Lebensdaten
1901 - 1975
Geburtsort
Zeitz
Sterbeort
Jugenheim/Bergstraße
Beruf/Funktion
Verwaltungsjurist ; Politiker ; Vizepräsident der Deutschen Bundesbank ; Kunstmäzen ; Abgeordneter ; Jurist ; Minister ; Ministerialbeamter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118805347 | OGND | VIAF: 13103916
Namensvarianten
  • Troeger, Heinrich

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Troeger, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805347.html [17.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Reinhold (1865–1928), Dr. med., Kreismed.rat in Oels, S d. Wilhelm;
    M Margarete (1879–1951), aus Med.fam., T d. Gustav Schaffranek;
    1929 Else (1908–73), T d. Georg Hirschring;
    6 K.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Kempen (Posen) 1918 und Kriegsdienst an der Marineschule Flensburg-Mürwik studierte T. seit 1919 Rechts- und Staatswissenschaften in Breslau, Würzburg und Halle/Saale (1. jur. Staatsprüfung 1921, Dr. iur. Breslau 1922). Nach der Referendarzeit in Schlesien (2. jur. Staatsprüfung 1925) und Stationen im preuß. Verwaltungsdienst als Regierungsassessor in Euskirchen und Dortmund wurde T., seit 1922 SPD-Mitglied, 1926 zum ersten Bürgermeister der Stadt Neusalz/Oder gewählt, 1927 Mitglied im Kreisausschuß Freystadt (Niederschlesien), 1929–33 Mitglied des Provinziallandtags Niederschlesien und des Provinzialausschusses. Wegen seiner politischen Haltung im März 1933 in „Schutzhaft“ genommen,|wurde er nach einer weiteren Inhaftierung im Juni wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ im Okt. 1933 aus dem Dienst entlassen. Nach seiner Übersiedlung nach Berlin war er seit 1934 zunächst als Fachautor, seit 1935 als Fachanwalt für Steuer- und Devisenrecht tätig. 1936 wurde er zum Verwaltungsrechtsrat beim preuß. Oberverwaltungsgericht in Berlin bestellt. Obwohl bis 1945 nicht politisch aktiv, pflegte er in der NS-Zeit Kontakt zu politischen Freunden aus der Zeit vor 1933, z. B. zum früheren Breslauer Polizeipräsidenten Fritz Voigt (1882–1945) oder zum Gewerkschafter und früheren Zentrumspolitiker Franz Leuninger (1898–1945), die mit den Verschwörern des 20. Juli 1944 zusammengearbeitet hatten, zum Tode verurteilt und am 1. 3. 1945 hingerichtet wurden. T. selbst war für den Fall des erfolgreichen Attentats für das Amt des Regierungspräsidenten in Liegnitz vorgesehen. Nach Beginn des 2. Weltkriegs wurde T. zum Treuhänder für das als Feindvermögen deklarierte dt. Tochterunternehmen des kanad. Traktor- und Landmaschinenherstellers Massey-Harris bestellt, später auch für die Verwaltung der Tochtergesellschaften der Firma im besetzten Belgien und Nordfrankreich.

    Nach dem Kriegsende, das er in Thüringen erlebte, wurde T. am 9. 7. 1945 vom Regierungspräsidenten der Provinz Thüringen, Hermann Louis Brill (1895–1959) (SPD), zum Oberbürgermeister der Stadt Jena ernannt; dieses Amt mußte er im Sept. 1946 auf Druck der sowjet. Militäradministration aufgeben. Nach seinem Umzug nach Berlin und kurzzeitiger Tätigkeit als freiberuflicher Berater bei der „Deutschen Treuhandgesellschaft“ (DTG) folgte T. dem Angebot Brills, seit Juli 1946 Staatssekretär und Chef der Hess. Staatskanzlei in Wiesbaden, das Amt des Ministerialdirektors und Stellvertreters des hess. Innenministers zu übernehmen. Im Jan. 1947 zum Ministerialdirektor und Stellvertreter des hess. Finanzministers Werner Hilpert (1897– 1957) (CDU) ernannt, war T. seit Aug. 1947 Generalsekretär beim Frankfurter Exekutivrat und nach dessen Umbildung Generalsekretär beim Länderrat des Vereinigten Wirtschaftsgebiets. 1950 wechselte er als Ministerialdirektor und Stellvertreter des nordrhein-westfäl. Finanzministers Heinrich Weitz (1890– 1962) (CDU) nach Düsseldorf, 1951 ernannte ihn der hess. Ministerpräsident Georg August Zinn (1901–76) (SPD) zum hess. Finanzminister; 1954–58 war T. auch Mitglied des Hess. Landtags. 1956 wurde er Präsident der Landeszentralbank Hessen, 1958 Vizepräsident der neu gegründeten Bundesbank. In diesem Amt, das er bis Ende 1969 ausübte, trat er nachdrücklich für die Aufwertung der DM ein, die nach der Bundestagswahl im Sept. 1969 von der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt vorgenommen wurde.

    T.s herausragende rechts- und wirtschaftswissenschaftliche sowie finanzpolitische Kompetenz zeigt sich in seinen thematisch weitgefächerten Fachpublikationen, Kommentaren, Aufsätzen und Reden. Er war als Vorsitzender oder Mitglied in wichtigen Kommissionen wie z. B. zur Steuerreform 1954 oder im Wissenschaftsrat 1965–71 gefragter Berater und führte den Vorsitz der 1964 eingesetzten „Sachverständigenkommission für die Finanzreform“ (Troeger-Kommission), die die Finanzverfassung des Grundgesetzes fortentwickelte. Auf der Grundlage der Kommissionsvorschläge wurde im Rahmen der großen Finanzreform von 1969 u. a. der Abschnitt über die Gemeinschaftsaufgaben (Art. 91a u. 91b GG) in das Grundgesetz eingefügt und bereits 1967 das Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft mit der entsprechenden Grundgesetzänderung erlassen. T.s Wirken war geleitet von seiner Vorstellung von einer sozial ausgewogenen Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik. Er setzte sich für eine stabile Währung ebenso ein wie für die betriebliche Mitbestimmung und die Beteiligung der Arbeitnehmer an Produktionsmitteln und Unternehmensgewinnen. Frühzeitig trat er für die europ. Integration ein, als Voraussetzung für eine europ. Währungsunion betrachtete er eine gemeinsame Finanz- und Haushalts-, Konjunktur- und Sozialpolitik.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Forsch.rats d. Landes Hessen (1957–68);
    Vors. d. Frankfurter Kunstver. (1964–72);
    Vorstandsmitgl. d. Städelschen Mus.ver. Frankfurt/M. (1964–72);
    Silberne Plakette d. Stadt Darmstadt (1961);
    Gr. BVK mit Stern u. Schulterband (1966);
    Ehrenbürger d. Univ. Frankfurt/M. (1966);
    Dr. rer. pol. h. c. (TH Darmstadt 1966);
    Goethe-Plakette d. Stadt Frankfurt/M. (1966);
    Bürgermedaille in Silber d. Stadt Offenbach (1968).

  • Werke

    W Das Verhältnis zw. Partei u. Hinterlegungsstelle n. preuß. Recht, Diss. Breslau 1922;
    Vorschlag z. Bildung e. leistungsfähigen Landkreises in Nord-Niederschlesien, 1932;
    Der Kapitalverkehr im dt. Devisenrecht, insbes. die Verw. ausländ. Vermögen in Dtld., 1934, ⁴1939;
    Import u. Export n. dt. u. ausländ. Devisenrecht, 1934, ⁴1939;
    Das gesamte Recht d. Wirtsch.werbung, 1936, 2 Nachträge 1937;
    Das Gewerbesteuergesetz v. 1. Dez. 1936, 1937, Nachtrag 1938;
    Das gesamte Grundsteuerrecht u. d. Hauszinssteuerrecht d. Reiches u. d. Länder, 1938;
    Die steuerl. Behandlung d. Privatkrankenanstalten, 1940, ³1954;
    Steuerstrafrecht, 1943, ³1957;
    Das Devisenrecht Europas, Bd. 1a, Dt. Reich, 1944;
    Finanzpol. Fragen d. Gegenwart, 1948;
    Über d.|Kreditlenkung, in: Gewerkschaftl. Mhh. 1, 1950, S. 193–99;
    Zur gr. Steuerreform, 2 Vortrr. v. H. T. u. F. Neumark, gehalten auf d. v. Zentralverband dt. Konsumgenossenschaften e. V. […] am 23. u. 24. Okt. 1953 veranstalteten Arb.tagung, 1953;
    Das dt. Wirtsch.wunder u. d. Steuerpol., in: Carlo Schmid u. a. (Hg.), Grundfragen moderner Wirtsch. pol., 1957, S. 91–106;
    Auf d. Wege z. europ. Integration, in: Neue Ges. 6, 1959, S. 3–6;
    Klarheit ist vonnöten, Einige aktuelle volkswirtsch. Überlegungen, in: Vorwärts Nr. 17/18, 1960, S. 25 f.;
    Preisstabilität in d. wachsenden Wirtsch., in: Stabilität u. Aufstieg, Dok. d. wirtsch.pol. Tagung d. SPD, 1963, S. 55–65;
    Europ. Währungs- u. Finanzpol., in: Neue Ges. 10, 1963, S. 205–13;
    Haushaltspol. u. Notenbank, in: Finanzwiss. u. Finanzpol., hg. v. F. Schäfer, 1964, S. 315–25;
    Nat. u. internat. Aspekte d. Währungspol., in: A. Predöhl (Hg.), Handels- u. Währungspol. im gemeinsamen Markt, 1965, S. 149–63;
    Gutachten über d. Finanzreform in d. Bundesrep. Dtld., 1966;
    Wende in d. Währungspol., in: R. Schwebler (Hg.), J. d. Wende, 1968, S. 101–06;
    Dt. Bundesbank, in: Management-Enz., Bd. 1, Bl. 1343–55, 1969;
    Hg.: Diskussionsbtrr. d. Arb. ausschusses f. d. gr. Steuerreform, Ber. an d. Finanzausschuß d. BR, 1954;
    Denkschr. z. Verbesserung d. Einkommensbesteuerung, 1957.

  • Quellen

    Qu Hess. StA Darmstadt (LTreden H. T.s z. Landeshaushalt 1951–56, Tageb.bll. 1945–54); Hess. HStA Darmstadt; Dt. Bundesbank, Hist. Archiv; Drucksachen d. Hess. LT, II. Wahlperiode, 1954, III. Wahlperiode, 1958; – Nachlaß: Friedrich-Ebert-Stiftung, Archiv d. soz. Demokratie (P); Th. Vogelsang, OB in Jena 1945/46, Aus d. Erinnerungen v. Dr. H. T., in: VfZ 25, 1977, S. 889–930.

  • Literatur

    L Th. Vogelsang, OB in Jena 1945/46, in: VfZ 25, 1977, S. 889 f.;
    J. Lengemann, in: Das Hessen-Parl. 1946–1986, 1986, S. 409 f.;
    W. Benz, H. T. u. d. Pol. in d. Bizone, in: Interregnum, Tageb. d. Gen.sekr. d. Länderrats d. Bizone 1947–1949, 1985, S. 7–17;
    Restitution v. NS-Raubgut d. SUB Göttingen an d. Bibl. d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bibl. H. T., hg. v. d. Bibl. d. Friedrich-Ebert-Stiftung, 2012.

  • Portraits

    P Photogrr. (Dt. Bundesbank, Bildarchiv; BA, Bilddatenbank)

  • Autor/in

    Bernd Friedrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedrich, Bernd, "Troeger, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 427-429 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805347.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA