), Kaufm. in Speyer, u. d. Emma Disqué (* 1874);
    kinderlos.

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Volksschule in Altötting, Nürnberg und Mannheim-Rheinau sowie 1902–11 des humanistischen Gymnasiums in Mannheim, studierte W. Mittlere und Neuere Geschichte, dt. Literatur und bayer. Geschichte in München und Bonn. Im 1. Weltkrieg 1915 in einem Fußartillerie-Regiment eingesetzt, geriet W. 1917 in franz. Gefangenschaft, aus der er 1920 zurückkehrte. Im Nov. 1920 wurde er als Archivreferendar dem Geheimen Hausarchiv zugewiesen. Mit einer 1915 fertiggestellten Dissertation über „Die Gesinnungen Herzog Albrechts V. von Bayern und seiner protestantischen Landsassen im Kampf um die Konfession des Landes bis 1564“ wurde er bei Erich Marcks (1861–1938) 1921 zum Dr. phil. promoviert. 1922 legte er das Archivexamen ab. Nach Ernennung zum Staatsarchivrat 1926 wurde W. 1927 an das Staatsarchiv Speyer versetzt, 1930 an das Bayer. Hauptstaatsarchiv. Ab 1936 leitete er das Geheime Hausarchiv, das er 1944 aus der Residenz in München z. T. nach Grafing verlagerte, wohin er auch seinen Wohnsitz verlegte. Ab März 1947 wurde W. zunächst kommissarisch, ab Mai 1948 definitiv Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns. Seine reguläre Dienstzeit wurde durch die Staatsregierung um ein halbes Jahr bis 30.11.1958 verlängert. Kurz vor der Pensionierung verstarb er am 5. Okt. unerwartet an einem Herzschlag.

    W. war kein NSDAP-Mitglied, er gehörte lediglich 1938–44 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt an. Im Spruchkammerverfahren 1947 in München wurde er, da ihm eine politisch einwandfreie Gesinnung und eine tiefe Verankerung im Katholizismus attestiert wurde, als „nicht betroffen“ eingestuft. W. hob dabei seine engen Kontakte zu Staatsarchivar Dr. Fritz Gerlich (1883–1934) seit 1930 hervor, was u. a. der Verleger Dr. Johannes Steiner (1902–1995) bestätigte. Der Titel der 1932 gegründeten Zeitschrift „Der gerade Weg“ geht auf W. zurück und er trug eine Artikelfolge zur „Entwicklung der Monarchie in Deutschland“ bei.

    Zu W.s Verdiensten gehört die Reorganisation des bayer. staatlichen Archivwesens nach dem 2. Weltkrieg, v. a. die Rückführung der an 191 Stellen ausgelagerten Bestände in|ihre jeweiligen Archive, die bauliche Instandsetzung des stark beschädigten Archivs in Nürnberg sowie die Wiederaufnahme der Archivarsausbildung. Er gründete weitere Publikationsreihen wie die „Bayer. Heimatforschung“ (seit 1950), die „Bayer. Archivinventare“ (seit 1952), die „Bayer. Pfarrbücherverzeichnisse“ (seit 1955) sowie die „Mitteilungen für die Archivpflege“ (seit 1955), welche die wissenschaftliche Arbeit der bayer. Archivare der Öffentlichkeit zugänglich machen.

  • Auszeichnungen

    |bayer. Mil.-Verdienstkreuz IV. Kl. (1916);
    Mitgl. d. kath. Studentenverbindung KDStV Aenania München (1911), d. Komm. f. bayer. Landesgesch. (1946), d. Vorstands d. Ver. Dt. Archivare (1947, 1. Vors. 1953–57), d. Zentralkomm. d. MGH (1948), d. Wiss. Beirats d. Inst. f. Zeitgesch. (1950) u. d. Conseil Internat. des Archives (1951, geschäftsführender Verw.rat 1956);
    Ehrenmitgl. d. Inst. f. Österr. Gesch.forschung (1954) u. d. Pfälz. Ges. z. Förderung d. Wiss.

  • Werke

    |Die Mutter Kg. Ludwigs I. v. Bayern, Nach ungedr. Briefen, in: Der Wächter, Mschr. f. alle Zweige d. Kultur, 1924/12, S. 521–35;
    Der schriftl. Nachlaß Kg. Ludwigs I. v. Bayern, in: Archival. Zs. 36, 1926, S. 226–29;
    Die Archival. Zs., in: Zur 100 J.feier d. hist. Ver. d. Pfalz, Beil. d. Pfälzer Ztg./Rhein. Volksbl. Palatina, Nr. 34, Aug. 1927, S. 13;
    Der Briefwechsel zw. Kg. Ludwig I. v. Bayern u. Johann Schraudolph über d. Ausmalung d. Doms zu Speyer, in: Ks.dom u. Liebfrauenmünster zu Speyer, 1930, S. 123–40;
    Entwicklung d. Monarchie in Dtld., Art.folge in: Der gerade Weg, 14.12.1932, S. 1 f., 18.12.1932, S. 58 f., 21.12.1932, S. 2 u. 25.12.1932, S. 4;
    (Hg.) Pfälz. Gesch.atlas, 40 Kartenbll. (mit 83 Haupt- u. Nebenkarten) u. Textbeil., 1935;
    Hist. Einl. zu: Die Kunstdenkmäler d. Pfalz 8, Stadt u. Lkr. Frankenthal, bearb. v. A. Eckardt, 1939;
    Berr. über dt. u. ausländ. Südosteuropa-Forsch., Das Bayer. HStA München, in: Südosteuropa-Vjschr. 1942, S. 194–98 (mit A. Schmidt, R. Stoll u. H. Lieberich);
    Zur Lage d. Bayer. Staatsarchive, in: ZBLG 15, 1949, S. 217–24;
    Die Pfalz, in: A. Fink (Hg.), Bilder aus d. bayer. Gesch., 1953, S. 210–19;
    100-J.-Feier d. „Inst. f. Österr. Gesch.“ 29. 9. bis 2.10.1954 in Wien, in: Der Archivar 8/1, 1955, Sp. 1–4;
    Der Internat. Archivrat u. d. dt. Archivare, ebd., 10/3, 1957, Sp. 161–64;
    Albert Pfeiffer †, in: ZBLG 15, 1949, S. 192–95;
    Nachruf auf GR Dr. Josef Weiss, in: Archival. Zs. 48, 1953, S. 235–37.

  • Quellen

    Qu StA München Spruchkammer K 1984; Bayer. HStA MK 45453 u. Gen.direktion d. Staatl. Archive 3222.

  • Literatur

    |M. Spindler, in: ZBLG 22, 1959, S. 532–34;
    O. Schottenloher, in: Archival. Zs. 55, 1959, S. 171–73;
    F. Baethgen, in: DA 15, 1959, S. 609 f.;
    A. Doll, in: Pfälzer Heimat 9, 1958, S. 196 (P);
    A. Roth, in: Schönere Heimat 47, 1958, S. 540;
    Mitt. f. d. Archivpflege in Bayern 4, 1958, S. 45–47;
    R. Fraja, in: Academia, Cartellverband d. Kath. Dt. Studentenverbindungen 1, 1958, S. 298–300;
    H. Lieberich, In memoriam Dr. W. W., Gen.dir. d. Staatl. Archive Bayerns 1947–1958, in: Bayern, Staat u. Kirche, Land u. Reich, W. W. z. Gedächtnis, hg. v. d. staatl. Archiven Bayerns, 1961 (P);
    R. Morsey, Fritz Gerlich (1883–1934), 2016;
    ders., Fritz Gerlich (1883–1934), d. Publizist als Archivar, in: Archival. Zs. 96, 2019, S. 235–54, bes. S. 246;
    M. Ksoll-Marcon, Die Gen.direktoren zw. Weimarer Rep. u. Nachkriegszeit, ebd., S. 127–50 (P);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1950;
    Klimesch (P);
    Bosl;
    Leesch, Archivare.

  • Porträts

    |Photogr. v. G. Eckert, 1958 (Gen.direktion d. Staatl. Archive Bayerns, Bilderslg.), Abb. in: Archival. Zs. 96, 2019 (s. o.), S. 149.

  • Autor/in

    Margit Ksoll-Marcon
  • Zitierweise

    Ksoll-Marcon, Margit, "Winkler, Wilhelm Karl Franz" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 253-254 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142894.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA