Lebensdaten
erwähnt 14. – 16. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Patrizierfamilie in Frankfurt am Main
Konfession
-
Normdaten
GND: 1143984269 | OGND | VIAF: 7120151051835433530002
Namensvarianten
  • Ugelheimer
  • Uglheimer
  • Ugleimer
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Zitierweise

Ugelnheimer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1143984269.html [27.06.2022].

CC0

  • Biographische Darstellung

    Die Familie stammte wahrscheinlich aus dem Dorf Iggelheim (heute Böhl-Iggelheim b. Worms). Später waren die U. in Worms ansässig, wo 1399–1455 ein Hans belegt ist. Dessen Sohn Peter d. Ä. ( 1463), der Agnes, Tochter des Frankfurter Fernhändlers Wolf Blum d. A. ( 1443) heiratete, wurde in die Frankfurter Patriziergesellschaft Frauenstein aufgenommen und schwor 1445 den Bürgereid. Peter d. Ä. war Teilhaber und zeitweise auch einer der Leiter der im Venedighandel tätigen Blum-Gesellschaft, außerdem schon früh im Buchhandel tätig. Er hatte sechs Töchter und vier Söhne: Peter d. J. ( 1488), sicherlich das bedeutendste Familienmitglied, studierte an der jur. Fakultät zu Padua, schwor 1467 den Frankfurter Bürgereid und zog bald nach Venedig, wo er mit Spezereien und Büchern handelte. Hier war er auch Teilhaber an zwei Gesellschaften des franz. Buchdruckers Nicolas Jenson (um 1420–80), der seit 1470 in Venedig tätig war. Von dessen Drucken sammelte er Prachtausgaben auf Pergament und ließ sie von bekannten Künstlern mit Miniaturen und Ledereinbänden versehen, die sein Wappen enthalten. Erst 1481 gab er das Frankfurter Bürgerrecht auf. In seinem Haus in Venedig beherbergte er vornehme Pilger auf der Durchreise nach Jerusalem, wie 1483/84 den Mainzer Domherrn Bernhard v. Breydenbach (um 1440–97) und seine Begleiter (u. a. Gf. Johann zu Solms-Lich, 1465–83, u. d. Rr. Philipp v. Bicken). Als Vertreter der Jenson-Gesellschaft ging Peter d. J. Ende 1485 nach Mailand, wo er kinderlos starb. Seine Witwe Margaretha führte die Geschäfte (Buchhandel bis nach Ungarn) fort. Thomas ( 1482) studierte seit 1467 in Leipzig, heiratete 1474 Margaretha Schaffner gen. Grußer und schwor 1480 den Frankfurter Bürgereid. Er war ebenfalls Teilhaber der verschiedenen Blum-Gesellschaften. Johann ( 1502) studierte und lehrte seit 1460 an der Univ. Leipzig (1463 B. A., 1466 M. A.). Von 1481 bis zu seinem Tod war er Kanoniker am Frankfurter Bartholomäusstift. Bücher aus seinem Besitz befinden sich in der Universitätsbibliothek Frankfurt/M. Der jüngste Sohn Peters d. Ä., Philipp ( 1539), der 1491 den Bürgereid schwor, wurde 1515 als erster U. in den Frankfurter Rat kooptiert und 1517 zum Jüngeren Bürgermeister gewählt. Nach seinem Aufstieg in die Schöffenbank 1518 bekleidete er 1533 das Amt des Älteren Bürgermeisters. Die ev. Konfessions- und Bündnispolitik des Rats trug er mit, u. a. war er 1526 Mitglied der Frankfurter Gesandtschaft, die die Werbung des Landgrafen von Hessen um den Beitritt Frankfurts zum Schmalkaldischen Bund ablehnte. Anfang 1533 gehörte er der Ratsdelegation an, die dem Frankfurter Klerus den Beschluß des Rats mitteilte, die kath. Messe abzuschaffen. Philipp blieb unverheiratet und starb kinderlos.

    Johann (Hans) ( 1557), einziger Sohn des Thomas, wurde 1530 zum bürgerlichen Pfleger des neu eingerichteten städtischen Almosenkastens ernannt. 1533 in den Rat kooptiert, wurde er 1537 zum Jüngeren Bürgermeister gewählt, bevor er 1539 nach dem Tod seines Onkels Philipp in die Schöffenbank aufstieg. Mit seinem Sohn Thomas ( 1564) endete die Zugehörigkeit der U. im Rat. Thomas war seit 1539 Ratsherr, 1546 und 1556 Jüngerer Bürgermeister und seit 1560 Schöffe. Er hatte zahlreiche Kinder aus drei Ehen, doch starben alle drei Söhne (aus erster, 1537 geschlossener Ehe mit Katharina Masselhard, zw. 1547 u. 1549), die das Erwachsenenalter erreichten, kinderlos. In dieser letzten Generation erfolgte ein sozialer Abstieg: Johann (1539–80) wurde Gasthalter im Stadtteil Sachsenhausen, Oger (1542–72) trat in Kriegsdienst und kehrte verarmt nach Frankfurt zurück. Thomas (1544–82) hielt sich wohl bis 1578, als er den Bürgereid schwor und heiratete, außerhalb Frankfurts auf. Mit ihm starb die Familie nach fünf Generationen in Frankfurt im Mannesstamm aus.

  • Literatur

    L J. K. v. Fichard, Frankfurter Geschlechtergesch., Fasz. 308 (Ms. im Inst. f. Stadtgesch. Frankfurt/M.);
    E. Motta u. a., Pietro Ugleimer ed il vescovo d’Aleria, Nuovi documenti per la Storia Tipografia in Italia tratti dagli Archivi Milanesi, in: Rivista Storica Italiana I, 1884, S. 252–72;
    C. Castellani, La stampa in Venezia dalla origine alla morte di Aldo Manuzio seniore, 1889, Neudr. 1973, S. 25 u. 85–92;
    G. Ludwig, Antonello da Messina u. dt. u. niederl. Künstler in Venedig, in: Jb. d. Kgl. Preuß. Kunstslgg. 23, 1902, Beih., S. 43–65;
    A. Dietz, Frankfurter Handelsgesch., I, 1910, S. 208, 220, 263–67;
    W. K. Zülch u. G. Mori (Hg.), Frankfurter Urk.b. z. Frühgesch. d. Buchdrucks, 1920, S. 30 f. u. 37;
    K. Haebler, Die dt. Buchdrucker d. 15. Jh. im Auslande, 1924, S. 30–34 u. 36–39;
    K. Ohly u. V. Sack, Inkunabelkat. d. Stadt- u. Univ.bibl. u. anderer öff. Slgg. in Frankfurt a. M., 1967 (Reg.);
    A. R. A. Hobson, Humanists and Bookbinders, The Origins and Diffusion of the Humanistic Bookbinding 1459–1559, 1989, S. 38–41 u. 51;
    M. Lowry, Nicholas Jenson and the Rise of Venetian Publishing in Renaissance Europe, 1991, S. 49, 97 u. 113 f.;
    J. J. G. Alexander (Hg.), The Painted Page, Italian Renaissance Book Illumination 1450–1550, 1994, Nr. 96–101, S. 190–205;
    L. Armstrong, The Hand-Illumination of Printed Books in Italy 1465–1515, ebd., S. 35–47, hier S. 43 f.;
    M. Rothmann, Die Frankfurter Messen im MA, 1998, S. 11, 422 u. 459;
    E. Ross, The reception of Islamic culture in the book collection of Peter Ugelheimer, in: L. Pon u. C. Kallendorf (Hg.), The books of Venice, Il libro veneziano, Internat. Conference, 9.-10. 3. 2007, 2008, S. 127–51;
    I. Mozer (Hg.), Bernhard v. Breydenbach, Peregrinatio in terram sanctam, frühneuhochdt. Text u. Übers., 2010, S. 54–59 u. 64 f.;
    A. Denke, Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Hl. Land 1486, Unters., Ed. u. Kommentar, 2011, S. 136–38;
    Frankfurter Biogr.;
    LexMA; S. Corsten, Art. Uglheimer, Peter, in: LGB² VII, S. 556.

  • Porträts

    P Peter d. J. als Rechtsbeflissener v. d. jur. Fak. in Padua, Miniatur in e. 1477 v. Jenson f. Peter angefertigten Pergamentdruck d. Digesten Ks. Justinians I. (Forsch.bibl. Gotha, Mon.typ. 1477 2° 00013), Abb. in: A. Dietz, Frankfurter Handelsgesch., I, 1910, S. 266

  • Autor/in

    Michael Matthäus
  • Zitierweise

    Matthäus, Michael, "Ugelnheimer" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 527-529 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1143984269.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA