Lebensdaten
1899 bis 1990
Geburtsort
Schweidnitz bei Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Physikochemiker ; Wissenschaftsorganisator
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118895095 | OGND | VIAF: 59882409
Namensvarianten
  • Thiessen, Peter Adolf
  • Thiessen, Peter
  • Thiessen, Peter A.
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Zitierweise

Thiessen, Peter A., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118895095.html [02.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (* 1870), Landwirt;
    M Anna Koschik ( 1902);
    3 Geschw;
    1) Gauting b. München 1923 Margarete Genck (1893–1968), 2) Berlin 1970 (?) Christine Stempel (* 1919?);
    2 S aus 1) Klaus (* 1927), Physiker, Dir. d. Zentralinst. f. Optik u. Spektroskopie d. Ak. d. Wiss. d. DDR, Prof. d. Physik an d. TH Karl-Marx-Stadt u. an d. HU (s. Biogr. Hdb. SBZ/DDR), Karsten Peter (* 1936), Dr. rer. nat., Mitarb. am Zentralinst. f. physikal. Chemie d. Ak. d. Wiss. d. DDR, Prof., 1 T aus 1) Dorothea Florek (* 1924, s. W).

  • Leben

    T. besuchte seit 1912 das Gymnasium in Schweidnitz, meldete sich jedoch 1917 freiwillig zur Marine. Er holte 1919 das Abitur nach und studierte Chemie in Breslau, Freiburg (Br.), Greifswald und Göttingen, wo er 1923 mit der Dissertation „Kritische Untersuchungen am kolloidalen Gold“ bei Richard Zsigmondy (1865–1929) zum Dr. phil. promoviert wurde, dessen Assistent er seit 1924 war. 1926 habilitierte er sich in Göttingen für Physikochemie und übernahm stellvertretend auch Zsigmondys Vorlesung über Kolloidchemie. 1927–32/33 wirkte T. als stellv. Direktor des Kolloidchemischen Instituts von Zsigmondy. Seit 1922 Mitglied der NSDAP, hatte er seine Mitgliedschaft 1926 vorübergehend ruhen lassen, um sich problemlos habilitieren zu können. 1933 wurde T. zunächst Abteilungsleiter, 1935 Direktor des KWI für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin. Gleichzeitig wurde er o. Professor an der Univ. Berlin, übte aber keine Lehrtätigkeit mehr aus. T. erhielt zudem den Posten eines fachwissenschaftlichen Beraters auf dem Gebiet des Hochschulwesens beim Reichserziehungsministerium (1934–37) und eines Fachspartenleiters im Reichsforschungsrat. Als Direktor des KWI bemühte sich T. um die Entwicklung und Anwendung neuester physikalischer Forschungsmethoden, insbesondere der durch Manfred v. Ardenne (1907–97) entwickelten Elektronenmikroskopie. Aufgrund seiner ausgezeichneten Beziehungen erhielt sein Institut die meisten Finanzmittel von allen Instituten der KWG. Es wurde 1940 als „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“ ausgezeichnet.

    Nach Kriegsende gelangte T. mit Unterstützung Ardennes in die UdSSR und beteiligte sich am sowjet. Atombombenprogramm. Er trug maßgeblich zur Realisierung der Diffusionsmethode bei der Uranisotopentrennung bei, indem er die passenden Filter für Uranhexafluorid entwickelte und deren Produktion organisierte. Für diese Entwicklung, vermutlich seine bedeutendste wissenschaftliche Leistung, wurde T. mehrmals durch die sowjet. Regierung ausgezeichnet, das Verfahren blieb allerdings geheim. Nach der Rückkehr nach Ostberlin 1956 wurde er Gründungsdirektor des Instituts für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften und Vorsitzender des Forschungsrats der DDR, wie auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften und weiterer Gremien und Institutionen. T.s NS-Vergangenheit wurde weder in der UdSSR noch der DDR thematisiert.

    Von T.s Publikationen, die sich teilweise an ein breites Publikum richteten, sind in erster Linie seine kolloidchemischen Arbeiten aus der Göttinger Zeit von wissenschaftlicher Bedeutung. Seine Forschungen über kolloidales Gold erweiterten v. a. die Kenntnisse über die Koagulation von Kolloidlösungen. Außerdem untersuchte T. eingehend den Übergang zwischen echten und kolloidalen Lösungen durch Mizellenbildung. T.s spätere Tätigkeit war hauptsächlich organisatorischer Art. Als produktive Arbeitshypothese zeigte sich ein von ihm entwickeltes qualitatives „Magma-Plasma-Modell“ über einen besonderen SchmelzZustand bei reibenden festen Oberflächen, das die tribochemischen Untersuchungen in der DDR beförderte.

  • Auszeichnungen

    A o. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Berlin (1939, 1945 unterbrochen, 1955 erneuert); Stalinpreis 1. Kl. (1951); Lenin-Orden (1951); Staatspreis d. Sowjetunion 2. Kl. (1956); Roter Arbeitsbanner-Orden (1956?); Nat.preis d. DDR 1. Kl. (1958); VO in Gold (1959):|Dr. h. c. (Greifswald 1959); korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. d. UdSSR (1966).

  • Werke

    W Die Empfindlichkeit v. Goldhydrosolen gegen Ammoniak, in: Zs. f. anorgan. u. allg. Chemie 134, 1924, S. 357–67;
    Das kolloide Gold, 1925 (mit R. Zsigmondy);
    Anordnung d. Moleküle in Seifenmicellen, in: Zs. f. physikal. Chemie, A 156, 1931, S. 435–56 (mit R. Spychalski);
    Der Aufbau d. Gerüstes b. Sol-Gelumwandlung e. kolloiden Systems mit stäbchenförmigen Teilchen, ebd., S. 457–68;
    Elektronenbeugung an natürl. Flächen organ. Einkristalle, ebd., B 36, 1937, S. 216–31 (mit Th. Schoon);
    Stoffe, Kräfte u. Gedanken als Träger chem. Gestaltung, 1941;
    Zusammenhänge v. Gestalt u. Eigenschaften kolloider Gemenge, in: Kolloid-Zs. 101, 1942, S. 241–48;
    Kennzeichnung submikroskop. Grenzflächenbereiche versch.artiger Wirksamkeit, in: Zs. f. anorgan. Chemie 253, 1947, S. 161–69;
    Grundlagen d. Tribochemie, 1967 (mit K. Meyer u. G. Heinicke);
    Erfahrungen, Erkenntnisse, Folgerungen, 1979;
    zu Dorothea Florek: Erinnerungen an d. J. 1944–1945 im KWI f. physikal. Chemie u. Elektrochemie, in: Dahlemer Archivgespräche 9, 2003, S. 174–96.

  • Literatur

    L M. Volmer, in: Zs. f. physikal. Chemie 210, 1959, S. 215–17 (P);
    H. Witzmann, ebd. 225, 1964, S. 129–32 (P);
    W. Jaenecke, 100 J. Bunsen-Ges., 1994, S. 122 u. 180 f.;
    C. Eibl, Der Physikochemiker P. A. T. als Wiss.organisator, 1999 (P);
    K. Beneke, Die Kolloidwiss. P. A. T., Gerhart Jander, Robert Havemann, Hans Witzmann u. ihre Zeit, 2000;
    U. Deichmann, Flüchten, Mitmachen, Vergessen, Chemiker u. Biochemiker in d. NS-Zeit, 2001, S. 215 ff. (P);
    Ostdt. Gedenktage 1999, S. 94–96 (P);
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Pogg. VI-VIII; Biogr. Lex. NS-Wiss.pol.

  • Autor/in

    Alexander Kipnis
  • Empfohlene Zitierweise

    Kipnis, Alexander, "Thiessen, Peter A." in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 141-142 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118895095.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA