Lebensdaten
1918 bis 2006
Geburtsort
Stockholm
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Sängerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118767305 | OGND | VIAF: 110789689
Namensvarianten
  • Varnay, Ibolyka Astrid Mária
  • Várnay, Astrid
  • Weigert, Astrid (verheiratete)
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Zitierweise

Varnay, Astrid, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118767305.html [08.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander (1889–1924), aus Kaschau (Slowakei), dramat. Tenor, erhielt nach e. Studium d. Med. in Wien e. Gesangsausbildung am Konservatorium d. Ges. d. Musikfreunde ebd., gefördert v. Karl Goldmark, in Paris unterrichtet v. Jean de Reszke, 1911–14 an d. Volksoper in Budapest, 1916 in St., 1918–21 Oberregisseur u. künstler. Leiter an d. Opera Comique in Kristiania (Oslo), 1923 Regisseur am Teatro Nuevo in Buenos Aires u. am Manhattan Opera House in New York, S d. N. N. Várnay, aus Kaschau; seit 1926 Stief-V Fortunato De Angelis (* um 1900), aus Rom, Tenor, kehrte um 1935 aus New York n. Italien zurück;
    M Mária Jávor (eigtl. Mária Junghans) (1889–1976), aus Perjámos (Banat), Koloratursopranistin, besuchte d. Klosterschule in Budapest-Rákosliget, erhielt 1906–10 e. Gesangsausbildung am Franz-Liszt-Konservatorium in Budapest, bis 1914 an d. Volksoper ebd. engagiert, 1916 in St., 1918–21 an d. Opera Comique in Kristiania (Oslo), 1923 am Teatro Nuevo in Buenos Aires, T d. József Junghans, Richter, u. d. Anna N. N.;
    Connecticut (USA) 1944 Hermann Oskar (1890–1955, 1] Margarete Levy), Musikpäd., Pianist, Komp., Dirigent, studierte an d. Hochschule f. Musik in Berlin, Korrepetitor in Magdeburg, Lübeck u. 1919–33 an d. Staatsoper in Berlin, ebd. auch Leiter d. Studienklasse u. Kapellmeister, Prof. an d. Hochschule f. Musik in Berlin, emigrierte 1934 n. Johannesburg (Südafrika), 1934–47 Chefkorrepetitor d. Metropolitan Opera in New York f. d. dt. Repertoire, 1941 amerik. Staatsbürger, 1952–54 musikal. Assistent u. Studienleiter b. d. Bayreuther Festspielen (s. L), S d. Alfred Weigert ( 1896), Kaufm. in Breslau, u. d. Olga Hamburger ( 1926); kinderlos.

  • Leben

    V., die 1923 mit ihren Eltern nach New York gekommen war, besuchte die William L. Dickinson High School in Jersey City (New Jersey) und wollte ursprünglich Pianistin werden. Gesangsunterricht erteilte ihr die Mutter erstmals 1935 auf Anregung des Musiklehrers, kontinuierlich seit 1938, doch absolvierte V. zur finanziellen Absicherung eine Ausbildung zur Handelssekretärin. 1939 wandte|sie sich auf Empfehlung der befreundeten Kirsten Flagstad an Hermann Weigert, um mit ihm ihr künftiges Stammrepertoire einzustudieren. Drei Vorsingen 1940/41 führten schließlich zu einem Vertrag mit der Metropolitan Opera in New York. Ihr Bühnendebüt gab V. im Dez. 1941, als sie in der Partie der Sieglinde (Die Walküre v. R. Wagner) für Lotte Lehmann (1888–1976) einspringen mußte. Sechs Tage später ersetzte sie in derselben Produktion Helen Traubel als Brünnhilde. Ihr offizielles Met-Debüt beging V. im Jan. 1942 mit der Elsa (Lohengrin v. R. Wagner), die Elisabeth (Tannhäuser v. R. Wagner) folgte noch im selben Monat. 1943 wurde V. amerik. Staatsbürgerin. 1944 gestaltete sie ihre erste Kundry (Parsifal v. R. Wagner), 1945 auch Isolde (Tristan u. Isolde v. R. Wagner) und Ortrud (Lohengrin). 1946 debütierte V. an der San Francisco Opera als Elsa, 1947 stellte sie an der Met ihre Eva vor (Die Meistersinger v. Nürnberg v. R. Wagner) und übernahm in einer Aufführung von Wagners „Ring des Nibelungen“ unter Erich Kleiber (1890–1956) am Teatro Colón (Buenos Aires) erstmals alle drei Brünnhilden. 1948 debütierte V. an der Londoner Covent Garden Opera (Brünnhilde, in: Siegfried). 1949 sang sie unter Dimitri Mitropoulos in der New Yorker Carnegie Hall die Elektra (v. R. Strauss), 1951 präsentierte sie sich in drei Verdi-Partien, der Lady Macbeth (Macbeth) beim Maggio Musicale in Florenz sowie mit Leonora (Il trovatore) und Aida in Covent Garden. Anschließend reiste sie zu den Bayreuther Festspielen, wo sie bis 1958 allsommerlich die drei Brünnhilden interpretierte (auch 1960, zuletzt 1962). Ihre maßgebliche Mitwirkung an Wieland Wagners NeuBayreuth, die sich bis 1967 fortsetzte, umfaßte aber auch einzelne jugendlich-dramatische (u. a. 1954/55 Sieglinde; 1955/56/59 Senta, in: Der fliegende Holländer) und sämtliche hochdramatischen Partien (u. a. 1952/53/63 Isolde, 1953/54/58–60/62/67 Ortrud, 1956/57/65/66 Kundry). Seit 1951 gastierte V. u. a. auch in Berlin (Dt. Oper), San Francisco, New York, Chicago, Barcelona, Zürich, Hamburg, Paris, London, Stuttgart (u. a. Jokaste, in: Ödipus d. Tyrann v. C. Orff, UA 1959), Wien, Mailand sowie bei den Salzburger Festspielen (1964/65 Elektra). Ihre künstlerische Heimat fand sie v. a. an der Dt. Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg (1956–91) und an der Bayer. Staatsoper in München (1952 Debüt als Marschallin, in: Der Rosenkavalier v. R. Strauss, letzter Auftritt 1995/96 als Njanja, in: Boris Godunow v. M. Mussorgski); in München wurde sie 1959 auch ansässig. Seit 1972 gelang es ihr, sich eine zweite Karriere im dramatischen Mezzo- und Charakterfach aufzubauen. 1987 nahm V. zudem eine Lehrtätigkeit am Opernstudio der Bayer. Staatsoper auf.

    V. war eine der wenigen Naturbegabungen, die dank einer großen, kräftigen, reichen und, in ihrem Fall, mezzohaft timbrierten Stimme von Anfang an dem hochdramatischen Fach zustrebte und, auf Grund eines letztlich kriegsbedingten Mangels an geeigneten Rollenvertreterinnen in New York, sofort zum Zuge kam. Die unausweichliche Stimmkrise ereilte sie bereits Mitte der 1940er Jahre, konnte aber mit Hilfe des Tenors Paul Althouse bewältigt werden. Als Sängerdarstellerin von außergewöhnlichem Format suchte sie die stimmliche wie darstellerische Dimension ihrer Rollen mit der ihr eigenen Intensität auszuloten und dadurch Charaktere und Menschenschicksale zu formen. Auf ihre künstlerische Intelligenz wirkte die Begegnung 1951 in Florenz (Macbeth) mit Gustaf Gründgens (1899–1963) zusätzlich befruchtend. Die dramaturgisch-analytische Weiterbeschäftigung mit ihren Rollen ließ sie zur Verfechterin des Inhalts respektive der Botschaft eines Werks werden, die Regie als dienende Aufgabe verstand und werkfremde Ideen ablehnte. Selbst Kleinstpartien, in denen sie zuletzt auftrat, vermochte sie durch ihre einzigartige Bühnenpräsenz und Ausstrahlung entscheidend aufzuwerten.

  • Auszeichnungen

    A Bayer. Kammersängerin (1963); Goldener Ehrenring d. Stadt Bayreuth (1968); Bayer. Maximiliansorden f. Wiss. u. Kunst (1981); Wilhelm-PitzMedaille (1988); Meistersinger-Medaille d. Bayer. Staatsoper (2003).

  • Werke

    Weitere W u. a. Rollen: Leonore (Fidelio v. L. van Beethoven);
    Küsterin (Jenufa v. L. Janáček);
    Claire Zachanassian (Der Besuch d. alten Dame v. G. v. Einem);
    Herodias (Salome v. R. Strauss);
    Amme (Die Frau ohne Schatten v. dems.);
    Klytämnestra (Elektra v. dems.);
    Santuzza u. Mamma Lucia (Cavalleria rusticana v. P. Mascagni);
    Aase (Peer Gynt v. W. Egk); Autobiogr.: 50 Years in 5 Acts, My Life in Opera, 1996, dt. u. d. T. Hab mir’s gelobt, 55 J. in fünf Akten u. einem Prolog, 1997 (Abb., Rollenverz., Diskogr.); – Fernsehaufzeichnung d. Bayer. Rundfunks: „Jenufa“ (Küsterin), Dir. R. Kubelik, Regie G. Rennert, Bayer. Staatsoper 1970; Fernsehfilme: „Salome“ (Herodias), Wiener Philharmoniker, Dir. K. Böhm, Regie G. Friedrich, 1974 (DG, DVD 2007) u. „Elektra“ (Klytämnestra), Wiener Philharmoniker, Dir. K. Böhm, Regie G. Friedrich, 1981 (DG, DVD 2005).

  • Literatur

    L J. Müller-Marein u. H. Reinhardt, Das musikal. Selbstporträt v. Komp., Dirigenten, Instrumentalisten, Sängerinnen u. Sängern unserer Zeit, 1963, S. 157–64;
    B. W. Wessling, A. V., 1965 (Abb., Diskogr.);
    E. Schwaiger, Warum d. Applaus? Berühmte Interpreten über ihre Musik, 1968, S. 290–94;
    R. Jacobson, Reverberations, Interviews with the World’s Leading Musicians, 1974, S. 248–57;
    ders.,| V. revisited, in: Opera News, Dez. 1974, S. 24–26;
    J. M. Fischer, Gr. Stimmen, 1995, S. 261–63;
    A. Pâris, Klass. Musik im 20. Jh., 21997;
    S. Precht, Die 50er Jahre u. d. Prinzregententheater, Kammersängerin A. V. blickt zurück, in: Applaus 1, Suppl., 1997, IV-VI (Abb., P);
    D. D. Scholz, Und was macht d. Schicksal? A. V. im Gespräch, in: Opernwelt 5, 1997, S. 38–41 (Abb., P);
    ders., Mythos Primadonna, 1999, S. 285–93;
    Th. Keilberth, Joseph Keilberth, Ein Dirigentenleben im XX. Jh., 2007;
    J. M. Fischer, Singende Menschengestalterin, Zum Tod d. Sopranistin A. V., in: SZ v. 5. 9. 2006;
    W. Sinkovicz, In dieser Stimme wurden Schicksale hörbar, in: Die Presse (Wien) v. 5. 9. 2006;
    G. Rohde, Wie e. Baum im Raum, in: FAZ v. 6. 9. 2006;
    A. Tommasini, A. V., Wagnerian soprano, is dead at 88, in: New York Times v. 5. 9. 2006;
    A. Tubeuf, L’Offrande musicale, Compositeurs et interprètes, 2007, S. 938–41;
    J. Kesting, Die gr. Sänger, 2008;
    Riemann;
    Enc. dello Spettacolo;
    K. J. Kutsch, L. Riemens, Gr. Sängerlex., 42003;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Munzinger;
    P. Suter, Sänger-Lex., Sängerinnen u. Sänger in d. Schweiz v. 1900 bis heute, 1989;
    New Grove2;
    MGG²;
    ÖML;
    BMLO;
    zu Hermann O. Weigert: Dt. Musiker-Lex., hg. v. E. H. Müller, 1929;
    Who’s who today in the muscial world, 1936–37, 1938;
    Lex. d. Juden in d. Musik, 1940;
    Biographical Encyclopedia of the World, 3 1940–46;
    Bibliographia Judaica, 1981–96;
    St. Stompor, Künstler im Exil, Bd. 2, 1994, S. 489 f.; BMLO.

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Varnay, Astrid" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 714-716 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118767305.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA