Zwoch, Gerhard
- Lebensdaten
- 1919 – 1983
- Geburtsort
- Engelsdorf bei Leipzig
- Beruf/Funktion
- Bibliothekar ; Ministerialdirektor ; Leiter der Hauptabteilung Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestag
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
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- Zwoch, Ernst Gerhard
- Zwoch, Gerhard
- Zwoch, Ernst Gerhard
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Zwoch, Ernst Gerhard (Gerd)
| Bibliothekar, Ministerialdirektor am Deutschen Bundestag und Leiter der Hauptabteilung Wissenschaftliche Dienste, * 26.9.1919 Engelsdorf bei Leipzig, † 6.1.1983 Bonn-Bad Godesberg. (evangelisch)
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Genealogie
V →Ernst, Schneider in E.;
M N. N.;
⚭ Eutin 1946 Erika Meyer († n. 1983);
S →Felix (1952–2014), aus Eutin, Architekturkritiker in Berlin, Publ., Mitarb. d. Zs. „Arch+“, 1981 d. „Bauwelt“, u. d. „Stadtbauwelt“, 1990 stv., 2002–10 Chefred. d. Zs. „Bauwelt“ u. „Stadtbauwelt“, Hg. d. „Bauwelt Berlin Annual 1996–1999/2000“, 1997–2000 (mit M. Dittmann) (s. Bauwelt 8, 2014). -
Biographie
Nach Besuch der Volksschule und der städtischen Leibnizschule in Leipzig (Reifeprüfung 1938) absolvierte Z. zunächst eine kaufmännische Lehre und nahm 1940–45 als Soldat am 2. Weltkrieg teil. Aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, studierte er ab 1946 in Kiel Geschichte, Deutsch und Pädagogik sowie Philosophie, Wirtschaftswissenschaften und Soziologie. 1951 bei →Otto Becker (1885–1955) mit einer Dissertation „Die Erfüllungs- und Verständigungspolitik der Weimarer Republik und die deutsche öffentliche Meinung“ zum Dr. phil. promoviert, begann Z. im selben Jahr ein Volontariat an der Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft an der Univ. Kiel unter der Leitung von →Wilhelm Gülich (1895–1960). Diese erhielt den Auftrag zum planmäßigen Aufbau der Parlamentsbibliothek des Dt. Bundestags.
Als erster Mitarbeiter des höheren Bibliotheksdienstes in der Bundestagsverwaltung wechselte Z. 1952 in die neu gegründete Wissenschaftliche Abteilung des Dt. Bundestags (1954 Bibl.rat, 1961 Oberbibl.rat, 1966 Min.rat, 1973 Min.dirigent, 1974 Min.dir.) nach Bonn. In dieser Funktion führte Z. nach Vorarbeiten und einem von →Gülich entwickelten Bibliothekssystem den Aufbau der Bibliothek des Dt. Bundestags durch, die sich unter seiner Leitung zu einer der weltweit bedeutendsten Parlamentsbibliotheken entwickelte. In der Nachfolge von →Hildegard Neumann (* 1892), Gülich und →Georg Wernicke (1909–1997) erfolgte 1964 Z.s Ernennung zum Leiter der Bibliothek. Er definierte die Prinzipien des Sammelns und der Erschließung durch einen neu anzulegenden Katalog. Die politikwissenschaftliche Literaturinformation des Dt. Bundestags umfaßt dabei primär Publikationen der Parteien sowie gesellschaftlicher Organisationen und Gruppen. Seit 1973 leitete Z. die Abteilung Wissenschaftliche Dokumentation, zu der neben der Bibliothek auch das Archiv und die Pressedokumentation zählte, im folgenden Jahr auch die Hauptabteilung Wissenschaftliche Dienste.
Kernaufgabe war zwar die stark zunehmende Inanspruchnahme durch die Abgeordneten und deren wiss. Mitarbeiter, doch darüberhinaus engagierte sich Z. immer mehr in der politischen Bildungsarbeit des Dt. Bundestags. Neben zahlreichen Broschüren, Artikeln für Zeitungen, Kalendern, Hörbüchern, Editionen (Reichstagsreden) und Filmen ist dabei die Ausstellung „1871–Fragen an die deutschen Geschichte“ 1971 im ehemaligen Reichstagsgebäude in Berlin und in der Paulskirche in Frankfurt/M. besonders hervorzuheben. Hieraus entwickelte sich die 1974 etablierte offiziöse Dauerausstellung in Berlin.
Mit →Lothar Gall (* 1936) und einem Team von Historikern wirkte Z. entscheidend mit an der Konzeption, Realisierung und stetigen Aktualisierung dieser Ausstellung zur Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland. Die sehr stark frequentierte Ausstellung gilt als ein „Meilenstein der Darstellung deutscher Geschichte“ und „Prototyp der großen historischen Ausstellungen in Deutschland“ (Schäfer, 2006, S. 273). Bis Okt. 1975 wurden 500 000 Besucher verzeichnet, bis 1994 ca. 14 Mio., darunter Generationen von westdt. und Berliner Schülern. Der von Z. mitverantwortete und vom Dt. Bundestag herausgegebene gleichnamige Katalog wurde von den Kultusministern der Länder für den Schulunterricht empfohlen und erreichte eine überaus hohe Auflagenzahl und Verbreitung (1971, ¹⁸1994, ca. 1,8 Mio. Exemplare, auch engl.).
Hierz trug Z. auch einen historischen Überblick „Was ist der Deutschen Parlament?“ bei. Als Geschäftsführer der Kunstkommission war Z. zudem u. a. für die Erwerbung von|zeitgenössischer Kunst durch den Dt. Bundestag zuständig.
Durch seine fachkundige Beratung und seine wissenschaftlich-bibliothekarischen Dienstleistungen unterstützte Z. nicht nur die Arbeit der Abgeordneten und ihrer Assistenten, sondern vermittelte auch einer breiten Öffentlichkeit ein positives Bild von der Entwicklung des dt. Parlamentarismus.
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Auszeichnungen
|BVK am Bande (1969, 1. Kl. 1974, Gr. BVK 1982);
Mitgl. d. Komm. f. Gesch. d. Parlamentarismus u. d. pol. Parteien (1974) u. d. Dt. Vereinigung f. Parl.fragen. -
Werke
|u. a. zahlr. Broschüren z. Gesetzgebung, Parlamentarismus, RT u. BT;
Gustav-Stresemann-Bibliogr., 1953;
Der 8. Mai 1945, 1965 (mit W. Keim);
Theodor Fontane als Zeit- u. Ges.kritiker, in: Aus Pol. u. Zeitgesch., Beil. z. Wochenztg. Das Parlament, 19, 1969, Nr. 51/52, S. 3–14;
Die umstrittene Tradition, Parlamentar. Demokratie in Dtld. v. 1848 bis 1933, in: Der Dt. BT 1949–1969, Eine Bestandsaufnahme, hg. v. W. Keim, 1969, S. 9–18;
Die Gr. Koalition in d. Weimarer Rep., in: Die Gr. Koalition 1966–1969, Eine krit. Bestandsaufnahme, red. v. A. Rummel, 1969, S. 169–75;
Politik u. Programme d. demokrat. Parteien 1919–1969, in: Parlamentar. Demokratie in Dtld. 1919–1969, 1970, S. 35–44;
Radikaler u. Realpolitiker, Erinnerungen an e. d. größten Redner d. dt. Parl.gesch., in: Die Zeit v. 8.11.1974;
Information u. Dokumentation im behördl. Bereich, Kurt Georg Wernicke z. 65. Geb.tag, 1974 (mit H. Kirchner u. E. Lutterbeck);
Koalition, Analytisches u. Dokumentarisches, 1974 (mit J. Lorenz);
The Parliamentary Research Services of the German BT, written by a working group under the chairmanship of G. Z., in: Internat. Journal of Law Libraries (IJLL) 4/1, 1976, S. 37–59;
Der Dt. BT, hg. v. Dt. BT, 1978 (mit C.-Ch. Kaiser u. W. Zeh), zahlr. weitere Aufll. 1981, 1985, 1995 (auch engl.);
Der RT, Bilder z. dt. Parl.gesch., hg. v. Dt. BT, 1981 u. ö., auch engl. 1985;
Von d. Paulskirche z. BT, Zur parlamentar. Tradition in Dtld., in: Der BT im Vfg.gefüge d. Bundesrep. Dtld., Btrr. z. 30j. Bestehen d. Dt. BT, hg. v. H. Klatt, 1980, S. 29–33;
Von d. Paulskirche zum Dt. BT, u. a. in: Der Dt. BT, 12. Wahlperiode, 1993 (auch als Hörbuch);
– Mithg.: Fragen an d. dt. Geschichte, Ideen, Kräfte, Entscheidungen v. 1800 bis z. Gegenwart, Hist. Ausst. im RTgebäude in Berlin, 1971 zunächst u. d. T. 1871–Fragen an d. dt. Geschichte, 1974, ab ³1977 zahlr. weitere Aufll., ⁴1979, ⁷1981, ¹²1986, ¹⁸1994, ²⁰2000 u. d. T. Fragen an d. dt. Gesch., Wege z. parlamentar. Demokratie, Hist. Ausst. im Dt. Dom in Berlin, hg. v. Dt. BT (Ausst.kat. mit L. Gall), hierin auch: Was ist der Deutschen Parlament? Ein hist. Überblick, S. 431–40;
– Hg.: H. Stresemann, RTreden, 1972;
R. Breitscheid, RTreden, 1974;
W. Marx u. H. Brüning, RTreden, 1974 (mit R. Morsey, Vorworte v. W. Scheel, A. Renger u. H. Kohl);
– Wiss. Beratung f. Filme: Stresemann, Spielfilm v. A. Braun, 1956;
Die Sitzung ist geschlossen (MdB), Dok.film v. K. Grimm, 1962;
Die Weimarer Rep. v. 1918–1925, dass. 1925–1930, dass. 1930–1933, alle 1963 (Videokassetten). -
Literatur
|H. Quaritsch, Die wiss. Dienste d. BT, in: FS f. Ernst Forsthoff z. 70. Geb.tag, hg. v. R. Schnur, 1972, ²1974, S. 303–20;
Ver. Dt. Bibliothekare, Jb. 49, 1981;
G. Hahn, in: Zs. f. Bibl.wesen u. Bibliogr. 30, 1983, S. 265 f.;
Gen.-Anz. (Bonn) v. 9.11.1982 u. 8.1.1983;
Das Parlament v. 20.11.1982 (P) u. 15.1.1983 (P);
Informationsdienst Bibl.wesen 14, 1983, S. 113;
R. Kortje, Parlamente brauchten immer viele Bücher, Der Umzug d. BT-bibl. v. Bonn n. Berlin ist beendet, in: Aus Pol. u. Zeitgesch., Beil. z. Wochenztg. Das Parlament v. 17.5.2004, 21/22;
H. Schäfer, „Fragen an d. dt. Geschichte“, Zur Genese e. Ausst.machers, in: Historie u. Leben, Der Hist. als Wissenschaftler u. Zeitgenosse, FS f. Lothar Gall, hg. v. D. Hein, K. Hildebrand u. A. Schulz, 2006, S. 273–87, bes. S. 273;
Lex. wiss. Bibliothekare;
– Mitt. d. Bibl. d. Dt. BT (W- u. L-Verz.), d. BA, d. StadtA Bonn, d. Univ.bibl. Kiel, d. Komm. f. Gesch. d. Parlamentarismus u. d. pol. Parteien sowie d. Ordenskanzlei d. Bundespräsidialamts. -
Porträts
|Gruppenphotogr. b. Empfang anläßl. d. 25j. Bestehens d. Komm. f. Gesch. d. Parlamentarismus u. d. pol. Parteien, Bonn 1977 (Dt. BT, Bilddatenbank).
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Autor/in
Bernhard Ebneth -
Zitierweise
Ebneth, Bernhard, "Zwoch, Ernst Gerhard (Gerd)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 808-809 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142202.html#ndbcontent