Lebensdaten
1878 - 1955
Geburtsort
Losgehnen bei Bartenstein (Ostpreußen)
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Botaniker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117400793 | OGND | VIAF: 61950261
Namensvarianten
  • Tischler, Georg Freidrich Leopold
  • Tischler, Georg
  • Tischler, Georg Freidrich Leopold
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Zitierweise

Tischler, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117400793.html [30.07.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Oscar (1847–1903), aus Liegnitz (Schlesien), Bes. d. Rr.guts Losgehnen (Lusiny), S d. Friedrich Alexander (1805–64), Baukondukteur, 1854 Erbauer d. Gutshauses in L., u. d. Bertha Puttlich (1822–73);
    M Marie Kowalski (1851–1935), aus Kinkeim b. Bartenstein;
    Ov Otto (1843–91), Dr. phil., Prähist., Archäol., 1869 Bibl. u. 1874 Verw. d. archäolog. Slg. d. Physikal.-ökonom. Ges. zu Königsberg (s. ADB 38; Altpreuß. Biogr. II), Friedrich (1844–70), Dr. phil., Astronom, 1868 Observator an d. Sternwarte Königsberg (s. ADB 38; Pogg. III);
    B Friedrich (1881–1945), Dr. phil. h. c., Amtsger.rat in Heilsberg (Ostpreußen), Ornithol., 1941 ausw. wiss. Mitgl. d. Vogelwarte Rossitten d. KWG (s. Altpreuß. Biogr. II);
    Danzig 1909 Gisela (1878–1959), aus Memel (Ostpreußen), T d. Ernst Frhr. v. Funck (1843–1922), preuß. Oberstlt., u. d. Wanda v. Schlemmer (1848–1916);
    2 S Fritz (1910–67), Dr. phil., Prähist., Archäol., 1950 Dir. d. Niederrhein. Mus. Duisburg, apl. Prof. f. Vorgesch. in Köln, Wolfgang (1912–2007), Dr. phil., Ökol., 1966 o. Prof. f. Zool. in K. (s. Kürschner, Gel.-Kal, 2007).

  • Leben

    T. besuchte 1891–96 das humanistische Gymnasium in Bartenstein und studierte Naturwissenschaften, insbes. Botanik, in Königsberg (1896/97), München (1897/98) und Bonn (1899 Dr. phil., 1900 Oberlehrerexamen). Danach wurde er Assistent am Botan. Institut der Univ. Heidelberg bei Ernst Pfitzer (1846–1906) und Georg Klebs (1857–1918). Hier habilitierte sich T. 1902 mit einer Monographie zur Morphologie und Ökologie der Berberitzengewächse, wurde Privatdozent und 1908 ao. Professor für Botanik. Im Sommer 1902 und 1903 hatte er bei dem Mykologen Jakob Eriksson (1848–1931) an der Landbauakademie in Stockholm über Getreiderostpilze gearbeitet; 1904 folgten weitere mykologische Studien bei Paul Vuillemin (1861–1932) an der Univ. Nancy. Eine größere Reise führte T. 1908/09 nach Südostasien, Ceylon, Südarabien, Ostafrika und Ägypten; Hauptstationen waren die botanischen Gärten Buitenzorg auf Java und Peradeniya auf Ceylon sowie das Biolog.-Landwirtschaftl. Institut Amani in Ostafrika. 1912 wurde T. etatmäßiger ao. Professor für Botanik an der TH Braunschweig, 1917 o. Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim und 1922 Ordinarius für Botanik und Direktor des Botan. Instituts und Gartens der Univ. Kiel (em. 1951). Im Wintersemester 1931/32 lehrte er als Gastprofessor an der Johns Hopkins Univ. in Baltimore (Maryland) und unternahm eine Vortragsreise durch die USA.

    T. war ein vielseitiger Botaniker, der unter dem Einfluß seines Bonner Doktorvaters Eduard Strasburger (1844–1912) vornehmlich anatomisch-zytologische Studien betrieb und in den Zellen nach Ursachen für die Sterilität bei Bastardpflanzen suchte. Untersuchungen der Pollenentwicklung bei der Banane führten 1910 zum Nachweis polyploider (d. h. mehr als zwei Chromosomensätze enthaltender) Rassen einer Art. Damit zählt T. zu den Pionieren der Polyploidieforschung. Er ermittelte die Chromosomenzahlen zahlreicher Pflanzen, auch von Bastarden, und trug die neuesten Ergebnisse in der weit verbreiteten Datensammlung „Tabulae Biologicae“ (5 Bde., 1927–38) zusammen; 1950 erschien ein Kompendium über „Die Chromosomenzahlen der Gefäßpflanzen Mitteleuropas“. T. erkannte die Bedeutung der Polyploidie für die Artbildung, Evolution und Verbreitung der Angiospermen und stellte 1935 fest, daß der Anteil polyploider Arten in den europ. Florengebieten von Süden nach Norden zunimmt. Mit diesen Arbeiten begründete er − neben Olaf Hagerup (1889– 1961) in Kopenhagen − die Zytotaxonomie und -ökologie der Pflanzen. Weniger mit Einzeluntersuchungen als mit umfassenden, mühevollen Zusammenschauen und Synthesen machte sich T. einen Namen. 1921/22 führte er das Wissen seiner Zeit über den Kern der Pflanzenzellen in einer „Allgemeinen Pflanzenkaryologie“ zusammen; die zweite Auflage umfaßte bereits drei Bände und wurde 1963 mit dem Ergänzungsband „Angewandte Pflanzenkaryologie“ durch T.s Schüler Heinz Diedrich Wulff (1910–83) abgeschlossen (Bd. 1, Der Ruhekern, 1934; Bd. 2, Kernteilung u. Kernverschmelzung, 1944).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Dt. Botan. Ges.; korr. Mitgl. d. Königsberger Gel. Ges. (1926); Dr. med. h. c. (Kiel 1948); Dr. agr. h. c. (Bonn 1949); Ehrenpräs. d. Internat. Botan. Kongresse in Stockholm 1950 u. Paris 1954; Ehrenmitgl. d. Japan. Botan. Ges., d. Ind. Botan. Ges. u. d. Portugies. Ges. d. Naturwiss.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über. d. Verwandlung d. Plasmastränge in Cellulose im Embryosack b. Pedicularis, in: Schrr. d. Physikal.-Ökonom. Ges. Königsberg 40, 1899, S. 1–18 (Diss.);
    Die Berberidaceen u. Podophyllaceen, Versuch e. morphol.-biol. Monogr., in: Englers Botan. Jbb. 31, 1902, S. 596–757 (Habil.schr.);
    Die Bedeutung d. Polyploidie f. d. Verbreitung d. Angiospermen, ebd. 67, 1935, S. 1–36;
    Zellstud. an sterilen Bastardpflanzen, in: Archiv f. Zellforsch. 1, 1908, S. 33–151;
    Unterss. über d. Entwicklung d. Bananenpollens I., ebd. 5, 1910, S. 622–70;
    Chromosomenzahl, -form u. -individualität im Pflanzenreiche, in: Progressus Rei botanicae 5, 1915,|S. 164–284;
    Die cytolog. Verhältnisse b. pflanzl. Bastarden, in: Bibliographia Genetica 1, 1925, S. 39–68;
    Pflanzl. Chromosomen-Zahlen, in: Tabulae Biologicae 4, 1927, S. 1–83, ebd. 7, 1931, S. 109–226, ebd. 11, 1935, S. 281–304, ebd. 12, 1936, S. 57–115, ebd. 16, 1938, S. 162–218;
    Über d. Verwendung d. Chromosomenzahlen f. phylogenet. Probleme b. d. Angiospermen, in: Botan. Centralbl. 48, 1928, S. 321–45;
    Verknüpfungsversuche v. Zytol. u. Systematik b. d. Blütenpflanzen, in: Berr. d. Dt. Botan. Ges. 47, 1929, S. [30]–[49];
    Polyploidie u. Artbildung, in: Naturwiss. 30, 1942, S. 713–18;
    Mithg.: Hdb. d. Pflanzenanatomie, 1934–55.

  • Literatur

    L B. Schmid u. C. Thesing (Hg.), Biologen-Kal. 1, 1914, S. 325 f.;
    H. D. Wulff, G. T. z. 70. Geb.tage, in: FF 25, 1949, S. 69 f.;
    P. Maheshwari, in: Journ. of the Indian Botanical Soc. 34, 1955, S. 494 f. (P);
    F. Volbehr u. R. Weyl, Professoren u. Dozenten d. Christian-Albrechts-Univ. Kiel, 41956, S. 164;
    U. Johanßen, Nachlaß v. Prof. G. T., Reg., 1961;
    G. Reese, in: Berr. d. Dt. Botan. Ges. 74, 1961, S. [95]-[102] (P, W-Verz.);
    F. A. Stafleu u. R. S. Cowan, Taxonomic Literature, 21986, Bd. 6, S. 366–68;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1925–54;
    Rhdb. (P);
    Altpreuß. Biogr. II;
    Biogr. Lex. Schleswig-Holstein I, 1970;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex., Heidelberger Gel.lex. I;
    Wi. 1909–55;
    Biogr. Enz. Naturwiss.;
    Qu Archiv d. Univ. Heidelberg; Univ.bibl. Kiel (Nachlaß).

  • Autor/in

    Ekkehard Höxtermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Höxtermann, Ekkehard, "Tischler, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 307-308 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117400793.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA