Lebensdaten
1891 – 1962
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Erzählerin ; Lyrikerin ; Publizistin
Konfession
konfessionslos
Namensvarianten
  • Wagner, Helene Alma (geborene)
  • Sirotek, Lenka (Pseudonym)
  • Voigt, Lene (verheiratete)
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Zitierweise

Voigt, Lene (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz137314.html [13.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Bruno Wagner (1863–1917 Freitod), aus Bockwa b. Zwickau, Schriftsetzer;
    M Alma Maria Pleißner (1860–1924), aus L., Verlagskontoristin;
    Leipzig 1914 1920 Otto Voigt (1890–1976), Orchestermusiker;
    1 S Alfred (Freddi) (1919–24).

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Volksschule in Leipzig 1897–1903 und anschließender Tätigkeit als Kindermädchen war V. als Verlagskontoristin seit 1905 im Verlag B. G. Teubner, dann 1916 / 17 im Barsortiment K. F. Koehler und 1917–19 in der Auslieferungsstelle des Insel Verlags Anton Kippenberg in Leipzig tätig. 1920–23 arbeitete sie als Angestellte bei der Außenhandelsnebenstelle für das Buchgewerbe. 1923–29 lebte sie als freie Schriftstellerin in Leipzig, dann in Bremen, 1934 in Lübeck, 1935 / 36 in Flensburg, 1937 in München sowie 1938 in Hamburg und 1938–40 in Berlin. 1940 nach Leipzig zurückgekehrt, wurde sie in der Druckerei Giesecke & Devrient dienstverpflichtet und war danach bis 1943 Fakturistin im Verlag Lange & Meuche. 1946 fand V. eine Anstellung beim Rat der Stadt Leipzig, Abt. Handel und Versorgung, Markenrücklaufstelle. 1936 bereits für sechs Wochen in die psychiatrische Anstalt in Schleswig eingewiesen, kam V. im Juli 1946 das erste Mal in die Heilanstalt Leipzig-Dösen, wurde dann in die Landesheilanstalt Altscherbitz verlegt und dort im Febr. 1947 entlassen. Im Juli 1949 erfolgte ihre erneute Aufnahme als Patientin in Leipzig-Dösen, wo sie später als Buchhalterin und Botin tätig war.

    Ihr literarisches Debüt gab V. 1906 mit der Humoreske „Geister“ in der Zeitschrift „Der|Leipziger“. Seit 1908 publizierte sie (bis 1914 unter ihrem Geburtsnamen) zahlreiche Beiträge u. a. für die Zeitungen „Die Leipziger Hausfrau“ (1913–19), „Neue Leipziger Zeitung“ (1925–36), „Fränkischer Kurier“ (Nürnberg 1926–33) sowie die Zeitschriften „Der Drache“ (1921–25), „Der gemütliche Sachse“ (1924–28), „Der lustige Sachse (1929–37) und „Proletarische Heimstunden“ (1923–25). Politisch links stehend, ohne einer Partei anzugehören, erhielt V. 1936 ein Arbeitsverbot durch die Reichsschrifttumskammer wegen „Verunglimpfung des sächsischen Stammes“; 1937 wurden ihre Schriften verboten.

    Ihren Ruf als führende sächs. Mundartdichterin und Humoristin erwarb V. mit den Werken „Säk’sche Glassigger“ (2 Bde., 1925 / 27, Nachdr. München 1955, Neuausg. 2002 u. 2005, Teilausg. u. d. T. „De Reiwr, Ä Schdurm- un Drangschdigge v. zwee Briedern aus gudr Familche“, 1999) und „Säk’sche Balladen“ (2 Bde., 1926 / 29, Neuaufl. 1943, Nachdr. München 1955 u. 1978, Neuausg. 2002), denen mehrere Sammlungen von Erzählungen und satirischen Theaterstücken bis zu ihrem letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Buch „Leibzcher Lindenblieten“ (1935) folgten. Nach 1945 erschienen in Westdeutschland Neuauflagen der Bände „Mir Sachsen“ (2 Bde., 1928 / 29) 1957 (³1969), „Leibzcher Lindenblieten“ (1935) 1958 und „Die sächs. Odyssee“ (1934) 1960 – vermutlich ohne V.s Wissen. In der DDR, wo die sächs. Mundart nicht geschätzt und das Land Sachsen 1952 aufgelöst wurde, wurden keine Nachdrucke veröffentlicht. Erst durch die Aufführungen des Leipziger Kabaretts „academixer“ („Dr. Saggse, Mänsch un Miedos“, mit B.-L. Lange, 1980; „Unverwüstlich“, 1984) gewann V.s Werk wieder an Popularität. Ihre Stücke, die im neuen Bundesland Sachsen hohe Publikumszahlen erreichen, werden heute auch in anderen Teilen Deutschlands aufgeführt. Die 1995 in Leipzig gegründete „Lene-Voigt-Gesellschaft“ verantwortet V.s Werkausgabe (6 Bde., bearb. v. M. u. W. U. Schütte u. G. Trillhaase, 2004–11, P), gibt die „Lene-Voigt-Blätter“ heraus und veranstaltet jährliche L.-V.-Vortragswettbewerbe, um die Bekanntheit von V.s Werk zu fördern und ihre Bedeutung nicht nur als Mundartdichterin, sondern auch als hochsprachliche Schriftstellerin zu betonen.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Allg. Schriftst.ver. (1923);
    – L.-V.-Mittelschule, Leipzig-Lößnig (seit 1972);
    L.-V.-Str., Leipzig-Probstheida (seit 1991);
    L.-V.-Park, Leipzig (seit 1999);
    Kaffeekab. „L. V.“ mit Bildern, Ausst.-stücken u. Gesch., Ratskeller d. Leipziger Neuen Rathauses (seit 2000, P).

  • Werke

    Weitere W u. a. Mally d. Fam.schreck, 1927, mit d. Untertitel „Satiren, Gedichte u. noch mehr“ Neuausg. 1987;
    Säk’sches Gemiese, Ein lustiges sächs. Vortragsbuch, 1928, mit d. Untertitel „Eine Slg. sächs. Poesie u. Prosa“, 1963;
    In Sachsen gewachsen, Neie Gleenichgeeten, 1932, Neuaufl. 1967;
    Vom Pleißestrand nach Helgoland, 1934, neu hg. u. mit e. Nachwort vers. v. W. U. Schütte, 1990;
    1955er Musenkinder, 1955, Neuausg. 1988;
    W-Ausgg. Bargarohle, Bärchschaft un sächs’sches Ginsdlrblud, Lauter gleenes Zeich zum Vortragen u. noch etwas mehr, zus.getragen u. mit e. Nachwort versehen v. W. U. Schütte, 1983, ²1984;
    ’s war ämal, 1988, ⁸2011;
    Wo de Bleisse bläddschderd, mit G. Hopf hg. v. M. Schütte, 1990;
    Das gr. L. V. Buch, hg. v. M. u. W. U. Schütte, 1991, ³2010;
    Nu grade! Bekanntes, weniger Bekanntes u. Neuaufgefundenes, hg. v. W. U. Schütte, 1995;
    Sächs. Kleinkram, 24 Gedichte, 2000;
    L. V. Kochbuch, hg. u. Auswahl d. Texte u. Rezepte v. W. U. Schütte unter Mitarb. v. G. Trillhaase, 2000;
    Das kl. L. V. Buch, Textauswahl v. F. Hampel u. a., 2007;
    L. V. Weibergespräche, Ein biograf. Spaziergang v. W. U. Schütte, 2008;
    W. U. Schütte, Das zweite Ich d. L V., Notizen mit Neuigkeitswert über e. als Mundartdichterin geführte Schriftst., 2010;
    Bibliogr.: Alphabet. Titelverz. d. Werke v. L. V., erarb. v. M. u. W. U. Schütte unter Mitarb. v. G. Trillhaase, 2000;
    Werkverz. v. W. U. Schütte 1967–2000, 2000;
    Bibliogr. v. G. Trillhaase u. M. u. W. U. Schütte, 2012.

  • Literatur

    |J. Günther, L. V.s „Säk’sche Balladen“, in: Neue Dt. Hh. 25, 1978, S. 796 f.;
    W. U. Schütte, „Nebstbei zäumte ich den Pegasus“, Mundartdichterin u. Gebrauchslyrikerin, in: Frauen in Leipzig, Ich muß mich ganz hingeben können, hg. v. F. Bodeit, 1990, S. 191–203;
    ders., in: Sächs. Volkskal. 1992, S. 63–68;
    ders., „Mein Lebensgepäck heißt Humor …“, L. V.s Biogr., 2003, ²2003 (P);
    T. R. Müller, „Mei letzter Wunsch“ half auch nicht, Heute vor 50 J. starb L. V. in d. Heilanstalt Dösen, in: Leipziger Volksztg. v. 16. 7. 2012, S. 9;
    Stadtlex. Leipzig;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Wedel, Autobiogrr. Frauen;
    Radiofeatures „ Unterm Pantoffel d. Musen“, Drei Weggefährten d. L. V., Feature, MDR 23. 9. 2000, 24. 9. 2005 u. 16. 7. 2012;
    „Salzch gommds een uff de Libbn …“, Die sächs. Schriftst. L. V. in Bremen, Radio Bremen, 15. 7. 1990 u. 27. 9. 1997.

  • Autor/in

    Monica Schütte, Wolfgang U. Schütte
  • Zitierweise

    Schütte, Monica; Schütte, Wolfgang U. , "Voigt, Lene" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 66-67 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz137314.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA