Lebensdaten
1922 bis 1980
Geburtsort
Weilburg/Lahn
Sterbeort
Lippstadt
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Drehbuchautor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 115589120 | OGND | VIAF: 111171845
Namensvarianten
  • Valentin, Gerold
  • Valentin, Armin Gerold (eigentlich)
  • Valentin, Thomas (Pseudonym)
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Biografische Lexika/Biogramme

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Zitierweise

Valentin, Thomas (Pseudonym), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115589120.html [31.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Otto Adolf (1896–1965), aus Gießen, Knappschaftssekr. in Löhnberg b. W., S d. Karl, Steinbruchbes., u. d. Luise Laucht;
    M Lina (1896–1965, 2] Erich Lehwalder, 1912–65?, Kunstgewerbler), T d. Adolph Theodor Gelbert (1870–1947), Steinmetzmeister, 1929–34 Bgm. v. Löhnberg, u. d. Katharine Caroline Hofmann (1873–1959);
    1 B Hans (1930–2003);
    Bremen 1972 Jutta Ursula Kauder, Kostümbildnerin.

  • Leben

    V. wuchs in Löhnberg, seit 1925 in Weilburg/Lahn auf, wo er 1932–36 das Gymnasium Philippinum besuchte. Nach der Scheidung der Eltern lebte er seit 1936 mit seiner Mutter in Herborn und besuchte das Gymnasium in Dillenburg. 1940 erhielt er sein Abitur und studierte, vom Kriegsdienst aus gesundheitlichen Gründen freigestellt, in Gießen Dt. Philologie. Ein Dissertationsversuch mit einer Untersuchung über Schillers „Demetrius“Fragment scheiterte 1944. Nach Kriegsende ließ er sich zum Lehrer ausbilden und unterrichtete 1947–51 an der Wilhelmschule, danach an der städtischen Realschule für Jungen in Lippstadt. 1962 schied er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Schuldienst aus.

    Bereits in den 1950er Jahren verfaßte V. Gedichte und kürzere Prosastücke, die er wiederholt an Hermann Hesse (1877–1962) schickte, der 1957 in einem Zeitungsgespräch nachdrücklich auf V.s Talent aufmerksam machte. Waren diese frühen Arbeiten noch weitgehend epigonal, orientiert v. a. am Vorbild Hesses, fand V. in seinem Debütroman „Hölle für Kinder“ (1961) mit einem Authentizität beanspruchenden szenischen Realismus zu einem eigenen Ton. Hatte er sich in den 1950er Jahren noch auf eine Poetik der Welt- und damit auch der Politikferne berufen, bewegte er sich mit seinen in den 1960er und 1970er Jahren entstandenen Werken konsequent in den Bahnen einer „politischen“, sich einmischenden Kunst. Einem größeren Publikum wurde er bekannt mit dem Schulroman „Die Unberatenen“ (1963), in dem er sich kritisch mit dem Bildungssystem und dem mangelnden Geschichtsbewußtsein der westdt. Nachkriegsgesellschaft auseinandersetzte. Der in zahlreiche Sprachen übersetzte und auch in der DDR veröffentlichte Roman wurde 1965 in einer von V. zusammen mit Robert Muller (1925–98) geschriebenen Bühnenfassung in der Regie Peter Zadeks (1926– 2009) am Bremer Theater uraufgeführt. Zadek inszenierte den Roman 1966 als Fernsehstück und verfilmte ihn 1969 unter dem Titel „Ich bin ein Elefant, Madame“ (Silberner Bär, Berlinale 1969). V. selbst war seit 1964 als Dramaturg in Bremen engagiert, verließ das Theater aber 1966, um sich ganz auf die Schriftstellerei zu konzentrieren. Fortan zog er sich für mehrere Monate im Jahr aus seiner Lippstädter Wohnung zum Schreiben nach Cefalù (Sizilien), seit 1971 nach Gardone Riviera am Gardasee zurück, wo er seit 1972 ein Haus besaß. 1978 lehrte er als Gastprofessor an der Gesamthochschule Essen.

    Zwar verfaßte V. weitere Theaterstücke (Der Hausfreund, UA Essen 1969; Familienbande, UA München 1974; Adlerhöhe, UA Hamburg 1978), den Schwerpunkt seiner Arbeit aber bildete in den folgenden Jahren die Prosa, seit 1969 dann v. a. das Fernsehspiel, mit dem er regelmäßig ein Millionenpublikum erreichte (Anna u. Totò, 1972; Eine Jugendliebe, 1977; Schulzeit, 1977; Stark wie d. Tod, 1977). Für das Drehbuch zu „Grabbes letzter Sommer“ (1980) wurde er 1981 postum mit dem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. Es entstand nach V.s gleichnamiger, ebenfalls 1980 erschienener Romanvorlage, dem Psychogramm eines an sich und den Umständen seiner Zeit scheiternden Künstlers zwischen Genie und Größenwahn, in dem V. spät noch glaubte, seinen „Lebensstoff“ gefunden zu haben.

    V. gehört zu den wenigen Autoren, die in den 1960er und 1970er Jahren sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR auf ein breiteres Leseinteresse stießen. Lizenzausgaben der meisten seiner Werke erschienen mit geringer Verzögerung auch in der DDR, obwohl V. sich politisch niemals vereinnahmen ließ.

  • Auszeichnungen

    A Stipendium d. „Cité des Arts“ (Paris 1968/69) u. d. Dt.Großbritannien in Berlin-Wannsee (1970); Mitgl. d. PENZentrums d. Bundesrep. Dtld. (1975); T.-V.-Lit.preis d. Stadt Lippstadt (seit 1993 vierjährig); T.-V.Ges. (1996); T.-V.-Stadtbücherei, Lippstadt (1997).

  • Werke

    Weitere W Die Fahndung, 1962 (Roman);
    Nachtzüge, 1964 (Erzz.);
    Natura morta, Stilleben mit Schlangen, 1967 (Roman);
    Rotlicht, 1967 (Erzz.);
    Kater im Theater, 1968;
    Der Fisch im roten Halstuch, 1969 (Erzz.);
    Herr Appelhans u. Monsieur Firlefanz, 1971;
    Jugend e. Studienrätin, 1972;
    Schorschi ist Schorschi u. noch mehr Abenteuer, 1973;
    Jugend e. Studienrätin, 1974 (Erzz., Gedichte, Fernsehspiel);
    Selbstbildnis Béatrice S., 1974;
    Tod e. Mannequins, 1974;
    Filmriß, 1975;
    Ein Rose lang, Privatdr. 1977 (Gedichte);
    Der junge Gf. Keßler, 1978;
    Niemandslicht, Gedichte 1953–1980, 1980;
    Liebes-Gesch., Die Fernsehtrilogie, 1980;
    Schnee vom Ätna, 33 sizilian. Gesch., 1981;
    Werke in Einzelbdn., hg. v. H. Steinecke, 11 Bde., 1998–2002;
    T. V. Lesebuch, hg. v. N. O. Eke u. D. Olasz-Eke, 2008;
    „Sprache, d. so tröstlich zu mir kam“, T. V. in Briefen v. u. an Hermann Hesse, hg. v. dens., 2011.

  • Literatur

    L M. Westdickenberg, „Es ist zu empfehlen, dem Buch e. Nachwort über d. Alternative beizugeben“, Veröff.strategien u. Lit.zensur westdt. belletrist. Lit. in d. DDR am Bsp. v. T. V.s Roman „Die Unberatenen“, in: IASL 28, 2003, H. 1, S. 88–110;
    N. O. Eke, Wort/Spiele, Drama – Film – Lit., 2007;
    U. Straeter, Aber das da! Mit T. V. in Sizilien, in: Lit. in Westfalen 11, 2010, S. 263–73;
    Kürschner, Lit.-Kal. 1978;
    Nassau. Biogr.;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Lex. Gegenwartslit.;
    Killy;
    KLG;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Munzinger; Westfäl. Autorenlex. IV (W, L
    , P).

  • Autor/in

    Norbert Otto Eke
  • Empfohlene Zitierweise

    Eke, Norbert Otto, "Valentin, Thomas" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 700-701 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115589120.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA