Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Bankiersfamilie
Konfession
jüdisch
Namensvarianten
  • Wertheimber
  • Wertheim
  • Wertheimer
  • mehr

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Zitierweise

Wertheimer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz140787.html [25.04.2024].

CC0

  • Biographie

    Der Name dieser Wiener Bankiersfamilie geht auf ihren Herkunftsort Wertheim/ Main zurück. Von dort aus zog sie vor 1659 nach Worms. Der erste bekannte Vertreter, Josef Josel (Joselin oder Joselmann) (1626–1713), war einer der Vorsteher der jüd. Gemeinde in Worms, wo er weitere Ehrenämter bekleidete. Bekanntheit und Bedeutung erlangte die Familie durch Josef Josels Sohn Samson (1658–1724, s. 1), der als Bankier, Hoffaktor und Rabbiner das bis ins 20. Jh. europaweit agierende Bankhaus der Familie begründete. Samson übergab seinem erstgeborenen Sohn Wolf Simon (Simon Wolf, Wolff) (1681–1765, s. 2) 1709 die Firma. Dieser weitete die geschäftlichen Beziehungen auf Bayern aus und stellte nach dem Bankrott der Firma 1733 das Bankhaus sowie die von seinem Vater testamentarisch gegründete „Samson-Wertheimer-Stiftung“ und „Hierosolymitanische Stiftung“ (Jerusalem-Stiftung) für die arme ashkenasische Bevölkerung im Hl. Land wieder her.

    Aufgrund der Geschäftstüchtigkeit von Samson und Wolf sowie der strategischen Verheiratung der Kinder Samsons und Wolfs gehörten die W. seit dem 18. Jh. zu einer der einflußreichsten jüd. Familien im dt. Sprachbereich. Die meisten Familienmitglieder blieben im Wesentlichen im Geld- und Kreditgeschäft tätig. Obwohl in Europa weit verstreut, prägte die Familie der Stolz auf die Abkunft von Samson. Die W. pflegten enge Beziehungen untereinander, heirateten meist innerhalb ihrer Verwandtschaft und wählten häufig für ihre Kinder die Vornamen vorhergehender Generationen. Kennzeichnend blieben die wohltätigen Aktivitäten der Familie und ihre Vertreterfunktion für die jüd. Gemeinde nach außen.

    Aus den Familien von Wolfs Söhnen Isaak (Samson) Wolf (1709–62) und Joseph Wolf (1720–69) gingen Ende des 18. und 19. Jh. die Zweige in Wien, Frankfurt und London hervor. Isaak Wolf war mit Simelie (Caecilie) Gomperz (1724–61) aus Kleve verheiratet, mit der er zwölf Kinder hatte. Seit 1727 war Isaak Wolf ksl. und kgl. Hoffaktor in Wien. Sein jüngerer Bruder Joseph Wolf heiratete| Caroline (Schönle) Ul(l)mann, die aus einer Pester Kaufmannsfamilie stammte. Das Paar hatte sechs Kinder, von denen der Sohn Salomon (1758–1834) mit seiner Frau Marianne Mirjam, geb. Oppenheim, verwitwete Itzig aus Königsberg (1758–1836), als Bankier von Mannheim nach Wien ging. Deren Sohn Joseph (1800–87, österr. Rr. 1868, s. 3) wurde dort der bedeutendste Vertreter der Familie.

    Geboren in Wien, erlernte Joseph den Kaufmannsberuf und war seit 1821 für die väterliche Firma tätig, gleichzeitig begann er seine Karriere als Publizist pädagogischer und emanzipatorischer Schriften. Bekannt wurde er gleichfalls für sein Engagement für Reformen im Judentum.

    Bedeutend wurde auch der Frankfurter Zweig der Familie, der auf Isaak Wolf und dessen Sohn Zacharias Issac (1744–1809) zurückgeht. Zacharias Issac heiratete Frumet Veronica (um 1755–1826), Tochter des Michael Joseph Speyer Zur Silbernen Krone aus Frankfurt, mit der er acht Kinder hatte. Ihr Sohn Wolf Zacharias (1782–1844) heiratete Eleonora Lea Wertheimer (um 1785–1871) aus Frankfurt, die ebenfalls von Isaak Wolf abstammte. Durch seine Geschwister war der als Bankier in Frankfurt residierende Wolf Zacharias mit den Familien Königswarter, Hertz (Herz), Wallach und Sugenheim verwandt; seine zwölf Kinder heirateten in die Familien Hackenbroch, Unger und v. Hirsch ein. Der Maler Moritz Daniel Oppenheim (1800–82) fertigte um 1820 ein Porträt von Wolf Zacharias an, das ihn in jungen Jahren zeigt (Öl/ Lwd., Leo Baeck Inst., New York).

    Der Londoner Familienzweig geht zurück auf Samson Yechiel (um 1811–92), einen Urenkel von Isaak Wolf, verheiratet mit Helena Henrietta, der während der Industriellen Revolution in England reich wurde. Sein Sohn Asher (1844–1918) reüssierte als Kunsthändler bei den Aristokraten und Neureichen Londons. Asher heiratete die aus London stammende Flora Joseph (1846–1922) und hatte mit ihr zehn Kinder. 1898 gab Asher aus Anlaß seiner Silbernen Hochzeit bei dem Maler John Singer Sargent eine Porträtreihe seiner gesamten Familie in Auftrag, von denen die Porträts Ashers und Floras 1898 in der Royal Academy präsentiert wurden.

    Eine große Zahl von Familien, die den Namen Wertheimer, Wertheim, Wertheimber oder Wertheimstein tragen, führen ihren Stammbaum auf Samson und seine Kinder zurück. Heute leben die Nachkommen der Familie v. a. in Israel, den USA und Großbritannien.

  • Literatur

    L G. Wolf, Joseph W., Ein Lebens- u. Zeitbild, Btrr. z. Gesch. d. Juden Oesterr. in neuester Zeit, 1868;
    D. Kaufmann, Zur Gesch. jüd. Fam. I: Samson W., d. Oberhoffactor u. Landesrabbiner (1658–1724) u. seine Kinder, 1888;
    M. Grunwald, Samuel Oppenheimer u. sein Kreis, S. 252–57;
    ders., Die Deszendenten Simson W.s, in: Jüd. Fam.forsch. 1, 1924, S. 166–71 u. 233–35;
    B. Wachstein, Die Inschrr. d. alten Judenfriedhofes in Wien, 2 Bde., 1912 / 17;
    D. I. Taglicht, Nachlässe d. Wiener Juden im 17. u. 18. Jh., Ein Btr. z. Finanz-, Wirtsch.- u. Fam.gesch. d. 17. u. 18. Jh., 1917;
    S. Stern, The Court Jew, 1950, S. 88–99, dt. u. d. T. Der Hofjude im Za. d. Absolutismus, übers., komm. u. hg. v. M. Sassenberg, 2001, S. 80–90;
    L. Fraenkel u. H. Fraenkel, Forgotten Fragments of the Hist. of an Old Jewish Family, 2 Bde., 1975;
    N. Kleeblatt (Hg.), John Singer Sargent, Portraits of the W. Family, 1999;
    F. Heinmann-Jelinek, Hofjuden u. Identitätswandel, e. Konstrukt?, Die Deszendenz d. Fam. W., in: R. Ries u. J. F. Battenberg (Hg.), Hofjuden, Ökonomie u. Interkulturalität, Die jüd. Wirtsch.elite im 18. Jh., 2002, S. 354–68.

  • Familienmitglieder

  • Zitierweise

    Thulin, Mirjam, "Wertheimer" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 858-859 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz140787.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA