Lebensdaten
1896 bis 1970
Geburtsort
Sankt Petersburg
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Regisseur ; drehbuchautor ; Szenenbildner ; Filmarchitekt
Konfession
-
Normdaten
GND: 137797753 | OGND | VIAF: 43848140
Namensvarianten
  • Trivas, Viktor Aleksandrovich
  • Trivas, Viktor Aleksandrovic
  • Trivas, Victor
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Biografische Lexika/Biogramme

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Zitierweise

Trivas, Victor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137797753.html [28.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Aleksandr, Bildhauer, Pianist, Uhrmacher, Antiquitätenhändler in St. P., Vertr. v. RCA in Rußland;
    M N. N.;
    Moskau 1923 Moussia (Maria) Schneerson;
    T Irene (1930–2012), aus Berlin, Kinderbuchillustratorin, zuletzt in Deerfield Land, West Newbury (Massachusetts, USA) (s. Journ. Opinon v. 25. 4. 2012).

  • Leben

    Sein Architekturstudium an der Akademie der Bildenden Künste in St. Petersburg schloß T. nach Weltkriegsteilnahme und Revolution nicht ab. Er zog nach Moskau, arbeitete als Ausstatter an verschiedenen Theatern und gründete nach eigener Aussage eine avantgardistische Gruppe namens „J.A.S.“; nachweisbar war er an dem von Aleksis Granovskij (Alexis Granowsky) geleiteten Jüd. Theater tätig. 1920 kurzzeitig als vermeintlicher Staatsfeind inhaftiert, emigrierte T. um 1925 mit seiner Familie nach Berlin, wo er Beschäftigung als Filmarchitekt fand, erstmals bei dem Lustspiel „Die Dame aus Berlin“ (1925, Regie: L. v. Kabdebo), dann 1927 – neben dem Szenaristen Otto Hunte (1881– 1960) – bei Georg Wilhelm Pabsts Film „Die Liebe der Jeanne Ney“ nach dem gleichnamigen Roman von Ilja Ehrenburg. Sehr erfolgreich war T. in dieser Profession nicht, große Produktionen wie jene von Pabst betreute er in der Folge nicht mehr. In den 1920er Jahren war er auch als Bühnenbildner tätig, v. a. aber als Ausstellungsarchitekt.

    Seine erste Filmregie übernahm T. 1929 bei der dt.-tschech. Koproduktion „Aufruhr des Blutes/Hrísnà krev“, in der Stadtflucht, Natur als Garten Eden und die Vision freier Liebe im Kontrast zwischen ruhigen Landschaftsaufnahmen und dynamisch montierten Metropolensequenzen thematisch umkreist werden. Anfang der 1930er Jahre gehörte er zu den prägenden Filmavantgardisten in der russ. Filmkolonie Berlins, focht engagiert wider einen naturalistischen und für einen realistischen und künstlerisch verfremdeten Einsatz des Tons beim Film. Mit dem Antikriegsfilm „Niemandsland“ gelang T. 1931 der künstlerische Durchbruch. Sein Drehbuch basiert auf einem Entwurf, an dem auch der Schriftsteller Leonhard Frank (1882– 1961) mitgewirkt hatte. Die Musik komponierte Hanns Eisler (1898–1962), die internationale Besetzung führte Ernst Busch (1900–80) an. Fünf Feinde – ein Deutscher, ein Franzose, ein Engländer, ein Schwarzer und ein Jude – begegnen sich wider Willen zwischen den Fronten. T.s inszenatorische Intention war nicht die möglichst realistische Wiedergabe des Krieges, sondern die Erweiterung der Vorlage durch extravagante Montage ins Symbolische, was die Idee des Pazifismus|filmisch illustrieren sollte. In der Schlußsequenz räumen die Protagonisten den Stacheldraht des Schlachtfelds beiseite – Aufbruch in den Frieden einer Welt ohne Grenzen. T. war mit diesem Film eindeutig als Vertreter der Avantgarde und der politischen Linken positioniert.

    1932 zog T. nach Paris, stritt weiter für einen künstlerisch und von der Industrie unabhängigen Film und drehte 1933 mit anderen aus Deutschland emigrierten Filmleuten, darunter auch Eisler, den Film „Dans les rues“ mit der Forderung an die Gesellschaft, mehr Verantwortung für die junge Generation zu übernehmen. Auch dieser Film zeichnet sich durch eine auffällige Raum- und Lichtgestaltung aus, in der Stilmittel der Neuen Sachlichkeit und – gleichsam in einem Vorgriff – ästhetische Intentionen des poetischen Realismus eines Marcel Carné und anderer franz. Regisseure eine Symbiose eingehen. Weitere Regiefilme schlossen sich nicht an.

    1941 emigrierte T. über Marseille und Lissabon in die USA, wo er sich im Juli 1941 in Los Angeles niederließ. Es gelang ihm nicht, sich im Hollywood-System als Regisseur zu etablieren, er erhielt aber als Spezialist für Russisches Aufträge als Ausstatter und als Co-Autor. Als solcher war er beteiligt an den 1943 gedrehten Propagandafilmen „Song of Russia“ (Regie: G. Ratoff) und „Three Russian Girls“ (Regie: F. Ozep), die – konform mit der US-amerik. Politik dieser Zeit – ihn zu Anfang der 1950er Jahre in den Verdacht brachten, Kommunist zu sein. Eine Nominierung für einen American Academy Award („Oscar“) erhielt er für die Original-Story zu Orson Welles’ Film „The Stranger“ (1946), eine düstere und bedrückende Studie über einen NS-Verbrecher, der sich in der Maske des Biedermanns in einer amerik. Kleinstadt versteckt.

    Seit Dez. 1947 US-amerik. Staatsbürger, kehrte T. 1954 nach Europa und auch in die Bundesrepublik zurück, wo er 1959 mit Horst Frank und Michel Simon in den Hauptrollen „Die Nackte und der Satan“ drehte. Von der zeitgenössischen Kritik wurde der Film als plumper Schocker abgelehnt, läßt sich aber auch als eine Parabel auf die mörderischen medizinischen Experimente der NS-Ärzte lesen. Außerdem nimmt er Bezug auf jene zeitgenössischen chirurgischen Transplantationsexperimente, die der Moskauer Arzt Vladimir Petrovič Demichov (1916–98) durchführte, 1959 auch als Schauoperationen in Leipzig und an der Berliner Charité. Nach der Mitwirkung an zwei Schweizer Filmen 1959–61 zog sich T. nach New York zurück, wo er zuletzt 1970 an einer Filmserie für „United Press International“ mitwirkte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Dcery Eviny/Evas Töchter, Das Paradies v. heute/Anny … fille d’Eve, 1928 (K. Lamac;
    Co-Bauten);
    Majestät schneidet Bubiköpfe, Romeo u. Julia v. heute/Hans kunglig höghet shinglar, 1928 (R. Hyltén-Cavallius;
    Co-Bauten);
    Der Staatsanwalt klagt an, 1928 (H. Trotz, Th. Sparkuhl;
    Co-Bauten);
    Der Mörder Dimitri Karamasoff/Les frères Karamazoff, 1931 (F. Ozep;
    Co-Bauten);
    Das Lied vom Leben, 1931 (A. Granowsky;
    Co-Autor);
    Mirages de Paris/Großstadtnacht, 1932/33 (F. Ozep;
    Co-Autor);
    Where the Sidewalk Ends, 1950 (O. Preminger;
    Mitarb. Adaption);
    The Secret of Convict Lake, 1951 (M. Gordon;
    Adaption);
    Vous pigez?/Il maggiorato fisico, 1955 (P. Chevalier;
    CoAutor);
    Hast noch der Söhne ja …?, 1959 (L. Ammann;
    Co-Autor);
    Die Gejagten/Die Heuchler, Wachtmeister Müllers gr. Fall, 1961 (M. Michel;
    Co-Autor);
    – The Thirty-Second Day, 1964 (mit Ch. O’Neal).

  • Literatur

    L J. Goergen, Künstler. Avantgarde, visionäre Utopie, Die Regisseure V. T. u. Alexis Granowsky, in: J. Schöning (Red.), Fantaisies russes, Russ. Filmmacher in Berlin u. Paris 1920–1930, 1995, S. 129–37;
    ders., V. T., FilmGesch., 7/8, Juni 1996;
    ders., Emigrant im Niemandsland, film-dienst, 14, 2. 7. 1996;
    H.-M. Bock u. W. Jacobsen (Hg.), V. T., FilmMaterialien 9, 1996 (Bio-, Filmo-, Bibliogr.);
    N. P. Nenno, Undermining Babel, V. T.s Niemandsland (1931) in: C. Rogowski (Hg.), The Many Faces of Weimar Cinema, Rediscovering Germany’s Filmic Legacy, 2010, S. 286–98;
    CineGraph; Klassiker d. dt. Tonfilms, 1980

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Trivas, Victor" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 426-427 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137797753.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA