Winkler, Hans Günter

Lebensdaten
1926 – 2018
Geburtsort
Wuppertal-Barmen
Sterbeort
Warendorf
Beruf/Funktion
Reitsportler ; Springreiter ; Weltmeister ; Olympiateilnehmer ; Bankkaufmann ; Ehrenbürger
Konfession
-
Normdaten
GND: 118633708 | OGND | VIAF: 100868329
Namensvarianten

  • Winkler, Hans Günter
  • Winkler, Hans Günter Paul
  • Winkler, Hans Günther
  • Winkler, H. G.
  • Winkler, H.G.
  • Winkler, Hans Günther
  • Winkler, Hans Günther Paul
  • Winkler, Hans Günter

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Zitierweise

Winkler, Hans Günter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118633708.html [02.01.2026].

CC0

  • Winkler, Hans Günter

    | Reitsportler, * 24.7.1926 Wuppertal-Barmen, † 9.7.2018 Warendorf, Warendorf, Städtischer Friedhof. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Paul ( 1945), Reitlehrer in Dortmund, 1938 Leiter e. Reitstalls im Hippodrom in Frankfurt/M.;
    M Emmi N. N.;
    1) Warendorf 1957 1960 Inge (1925–2010, 2] George Theodorescu, 1926–2007, aus Bukarest, Reitsportler, Dressurausbilder), Springreiterin, T d. Hans Fellgiebel (1889–1977), aus Breslau, Hippol., 1926 Dir. d. Reit- u. Fahrschule in Elmshorn, Landstallmeister, 2) Skælskør (Seeland) 1962 1970 Marianne (1936–2014, 1] Claus Gf. Ahlefeldt-Laurvig, 1932–2014, auf Egeskov, Lubjerggården usw.), aus Frederiksberg (Dänemark), T d. Carl v. Moltke (1907–85), Oberpräs. v. Kopenhagen, dän. Kammerherr, Kommanduer d. Danebrog-Ordens, u. d. Jytte Bech (1911–1965), 3) 1976 1986 Astrid Kalen, geb. Núñez Isava ( 1] Bertil Kalen, 2] Howard Boulton Núñez), Springreiterin, aus Venezuela, T d. Luis Teófilo Núñez Arismendi (1920–2007), aus Caracas, Wirtsch.wiss., 1972–94 Hg. d. venezolan. Ztg. „El Universal“, u. d. Flor Isava Fonseca (1921–2020), Sportlerin, Journ., Vizepräs. d. venezolan. Roten Kreuzes, 1981 Mitgl. d. Internat. Olymp. Komitees, 4) 1994 Debby Malloy (1959–2011 Reitunfall), US-amerik. Springreiterin;
    1 S aus 2) Jørn (* 1965), 1 T aus 2) Jytte (* 1967), Springreiterin;
    Ov d. 1. Ehefrau Erich Fellgiebel (1886–1944 hingerichtet Berlin-Plötzensee), Gen.stabsoffz., Chef d. Heeresnachrr.wesens u. d. Wehrmachtnachrr.verbindungen im Oberkommando d. Wehrmacht, Widerstandskämpfer, beteiligt am 20. Juli 1944, v. Volksger.hof z. Tode verurteilt;
    T d. 1. Ehefrau Monica Theodorescu (* 1963), Übers., Reitsportlerin, seit 2012 Bundestrainerin d. dt. Dressurreiter.

  • Biographie

    W. wuchs seit 1932 in Dortmund auf, wo er bereits als Kind vom Vater Reitunterricht erhielt und in der Westfalenhalle 1934 den damals besten dt. Springreiter erlebte, den Rittmeister und späteren Parcoursbauer Hans-Heinrich Brinckmann (1911–1991), der ihm zum Vorbild wurde. Nach der Volksschule absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und geriet am Ende des 2. Weltkriegs als Flakhelfer in Thüringen in US-amerik. Gefangenschaft, aus der er zu seiner Mutter nach Frankfurt/M. floh. Seit 1946 war er als Reitlehrer für amerik. Offiziere in Kronberg (Taunus) tätig und unterrichtete u. a. den späteren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower.

    W.s Laufbahn als Reiter begann am 10.10.1948, als er bei einem schweren Springen in Hünfeld auf „Falkner“ den ersten Platz belegte. Im folgenden Jahr feierte W. 21 Erfolge bei Springturnieren, auf die ihn sein Freund, der spätere oftmalige dt. Equipechef Helmut Krah (1923–1994), häufig begleitete. 1950 nahm W. das Angebot des Chefs des neugegründeten Dt. Olympiadekomitees für Reiterei (DOKR), Gustav Rau (1880–1954), an, als Reiter (mit Wohnung in der Reitschule, Unterbringung seiner drei Pferde, aber unbezahlt) zum DOKR nach Warendorf zu kommen. Seinen Lebensunterhalt verdiente W. in einer Bauschreinerei und als Ausbilder der Schulpferde für das DOKR. Noch im selben Jahr stellte W. die Stute „Halla“ (1943–79) auf einer Military-Konkurrenz (Vielseitigkeit) in Bad Hersfeld vor, konnte das sensible Pferd, das sich unter W.s Schulung schnell weiterentwickelte, aber nicht bei den Olymp. Spielen 1952 präsentieren, da ihm aufgrund seiner Tätigkeit als Reitlehrer in Kronberg der Amateurstatus aberkannt worden war. Auf Bitten von Hallas Züchter und Besitzer Gustav Vierling blieb W. aber ihr Trainer. Mit Halla gewann W. 1954 in Madrid erstmals die Weltmeisterschaft und wurde im selben Jahr mit dem Pokal des Königs von Kambodscha als erfolgreichster Springreiter der Welt ausgezeichnet. Legendär wurde W.s Ritt auf Halla beim Gewinn der Olymp. Goldmedaille der Equipe (mit Fritz Thiedemann, 1918–2000, u. Alfons Lütke-Westhues, 1930–2004) 1956 in Stockholm, wo er auch im Einzel siegte. Wegen eines unfallbedingten Muskelrisses in der Leiste und an der Bauchdecke sowie der Einnahme starker Schmerzmittel deutlich eingeschränkt, gelang W. dank seiner „Wunderstute“ ein fehlerloser zweiter Umlauf, so daß er nach dem geltenden Reglement als Bester im Teamwettbewerb zusätzlich Einzelgold bekam. Mit Halla erzielte W. in 125 Springen weitere große Erfolge, so gewann er 1957 den Großen Preis von Aachen, 1958 die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Aachen, 1959 die Dt. Meisterschaft in Berlin und den Großen Preis von Italien in Rom sowie 1960 die Goldmedaille im Mannschaftswettbewerb bei den Olymp. Spielen in Rom.

    W. ist der erfolgreichste Springreiter der Welt und nach Isabell Werth (* 1969) und Dressurreiter Dr. Reiner Klimke (1936–1999) der erfolgreichste dt. Reitolympionike. Er vertrat Deutschland 105mal in einem Preis der Nationen und nahm an sechs Olymp. Spielen teil (1956, 1960, 1964, 1968, 1972, 1976; fünfmal Gold, einmal Silber, einmal Bronze). 1976 führte er als Fahnenträger das dt. Olym|piateam in Montreal an. W. wurde 1954 und 1955 Weltmeister, 1957 Europameister, fünfmal Dt. Meister (1952, 1953, 1954, 1955, 1959) und gewann dreimal den Großen Preis von Aachen (1954, 1957, 1969) sowie 1965 und 1968 den King George V. Cup.

    Neben dem Springreiten war W. als freier Mitarbeiter in der Werbeabteilung der Bayer-Werke in Leverkusen tätig und schrieb Sportreportagen für das „Grüne Blatt“ des „Union-Verlags“ in Dortmund. Seit 1991 war er Geschäftsführer der „HGW Marketing GmbH“ in Warendorf. W. fungierte zudem 2002–14 als Sportdirektor der Löwen Classics in Braunschweig und seit 2001 der Riders Tour sowie 2000–15 als sportlicher Leiter des Goldstadt Cups in Pforzheim. Nach Beendigung seiner Turnierreiterkarriere 1986 stiftete er mit dem Springreiter und späteren Bundestrainer Herbert Meyer (* 1939) den „Goldenen Sattel“ als Auszeichnung in einer Stilspringprüfung mit Pferdewechsel für Nachwuchsspringreiter und initiierte das HGW-Bundesnachwuchschampionat im Rahmen des Turniers in der Dortmunder Westfalenhalle (seit 2009 im Rahmen der Löwen Classics Braunschweig).

    Im Gedenken an seine bei einem Reitunfall verstorbene vierte Ehefrau Debby gründete W. 2012 die „Hans Günter Winkler Stiftung“ zur Förderung und Ausbildung von Nachwuchssportlern.

  • Auszeichnungen

    |u. a. Silbernes Lorbeerbl. d. Bundespräs. (1954);
    Sportler d. J. (1955, 1956);
    Sportler d. J.zehnts (1950/60, 1960/70);
    Ehrenbürger d. Stadt Warendorf (1956);
    Goldene Ehrennadel (1964) u. Dt. Reiterkreuz in Gold mit Brillanten d. Internat. Reiterl. Vereinigung (2006);
    Gr. BVK (1975);
    Goldenes Ehrenzeichen d. Reiter-Weltverbandes (1976);
    Ehrenzeichen d. nat. Föderation in Gold mit Olymp. Ringen, Lorbeerkranz u. Brillanten (1976);
    Medienpreis Bambi (1990);
    Landesorden NRW (1991);
    Friedensreiterpreis d. Westfäl. Reiterver. v. 1835 (1997);
    Goldene Sportpyramide f. sein Lebenswerk (2000, 1. Preisträger);
    Silbernes Pferd, Kategorie Persönlichkeit (2002);
    Hall of Fame d. dt. Sports (2006);
    Mitgl. d. Ehrenkomitees d. Span. Hofreitschule, Wien (2004);
    Gr. Verdienstkreuz mit Stern d. Verdienstordens d. Bundesrep. Dtld. (2008);
    PSI-Award 2008 f. d. Lebenswerk (2008);
    Ehren-FELIX d. Landessportbundes NRW (2009).

  • Werke

    |Meine Pferde u. ich, 1956 (P), Neuausg. u. d. T. Halla, meine Pferde u. ich, 2007 (P);
    Pferde u. Reiter in aller Welt, 1957;
    Halla, Die Gesch. ihrer Laufbahn, 1961 (P);
    Olympiareiter in Warendorf, 1964;
    Springreiten, 1979 (P).

  • Literatur

    L W., d. Kentaur, in: Der Spiegel 34 v. 17.8.1955, S. 20–27 (P);
    E. F. Schröter, Das Glück dieser Erde …, Leben u. Karriere dt. Springreiter, 1980 (P);
    D. Ludwig, H. G. W., 1983 (P);
    Munzinger.

  • Autor/in

    Dieter Ludwig
  • Zitierweise

    Ludwig, Dieter, "Winkler, Hans Günter" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 243-244 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118633708.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA