Lebensdaten
1866 - 1930
Geburtsort
Miechowitz (Bytom-Miechowice, Oberschlesien)
Sterbeort
Miechowitz
Beruf/Funktion
Diakonisse
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118622587 | OGND | VIAF: 95209511
Namensvarianten
  • Tiele-Winckler, Valeska Anna Katarina Adelheid Maria Elisabeth Eva von
  • Mutter Eva
  • Tiele-Winckler, Eva von
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Zitierweise

Tiele-Winckler, Eva von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118622587.html [02.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Hubert (v. T., 1854 meckl. Wappen- u. Namensvereinigung z. v. T.-W.) (1823–93, ev., 2] 1883 Rose Hildegart Gfn. v. der Schulenburg, 1847–1930, ev., Haushofmeisterin am Hofe d. Ehefrau d. preuß. Thronfolgers), preuß. Oberst, Großind. in Oberschlesien (s. Einl.), S d. Peter Gotthilf v. T. (1779–1866), auf Kominen, Makohlen usw., mußte d. im Krieg verheerten kurländ. Güter seines Vaters verlassen u. zog n. Königsberg (Pr.), u. d. Adelheid v. Wedel(l) (1803–75);
    M Valeska (1829–80, kath.), Alleinerbin d. Vermögens ihrer Eltern u. ihrer Stiefmutter, T d. Franz v. Winckler (1803–51, preuß. Adel 1840, 2] 1832 Maria Domes, 1789–1853, Erbin u. Herrin v. M., 1] Franz Frhr. v. Aresin, 1773–1831, auf Miechowitz, Kaufm., Ind., T d. Ignaz Domes, 1835, Kaufm., erwarb 1812 d. Gut M., ließ 1817 dort e. Schloß errichten), Montanuntern. in Oberschlesien (s. Einl.; Schles. Lb. V, 1968), u. d. Alwine Kalide (1803–29);
    Ur-Gvv Christian Gottlieb v. T. (1751–1811), aus Podzunen (Litauen), kurländ. u. russ. HR;
    Gr-Om Theodor Kalide (1801–63), Bildhauer (s. NDB XI);
    4 B Franz Hubert Gf. v. T.-W. (1857–1922, preuß. Gf. 1895), Großgrundbes., Montanind., preuß. Landrat d. Kr. Neustadt (Oberschlesien, Prudnik, Polen), seit 1901 erbl. Mitgl. d. preuß. Herrenhauses u. Landesältester (s. Einl.), Walther (1858–1909), Fideikommißherr auf Blücher, Lebbin, Poppentin, Göhren, Wendhof, preuß. Rittmeister d. Landwehr, Günther (1860–1918), Fideikommißherr auf Kirchgrubenhagen, Vollrathsruhe, Steinhagen u. Hallalit, preuß. Rittmeister d. Landwehr, Hans-Werner (1865–1914), Fideikommißherr auf Rothenmoor, Dahmen u. Sagel, preuß. Oberlt. d. Landwehr, 4 Schw Franziska (1855–1927), Helene (1861–1933), Hildegard (1863–1940, Georg v. Kalckstein, 1849–1925, auf Romitten, Bönkeim u. Sossehnen, preuß. Gen.lt.), Clara (1868–1946, Ernst Gf. v. Seherr-Thoß, 1858–1907, Fideikommißherr auf Weigelsdorf, preuß. Rittmeister), 1 Halb-B Raban (1887–1936), auf Lebbin, preuß. Rittmeister.

  • Leben

    T. wurde als Tochter einer der reichsten Großindustriellenfamilien Deutschlands geboren. Das liebevolle Verhältnis zu ihrer Mutter und ihrem Vater, der auf strenge Selbstdisziplin achtete, bestimmten Kindheit und Jugend. Früh beschloß sie, ihr Leben der christlichen Nächstenliebe zu widmen und versorgte Bedürftige im elterlichen Schloß mit Nahrung. 1884 nahm sie mit ihrer Konfirmation das ev. Bekenntnis ihres Vaters an. 1885 lernte sie auf einer Reise Pastor Friedrich v. Bodelschwingh (1831–1910) kennen, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband. In der von ihm geführten Einrichtung Bethel begann T. 1887 ihre Ausbildung zur Krankenschwester. 1888 kehrte sie nach Miechowitz zurück. Unweit des Schlosses errichtete sie 1890 den „Friedenshort“, eine von ihr geführte und von ihrem Vater finanzierte Heimstätte für Arme, Alte, Kinder, Behinderte und Nichtseßhafte. Ermutigt von Bodelschwingh, gründete T. 1892 eine eigene Schwesternschaft in Miechowitz. 1893 wurde sie in Bethel zur Diakonisse geweiht. 1895 gelang es Bodelschwingh, T. zu bewegen, die Führung der großen Schwesternschaft in Bethel zu übernehmen. Dieses Amt gab T. 1901 wegen gesundheitlicher Überanstrengung auf und kehrte nach Miechowitz zurück.|Neben der Arbeit im Friedenshort widmeten sich T. und ihre Schwestern der Seelsorge in Frauengefängnissen und der Auslandsmission. Besonders am Herzen lag T. das Wohl von Waisenkindern, die nicht in großen anonymen Anstalten, sondern in familienähnlichen Gruppen aufwachsen sollten. 1910 gründete sie in einem dem Friedenshort geschenkten Landhaus bei Breslau die erste „Kinderheimat“ für Waisen. In allen Teilen Deutschlands entstanden bald derartige Heimstätten. 1913 wurden sie in der „Heimat für Heimatlose GmbH“ zusammengefaßt. Im selben Jahr entstand der „Sternenbund“, in dem besonders Kinder Kindern halfen. T., die ihre Ziele auch in programmatischen und erbaulichen Publikationen vertrat, versah während des 1. Weltkriegs Lazarettdienste und konzentrierte sich anschließend wieder auf ihre Arbeit in Miechowitz.

    T.s Werk überdauerte ihren Tod sowie die NS-Zeit und die Vertreibung der Deutschen aus Oberschlesien. In der Sowjet. Besatzungszone, in Heiligengrabe, wagten die Diakonissen 1946 einen Neuanfang. In Westdeutschland wurde zunächst Schloß Berleburg ihr neues Zentrum, bevor man 1957 in Freudenberg eigene Gebäude errichten ließ. 1993 wurde die geteilte Schwesternschaft wieder zusammengeführt. Heute zählt die „Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort“ mit Sitz in Freudenberg neben rund 80 Schwestern über 1000 Mitarbeiter. Sie konzentriert sich auf die Kinder- und Jugendhilfe und die Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung. Auch in Polen erinnert man sich seit gut zwei Jahrzehnten verstärkt „Mutter Evas“.

  • Auszeichnungen

    A Ulica Matki Ewy, Bytom-Miechowice;
    Dom Pomocy Społecznej Ewangelicki Dom Opieki „Ostoja Pokoju“ (Übergemeindliches, überkonfessionelles Alters- u. Pflegeheim „Friedenshort“ in Trägerschaft d. ev. Kirchengde. Bytom-Miechowice), Bytom-Miechowice (Neuerrichtung 1995);
    Instytut Matki Ewy, Katowice (seit 2003);
    Szlak Matki Ewy w Bytomiu-Miechowicach (Mutter-Eva-Erinnerungsweg mit 5 Schautafeln), Bytom-Miechowice (2011);
    Gedenkräume im ehem. Wohnhaus auf d. Gelände d. Friedenshorts, Miechowice;
    Mutter-Eva-Innovationspreis d. (dt.) Friedenshort-Gemeinschaft (seit 2010);
    Preis Ostoja Pokoju im. Matki Ewy (seit 2012).

  • Werke

    W u. a. Wie d. Friedenshort entstand, 1921, erw. Aufl. ⁵1959;
    Die Geisteskirche, um 1922;
    Schwester Sophie, e. Dienstmagd Jesu Christi, um 1922, ⁵1949;
    Um jeden Preis, um 1922, Neuausg. 25 1984;
    Denksteine d. lebendigen Gottes, Aufzeichnungen selbsterlebter Führungen, 1926, Neuausg. 1970;
    Wir sahen seine Herrlichkeit, Schwester Eva, 1927, Neuausg. um 1980;
    Geisteswirken im tägl. Leben, 1929, 102007;
    Nichts unmöglich!, Erinnerungen u. Erfahrungen, 1929, ⁵1938 (P);
    Christenadel, Betrachtungen über Hoheslied 4,6–5,1, 1931, Neuausg. 2007;
    Der wahre Sinn d. Lebens, 1935, Neuausg. 1955, poln. 1963;
    Das siebenfache „L“, Ein Geheimnis fruchtbringenden Zeugendienstes, 1935; Glückselig, Matthäus 5, 1–12, um ²1935; Briefe z. Lobe Gottes, 1938, Neuausg. 1979; Zum Segen berufen, Entstehen u. Wirken d. Friedenshortes, erw. Aufl. ⁶1990; Gedanken über d. Psalmen, 4 Folgen, Neuausgg. 1986–90; – Audio CD: Wspomnienia, hg. v. Parafia Ewangelico-Augsburgska, 2010 (Erinnerungen).

  • Literatur

    L W. Thieme, Mutter Eva, Die Lobsängerin d. Gnaden Gottes, Leben u. Werk v. Schwester E. v. T.-W., 1932, erg. ⁴2007;
    G. Frischmuth, Glaube u. Leben b. E. v. T.-W., Ein Btr. z. Frage d. Verhältnisses v. Rechtfertigung u. Heiligung, 1938, ³2008;
    M. Witte, Das gr. Wagnis, Erinnerungen an E. v. T.-W., 1949, ³1958;
    P. Toaspern, E. v. T.-W., Mutter Eva, Ein Leben aus d. Stille vor Gott, überarb. u. aktualisierte 2. 1995 (1. Aufl. u. d. T. Ancilla Domini, Mutter Eva, Ein Leben d. Hingabe an Jesus Christus, 1968) (P);
    A. Funke, E. v. T.-W., „Mutter Eva“, 1981 (P);
    E. Steineck, Brich d. Hungrigen dein Brot, Leben u. Werk E. v. T.-W.s aus Briefen u. Schrr., 1986 (P);
    100 J. Friedenshort 1890–1990, Liebe macht sehend, hg. v. Diakonissenmutterhaus Stiftung Friedenshort, 1996 (P);
    B. Rohr, „… mich selbst u. alles, was ich war u. hatte, hineinwerfen in d. Jammer d. Zeit“, Würdigung v. Lebenswerk u. Persönlichkeit d. Schwester E. v. T.-W. (1866–1930) vor d. Hintergrund unterschiedl. Zeitströmungen, Diss. Bremen 2005 (L, P);
    B. Plathow-Holl, E. v. T.-W.s Leben u. Werk, Fachwiss. Überlegungen u. fachdidakt. Konsequenzen, 2006 (L, P);
    A. M. v. Hauff, in: dies. (Hg.), Frauen gestalten Diakonie, II, 2006, S. 451–66 (P);
    A. Kuzio-Podrucki, Die T.-W.s, Eine Oberschles. Kohle u. Stahlaristokratie, 2007, S. 96–104 (W, L, P);
    L. v. Seltmann, Wir nannten sie Mutter Eva, Das bewegende Leben d. E. v. T.-W., 2011 (Romanbiogr.);
    Kosch, Lit.Lex.3;
    H. Maier (Hg.), Who is who d. Soz. Arb., 1998;
    RGG4;
    BBKL XII;
    Wedel, Autobiogrr. Frauen; – Dokumentarfilm:
    Vom Schloß z. Hütte, E. v. T.-W., Regie: S. Tiedemann, SWF Baden-Baden mit Matthias-Film, 1998.

  • Autor/in

    Gerhard Schiller
  • Empfohlene Zitierweise

    Schiller, Gerhard, "Tiele-Winckler, Eva von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 262-263 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118622587.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA