Lebensdaten
1910 bis 2008
Geburtsort
Pinne (Pniewy, Posen)
Sterbeort
Jerusalem
Beruf/Funktion
Komponist ; Pianist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118753827 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gruenthal, Joseph (bis 1950)
  • Ṭal, Yosef
  • Tal, Josef
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Zitierweise

Tal, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118753827.html [26.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Julius Grünthal (1875–1943 Sobibor), aus Posen, Dr., Rabbiner in Lauenburg, dann in P., seit 1910 Leiter e. Waisenhauses in Berlin, Dozent an d. Hochschule f. d. Wiss. d. Judentums ebd., S e. Pelzmachers u. Kantors;
    M Ottilie († 1936), T d. S. M. Bloch (1841–1903, aus Sátoraljaújhlely (Nordungarn), Rabbiner in Jarotschin (s. Biogr. Hdb. Rabbiner I), u. d. Johanna Weiß oder d. Berta Berliner;
    1 Schw Grete Gruenthal (* 1905, ⚭ Fritz Jacobson), 1943–45 in Auschwitz, emigrierte 1945 n. San Francisco;
    1) Berlin 1933 1939 Rosie Loewenthal (vor 1910–50 Freitod), aus England, Tänzerin, Physiotherapeutin; 2) Palästina 1940 Pola Pfeffer (* 1917), aus Tarnów (Galizien), Bildhauerin;
    1 S aus 1) Rainer (Re`uwen) (1932–67 ⚔), in d. israel. Armee, 1 S aus 2) Etan (* 1948), Dr., Regisseur e. Dok.films über T. (s. L).

  • Leben

    T. wuchs in Berlin auf und erhielt während seiner Gymnasiumszeit privaten Klavierund Musikunterricht. 1928–32 studierte er an der Musikhochschule Berlin Klavier und Komposition bei Max Trapp (1887–1971), Musiktheorie bei Heinz Tiessen (1887–1971) und Harfe bei Max Saal (1882–1948). Zusätzlich absolvierte er sein Klavierlehrerexamen bei Frieda Loebenstein (1888–1968) im Seminar von Leo Kestenberg (1882–1962). Im Studio von Friedrich Trautwein (1888–1956) war T. zusammen mit Harald Genzmer (1909–2007) und Oskar Sala (1910–2002) an ersten Experimenten mit elektronischer Musik beteiligt und fasziniert von diesen neuartigen Möglichkeiten der Klangerzeugung. Seinen Lebensunterhalt verdiente T. seit 1932 als Klavierlehrer und Korrepetitor, geriet jedoch bald in Bedrängnis durch den antijüd. Boykott der Nationalsozialisten. Eine kurzfristig absolvierte handwerkliche Ausbildung zum Fotografen ermöglichte ihm 1934 die Emigration mit Frau und Kind nach Palästina. Er betrieb kurze Zeit ein Fotostudio in Haifa, lebte dann vorübergehend im Kibbuz Beth Alpha und im Kibbuz Gesher und zog 1936 nach Jerusalem, wo er ein Engagement als Pianist beim Palestine Broadcasting Service fand. Daneben spielte er als Pianist und Harfenist im Palestine Symphony Orchestra, dem späteren Israel Philharmonic Orchestra. 1937 wurde T. als Dozent für Klavier, Komposition und Musiktheorie an das Konservatorium in Jerusalem berufen und war 1948–52 Direktor der Israel Academy of Music. Seit 1950 hatte er ferner einen Lehrauftrag an der Hebrew University of Jerusalem inne. Parallel zu seiner Lehrtätigkeit konzertierte er als Pianist im In- und Ausland und zog als Komponist nun auch in Europa Aufmerksamkeit auf sich. So wurde er 1952 zu den Salzburger Festspielen der Internat. Society for Contemporary Music (ISCM), sowie nach Wien und London eingeladen. Die neuerliche Beschäftigung mit elektronischer Musik vertiefte er (1955/56) auf Studienreisen zu Hermann Scherchen (1891–1966) nach Gravesano (Tessin), in die USA und nach Kanada und gründete 1961 das Israel Center for Electronic Music an der Hebrew University of Jerusalem. 1965–71 war T. Ordinarius des Instituts für Musikwissenschaft an der Univ. Jerusalem und lehrte hier bis zu seiner Pensionierung 1978. T. war wesentlich am Aufbau der israel. Musikkultur beteiligt und einer der prominentesten Vertreter der israel. Kunstmusik. In seinen Kompositionen widersetzte er sich jedoch folkloristischen Strömungen in der israel. Musik und orientierte sich an der europ. Neuen Musik. Dabei schöpfte T. auch aus traditionellen jüd. Melodien, die er jedoch in freier atonaler oder serieller Harmonik verarbeitete. Die Werke der Berliner Zeit sind verloren, früheste Kompositionen der Jerusalemer Zeit datieren aus den 40er Jahren. Mehrere Bühnenwerke entstanden als Auftragsarbeiten für dt. Opernhäuser: „Ashmedai“ (UA Hamburg 1971), „Die Versuchung“ (UA München 1976), „Der Turm“ (UA Berlin, 1983, zum 750. Stadtjubiläum) und „Der Garten“ (UA Hamburg 1988). T.s Schaffen erstreckt sich auf alle Gattungen. In seinem Komponieren blieb er undogmatisch – auch die strenge Zwölftönigkeit gab er wieder auf – und zeigte sich offen für neue Möglichkeiten. Bis 1995 arbeitete er am Zentrum für elektronische Musik. Als begeisterter Lehrer versammelte er viele Schüler um sich.

  • Auszeichnungen

    A u. a. I.S.C.M. Festival Award (1954);
    Mitgl. d. American Academy of Arts and Letters (1973);
    Mitgl. d. Ak. d. Künste, Berlin (1973);
    BVK 1. Kl. (1984);
    franz. Commandeur de l`ordre des Arts et des lettres (1985);
    Dr. h. c. (Univ. Tel Aviv 1994;
    Hochschule f. Musik u. Theater Hamburg 1996;
    Hebrew Univ. of Jerusalem 1998).

  • Werke

    Weitere W „Exodus“, Symphon. Poem f. Bariton u. Orch., 1946;
    2 Konzerte f. Klavier u. Orch., 1944 u. 1953;
    6 Sinfonien, 1952–91;
    Konzerte Nr. 4, 5 u. 6 f. Klavier u. Tonband/Elektronik, 1964 u. 1970;
    Der Tod Moses`, Requiem f. Solisten, Chor, Tonband u. Kammerorch., 1967 (f. seinen Sohn Re`uwen, ausgez. mit „Israel Prize“);
    Else, Hommage f. Else Lasker-Schüler, 1975;
    Josef, 1995 (Oper, UA, Tel Aviv);
    3 Streichquartette, weitere Konzerte, Kantaten, Ballett- u. Kammermusiken, Komp. f. elektron. Instrumente;
    W-Verz.
    in: Y. Ron (s. L) S. 63–71;
    MGG2;
    New Grove 2;
    Schrr.:
    Der Sohn d. Rabbiners, Ein Weg v. Berlin n. Jerusalem, 1985 (P),Neubearb. u. d. T. Tonspur, Auf der Suche n. d. Klang d. Lebens, Autobiogr., 2005 (W-Verz., P);
    Musica Nova in the third millennium/Musica Nova im|dritten Millennium, 2002;
    Teilnachlaß:
    Nat. Library of Israel, Jerusalem.

  • Literatur

    P. Gradenwitz, The Music of Israel, 1996, S. 363–67;
    R. Flender, Auf d. Suche nach e. kulturellen Heimat, Stefan Wolpe u. J. T., Zwei dt.-jüd. Komponisten aus Berlin, in: Neue Zs. f. Musik 159, H. 3, 1998, S. 10–14;
    Y. Ron, The music of J. T., Selected writings, 2000;
    G. Beck, J. T., in: Komponisten d. Gegenwart 37, 2008;
    ders., Berlin – Jerusalem – Berlin, Der israel. Komp. J. T., in: Oper & Tanz, Zs. f. Opernchor u. Bühnentanz, 41. Jg., Ausg. 6, 2000, S. 25 f. (P);
    Nachrufe:
    Y. Shaked, Botschaft f. kommende Zeiten, in: Musik Texte, Zs. f. Neue Musik, H. 119, Dez. 2008, S. 68;
    G. Beck, Ein Bündnis mit d. Moderne, in: Neue Zs. f. Musik 170, H. 1, 2009, S. 53;
    ders., Vom Faden, der d. Welt zusammenhält, in: Neue Musikztg. 57, Ausg. 10, 2008;
    (Tsp), Brückenbauer, in: Potsdamer Neueste Nachrr. v. 26. 8. 2008, S. 23;
    Riemann;
    MGG2;
    New Grove 2;
    New Grove Opera;
    Munzinger;
    BHdE II;
    Bakers Dict. 20018;
    Enc. Jud. 1971 (P);
    Enc. Jud.2;
    Doku
    mentarfilme: Etan Tal u. I. Schönfelder, Babel in Berlin, J. T. u. seine Oper „Der Turm“, SFB 1987;
    V. Meyer-Matheis, Der Komp. J. T., Berliner v. Geburt – Israeli aus Überzeugung, BR 1992.

  • Portraits

    Foto v. H. Koelbl, Abb. in: dies., Jüd. Portraits, 1998, S. 335 (Interview S. 334–39) u. in überarb. Neuausgabe 2010, S. 241 (Interview S. 238–41).

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Tal, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 767-769 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118753827.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA