Lebensdaten
1894 bis 1942
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Konzentrationslager Auschwitz
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur ; Produktionsleiter ; Filmverleiher
Konfession
jüdisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 106239609X | OGND | VIAF: 291682618
Namensvarianten
  • Tintner, Hans

Biografische Lexika/Biogramme

Literatur(nachweise)

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Zitierweise

Tintner, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd106239609X.html [18.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Josef, in W.;
    M Friederica Lederer.

  • Leben

    T., der 1917 als k. k. Leutnant nachgewiesen ist, soll seine Karriere als Schauspieler an österr. Bühnen begonnen haben, doch lassen sich – außer einem Eintrag 1921 zu seiner Mitgliedschaft in der Genossenschaft Dt. Bühnen-Angehöriger – keine Engagements belegen. Um 1918 zog er nach München und debütierte als Schauspieler beim Film – ob 1920 in dem Film „Bauernhaß“ von Toni Attenberger (1882–1949), ist nicht zweifelsfrei zu klären. Er wirkte jedoch mit in dem Melodram „Ciska Barna, die Zigeunerin“ (1921), für das er zuweilen auch als Regisseur genannt wird (neben N. N. Asam). Mitte der 1920er Jahre wechselte T. nach Berlin und wurde Pressechef der Verleihfirma „Deutsche Vereinsfilm AG“ (seit 1930 „Deutsche Fox-Film AG“), später deren Direktor. Daneben versuchte er, sich als Drehbuchautor zu etablieren. 1925 wurde sein Stoff „Zaungäste des Lebens“ in der Regie von Nikolai Malikoff realisiert. 1928 kam nach seinem Drehbuch der Film „Mädchen, hütet Euch!“ in die Kinos, im Untertitel als „Warnruf nach Motiven des Theaterstückes ‚Die Kindesmörderin‘ von H. L. Wagner“ ausgewiesen. Regie führte Valy Arnheim (1883–1950), die künstlerische Leitung oblag William Kahn (eigtl. Wilhelm Kahn, 1888–1941/43). Der Film erzählt von einem geschwängerten und allein gelassenen Mädchen, das an seiner vermeintlichen Schuld zerbricht und durch einen Eingriff|zur Mörderin ihres Kindes wird. Wenn auch sentimentalisch aufbereitet, so deutet sich hier doch ein soziales Interesse T.s an, gleichsam als Vorgriff auf „Cyankali“ (1930), seine Adaption des Schauspiels von Friedrich Wolf (1888–1953). Bei „Die Jugendgeliebte (Goethes Frühlingstraum)“, 1930 uraufgeführt, übernahm er die Regie. Noch als Stummfilm realisiert, doch mit Toneffekten aufgeführt – die Projektion wurde durch musikalische Einlagen unterbrochen –, erzählt der Film in freier Ausschmückung die unerfüllte Liebesgeschichte zwischen Goethe und der Pfarrerstochter Friederike Brion aus Sessenheim.

    T.s besondere Stellung in der dt. Filmgeschichte ist durch den Film „Cyankali“ begründet. T. hielt sich eng an die literarische Vorlage und kooperierte bei der Arbeit am Drehbuch mit Wolf; zudem führte er Regie. Mehr noch als das Drama half der Film, das Thema der Abtreibung zu enttabuisieren; er war ein klares Plädoyer gegen den § 218 StGB und für den Schwangerschaftsabbruch in sozialer Notlage. Grete Mosheim (1905–86) spielte die Hauptrolle und gab der Hete berührende Züge. Verlassen vom Verlobten und – wenig später arbeitslosen – Vater des Kindes, begibt sie sich in die Hände einer Engelmacherin. Die zeitgenössische Kritik, soweit liberal eingestellt, bemängelte zwar, daß die Umsetzung nicht so kraftvoll revolutionär sei wie Wolfs Drama und notierte die konventionelle Regieführung, würdigte aber auch das Wagnis der Verfilmung. Die konservativ eingestellten Rezensenten feindeten den Film an, der einen mühsamen Prozeß der Zensur durchlief und nur mit sehr weitgehenden Schnittauflagen freigegeben wurde. 1930 in der Phase des Umbruchs zum Tonfilm gedreht, ist der Film weitgehend stumm, doch zwei markante Stellen am Schluß verwenden Ton, darunter der qualvolle Schrei der sterbenden Hete, der Cyankali als Abtreibungsmittel gereicht wurde. Weitab von der sozialen Realität dieses Films realisierte T. noch im selben Jahr auch den Musikfilm „Kaiserliebchen“, der in Österreich unter dem Titel „Kaiser Josef und die Postmeisterstochter“ in den Verleih kam. T.s Filmkarriere endete mit der dt. Bearbeitung des amerik. Westerns „The Big Trail“ (1930), den er für die „Fox“ unter dem Titel „Die große Fahrt“ in die Kinos brachte. Bald darauf zog er sich in seine Heimatstadt Wien zurück. 1938, kurz nach dem „Anschluß“ Österreichs gelang es ihm, nach Frankreich zu fliehen. Nach Ausbruch des Krieges verhaftet und in das Lager Drancy verbracht, wurde er am 19. 7. 1942 nach Auschwitz deportiert, wo er wenige Wochen später unter unbekannten Umständen starb.

  • Werke

    Weitere W Die Talfahrt d. Severin Hoyer, 1922 (Regie: O. Linnekogel;
    Schausp.);
    Sechs Mädchen suchen Nachtquartier, 1928 (Regie: H. Behrendt;
    Produktionsltg.).

  • Literatur

    L Klassiker d. dt. Tonfilms, 1980;
    U. v. Keitz, Im Schatten d. Gesetzes, Schwangerschaftskonflikt u. Reproduktion im dt.sprachigen Film 1918 bis 1933, 2005;
    K. Weniger, Zwischen Bühne u. Baracke, Lex. d. verfolgten Theater-, Film- u. Musikkünstler 1933–1945, 2008; ders., „es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“, Lex. d. aus Dtld. u. Österr. emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945, 2011

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Tintner, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 296-297 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd106239609X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA