Lebensdaten
1890 bis 1979
Geburtsort
Waldenburg (Oberschlesien)
Sterbeort
Berlin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1159731950 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schubert, Eva Hildegard (geborene)
  • Thurnwald, Hilde
  • Schubert, Eva Hildegard (geborene)
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Zitierweise

Thurnwald, Hilde, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1159731950.html [07.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Oskar Schubert, aus Weimar, RA, Notar in Stendal;
    M Helene Römer;
    Gleschendorf b. Klingberg (Oldenburg) 1923 Richard Thurnwald (s. 1).

  • Leben

    T. wuchs in Stendal (Altmark) auf. An dem neu gegründeten Pestalozzi-Froebel-Haus in Berlin (später Alice-Salomon-Akademie) absolvierte sie eine zweijährige sozial-fürsorgerische Ausbildung, die sie mit führenden Sozialreformerinnen in Kontakt brachte. Eine lebenslange Freundschaft verband sie mit Marie Baum. In ihrer reformorientierten und sportbegeisterten Familie lernte sie den 21 Jahre älteren Juristen und Völkerkundler Richard Thurnwald kennen, mit dem sie sich 1912, vor dessen neuerlicher Ausreise nach Neuguinea, verlobte. Nach der Eheschließung 1923 gab T. ihre Tätigkeit als Lehrerin in Ostholstein auf. Als gleichberechtigte Mitarbeiterin ihres Mannes und durch eigene Studien wurde sie, ohne eigentliches Universitätsstudium, zu einer bedeutenden Sozialwissenschaftlerin des 20. Jh., die auch Einfluß auf die Arbeiten ihres Mannes nahm. T. stand in Kontakt mit dem Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung (etwa zu Fragen der Traumdeutung und der ethnopsychologischen Forschung). 1925 war sie an der Gründung und Herausgabe der „Zeitschrift für Völkerpsychologie und Soziologie“ (seit März 1932 Sociologus) als Redakteurin und Lektorin beteiligt. Finanziert vom International Institute of African Languages and Cultures in London, forschte sie 1930/31 in Begleitung ihres Mannes eigenständig zum Einfluß des Kulturwandels auf die Frauen in Tanganyika. Ihre Ergebnisse analysierte sie nach sozialpsychologischen Kriterien. In „Die schwarze Frau im Wandel Afrikas“ (1935) stellte sie u. a. Unterschiede im kulturellen Wandel für Frauen und Männer fest; Frauen seien traditionsgebundener. Zugleich wies T. auf mögliche Verbesserungen der Lebensbedingungen für Frauen durch die Veränderungen hin. Während des Aufenthaltes des Ehepaares in den USA in den 1930er Jahren reiste T. in die Südstaaten und trat mit verschiedenen afroamerikanischen Frauenorganisationen in Kontakt. Sie blieb bis an ihr Lebensende an deren Lebenswirklichkeiten interessiert. 1933/34 arbeitete sie gemeinsam mit Richard in Buin/Bougainville (im Auftrag des Australian Research Council), wo sie Lebensläufe von Frauen erfaßte, die sie allerdings nur indirekt ermitteln konnte. Für die damalige Zeit neuartig machte sie ihre Beziehungen zu ihren Informanten zum Thema besonderer Erörterung. „Menschen der Südsee. Charaktere und Schicksale“, Stuttgart 1937.

    Nach dem 2. Weltkrieg, 1946, begründete T. mit ihrem Mann das Forschungsinstitut für Soziologie und Ethnologie (seit 1951 Teil der FU Berlin) und leitete 1946/47 die erste Berliner empirische sozialwissenschaftliche Studie nach dem Krieg. Die Publikation “Gegenwartsprobleme Berliner Familien“ (1948) stellt heute ein wichtiges Zeitdokument dar. 1951 erfolgte die Wiederbegründung des „Sociologus“ (N. F., Forschungen zur Ethnologie und Sozialpsychologie), dessen Herausgabe T. nach Richards Tod übernahm und dessen Inhalte sie entscheidend mitbestimmte.

  • Werke

    Weitere W Ehe u. Mutterschaft in Buin (Bougainville, Salomo-Archipel), in: Archiv f. Anthropol. u. Völkerforsch. 24, 1938, S. 214–46;
    Jenseitsvorstellungen u. Dämonenglaube d. Buin-Volkes, in: Btrr. z. Gesellungs- u. Völkerwiss., Richard T. z. 80. Geb. tag, 1950, S. 345–64;
    Hg.: Forschungen z. Ethnol. u. Sozialspychol., 1953–76; Sociologus, 1954–72 (auch Red.).

  • Literatur

    L S. Westphal-Hellbusch, in: Sociologus N. F. 1979, H. 2, S. 97–101;
    M. Melk-Koch, Auf der Suche nach d. menschl. Ges., Richard T., Diss. Berlin 1989 (P);
    R. Kullik, Frauen „gehen fremd“, Eine Wiss.gesch. d. Wegbereiterinnen d. dt. Ethnol., 1990;
    B. HauserSchäublin, Das Werden e. geschlechterspezif. Ethnol. (im dt.sprachigen Raum), …, in: dies. (Hg.), Ethnol. Frauenforsch., 1991, S. 21–24;
    D. NeulandKitzerow, H. T., Dokumentarin d. Nachkriegsj. 1945–1950, in: Fachfrauen – Frauen im Fach, 1995, S. 112–34; B. Beer, in: Frauen in d. dt.sprachigen Ethnol., 2007, S. 225–31

  • Autor/in

    Marion Melk-Koch
  • Empfohlene Zitierweise

    , "Thurnwald, Hilde" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 237 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1159731950.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA