Wigner, Eugene

Lebensdaten
1902 – 1995
Geburtsort
Budapest
Sterbeort
Princeton (New Jersey, USA)
Beruf/Funktion
Physiker
Konfession
mehrkonfessionell
Namensvarianten

  • Wigner, Eugene Paul
  • Wigner, Jenö Pál
  • Wigner, Eugene
  • Wigner, Eugene Paul
  • Wigner, Jenö Pál
  • wigner, jenö pal

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Zitierweise

Wigner, Eugene, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142698.html [01.02.2026].

CC0

  • Wigner, Eugene Paul (Jenő Pál)

    | Physiker, * 17.11.1902 Budapest, † 1.1.1995 Princeton (New Jersey, USA), ⚰Princeton (New Jersey, USA). (jüdisch, später lutherisch)

  • Genealogie

    V Antal (Anthony, Anton) (1870–1955, ref.), aus Kiskunfélegyháza (Ungarn), leitete e. Ledergerberei b. B., emigrierte 1937 in d. USA, S d. Jakab (um 1840–73), aus Gyömrő, u. d. Bertha Vigdor ( 1886);
    M Erzsébet (Elisabeth, Elizabeth, Elsa) (1879–1966, jüd.), aus Eisenstadt (Österr.), emigrierte 1937 in d. USA, T d. Hermann (Herrman) Armin Hirsch Einhorn, Dr. med., Arzt in Eisenstadt, u. d. Sara Spitzer ( um 1929);
    2 Schw Bert(h)a (1901–95, Ernest Lantos, 1889–1972, Landwirt in Interlaken, New York, USA), Margit (Manci) (1904–2002, 1] Richard Balazs [Balázs], 2] 1937 Paul Dirac, 1902–84, Physiker, 1932–69 Prof. in Cambridge, England, 1933 Nobelpreis f. Physik);
    1) 1936 Amelia Zippora Frank (1901–1937), Physikerin, 2) 1941 Mary Annette (1901–1977), aus Fair Haven (Vermont, USA), Prof. f. Physik am Vassar College in New York (USA), T d. Frederic Gonkey Wheeler, 3) 1979 Eileen Clare-Patton (Pat) Hamilton (1915–2010, 1] Donald Ross Hamilton, 1914–72, Prof. f. Physik in Princeton), aus Brixham (England);
    1 S aus 2) David Wheeler (* 1942), 1972–78 Assistant Prof. f. Math. an d. Univ. of Michigan (USA), ging n. Paris, 1 T aus 2) Martha Faith (1944–2011, Charles W. Upton, 1943 – n. 2011, Prof. f. Ökonomie an d. Univ. of Chicago, Illinois, an d. Rutgers Univ., New Jersey, u. an d. Kent State Univ., Ohio), Verkehrstechnikerin in Chicago, 1 außerehel. T; N Gabriel Andrew Dirac (bis 1937 Balazs, Balázs) (1925–1984), Prof. f. Math. in London, Hamburg, Toronto, Dublin, Wien, Ilmenau, Swansea u. Aarhus;
    2 E.

  • Biographie

    W. besuchte das dt.sprachige Lutheraner-Gymnasium in Budapest wie auch János (später: John v.) Neumann (1903–57), mit dem er Freundschaft schloß und Ende der 1920er Jahre die gruppentheoretische Beschreibung der Atomspektren entwickelte. Er begann nach dem Abitur 1920 ein Studium der Chemie an der TH Budapest, um den väterlichen Betrieb zu übernehmen. 1921 wechselte W. an die TH Berlin, wo er mit vielen Physikern und Chemikern in Kontakt kam, die eine neue Atomtheorie entwickelten. W.s Dissertation, an der er am KWI für physikalische Chemie bei Michael Polanyi (1891–1976) und in Kooperation mit dem Kristallographen Karl Weissenberg (1893–1976) gearbeitet hatte, behandelte Bildung und Zerfall von Molekülen (1925 Dr.-Ing.). Seit 1927 als Assistent bei David Hilbert (1862–1943) an der Univ. Göttingen tätig, wo gerade die Quantenmechanik begründet worden war, entwickelte er mit Hermann Weyl (1885–1955) und v. Neumann aufgrund von Symmetriebetrachtungen Methoden zur Anwendung der Quantenmechanik (Gruppentheorie u. Quantenmechanik, 1928). Er wechselte 1928 zur Habilitation in Theoretischer Physik nach Berlin. 1930 erhielt W. eine Anstellung als Professor für Mathematische Physik an der Princeton University (New Jersey, USA), die den gerade dorthin berufenen v. Neumann entlastete (US-Staatsbürger 1937). Das Arrangement erlaubte, halbjährlich als ao. Professor für Physik an der TH Berlin tätig zu sein. In Princeton und 1936–38 auch an der University of Wisconsin-Madison leistete W. wichtige Beiträge zur Kernphysik (Breit-W.-Formel) und zur relativistischen Quantenmechanik, indem er in „On Unitary Representations of Inhomogeneous Lorentz-Group“ (in: Ann. of Mathematics 40, 1939, S. 149–204) alle bekannten Elementarteilchen klassifizierte.

    Unter der Leitung von Enrico Fermi arbeitete W. seit 1942 an den theoretischen Grundlagen für die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion, die im selben Jahr in Chicago erreicht wurde. W. war eine treibende Kraft des Manhattan-Projekts zum Bau der Atombombe: Mit Leo Szilard (1898–1964) überzeugte er 1939 Albert Einstein (1879–1955), den entscheidenden Brief an Franklin D. Roosevelt zu verfassen. Als Leiter eines Teams des Manhattan-Projekts sollte W. bombenfähiges Plutonium in Kernreaktoren erzeugen. Die Ausführung wurde an die Firma DuPont übertragen, die bis 1945 genügend Plutonium|für die Nagasaki-Bombe herstellte. W. stellte dabei und auch nach dem Krieg als Direktor von Kernwaffenlaboratorien fest, daß er in dem politisch-industriellen Kontext der Militärforschung nicht der geeignete Manager war und kehrte 1947 nach Princeton und zur Grundlagenforschung zurück (em. 1971). Mitte der 1960er Jahre engagierte sich W. zu Fragen der Zivilverteidigung, die er für eine der wichtigsten Aufgaben der USA hielt, und nahm als Vertreter der Wissenschaft an Pugwash-Konferenzen zur atomaren Rüstungskontrolle teil. Der 1963 mit J. Hans D. Jensen (1907–73) und Maria Goeppert-Mayer (1906–1972) für seine Beiträge zu Kern- und Elementarteilchenphysik verliehene Nobelpreis für Physik gab ihm dafür die Prominenz, um als Berater vieler politischer Gremien und öffentlicher Warner vor den Gefahren der Atomrüstung aufzutreten.

    Mit v. Neumann, Szilard, Edward Teller (1908–2003) und anderen zählte W. zu einer Gruppe Naturwissenschaftler, die im jüd.großbürgerlichen Milieu Budapests aufwuchs, zunächst in Deutschland und bald in den USA maßgeblich an der Entwicklung der modernen Atom- und Kernphysik mitwirkten und die seit dem Erlebnis der Räterepublik in Ungarn 1919 eine tiefe Aversion gegenüber dem Kommunismus einte. Zu W.s Schülern gehören Frederick Seitz und John Bardeen.

  • Auszeichnungen

    Weitere A u. a. Presidential Medal for Merit (1946);
    Mitgl. d. American Ac. of Arts and Sciences (1950);
    Medal of Franklin Soc. (1950);
    korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. z. Göttingen (1951);
    Vizepräs. (1955) u. Präs. (1966) d. American Physical Soc.;
    Fermi Award (1958);
    Max-Planck Medaille d. Dt. Physikal. Ges. (1961);
    ausw. Mitgl. d. Royal Soc. (1970);
    – E.-P.-W.-Gebäude d. TU Berlin.

  • Werke

    Weitere W Gruppentheorie u. ihre Anwendung in d. Theorie d. Atomspektren, 1931, engl. 1959;
    The Physical Theory of Neutron Chain Reactors, 1958 (mit A. Weinberg);
    A. Wightman u. J. Mehra (Hg.), The Collected Works of E. P. W., 8 Bde., 1992–98;
    Nachlaß: Princeton Univ. Library (New Jersey, USA).

  • Literatur

    |F. Wagner, E. P. W., an Architect of the Atomic Age, 1981;
    A. Szanton, The Recollections of E. P. W. as Told to Andrew Szanton, 1992;
    F. Seitz, E. Vogt u. A. Weinberg, in: Biographical Memoirs of the Fellows of the Royal Soc. 46, 2000, S. 577–92;
    A. Pais, in: The Genius of Science, a Portrait Gallery of Twentieth-Century Physicists, 2000, S. 339 f.;
    J. Mehra, E. P. W., Aspects of His Life, Work and Personality, in: ders. (Hg.), The Golden Age of Theoretical Physics, 2001. S. 912–50;
    A. Weinberg, E. W., Nuclear Engineer, in: Physics Today 55, 2002, H. 10, S. 42–47;
    M. Kazemi, Nobelpreisträger in d. KWG/MPG z. Förderung d. Wiss., ²2006, S. 306–10 (P, Qu);
    A. Borrelli, The Emergence of Selection Rules and Their Encounter with Group Theory, 1913–1927, in: Studies in Hist. and Philosophy of Science Part B, Studies in Hist. and Philosophy of Modern Physics 40, 2009, S. 327–37;
    Complete DSB (P);
    Pogg. VI–VII a;
    Forscher u. Erfinder;
    ANB.

  • Autor/in

    Arne Schirrmacher
  • Zitierweise

    Schirrmacher, Arne, "Wigner, Eugene Paul (Jenő Pál)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 113-114 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142698.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA