Lebensdaten
1882 – 1958
Geburtsort
Brünn
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Jurist ; Nationalökonom
Konfession
mehrkonfessionell
Namensvarianten
  • Weinberger, Otto

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Zitierweise

Weinberger, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz139896.html [18.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Igna(t)z (1845–1907);
    M Rosa (1843–1907, wohl seit 1844 / 45 kath.?), Kauffrau, Mitinh. d. väterl. Baumwollhandels, T d. Moritz (bis 1843 Moses) Singer (1805–74, jüd., wohl seit 1843 kath.?), Baumwollhändler in B., u. d. Rosalia Herzlová (1822–80, jüd., seit 1848 kath.?);
    B Moritz (* 1880), Erhard (* 1884, Linda Wellisch, 1884–1942 Theresienstadt);
    1911 Esther Tomadoni (* 1891), aus Udine;
    1 S Erhard (* 1912);
    N Ilse Bondy (1912–44 Auschwitz).

  • Biographie

    Nach dem Abitur am Dt. Gymnasium in Brünn 1900 studierte W. Rechts- und Staatswissenschaften sowie Volkswirtschaftslehre an der Univ. Wien, wo er 1905 zum Dr. iur. promoviert wurde. Danach begann seine Karriere als Richter (1914 Bezirksrichter, 1923 Landesger.rat). Am Handelsgericht Wien wurde er als Experte für Seerecht 1935 zum Senatsvorsitzenden ernannt.

    Daneben galt W.s großes Interesse der Nationalökonomie. Von der Univ. Wien wurde er 1923 mit einer 1922 bei Carl Grünberg (1861–1940) eingereichten Arbeit über Adam Müller sowie seiner Übersetzung und Einleitung von William Stanley Jevons’ (1835–82) Hauptwerk „The Theory of Political Economy“ (Die Theorie d. pol. Ökonomie, 1924) zum Dr. rer. pol. promoviert.

    Unmittelbar nach dem „Anschluß“ wurde W. am 15. 3. 1938 aufgrund seiner „nicht-arischen“ Herkunft als Senatsvorsitzender des Wiener Handelsgerichts entlassen. Am 14. 9. 1938 erfolgte die zwangsweise Pensionierung aus politischen Gründen, am 3. 10. 1946 die Wiederernennung zum Senatsvorsitzenden. In der berufslosen Zeit studierte er Kath. Theologie an der Univ. Wien. Am 25. 9. 1945 habilitierte sich W. im Fach Theoretische Nationalökonomie an der Univ. Wien, die ihn am 29. 3. 1946 auch zum Privatdozenten für Soziologie ernannte (ao. Prof. 1951). Am 22. 5. 1946 wurde W., ein gläubiger Katholik, in Wien mit der Arbeit „Die Wirtschaftsphilosophie des Alten Testaments“ (1948) zum Dr. theol. promoviert. 1953 wurde er, seit 1949 Senatspräsident der Beschwerdekommission des Innenministeriums, pensioniert.

    Schwerpunkt von W.s wissenschaftlichem Werk ist der Versuch einer Synthese der drei Richtungen der Grenznutzenschule, deren theoriegeschichtliche Entwicklung und Gemeinsamkeiten er in „Die Grenznutzenschule“ (1926) anhand der Untersuchungen von Jevons, Hermann Heinrich Gossen (1810–58) und Léon Walras (1834–1910) analysierte. In seinem nachfolgenden Hauptwerk „Mathematische Volkswirtschaftslehre, Eine Einführung“ (1930) lotete W. die Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung mathematischer Methoden in der Ökonomie aus. Ebenso wie Joseph Schumpeter (1883–1950) hob W. die Leistung von Walras und der Lausanner Schule hervor, erstmals eine Theorie des allgemeinen wirtschaftlichen Gleichgewichts formuliert zu haben. Deutlich arbeitete er auch den psychologischen Charakter der österr. Schule von Carl Menger (1840–1921), Eugen Böhm v. Bawerk (1851–1914) und Friedrich Wieser (1851–1926) heraus und betonte, daß diese geisteswissenschaftlich eingestellten Gelehrten keine Sympathien für die Verwendung mathematischer Methoden hatten. Gleichwohl weise ihre Zurechnungslehre große Ähnlichkeiten mit der Gleichgewichtstheorie der Lausanner Schule auf, so „daß die österreichische und die mathematische Schule keine Gegensätze darstellen“ (Die math. Methode u. d. österr. Schule d. Volkswirtsch. lehre, in: Jbb. f. Nat.ök. u. Statistik 137, 1932, S. 189–97, hier S. 197).

    W. verfaßte zahlreiche Lehrbücher wie „Grundriss der Volkswirtschaftslehre“ (2 Bde., 1949). Er war ein großer Kenner der Werke bedeutender Ökonomen Italiens. So erschienen die von ihm 1930 übersetzten und eingeleiteten „Grundlinien der Geldtheorie“ von Gustavo Del Vecchio (1883–1972) 1997 erstmals in einer ital. Ausgabe. Insbesondere war W. von dem Werk Vilfredo Paretos (1848–1923) als Ökonom, Soziologe und Philosoph fasziniert, zu dem er bereits 1938 seine „Metodologia Paretiana“ im „Giornale Critico Della Filosofia Italiana“ (Bd. 19, 1938, vol. 6, fasc. 4–5) verfaßte.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. v. 7 internat. Akademien, u. a. korr. Mitgl. d. Acc. di Scienze Morali e Politiche, Neapel u. d. Acc. Virgiliana, Mantua;
    Mitgl. d. Kath. Ak., Wien.

  • Werke

    |Adam Müller, in: Zs. f. d. gesamte Staatswiss. 77, 1922, S. 89–114;
    Die Wiss.- u. Ges.lehre Adam Müllers, ebd. 78, 1924, S. 394–434;
    Pareto u. d. materialist. Gesch.auffassung, ebd. 106, 1950, S. 460–72;
    Eugen v. Böhm-Bawerk, ebd. 53, 1925, S. 491–508;
    Eine synthet. pol. Ökonomie, in: Jbb. f. Nat.ök. u. Statistik 132, 1930, S. 177–99;
    Grundriß d. Allg. Wirtsch.philos., 1958.

  • Literatur

    | W. Weber, in: Hdwb. d. Staatswiss., Bd. 11, 1961, S. 600 f.;
    G. Del Vecchio, Lineamenti di Teoria Monetaria, eingel. u. hg. v. A. Graziani u. R. Realfonzo, 1997;
    T. Olechowski u. a., Die Wiener Rechts- u. Staatswiss. Fak. 1918–1938, 2014;
    BHdwE II;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    Qu Österr. StA, Wien.

  • Porträts

    |Photogr. im Personalakt, Österr. StA, Wien.

  • Autor/in

    Harald Hagemann
  • Zitierweise

    Hagemann, Harald, "Weinberger, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 629-630 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz139896.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA