Lebensdaten
1903 – 1995
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118623931 | OGND | VIAF: 112354132
Namensvarianten
  • Trillhaas, Wolfgang Martin Ernst
  • Trillhaas, Wolfgang
  • Trillhaas, Wolfgang Martin Ernst

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Trillhaas, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118623931.html [23.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus fränk. u. bayer. Mil.- u. Pastorenfam.;
    V Friedrich ( 1954), Garnisons- u. seit 1920 Zivilpfarrer in N., liberaler Theol., S d. Elias (* 1825), aus Schweinfurt, Philol., Gymn.prof. in E., u. d. Mathilde Bauer (* 1835);
    M Elisabeth (* 1881), aus fränk. Gel.fam., absolvierte e. Lehrerinnenausbildung am Seminar in Memmingen, T d. Eduard Hagen (1851–1932), bayer. Gen.lt., u. d. Auguste Klemm;
    Ur-Gvv N. N. Bauer, Dekan in Geisenhausen b. Landshut, Ur-Gvm Friedrich Wilhelm Hagen (1814–89), ao. Prof. f. klin. Psychiatrie in Erlangen, HR (s. NDB VII; Erlanger Professoren II), N. N. Klemm, aus Ulm, Großkaufm., Musikmäzen;
    Tante-v Margarete (* n. 1881, German Bestelmeyer, 1874–1942, Architekt, s. NDB II), Gertrud (1890–1971, Friedrich Langenfaß, Stadtvikar an St. Markus, München, Pfarrer an St. Jakob, Rothenburg/Tauber u. d. Matthäuskirche, München);
    3 Schw u. a. Margarete (um 1906–68), studierte Math. u. Physik, Stud.rätin d. Math., später Diakonisse in Neuendettelsau;
    1) Meersburg (?) 1929 Liselotte (um 1903–38), studierte Germanistik, Gesch. u. Geogr., T d. Stephan Schmidt ( 1960), Braumeister, u. d. Marie N. N.,
    2) Weimar 1939 Maria Michaelis (1912–74),
    3) Göttingen (?) 1975 Ilse Rudert, Dr. med.;
    4 K aus 1), 3 K aus 2); Schwägerin Margot Schmidt (1908n. 1996, António Jorge Dias, 1907–73, aus Portugal, Ethnol., 1942 Lektor an d. Univ. Berlin), z. Konzertpianistin ausgebildet.

  • Biographie

    T. wurde geprägt von der Nüchternheit des fränk. Luthertums, dem großbürgerlichen Lebensstil im großelterlichen Haus in München und der Jugendbewegung, v. a. von Wilhelm Stählin (1883–1975). Nach dem Besuch der Volksschule und des Melanchthon-Gymnasiums in Nürnberg 1913–22 studierte er Philosophie und Theologie 1922/23 in München, 1923/24 in Erlangen, 1924 in Göttingen und 1925/26 wieder in Erlangen u. a. bei dem Phänomenologen Alexander Pfänder (1870–1941) sowie den Theologen Paul Althaus (1888–1966), Werner Elert (1885–1954), Emanuel Hirsch (1888–1972) und Karl Barth (1886–1968). Nach Examen und Ordination in Erlangen war er 1926–28 Stadtvikar in Regensburg. Anschließend wechselte T. zurück nach Erlangen in den Predigt- und Schuldienst, war Standortpfarrer bei der Reichswehr, seit 1935 Stadtpfarrer und seit 1943 zusätzlich Dorfpfarrer in Möhrendorf. Gleichzeitig setzte er seine akademische Laufbahn fort. 1931 wurde er in Erlangen zum Dr. phil., 1932 zum Lic. theol. und 1944 bei Althaus zum D. theol. promoviert. 1933 habilitierte er sich in Praktischer Theologie. Seine Mitarbeit bei der Bekennenden Kirche verhinderte 1934/35 eine Berufung nach Halle. Seit 1945 lehrte T. als o. Professor Praktische Theologie in Erlangen, seit 1946 in Göttingen (Dekan 1947/48, 1955/56, Rektor 1950–52, em. 1972), wo er 1954 auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie wechselte. T. war 1946–55 und 1958–72 2. Universitätsprediger, ca. 1946/47–1956/57 Mitglied der Landessynode und Mitarbeiter in verschiedenen staatlichen, kirchlichen und ökumenischen Gremien (u. a. Mitgl. d. Entnazifizierungskomm. d. Univ. Erlangen u. Göttingen; Mitgl. d. Gründungsverslg. d. Luth. Weltbundes 1947 u. in dessen theol. Komm. 1963–70). 1956–66 übernahm er zusätzlich einen Lehrauftrag an der TH Hannover. Einen Ruf nach München lehnte er 1964 ab.

    T. war Mitherausgeber verschiedener Sammelbände und Zeitschriften (u. a. Ev. Komm.), veröffentlichte Predigtsammlungen und verfaßte zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze, Rezensionen sowie Essays zu aktuellen Fragen der Zeit. Seine Lehrbücher, v. a. die „Ev. Predigtlehre“ (1935, ⁵1964, Nachdr. d. 2. Aufl. 1936 mit Einl. u. Anhang hg. v. Ch. Möller u. H. Kücherer, 2004), wurden zu Standardwerken der ev. Theologie.

    Inhaltlich stand T. zwischen Liberalismus und Luthertum, blieb dabei stets in Auseinandersetzung mit der zunächst bereitwillig rezipierten Dialektischen Theologie und war beteiligt am ökumenischen Gespräch. Zugleich war er Religionsphilosoph mit phänomenologischem Schwerpunkt (im Sinne Alexander Pfänders). Kennzeichnend für seine Texte sind ihr starker Praxisbezug und die Auseinandersetzung mit kirchlichen wie gesellschaftlichen Aufgaben und Problemen. Sie lassen seine Fähigkeit erkennen, komplexe Problemstellungen differenziert zu behandeln, und seinen Mut, tabuisierte Themen wie z. B. Abtreibung oder Euthanasie anzusprechen (dies bereits in der „Pastoraltheologie“ 1950). Die Einstellung T.s, der von 1948 an für einige Jahre Mitglied der CDU war und diese 1948–50 im Göttinger Stadtrat vertrat, war in vielen Punkten konservativ. T. hegte Zweifel an der Eignung der Frau für das Pfarramt und schätzte Homosexualität als Abnormität ein. Prägend wirkte T., indem er viele seiner Schüler privat bei Emanuel Hirsch einführte, den T. selbst dabei durchaus differenziert wahrnahm. Zu T.s Schülern zählen Praktische und Systematische Theologen, wie Hans-Joachim Birkner (1931–91), Hermann Fischer (1933–2012), Dietrich Rössler (* 1927), Friedrich Wintzer (1933–2004),|Trutz Rendtorff (* 1931) und Herbert Donner (* 1930).

  • Auszeichnungen

    A D. theol. h. c. (Helsinki 1967 u. Wien 1972).

  • Werke

    W u. a. Seele u. Rel., Das Problem d. Philos. Friedrich Nietzsches, 1931 (Diss.);
    Predigt u. Lehre b. Schleiermacher, 1932 (Lic. theol.);
    Schleiermachers Predigt u. d. homilet. Problem, 1933, Nachdr. 1975 (Habil.schr.);
    Vom Leben d. Kirche, Ein Jg. Predigten, 1938;
    Grundzüge d. Rel.psychol., 1946 (Diss.), ²1953 u. d. T. Die innere Welt, Rel.psychol.;
    Der Dienst d. Kirche am Menschen, Pastoraltheol., 1950, ²1958;
    Von d. Geheimnissen Gottes, Predigten, 1956;
    Ethik, 1959, ³1970;
    Dogmatik, 1962, ⁴1980;
    Die wirkl. Predigt, in: H. Gerdes (Hg.), Wahrheit u. Glaube, FS Emanuel Hirsch, 1963, S. 193–205;
    Predigten aus d. J. 1956–1966, 1967;
    Sexualethik, 1969, ²1970;
    Liturgie u. Sprache, in: W. T. (Hg.), Verständigung, FS Hanns Lilje, 1969, S. 83–97;
    Rel.phil., 1972;
    Einf. in d. Predigtlehre, 1974;
    Aufgehobene Vergangenheit, Aus meinem Leben, 1976;
    Zu d. Sachen selbst, Rückblick auf e. problemat. Fach, in: H.-Ch. Schmidt-Lauber (Hg.), Theologia scientia eminens practia, FS Zerbst, 1979, S. 23–34;
    Emanuel Hirsch in Göttingen, in: Zs. f. Theol. u. Kirche 81, 1984, S. 220–40; Kons. Theol. u. moderne Welt, Erinnerung an Werner Elert, in: Luth. Kirche in d. Welt 33, 1986, S. 35–46; – Bibliogr. (bis 1963): W. Schütte, in: Theol. Lit.ztg. 89, 1964, S. 229–32; – Nachlaß: Niedersächs. Staats- u. Univ.bibl. Göttingen.

  • Literatur

    L W. Offele, Das Verständnis d. Seelsorge in d. pastoraltheol. Lit. d. Gegenwart, 1966, bes. S. 194–215;
    H.-J. Birkner u. D. Rössler (Hg.), Btr. z. Theorie d. neuzeitl. Christentums, FS W. T., 1968;
    H. W. Schütte u. F. Wintzer (Hg.), Theol. u. Wirklichkeit, FS W. T., 1974;
    H.-J. Wilting, Der Kompromiß als theol. u. als eth. Problem, Ein Btr. z. unterschiedl. Beurteilung d. Kompromisses durch Helmut Thielicke u. W. T., 1975;
    G. Weber, W. T.s Btr. z. Homiletik, 1987;
    K. Winkler, Seelsorge, 1997, ²2000;
    H. M. Müller, Homiletik, Eine ev. Predigtlehre, 1996;
    Ch. Grethlein u. M. Meyer-Blanck (Hg.), Gesch. d. Prakt. Theol., 1999, bes. S. 519 f.;
    H. Kücherer, W. T. (1903–1995), Der Dienst als Wort am Hirtenamt, in: Göttinger Predigtmeditationen 58, 2003/04, S. 166–74;
    BBKL XII (W, L);
    Erlanger Professoren I;
    LThK³;
    TRE;
    RGG⁴;
    Personenlex. Protestantismus; Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Autor/in

    Corinna Dahlgrün
  • Zitierweise

    Dahlgrün, Corinna, "Trillhaas, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 417-418 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118623931.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA