Lebensdaten
erwähnt 19./20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Montanunternehmer ; Industrielle
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 133343413 | OGND | VIAF: 55334311
Namensvarianten
  • Tiele-Winckler, Barone (seit 1905)
  • Winckler
  • Tiele-Winckler, Grafen von (seit 1895)
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Zitierweise

Tiele-Winckler, Grafen von (seit 1895), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133343413.html [11.08.2022].

CC0

  • Biographie

    Die T.-W. gehörten zum Kreis der oberschles. Magnaten, einer kleinen Gruppe einflußreicher Adelsgeschlechter, die über großen Grundbesitz verfügten und sich, darauf aufbauend, industriell engagierten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Mitgliedern dieses Kreises hatten die T.-W. auch bürgerliche Wurzeln. Am Ursprung ihres Unternehmens steht der in Niederschlesien geborene Franz (eigtl. Franciscus) Xaver Winckler (1803–51, preuß. Adel 1840), der seine Laufbahn in Oberschlesien als Bergmann auf der staatlichen Friedrichsgrube begann und später die Bergschule in Tarnowitz absolvierte. Er legte einen Grundstein für seinen Aufstieg zu einem der wichtigsten oberschles. Industriellen, als er 1826 Bergwerksleiter des Kaufmanns Franz Frhr. v. Aresin wurde, der über mehrere Industrieanlagen in Miechowitz verfügte. Nach dem Tod Aresins 1831 heiratete Franz in zweiter Ehe dessen Witwe Maria (1789–1853). Durch diese Heirat gelangte Franz in den Besitz zahlreicher Gruben und Hütten in Miechowitz, den Aufstieg zu einem Magnaten ebnete er sich aber v. a. durch den Erwerb der Güter Kattowitz und Myslowitz 1838/39. Die Bedeutung dieser Besitzungen lag v. a. in ihrem Reichtum an Steinkohlen und Eisenerzen, die für die Industrialisierung seit den 1830er Jahren in Oberschlesien eine große Rolle spielten. In zwei nacheinander gegen den Fiskus geführten Prozessen gelang es Franz, sich zunächst das alleinige Gewinnungsrecht auf Steinkohlen und später auch das Bergregal in Myslowitz-Kattowitz zu sichern, so daß er hier den Bergbau unabhängig vom preuß. Staat betreiben konnte und keinen Bergzehnten an den Fiskus entrichten mußte. Dadurch und durch die gute Verkehrsanbindung des Besitzes über die Oberschles. Eisenbahn, die einen günstigen Transport der Steinkohlen an eigene und fremde Eisen- und Zinkhütten ermöglichte, stieg er zu einem der wichtigsten Steinkohlelieferanten der Region auf und verfügte über eine energetische Basis für den Aufbau einer eigenen modernen Eisen- und Zinkindustrie.

    Nach dem Tod von Franz 1851 und seiner Frau Maria 1853 ging das Unternehmen in den Besitz von Valeska Franziska Charlotte Florentine (1829–80) über, Tochter Franz’ aus seiner ersten Ehe mit Alwine Albertine Kalide (1803–29). Nach Valeskas Heirat mit Hubert Gustav Viktor v. Tiele (1823–93), der sein Wappen mit dem seiner Frau vereinigte, den Namen v. T.-W. annahm und damit zum eigentlichen Begründer des Geschlechts der T.-W. wurde, ging die Führung des Unternehmens in dessen Hände über. Hubert gelang es in der Folgezeit, weitere Privilegien durchzusetzen, den Industriebesitz zu erweitern und das Unternehmen zu modernisieren: Zunächst sicherte er sich in einem Prozeß gegen den Fiskus das Bergregal sowie das Recht auf den Zehnten auch in weiteren oberschles. Bezirken, die ehemals Myslowitz-Kattowitz angehört hatten, und erweiterte den Industriebesitz der Familie deutlich. Zu einer entscheidenden Modernisierung des Unternehmens kam es, als er einen Großteil des T.-W. schen Gruben- und Hüttenbesitzes in zwei AGs einfließen ließ: So gründete er 1872 die „Oberschlesische Aktien-Gesellschaft für Kohlenbergbau“ in Breslau, die sich allerdings als wenig erfolgreich erwies und 1911 aufgelöst wurde. Erfolgreicher und langlebiger war die „Kattowitzer Aktien-Gesellschaft für Bergbau und Eisenhüttenbetrieb“, die Hubert 1889 in Zusammenarbeit mit dem Kaufmann Friedrich Eduard v. Loebbecke (1795–1870, preuß. Adel 1840) gründete, wobei er selbst Hauptaktionär blieb. Nach Huberts Tod wurde das Unternehmen von seinem Sohn Franz Hubert (1857–1922) weitergeführt, der 1895 in den Grafenstand erhoben wurde (auf Primogenitur). Unter seiner Führung erreichten die T.-W. den Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen Macht und innerhalb der preuß. Monarchie eine exponierte Stellung: 1912 nahm Franz Hubert in der Rangliste der reichsten Preußen mit einem Vermögen von 74 Mio. Mark und einem jährlichen Einkommen von 3–4 Mio. Mark den achten Platz ein: Er war seit 1901 erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses und Mitglied des Zentralausschusses der dt. Reichsbank. In der Zeit Franz Huberts, dessen Schwester Eva (1866–1930)|als Diakonisse und „Mutter Eva“ zu Berühmtheit gelangte, zog sich die Familie aus dem aktiven Engagement in der oberschles. Wirtschaft zurück: Ein Großteil des T.-W.schen Industriebesitzes wurde kurz vor Franz Huberts Tod an Friedrich Flick (1883–1972) verkauft, der 1920 in Oberschlesien aktiv wurde und dort zunächst die Kontrolle über die AG „Bismarckhütte“ übernahm. Seit 1921 war Flick Hauptaktionär der „Kattowitzer Aktien-Gesellschaft für Bergbau und Eisenhüttenbetrieb“. Beide AGs wurden unmittelbar nach der Teilung Oberschlesiens 1922 in einem Konzern vereinigt, der weitere oberschles. Industrieanlagen erwarb. Flick erweiterte seinen Besitz in der Region noch erheblich, als er 1929 zusammen mit William Averell Harriman die „Consolidated Silesian Steel Corporation“ gründete, die einen Großteil der Aktien der (mit der Bismarckhütte vereinigten) Kattowitzer AG hielt. Diese geriet v. a. nach Beginn der Wirtschaftskrise 1929 zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten und ging 1936 hauptsächlich in poln. Staatsbesitz über. Während des 2. Weltkriegs wurden ihre Industrieanlagen, die aus dem Unternehmen der v. T.-W. hervorgegangen waren, zwischen den dt. Konzernen „Reichswerke Hermann Göring“ und der „Berg- und Hüttenwerksgesellschaft Berghütte Teschen AG“ aufgeteilt. Nach 1945 wurden sie in Polen verstaatlicht. Claus-Hubert (1892–1938), Sohn von Franz Hubert, starb ohne Nachkommen.

  • Literatur

    L R. Martin, Jb. d. Vermögens u. Einkommens d. Millionäre in Preußen, T. 2, 1912;
    G. Behagel, Die Entwicklung d. Ind. Oberschlesiens im Wechsel d. Zeiten u. Wirtsch.räume, in: Jb. d. Osteuropainst. z. Breslau 1940, 1941, S. 169–89;
    J. Jaros, Tajemnice górnośląskich koncernów, 1988;
    T. Pierenkemper, Untern.aristokraten in Schlesien, in: E. Fehrenbach (Hg.), Adel u. Bürgertum in Dtld. 1770–1848, 1994, S. 129–57;
    A. Kuzio-Podrucki, Die T.-W., Eine oberschles. Kohle- u. Stahlaristokratie, 2007;
    N. O. Siemaszko, Das oberschles. Eisenhüttenwesen 1741–1860, 2011; Adelslex. 14, GHdA 131, 2003.

  • Autor/in

    Nikolaus Olaf Siemaszko
  • Familienmitglieder

  • Zitierweise

    Siemaszko, Nikolaus Olaf, "Tiele-Winckler, Grafen von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 261-262 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133343413.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA