Lebensdaten
1912 bis 1992
Geburtsort
Wiener Neustadt (Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
kathollischer Theologe, Präsident der Österreichischen Caritas
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 119067986 | OGND | VIAF: 57416766
Namensvarianten
  • Ungar, Leopold

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Ungar, Leopold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119067986.html [07.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1874–1945/46), aus Kismárton (Ungarn), jüd. Weinimporteur in W. N., emigrierte n. 1938 n. Bolivien;
    M Malvine Blumschein-Boroš (1884–1970/71), emigrierte n. 1938 n. Bolivien, T d. Moriz Blumschein (um 1845–1912), ungar. Großgrundbes.;
    2 Schw Magda (1910-v. 1989, Lorenzo Minio Paluello, 1907–86, emigrierte aus Italien n. Großbritannien, Prof. f. ma. Philos. in Oxford, Hg. d. „Aristoteles Latinus“, Mitgl. d. British Ac. 1957, d. Inst. for Advanced Study in Princeton 1969/70 u. 1974–76, d. Ac. royale des sciences, des lettres et des beaux arts de Belgique 1975, d. Acc. Patavina 1977, d. Istituto veneto di scienze, lettere ed arti 1980, d. Oxford Dante Soc., korr. Mitgl. d. American Medieval Ac. 1970, ausw. Mitgl. d. American Philosphical Soc. 1971, Medaille d. Collège de France 1975, s. DBI), Vilma (* 1915, ⚭ Richard Mayer), emigrierte n. 1938 n. Bolivien, seit ca. 1976 wieder in W.

  • Leben

    U. wuchs in einem großbürgerlichen jüd. Elternhaus in Wiener Neustadt auf. Hier besuchte er die Volksschule und das humanistische Gymnasium, lernte Französisch und Englisch und entwickelte in dieser Zeit eine lebenslange Begeisterung für Karl Kraus (1874–1936). Im Anschluß an die Matura 1930 studierte U. Rechtswissenschaften in Wien. Wenige Monate vor der Promotion zum Dr. iur. konvertierte er im Frühjahr 1935 zum Katholizismus und trat im Okt. desselben Jahrs in das Wiener Priesterseminar ein, um Kath. Theologie zu studieren. Nach dem „Anschluß“ emigrierte U. im Sept. 1938 nach Frankreich, schloß sein Studium 1939 am Institut Catholique in Paris mit dem lic. theol. ab und wurde hier im Juni 1939 als Angehöriger der Diözese Saint-Brieuc (Bretagne) zum Priester geweiht. Anschließend war er als Kaplan in Meudon bei Paris tätig, wurde bei Kriegsausbruch vorübergehend in ein franz. Internierungslager verbracht und lehrte nach seiner Freilassung an der Ecole Saint-Charles in Saint-Brieuc, bevor er im Frühjahr 1940 nach Großbritannien floh. Hier war er bis Dez. 1940 als „enemy alien“ in Preesheath interniert, lebte anschließend in einem Kloster in Caverswall (Staffordshire) und wirkte seit 1944 in den Lagern der Umgebung als Kriegsgefangenenseelsorger.

    1947 kehrte U. nach Wien zurück und wurde Kaplan von Maria Lourdes in Meidling, seit Sept. 1948 von St. Elisabeth auf der Wieden. Wegen seiner Sprachkenntnisse wurde er vom Präsidenten der österr. Caritas und späteren Wiener Weihbischof Jakob Weinbacher (1901–85) als dessen Sekretär mit der Organisation der Verteilung alliierter Hilfslieferungen in Wien beauftragt. 1949 bereiste er für drei Monate Südamerika. 1950 wurde U. vom Erzbischof von Wien, Kard. Theodor Innitzer (1875–1955), zum Leiter der Caritas Wien berufen. 1988 gab er die Tagesarbeit an Helmut Schüller (* 1952) ab, blieb aber drei weitere Jahre im Amt. 1964–91 fungierte er zudem als Präsident der österr. Caritas und nahm als solcher seit 1969 Leitungsfunktionen in den Gremien der Caritas Internationalis wahr.

    In seiner langjährigen Amtszeit baute U. die österr. Caritas als „institutionalisierte Nächstenliebe“ von einer „Tee- und Suppenküche für Arme“ zu einem modernen konzernartigen Wohlfahrtsunternehmen mit mehreren tausend Angestellten aus. Stand die Grundversorgung der einheimischen Bevölkerung in den Anfangsjahren im Vordergrund, so entwickelte U. die (später weltweite) Auslandsarbeit besonders seit der Hilfe während der Ungarnkrise 1956 in einer eigenen Auslandshilfe-Abteilung in Wien und auf nationaler Ebene. Auch die Flüchtlingshilfe und die Randgruppenbetreuung wurden zu Schwerpunkten der Caritas-Fürsorge. In Erinnerung an den populären U., dessen christlich-soziale Haltung (etwa zu Verhütungsfragen) in Kirchenkreisen auch Kritik hervorrief, vergeben die Caritas der Erzdiözese Wien und die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien seit 2004 jährlich den „Prälat Leopold Ungar Medienpreis“ an sozial engagierte Journalisten. Mit einem Preisgeld von 20 000 € ist er der bestdotierte Journalistenpreis Österreichs.

  • Auszeichnungen

    A Monsignore (1953); Prälat (1963); Gr. Ehrenzeichen d. Rep. Österr. (1978); Julius-Tandler-Medaille in Gold (1986).

  • Werke

    W Die Hungrigen speisen, die Traurigen trösten, Erfahrungen, Überlegungen, Experimente e. zeitgemäßen Caritas, 1978 (Hg.);
    Die Weltanschauung Gottes, zus.gestellt v. F. R. Reiter, 1987 (P), slowen. 1992;
    Qu Archiv d. Caritas, Wien.

  • Literatur

    L M. J. Hiti, L. U., Ein Porträt, 1992 (P);
    F. F. Wolf, Zur Person, F. F. Wolf im Gespräch mit Karlheinz Böhm, Erwin Kräutler, L. U., Simon Wiesenthal, 1993, S. 11–49 (Autobiogr., P;
    als Fernsehproduktion d. ORF ausgestrahlt am 1. 11. 1990);
    F. R. Reiter (Hg.), Wer war L. U.?, 1994 (P);
    Hist. Lex. Wien (P);
    BHdE I;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L); Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Ungar, Leopold" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 628-629 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119067986.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA