Lebensdaten
1925 bis 1993
Geburtsort
Chemnitz
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Oratorianer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118818368 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Trilling, Wolfgang Albert
  • Trilling, Wolfgang
  • Trilling, Wolfgang Albert

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Zitierweise

Trilling, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118818368.html [31.03.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard Walter (* 1896, vermißt Jan. 1945), aus Sebnitz (Sachsen), Reichsbankbeamter;
    M Maria Cäcilia Wenzel (1898–1980); 1 B Günther, 1 Schw Ingeborg Hille.

  • Leben

    T. besuchte seit 1935 das kath. St.-BennoGymnasium und nach dessen Auflösung durch die NS-Behörden 1939 das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden (Abitur 1943). Im April zum Reichsarbeitsdienst und im Okt. 1943 zur Wehrmacht eingezogen, kehrte er nach schwerer Verwundung 1945 zurück. Im Sept. 1945 nahm er als Priesteramtskandidat des Bistums Meißen das Studium an der zu dieser Zeit in Bad Driburg ansässigen Phil.-Theol. Akademie Paderborn auf und besuchte während der Freisemester 1947/48 die Univ. München. Hier förderte Friedrich Wilhelm Maier (1883–1957) T.s Interesse für das Neue Testament, das der Driburger Präfekt und spätere Erfurter Neutestamentler Heinz Schürmann (1913–99) geweckt hatte. T. blieb deshalb in München und schloß hier das Studium 1951 ab.

    1949 trat T. in Leipzig in das Oratorium des Hl. Philipp Neri ein. Nach zwei Semestern Pastoralseminar in Neuzelle wurde er 1952 in Leipzig-Lindenau zum Priester geweiht und war hier 1952–56 als Kaplan tätig. Zum Studium freigestellt, ging er 1957 als Wiss. Assistent an das Phil.-Theol. Studium Erfurt. 1959 wurde er an der Univ. München bei Josef Schmid (1893–1975) zum Dr. theol. promoviert. Mit seiner auf einem redaktionsgeschichtlichen Ansatz beruhenden Dissertation „Die Theologie des Matthäus-Evangeliums“ (u. d. T. Das wahre Israel, Stud. z. Theol. d. Matthäus-Evangeliums, 1959, 3 1975, span. u. franz. Überss.) gab er der MatthäusForschung „einen kräftigen Impuls“ (R. Ruß). Für die Seelsorge fruchtbar machte T. seine Matthäusstudien durch die mit Schürmann und Karl Hermann Schelkle (1908–88) herausgegebene Reihe „Geistliche Schriftlesung“ (29 Bde., 1961–89, westdt. Ausg. 1962–77, ital., portugies., span., franz., engl.-amerik., indones. Überss.).

    1959 wurde T. die Verwaltung des Lehrstuhls für Exegese des Alten Testaments sowie für alttestamentliche Einleitungs- und Hilfswissenschaften am Phil.-Theol. Studium in Erfurt übertragen (bis 1961). T., der sich bewußt für ein Leben in der DDR entschieden hatte, war seitdem in Leipzig in der Studenten- und Akademikerseelsorge tätig (1958/59 Stellv. Studentenpfarrer, 1961–66, kurzzeitig auch 1982 u. 1987 Studentenpfarrer, 1966–69 Akademikerseelsorger). Gegenüber den Herausforderungen der sich formierenden sozialistischen Gesellschaft mit Marxismus, militantem Atheismus und totalem Erziehungs- und Bildungskonzept bemühte er sich um eine angemessene christliche Position und setzte sich für „eine theologische Reflexion auf gelebtes Christentum in der DDR“ ein (P. Hünermann). Dies brachte ihn ins Visier des Staatsapparats und setzte ihn auch dem Argwohn der Kirchenleitung aus. Die Suche nach Möglichkeiten, den Weltauftrag der Kirche zu verwirklichen, schloß für T. einen kritischen Dialog mit dem ideologischen Gegner ein. Aus dieser Haltung heraus ließ er sich seit 1968 auf „Kontaktgespräche“ mit dem Staatssicherheitsdienst ein.

    Neben seiner seelsorglichen Tätigkeit übernahm T. 1962 und 1963 jeweils zweisemestrige Lehraufträge für Exegese des Neuen Testaments und für Neutestamentliche Zeitgeschichte am Phil.-Theol. Studium Erfurt. 1965 erhielt er einen Lehrauftrag für Bibelwissenschaften, vertrat den Lehrstuhl für Exegese des Alten Testaments und verwaltete 1968–70 den 2. Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese. 1971–86 hatte er eine einzigartige „Ökumenische Gastdozentur“ für Neues Testament am ev. Theol. Seminar Leipzig inne. 1966 gehörte er im Auftrag der Berliner Ordinarienkonferenz zu den Begründern des Ökumenisch-Theol. Arbeitskreises in der DDR, als dessen Sprecher (bis 1971) und langjähriges Mitglied (bis 1974) er sich große Verdienste um die Annäherung der beiden großen Konfessionen in der DDR erwarb. Dem Leipziger Oratorium, das T.s menschliche und geistliche Heimat war und seine Spiritualität prägte, stand er 1969–89 als Präpositus vor. T.s Bemühungen um eine Erneuerung der Ortskirche nach dem 2. Vatikan. Konzil schlugen sich v. a. in seiner Mitarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung der Synode des Bistums Meißen (1969–71) nieder, deren Dokumente auch von seinem Geist geprägt sind.

    T. war einer der profiliertesten Theologen in der DDR, der „die neutestamentliche Wissenschaft beider Konfessionen in wichtigen Punkten entscheidend“ weiterführte (F. Zeilinger). Mit zahlreichen exegetischen und bibeltheologischen Schriften, die oft mehrere Auflagen erreichten und in verschiedene Sprachen übersetzt wurden, wirkte er weit über Europa hinaus. Seine wichtigsten Arbeitsgebiete waren die Evangelien- und die Jesusforschung, Fragen zur Paulusrezeption im Neuen Testament, disziplinübergreifende Arbeiten zum Alten Testament und Probleme der Hermeneutik. Insgesamt sind seine Arbeiten „großartige Beispiele einer Erfurter Theologie“ (P. Hünermann), deren Erfolg nicht zuletzt darin begründet war, daß T.s theologisches Nachdenken und Formulieren aus den jeweiligen (pastoralen) Anforderungen, Herausforderungen und Fragestellungen erwuchs und ihm umgekehrt auch an der seelsorglichen Vermittlung seiner exegetischen Erkenntnisse gelegen war. Als Seelsorger gewann er Bedeutung für die Kath. Kirche in der DDR, indem er die Menschen ermutigte, sich nicht in ein „Ghetto“ zurückzuziehen, sondern trotz der Gefahr böswilliger Vereinnahmung durch das System Wege christlichen Lebens in die Gesellschaft hinein zu wagen.

  • Auszeichnungen

    A Dr. theol. h. c. (Münster 1971, Graz 1986); Titularprof. (1990).

  • Werke

    W u. a. Christusgeheimnis, Glaubensgeheimnis, Eine Einf. in d. Markus-Evangelium, 1957;
    Die Antwort Gottes, Schr.lesungen d. NT, Synopt. Evangelien, 1958, westdt. Ausg. 1959 (mit H. Lubsczyk);
    Hausordnung Gottes, Eine Auslegung v. Matthäus 18, 1960, 21964, westdt. Ausg. 1960, span. u. indones. Überss.;
    Das Evangelium n. Matthäus, 2 T., 1962/65, 2 1967, westdt. Ausg. 1962/65, 61985, ital., portugies., engl., amerik., span. u. franz. Überss.;
    Im Anfang schuf Gott, Eine Einf. in d. Schöpfungsber. d. Bibel, 1963, 3 1967, westdt. Ausg. 21965;
    Denn Staub bist du, Eine Einf. in d. Ber. v. Paradies u. Sündenfall, 1964, 21965, westdt. Ausg. 21965;
    Fragen z. Geschichtlichkeit Jesu, 1966, 3 1969, franz., niederl., span., poln. u. japan. Überss.;
    Vielfalt u. Einheit im NT, Zur Exegese u. Verkündigung d. NT, 1968;
    Christusverkündigung in d. synopt. Evangelien, Beispiele gattungsgemäßer Auslegung, 1969, ital., franz. u. span. Überss.;
    Die Schr. allein, Moderne Exegese u. reformator. Auslegungsprinzip, 1970;
    Unterss. z. zweiten Thessalonicherbrief, 1972;
    Schöpfung u. Fall, Nach Genesis 1–3, „Im Anfang schuf Gott …“ u. „Denn Staub bist du …“ in e. Bd., 1973, 21984;
    Die Botschaft Jesu, Exeget. Orientierungen, 1978;
    Der zweite Brief an d. Thessalonicher, 1980, ostdt. Ausg. 1987;
    Mit Paulus im Gespräch, Das Lebenswerk d. gr. Völkerapostels, Eine Hinführung, 1983, ostdt. Ausg. 1984;
    Stud. z. Jesusüberlfg., 1987;
    „Trauer gemäß Gott“, Leiden in u. an d. Kirche in d. DDR, hg. v. K. Richter, 1994 (P);
    Hg: Ausgew. Komm. z. NT, 23 Bde., 1963–69;
    Bibliogr.: K. Kertelge u. a. (Hg.), Christus bezeugen (s. L), S. 299–312; F. Zeilinger, Würdigung (s. L), 24–36; – Nachlaß u. Qu: Archiv d. Oratoriums d. Hl. Philipp Neri, Leipzig; – weitere Qu: Archive d. Bm. Dresden-Meißen, d. Kath.-Theol. Fak. d. Univ. Erfurt u. Univ. München.

  • Literatur

    L F. Zeilinger, Würdigung d. wiss. Verdienste d. Herrn Dr. theol. et Dr. theol. h. c. W. T. (…), 1986 (W);
    K. Kertelge u. a. (Hg.), Christus bezeugen, FS W. T. z. 65. Geb.tag, 1989, Nachdr. 1990 (W); R. Ruß, in: Bibel u. Kirche 48, 1993, S. 225; P.-P. Straube, Kath. Studentengde. in d. DDR als Ort e. außeruniversitären Studium generale, 1996; B. Pittner, W. T., Exeget. Btrr. z. ökumen. Gespräch, in: W. Beinert u. a. (Hg.), Unterwegs z. einen Glauben, FS Lothar Ullrich z. 65. Geb.tag, 1997, S. 63–72; B. Schäfer, Staat u. kath. Kirche in d. DDR, 1998; J. Pilvousek, Theol. Ausbildung u. gesellschaftl. Umbrüche, 50 J. Kath. Theol. Hochschule u. Priesterausbildung in Erfurt, 2002; P. Hünermann, Erfurter Theol.? Versuch e. Profilbestimmung, in: Theol. d. Gegenwart 55, 2012, H. 2/3, S. 82–140; U. Kühn, Die Kath.-Theol. Fak. Erfurt als ökumen. Anlaufstelle, ebd., S. 166–71; Wer war wer DDR; Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L); LThK3; BBKL 18 (W, L).

  • Portraits

    P Photogrr. (Leipzig, Archiv d. Oratoriums d. Hl. Philipp Neri).

  • Autor/in

    Clemens Brodkorb
  • Empfohlene Zitierweise

    Brodkorb, Clemens, "Trilling, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 418-419 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118818368.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA