Lebensdaten
gestorben 1012
Beruf/Funktion
Bischof von Posen
Konfession
-
Normdaten
GND: 142156078 | OGND | VIAF: 149691884
Namensvarianten
  • Vungerus
  • Vnger
  • Vvunnigerus
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Zitierweise

Unger, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd142156078.html [31.10.2020].

CC0

  • Leben

    Der aus Sachsen, vielleicht aber auch aus dem mittleren Donauraum stammende U. war wahrscheinlich seit 982/84 Nachfolger Jordans ( 984) zunächst als Missionsbischof im Gebiet des Fürsten Mieszko I., dann als Bischof von Posen. Seine Person und sein Wirken sind bezüglich seiner Verbindung zu den poln. Fürsten und zum Erzbistum Magdeburg in der dt. und poln. Forschung unterschiedlich interpretiert worden.

    Wenn U. identisch ist mit dem 991 überlieferten „Vvunnigerus episcopus“ (D O III, 75, 482 f.), war er bis zu diesem Zeitpunkt auch Abt des Klosters Memleben an der Unstrut und verdankte seine Förderung Ks. Otto II. (955–83) und Ksn. Theophanu ( 991). Häufig wurde ihm eine Beteiligung an der Vorbereitung der im sog. Dagome iudex-Regest überlieferten Schenkung der „civitas Schinesghe“, des großpoln. Kernraums, an St. Peter in Rom durch Mieszko I. 991 zugeschrieben. Im März 1000 empfing U. Ks. Otto III. (980–1002) bei dessen Besuch am Grab des Prussenmissionars Adalbert/Wojciech ( 997) in Gnesen und geleitete ihn als „episcopus urbis“ in die dortige Kirche (Thietmar v. Merseburg, Chronik IV, 45, 184 f.). Die Posener Diözese blieb|aufgrund seines kanonischen Widerspruchs aus dem bei diesem Anlaß gegründeten und mit dem schon in Rom zum Erzbischof geweihten Adalbert-Bruder Radim/Gaudentius besetzten Erzbistum Gnesen zunächst ausgeschlossen. Ob U. der ursprüngliche Kandidat des Fürsten Bolesław Chrobry für das poln. Erzbistum gewesen ist (J. Fried), muß in Ermangelung eindeutiger Quellenbefunde offenbleiben.

    Nachdem U. als zuständiger Bischof („episcopus terrae“) noch für das Begräbnis der 1003 in der Nähe von Posen umgebrachten fünf Camaldolenser Mönche gesorgt hatte (Brun v. Querfurt, Vita quinque fratrum 13, 66 f.), wurde er während einer Reise nach Rom, die ihre Heiligsprechung vorbereiten und vielleicht zur Klärung der Nachfolge des verstorbenen Radim/Gaudentius dienen sollte, wohl 1006 auf Anweisung Kg. Heinrichs II. ( 1024) ergriffen und in ein Magdeburger Kloster verschleppt (Brun v. Querfurt, Vita quinque fratrum 21, 72). Der Name eines eventuellen Nachfolgers in Posen ist unbekannt.

    U.s Sterbetag, derselbe wie der Ebf. Taginos von Magdeburg (Thietmar v. Merseburg, Chronik VI, 65, S. 356), wurde in die Totenbücher von Merseburg sowie von St. Michael in Lüneburg eingetragen; letzteres wird als Hinweis auf gute Beziehungen U.s zum Lüneburger Abt Rikdag ( 1026) gewertet, der zeitweise Abt des Klosters Berge in Magdeburg gewesen war. Der spätmittelalterliche Chronist Jan Długosz behauptet, U. sei in Brandenburg/Havel begraben worden. Vielleicht hielt sich U. zum Zeitpunkt seines Todes dort zu Verhandlungen mit poln. Gesandten auf (H. Ludat). Ob der Bischof in der Gefangenschaft einer Unterordnung der Posener Diözese unter das Erzbistum Magdeburg zugestimmt hat, wird von der neueren Forschung (D. Claude, J. Fried) kritisch hinterfragt.

  • Quellen

    Qu Brun v. Querfurt, Vita quinque fratrum eremitarum, hg. v. J. Karwasin ´ ska, Monumenta Poloniae Historica, Series nova IV/3, 1973, S. 27–84; Thietmar v. Merseburg, Chron., hg. v. R. Holtzmann, MGH SS rer. Germ., NS 9, 1935, Nachdr. 1996; Die Urkk. d. dt. Könige u. Ks., Bd. 2/2, Die Urkk. Otto d. III., bearb. v. Th. Sickel, MGH DD 2/2, 1893, Nachdr. 1997.

  • Literatur

    L H. Ludat, An Elbe u. Oder um d. J. 1000, 1971;
    D. Claude, Gesch. d. Ebm. Magdeburg bis in d. 12. Jh., T. I–II, 1972/75;
    Ch. Lübke, Regg. z. Gesch. d. Slaven an Elbe u. Oder (vom J. 900 an), T. III, Regg. 983–1013, 1986;
    J. Fried, Otto III. u. Bolesław Chrobry, 1989, 22001;
    E.-D. Hehl, Die Gründung d. Ebm. Gnesen unter kirchenrechtl. Aspekten, in: Europas Mitte um 1000, Bd. 1, hg. v. A. Wieczorek u. H.-M. Hinz, 2000, S. 498–501;
    J. Strzelczyk, Polen, Tschechen u. Deutsche in ihren Wechselwirkungen um d. J. 1000, in: Polen u. Dtld. vor 1000 J., Die Berliner Tagung über d. „Akt v. Gnesen“, hg. v. M. Borgolte, 2002, S. 43–59;
    D. A. Sikorski, Kos ´ciół w Polsce za Mieszka I i Bolesława Chrobrego, 2011;
    P. Urban ´ czyk, Mieszko Pierwszy Tajemniczy, 2012;
    Słownik staroz ˙ytnos ´ci słowian ´ skich; LexMA.

  • Autor/in

    Matthias Hardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Hardt, Matthias, "Unger" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 629-630 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd142156078.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA