Lebensdaten
1808 bis 1884
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Ballettmeister ; Tänzer, Choreograph
Konfession
-
Normdaten
GND: 117197459 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Taglioni, Paolo Nicola
  • Taglioni, Paul
  • Taglioni, Paolo Nicola
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Zitierweise

Taglioni, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117197459.html [26.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Filippo (1777–1871), aus Mailand, Tänzer, Choreograph, Ballettmeister u. a. in Paris, Kassel, Mailand, Turin, Stuttgart, B. u. London, 1837–42 am ksl. Theater in St. Petersburg, S d. Carlo (vor 1755–1835?), Tänzer in Venedig, Rom, Siena, Florenz, Lucca, Udine u. Turin;
    M Sophie Edwige (um 1790–1862), Tänzerin, T d. Christofer Karsten (1756–1827), Sänger, Schausp. (s. New Grove Opera);
    Ov Salvatore (1789–1868), Tänzer in Bordeaux, Neapel, Mailand u. Turin, Choreograph, Tanzlehrer;
    Schw Marie (1804–84, ⚭ Alfred Gf. Gilbert de Voisins, 1863), Tänzerin in W., München, Stuttgart, Paris (s. ADB 37; Wurzbach 43; P);
    1830 Amalie Galster (1807–81), Tänzerin, zuletzt in W.;
    S Charles († vor 1879), Dipl., Legationsrat (s. Wurzbach 43), T Marie (1833–91, Joseph Prinz zu Windischgrätz, 1831–1906, k. k. Gen. d. Kav., s. BJ XI, Tl.), Tänzerin, wurde v. T. unterrichtet, 1853–57 an d. Oper in W., 1857–66 an d. Hofoper in B. engagiert (s. ADB 37; Wurzbach 43), Augustina (Auguste) (1831 /32–1911), Schausp. in W. u. B. (s. Wurzbach 43; Kosch, Theater-Lex.;|Personenlex. Österr.);
    Vt Ferdinando (1810–74?), Komp. in Neapel.

  • Leben

    Während eines Engagements seiner Eltern in Wien geboren, kam T. im Alter von fünf Jahren zur Erziehung an das Collège Bourbon nach Paris. Da er zunächst für eine andere Laufbahn bestimmt worden war, begann er erst 13jährig bei seinem Vater sowie bei Jean-François Coulon (1764–1836) Tanzunterricht zu nehmen. Nach kurzer Ausbildung debütierte er mit seiner Schwester Marie am 24. 11. 1825 auf der Stuttgarter Hofbühne in dem Pas de deux „Zémire et Azor“. Danach als (Solo-)Tänzer in Wien, München und Paris engagiert, wurde er anläßlich der Vermählung von Prinz Wilhelm v. Preußen nach Berlin berufen und trat Anfang Okt. 1829 in die Ballettruppe des kgl. Schauspiels als Tänzer ein. 1831 begann T. mit der Einstudierung von Jean-Pierre Aumers Ballett „Die Pagen des Herzogs von Vendôme“ seine Karriere als Choreograph. Trotz überwiegender Tätigkeit in Berlin gab er in dieser Zeit mehrmals Gastspiele in London, wo er auch neue Ballette kreierte. Neben seiner Verantwortung für die Hoffestlichkeiten übertrug ihm im März 1837 Kg. Friedrich Wilhelm III. auch die Stellung eines Choreographen und Ballettmeisters. 1839 unternahm T. mit seiner Frau eine erfolgreiche Tournee durch Nordamerika, vertrat 1841 für kurze Zeit August Bournonville in Kopenhagen und war danach wieder in Berlin tätig. 1844 und 1845 trat er bei seinem Vater in Warschau auf. 1847–51 – in den ersten beiden Jahren gemeinsam mit Jules Perrot – war T. Ballettmeister am „Her Majesty’s Theatre“ in London. 1849 wurde er unter dem Generalmusikdirektor Giacomo Meyerbeer zum Ballettmeister an der kgl. Oper in Berlin ernannt. 1853–56 war er als Ballettmeister in Neapel, danach bis 1883 in derselben Position wiederum an der Hofoper in Berlin tätig. 1853–74 war er auch regelmäßig Gastballettmeister in Wien, wo er von Ks. Franz Joseph I. ausgezeichnet wurde. Am 4. 11. 1875 feierte T. in Berlin sein 50jähriges Künstlerjubiläum; im Okt. 1883 trat er in den Ruhestand.

    „Die Seeräuber“, T.s erstes Ballett mit bleibendem Erfolg, wurde 1838–84 allein in Berlin 121 Mal aufgeführt. Noch größere Erfolge erzielten „Satanella“ mit 219 Aufführungen (1852–88) sowie „Flick und Flocks Abenteuer“ mit 451 Aufführungen (1858–69), jeweils in Berlin. T. nahm im Ballett die pantomimische Handlung zurück und setzte wieder verstärkt auf die Wirkung von Tanznummern. Er beschränkte den virtuosen Solotanz und verlegte den Schwerpunkt in seinen Choreographien auf äußerst effektvolle Ensembleszenen, wie Charaktertänze sowie die meist groß besetzten Ballabile, bei denen das Corps de ballet v. a. in den Finaltänzen mit virtuosem Solotanz ergänzt wurde. Keine von T.s Choreographien ist der Nachwelt überliefert. Eine objektive Einordnung und Bewertung seiner Qualität als Ballettchoreograph ist daher kaum möglich.

    Die Musik zu T.s Balletten stammt überwiegend von den Komponisten Hermann Schmidt (1810–45), Wenzel Gährich (1794–1864), Peter Ludwig Hertel (1817–99) und Adolphe Adam (1803–56) in Berlin, Matthias Strebinger (1807–74) in Wien sowie Cesare Pugni (1802–70) in London.

  • Auszeichnungen

    A österr. Franz Joseph-Orden (vor 1869); ital. St. Mauritius- u. Lazarus-Orden (vor 1869); preuß. Orden d. Eisernen Krone (IV. Kl., vor 1875, III. Kl. 1875); anhalt. goldene Medaille f. Kunst (1875).

  • Werke

    C. Schäffer u. C. Hartmann, Werkverz. P. T., 1886, in: G. Oberzaucher-Schüller (Hg.), T.-Materialien d. Derra de Moroda Dance Archives (DdM) (Souvenirs de Taglioni, Bd. 1), 2007, S. 117–27;
    e. krit. W-Verz. fehlt bisher.

  • Literatur

    ADB 37;
    P. Haupt, The Burning Bush and the Origin of Judaism, in: Proceedings of the American Philosophical Soc., Vol. 48, No. 193 (Sep.–Dec. 1909), S. 354–69;
    S. J. Cohen, In Search of Satanella, The Children of Theatre Street, in: Dance Research Journal, Vol. 11, No. 1/2, 1978/79, S. 25–30;
    F.-R. Berger, Die T.s in Berlin, in: G. Oberzaucher-Schüller u. H. Moeller (Hg.), Meyerbeer u. d. Tanz, 1998, S. 273–85;
    G. Oberzaucher-Schüller (Hg.), Souvenirs de T., Bd. 1: T.-Materialien d. DdM, Bd. 2: Bühnentanz in d. ersten Hälfte d. 19. Jh., 2007;
    M. Malkiewicz, Choreograph. Notationen zu P. T.s Ballett ,Der Seeräuber`, in: Die Tonkunst, H. 1, 2008, S. 34–45;
    Wurzbach 43;
    La musica, Dizionario con biografie, hg. v. A. Basso, 1971;
    Internat. Dict. of Ballet II, 1993;
    Pipers Enz. d. Musiktheaters 6, 1997;
    Internat. Enc. of Dance VI, 1998;
    MGG2;
    e. umfassende quellengestützte Biogr. fehlt bisher.

  • Portraits

    P. u. Marie T. in „La Sylphide“, Ölgem. v. F.-G. Lépaulle, 1832 (Paris, Musée des Arts Decoratifs);
    dies. in e. Pas de Deux, kolorierte Lith. v. G. W. Manby, 1837 (?) (Salzburg, DdM);
    P. T. u. Amalie Galster in Flanierpose, Lith. v. F. Jentzen nach e. Zeichnung v. F. Krüger, 1839 (?) (Salzburg, DdM);
    Lith. v. J. Kriehuber, 1856 (?) (Salzburg, DdM;
    New York, Public Library);
    Photogrr. v. H. Auer, o. J. (Wien, Bildarchiv d. Österr. Nat.bibl.) u. A. Helm, o. J. (Univ. Frankfurt/M., Slg. Manskopf).

  • Autor/in

    Michael Malkiewicz
  • Empfohlene Zitierweise

    Malkiewicz, Michael, "Taglioni, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 766-767 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117197459.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Taglioni: Paul T., Balletmeister, geboren zu Wien am 12. Januar 1808, gehörte einer italienischen Künstlerfamilie an, deren Begabung für den Tanz sich durch mehrere Generationen forterbte. Sowol sein Vater Philipp T. (geb. 1778, 1871), als seine Mutter Maria, geb. Karstens, hatten sich dem Ballet gewidmet und in Stockholm, Kassel und Warschau Triumphe gefeiert. Während eines Aufenthaltes seiner Eltern in Wien geboren, kam Paul T., erst fünf Jahre alt, nach Paris, wo er dem Collège Bourbon zur Erziehung übergeben wurde, da seine Eltern nicht wünschten, daß er sich der Bühne widmen möchte. Indessen ließ sich die Neigung zur Tanzkunst in ihm nicht unterdrücken, weshalb ihm der Vater seit seinem vierzehnten Jahre Unterricht im Tanzen ertheilte, wobei er so rasche Fortschritte machte, daß er bereits am 4. November 1825 zum ersten Male auf der Hofbühne in Stuttgart auftreten und mit seiner älteren Schwester Marie rivalisiren konnte. Von Stuttgart aus, wo er bis zum Jahre 1827 engagirt war, ging er zu Gastspielen nach Wien und München und erzielte auch hier große Erfolge. In den Jahren 1827—1829 trat er neben seiner gefeierten Schwester Marie hauptsächlich in der Großen Oper zu Paris auf. Inzwischen aber war man in Berlin auf sein Talent aufmerksam geworden. Als daher für die Vermählung des damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren Kaisers Wilhelm, am 11. Juni 1829 größere Festlichkeiten vorbereitet wurden, berief der Generalintendant der königl. Theater, Graf Redern, T. nach Berlin, wo er bei Hofe so gefiel, daß er sofort (am 1. October 1829) für das königliche Hoftheater engagirt wurde. Die Gunst Friedrich Wilhelms III., die ihm in hohem Maaße gewährt wurde, machte es ihm möglich, bald auf das Auftreten als Tänzer zu verzichten. Zuerst gemeinschaftlich mit Hoguet, seit dem Jahre 1837 aber selbständig als Choreograph und Balletmeister an die Spitze des königl. Ballets gestellt, legte er den Grund zur Berühmtheit dieses Institutes, das ihm die Schöpfung einer langen Reihe von Tanzgedichten verdankte, von denen einzelne die Runde über alle größeren Bühnen der Welt machten. Als sein erstes Werk, das einen bleibenden Erfolg hatte, haben wir das im J. 1838 entstandene Ballet „Die Seeräuber“ anzusehen, das allein in Berlin bis zum Jahre 1884 121mal gegeben wurde; seine beliebtesten und am häufigsten aufgeführten Ballets aber sind „Satanella", „Ellinor", „Fantasca“ und vor allem „Flick und Flock“, das sich bis heute als lebensfähig erwiesen hat und bis zum 20. October 1885 allein in Berlin 419 Aufführungen erlebte. T. verlegte den Schwerpunkt des Ballets in den Ensembletanz und beschränkte das Uebermaaß von Künsteleien beim Solotanz. Im J. 1875 beging T. in Berlin sein fünfzigjähriges Künstlerjubiläum, bei welcher Gelegenheit er vom Kaiser Wilhelm I. durch die Verleihung des Kronenordens dritter Classe ausgezeichnet wurde, nachdem er schon im J. 1869 den Titel eines Balletdirectors erhalten hatte. Im J. 1883 in den Ruhestand versetzt, starb er zu Berlin am 6. Januar 1884.

    Vgl. Almanach der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger, herausgegeben von Ernst Gottke. 4. Berlin 1876, S. 73—77; 13. Berlin 1885, S. 80. — Deutscher Bühnen-Almanach, herausgeg. von Th. Entsch. Berlin 1880. — Illustrirte Zeitung. Leipzig 1875. 65, 365 u. 366. — Wurzbach XLIII, 21—22.

    Aus Taglioni's Ehe mit der Tänzerin Amalie Galster gingen mehrere Söhne und Töchter hervor, die sich gleichfalls auf dem Gebiete der Tanzkunst einen Namen gemacht haben. Unter ihnen wurde die älteste Tochter Marie|am berühmtesten. Sie wurde am 27. October 1831 in Berlin geboren und erhielt von ihrem Vater Unterricht. Ihr erstes Auftreten erfolgte in London am 16. Februar 1849. Ihre Hauptthätigkeit aber entwickelte sie an der Berliner Hofbühne, wo sie vom Jahre 1853 an bis zu ihrem Rücktritt von der Bühne engagirt war. Am 14. April 1866 verabschiedete sie sich von der Bühne, um sich mit dem Fürsten Joseph Aloys Niklas von Windischgrätz vermählen zu können, als dessen Wittwe sie am 27. August 1891 auf ihrem Landgute Aigen bei Tulln in Niederösterreich starb. Noch gefeierter als Marie, die Tochter Paul Taglioni's, war seine Schwester Marie, welche in Stockholm im J. 1804 geboren wurde und neben Fanny Elsler als die bedeutendste Tänzerin des 19. Jahrhunderts angesehen wird und jedenfalls sich rühmen durfte, die größten wie die kleinsten Geister bis zum Taumel für sich begeistert zu haben. Sie war seit dem Jahre 1835 mit dem Grafen Gilbert de Voisins vermählt, erfuhr aber wenig Glück in dieser Ehe, da ihr Gatte ein Spieler und Schuldenmacher schlimmster Sorte war. Seit ihrem Rücktritt von der Bühne im J. 1844 lebte sie meist in Venedig und Mailand. Sie starb zu Marseille am 22. April 1884.

    • Literatur

      Vgl. Wurzbach XLIII, 17—21. — Almanach der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger, herausgeg. von Ernst Gettke. 13. 1885, S. 92. —
      Neuer Theater-Almanach III. Berlin 1892, S. 96. — Deutscher Bühnen-Almanach, herausgeg. von Th. Entsch. Berlin 1892. 56. S. 337, 338.

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Taglioni, Paul" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 360-361 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117197459.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA