Wikenhauser, Alfred
- Lebensdaten
- 1883 – 1960
- Geburtsort
- Welschingen bei Engen (Hegau)
- Sterbeort
- Freiburg (Breisgau)
- Beruf/Funktion
- katholischer Theologe ; Theologe ; Neutestamentler ; Hochschullehrer
- Konfession
- katholisch
- Normdaten
- GND: 118771701 | OGND | VIAF: 37712216
- Namensvarianten
-
- Wikenhauser, Alfred
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Wikenhauser, Alfred
| katholischer Theologe, * 22.2.1883 Welschingen bei Engen (Hegau), † 21.6.1960 Freiburg (Breisgau), ⚰Welschingen.
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Genealogie
V →Sebastian (* 1854), Landwirt in W., S d. Philipp, Landwirt in W., u. d. Ursula Rösch;
M Euphrosyne (* 1854), T d. →Jakob Engele (1815–1893), Landwirt in W., u. d. Katharina Berner (1820–1905). -
Biographie
Aus einfachen Verhältnissen stammend, besuchte W. das Humanistische Gymnasium in Rastatt (1896–98) und Konstanz. Nach dem Abitur 1903 studierte er Kath. Theologie in Freiburg (Br.). Im Anschluß an die Priesterweihe 1907 und Tätigkeiten in der Seelsorge in Hockenheim und Mannheim wurde W. für weiterführende bibelwissenschaftliche Studien in Rom (1910–12) und Freiburg (1912–14) beurlaubt. 1913 wurde er hier, betreut von dem Kirchenhistoriker →Georg Pfeilschifter (1870–1936), mit der Arbeit „Die Apostelgeschichte und ihr Geschichtswert“ (gedr. 1921) zum Dr. theol. promoviert. Während seiner Tätigkeit als Pfarrverweser und Pfarrer in Burkheim (Kaiserstuhl) 1919–26 erfolgte 1922 die Habilitation für Neutestamentliche Literatur und Exegese in Freiburg. 1926 als Nachfolger von Valentin Weber (1858–1929) auf den Lehrstuhl für NT an der Univ. Würzburg berufen, wechselte er 1929 auf die Professur für NT nach Freiburg (em. 1951).
Im Zentrum von W.s Forschungen – von seinen Lexikonartikeln (v. a. im LThK) über Aufsätze bis zum Kommentar zur Apostelgeschichte (Die Apostelgesch., übers. u. erklärt, 1938, erw. Aufl. ²1951) – stand die schon seine Dissertation bestimmende Frage nach dem „Geschichtswert“ der Apostelgeschichte. In dieser umfangreichen Studie analysierte W. die die Apostelgeschichte bestimmenden Themen–Personen, Orte, politische und religiöse Strukturen – im Vergleich mit entsprechenden Texten aus anderen Schriften des NT und profanen Quellen; in der historischen Bewertung der für die Apostelgeschichte zentralen Erzählungen über Paulus und die Überlieferung seiner Reden gestand er dem Verfasser zwar „künstlerische Freiheit in der Gestaltung des überkommenen Stoffes“ zu, hielt aber doch, gegenüber beginnender kritischer Sichtweise, an der noch überwiegend vertretenen These fest, daß der Autor der Apostelgeschichte, der „Arzt, Freund und Begleiter Pli“, im wesentlichen authentisch über „Zie|le und Motive der paulinischen Missionstätigkeit“ berichtet habe.
W.s zweiter Schwerpunkt lag in der Paulusforschung mit der Frage nach der „Christusmystik“ des Paulus, der Abgrenzung zur Mystik im oriental.-griech. Raum (Die Christusmystik d. hl. Paulus, 1928, erw. Aufl. ²1956) und dem Verständnis der Kirche als „mystischer Leib Christi“ (Die Kirche als d. myst. Leib Christi n. d. Apostel Paulus 1937, ²1940).
W.s Antrittsvorlesung in Freiburg zum Thema „Der Sinn der Johannesapokalypse“ (1931) führte zum Kommentar über die „Offenbarung des Johannes“ (1947, ²1948), wieder mit Berücksichtigung der religionsgeschichtlichen Vorgaben von Bildern und Vorstellungen aus dem AT und jüd.-apokalyptischen Schriften sowie dem Nachweis der Übernahme von Motiven aus der oriental. Mythologie und der hellenist. Astrologie.
W. wirkte mit zwei Forschungsansätzen, die in seiner Zeit kirchlicherseits kritisch bis ablehnend gewertet wurden, bis heute richtungweisend für die Exegese des NT im Bereich der kath. Theologie. So bezog er zum einen in seinen Untersuchungen religionsgeschichtliche Fragestellungen für das Verständnis biblischer Texte mit ein und berücksichtigte Parallelen aus der hellenist. Welt. Dabei profitierte er von seiner intensiven Rezensionstätigkeit (v. a. in d. Theol. Revue) und seinen Einzelstudien zum antiken und frühkirchlichen Kurzschriftsystem (Tachygraphie), die v. a. in nicht-theol. Fachzeitschriften erschienen waren. Zum anderen wandte er die im prot. Bereich der Bibelauslegung schon geläufige Form der historisch-kritischen Methode der Textanalyse an. Seine mehrfach überarbeitete „Einleitung in das Neue Testament“ (1952, 6. neu bearb. Aufl. v. J. Schmid 1973, engl., span., ital. Übers.) wurde zu einem Standardwerk. Ebenfalls wegweisend für die kath. dt.sprachige Exegese wurden zwei von W. initiierte Kommentarreihen: das zur Vermittlung von aktuellen neutestamentlichen Ergebnissen an Personen aus der Verkündigungspraxis konzipierte „Regensburger Neues Testament“ (hg. mit O. Kuss, seit 1938), für das W. drei eigene Kommentare beisteuerte, und „Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament“ (seit 1953), den W. mit seinem Schüler und Freiburger Lehrstuhlnachfolger →Anton Vögtle (1910–1996) herausgab.
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Auszeichnungen
|päpstl. Hausprälat (1947);
Ehrenbürger v. Welschingen (1955);
Prälat-W.-Str., Welschingen (2016). -
Werke
|Der hl. Cassian, e. altchristl. Lehrer d. Tachygr., in: Archiv f. Stenogr. NF 2, 1906, S. 113–20;
Btrr. z. Gesch. d. Stenogr. aus d. Synoden d. 4. Jh. n. Chr., ebd. 4, 1908, S. 4–9 u. 33–39;
Der hl. Hieronymus u. d. Kurzschr., in: Theol. Quartalschr. 92, 1910, S. 50–87;
Kl. Btrr. z. Gesch. d. antiken Stenogr., in: Korr.bl. 66, 1921, S. 23–25 u. 38–43;
Die Herkunft d. Idee d. 1000j. Reiches in d. Johannes-Apokalypse, in: Röm. Quartalschr. 45, 1937, S. 1–25 u. 366–71;
– Bibliogr. bis 1953, in: Synopt. Stud. (s. L), S. 290–93. -
Literatur
|Synopt. Stud., FS z. 70. Geb.tag, 1953 (W, P);
O. Knoch, in: Bibel u. Kirche 15, 1960, S. 90;
J. Schmid, in: Bibl. Zs. 5, 1961, S. 92 f.;
A. Vögtle, in: Freiburger Diözesan-Archiv 82/83, 1962/63, S. 512–14;
I. Broer, Gebremste Exegese, Kath. Neutestamentler in d. ersten Hälfte d. 20. Jh., in: Neutestamentl. Wiss. n. 1945, hg. v. C. Breytenbach u. R. Hoppe, 2008, S. 89–98 (W, L);
Wi. 1935;
LThK2+3;
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
BBKL 13 (W, L). -
Autor/in
Lorenz Oberlinner -
Zitierweise
Oberlinner, Lorenz, "Wikenhauser, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 114-115 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118771701.html#ndbcontent