Wohmann, Gabriele (verheiratete)
- Lebensdaten
- 1932 – 2015
- Geburtsort
- Darmstadt
- Sterbeort
- Darmstadt
- Beruf/Funktion
- Schriftstellerin ; Drehbuchautorin
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 118634607 | OGND | VIAF: 12320121
- Namensvarianten
-
- Guyot, Gabriele (geborene)
- Wohmann, Gabriele (verheiratete)
- wohmann, gabriele
- Guyot, Gabriele (geborene)
- guyot, gabriele
- Воман, Габриела
- G. ヴォーマン
- ヴォーマン, G.
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Wohmann, Gabriele, geborene Guyot
| Schriftstellerin, * 21.5.1932 Darmstadt, † 22.6.2015 Darmstadt, ⚰ Darmstadt, Bessunger Friedhof. (evangelisch)
-
Genealogie
Aus Pastorenfam.;
V →Paul Daniel (1896–1974), aus D., aus Waldenser Fam., ev. Theol., 1924 Pfarrer d. Hess. Diakoniever., (s. Hess. Biogr.), S d. →Johannes Guyot (1861–1910), ev. Theol., Pfarrer in D. u. Heppenheim, Mitgründer d. Freien Landeskirchl. Vereinigung (später Hess. Diakoniever.), Vors. d. Frankfurter Konf. hess. Geistlicher, Dr. theol. h. c. (Gießen 1904) (s. Stadtlex. Darmstadt; Hess. Biogr.), u. d. →Caroline (Lina) Schimpff (1873–1930), Mitgl. im Kirchenvorstand d. Hl.-Geist-Gde. in D.;
M Luise Lettermann (1901–1999), aus Gr. Gerau;
Urur-Gvv →Jean George Guyot (1783–1855), Lehrer in Rohrbach (Odenwald);
Ur-Gvv →Daniel Guyot (1810–90), Lehrer in Heubach (s. Hess. Biogr.);
UrGvm →Wilhelm Christian Schimpff (1825–1887), ev. Theol., Diakon u. Chronist in Gernsheim, Pfarrer in Wimpfen am Berg, Gettenau u. Goddelau (s. Hess. Biogr.);
Ur-Gmm →Klara Maria Textor (1831–1897), Verwandte →Goethes;
2 B →Gerhard Guyot (1926–2003), →Martin (1945–2011), 1 Schw →Doris Guyot (1930–1999);
– ⚭ Darmstadt 1953 →Reiner (1926–2017), Germanist, Gymn.lehrer in D., S d. →Hans Walter Wohmann (1892–1975), aus Straßburg, Jur., 1926 Gen.sekr. d. DVP, Finanzbeamter, Schriftst., Marionettenspieler, u. d. →Luitgard Thekla (Lütti) Dieckmann (1897–1980);
kinderlos. -
Biographie
W. verlebte ihre Kindheit in Darmstadt, besuchte 1950/51 das Nordseepädagogium auf Langeoog, übersprang eine Klasse und legte 1951 ihr externes Abitur am Ulrichsgymnasium Norden ab. Anschließend studierte sie Germanistik, Romanistik, Philosophie und Musikwissenschaft in Frankfurt/M. Nach ihrer Heirat 1953 arbeitete W. bis 1954 als Hilfslehrerin auf Langeoog. Danach wohnte sie mit ihrem Ehemann, der später ihre Werke lektorierte, bei ihren Eltern in Darmstadt, brach ihr Studium endgültig ab und lebte fortan als freie Schriftstellerin. Ihr literarisches Debüt gab W. 1957 mit der Erzählung „Ein unwiderstehlicher Mann“ in der Zeitschrift „Akzente“. Bis zur Veröffentlichung ihrer beiden ersten Bücher 1958 (Mit e. Messer [unter Gabriele Guyot]; Jetzt u. nie [unter G. W.]) veröffentlichte sie weitere 64 Erzählungen in „FAZ“, „Die Zeit“, „Frankfurter Hefte“, „Darmstädter Echo“, „Mannheimer Morgen“, „Augenblick“, „Deutsche Rundschau“ und im Rundfunk (HR, SR, Sender Freies Berlin, NDR, Radio Beromünster). 1960–67 nahm sie an den Treffen der Gruppe 47 teil.
W. entwickelte bald einen besonderen Erzählstil. Kennzeichen sind ein scheinbar unspektakuläres Dahinfließen der Erzählung, wobei unter der Oberfläche Spannungen entstehen, sowie die Konzentration auf das private Umfeld der Protagonisten. W. strebte nach größtmöglicher Knappheit, ihre Einzelgängergestalten bewegen sich im bürgerlichen Alltag, der genaue Blick auf Ehekrisen, Probleme des Alterns, Süchte und zeitgeistiges Mitläufertum wurden von der Kritik mitunter als kühl-distanziert und wiederholt als „böser Blick“ bezeichnet. Mit ihrer Prosa wandte sie sich gegen den lieblosen Umgang der Menschen miteinander.
Einen Klinikaufenthalt wegen Alkohol- und Tablettensucht 1971 verarbeitete W. in dem Drehbuch zum Fernsehfilm „Entziehung“ (1973), in dem sie die Hauptrolle übernahm. 1974 trat sie mit dem Band „So ist die Lage“ als Lyrikerin hervor; weitere Gedichtbände folgten (Grund z. Aufregung, 1978; Ich weiß das auch nicht besser, 1980; Komm lieber Mai, 1981). W.s Gedichte sind in Alltagssprache verfaßte, rhythmisch gebundene und inhaltlich strukturierte Selbstaussagen in Ich-Form. Ebenfalls 1974 erschien der Roman „Paulinchen war allein zu Haus“ über das liebebedürftige, freiheitsliebende, künstlerisch veranlagte Waisenkind Paula, dem die betont modern und vernünftig agierenden Adoptiveltern nicht gerecht werden können (als Fernsehspiel 1981).
Eine Zäsur in W.s Schaffen stellt der Roman „Schönes Gehege“ (1975) dar, mit dem sie die Wende hin zu einer Schreibweise vollzog, die einen „weicheren“ Blick auf die Situationen des Alltags zuließ und die sie auch in dem Roman „Ausflug mit der Mutter“ (1976) anwandte, in dem sie sich mit dem Tod ihres Vaters 1974 auseinandersetzte. Zur feministischen Bewegung verhielt sich W. ablehnend.
Viele ihrer Hauptgestalten sind Frauen, doch beschäftigte sich W. meist mit deren Rollen in Familie und Gesellschaft, ihrer inneren und äußeren Befindlichkeit, den Beziehungsmustern im Zusammenleben eines Paars. W. wurde deshalb von der Frauenbewegung kritisiert, ihre Darstellung „kaputter“ Frauengestalten als „frauenfeindlich“ bezeichnet.
W. verfaßte 17 Romane, mehr als 600 Erzählungen, Gedichte, Essays, Rezensionen, vier Theaterstücke, 13 Fernsehfilme und -spiele, 34 Hörspiele, zwölf Hörbücher, Filmdrehbücher und Reden. Außerdem veröffentlichte sie Übersetzungen aus dem Französischen und gab Bücher von →Anton Tschechow heraus. Ihr mehrfach preisgekröntes Werk, das in 15 Sprachen übersetzt wurde, war begleitet von zahlreichen Lese- und Vortragsreisen sowie W.s Engagement in vielen prestigereichen Jurys und Gremien. Zu ihrem Vorlaß (2005) wie auch dem Nachlaß (DLA Marbach) gehört eine umfangreiche Überlieferung von Korrespondenzen, u. a. mit →Marcel Reich-Ranicki (1920–2013), →Günter Grass (1927–2015), →Christa Wolf (1929–2011), →Peter Handke (* 1942) und →Marie-Luise Kaschnitz (1901–1974), die W.s Vernetzung in der literarischen Szene der Bundesrepublik erkennbar machen.
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Auszeichnungen
|Mitgl. d. Ak. d. Künste Berlin (1975), d. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt (1980) u. d. PEN-Zentrums d. Bundesrep. Dtld. (1960–88);
– Georg-Mackensen-Lit.preis (1965);
Lit.preis d. Stadt Bremen (1971);
BVK 1. Kl. (1980);
Dt.Schallplattenpreis (1981);
Johann-Heinrich-Merck-Ehrung d. Stadt Darmstadt (1982);
Hess. Kulturpreis (1988);
Konrad-Adenauer-Preis d. Dtld.-Stiftung (1992);
Montblanc-Lit.preis (1994);
Gr. BVK (1997);
Verdienstmedaille d. Landes Baden-Württ. (2002);
Silberne Verdienstplakette d. Stadt Darmstadt (2003);
G. W.-Weg, Darmstadt (seit 2017). -
Werke
Weitere W Sieg über d. Dämmerung, 1960 (Erzz.);
Abschied für länger, 1965 (Roman);
Portrait e. Schichtarbeiterin, 1968 (Fernsehreportage);
Treibjagd, 1970 (Erzz.);
Sylvester, 1973 (Kurzoper, Komp. M. Niehaus);
Nachkommenschaften, 1977 (Fernsehspiel);
Böse Streiche, 1977 (Erzz.);
Wanda Lords Gespenster, 1978 (Hörspiel);
Ach wie gut, daß niemand weiß, 1980 (Roman);
Einsamkeit, 1982 (Erzz.);
Ausgew. Gedichte 1964–1982, 1983;
Bucklicht Männlein, 1984 (Erzz.);
Ich lese, ich schreibe, 1984 (autobiogr. Essays);
Ges. Erzz. aus dreißig J., 1986;
Der Flötenton, 1987 (Roman);
Jetzt ist nur jetzt, 1987 (Fernsehfilm, Buch u. Regie);
Kassensturz, 1989 (Erzz.);
Eine Okkasion, 1989 (Fernsehfilm);
Plötzlich in Limburg, 1989 (Komödie);
Schreiben müssen, Ein elektron. Tgb., 1990 (Fernsehfilm, Buch u. Regie) 1990;
Ein glückl. Tag, 1990 (Gedichte);
Er saß in d. Bus, der seine Frau überfuhr, 1991 (Erzz.);
Keine Zeit um zu faul, 1992 (Kammerszenen, Komp. E. Schorr);
Bitte nicht sterben, 1993 (Roman);
Wäre wunderbar, am liebsten sofort, Liebesgeschichten, 1994;
Erzählen Sie mir was vom Jenseits, 1994 (Gedichte, Erzz. u. Gedanken);
Die Schönste im ganzen Land, Frauengeschichten, 1995;
Vanilleeis ist besser als d. Tod, 1995 (Hörspiel);
Schwestern, 1999 (Erzz.);
Das Hallenbad, 2000 (Roman);
Frauen schauen aufs Gesicht, 2000 (Erzz.);
Abschied v. d. Schwester, 2001;
Schön u. gut, 2002 (Roman);
Exit, Der Dolly Gag, Alle genießen d. Party, 2002 (Hörspiele);
Hol mich einfach ab, 2003 (Roman);
Umwege, 2003 (Erz.);
Fahr ruhig mal 2. Kl., Geschichten v. unterwegs, 2005 (Erzz.);
Café Caledonia, 2006 (Hörspiel);
Schwarz u. ohne alles, 2008 (Erzz., P);
Wir machen es morgen, 2008 (Hörspiel);
Wann kommt d. Liebe, 2010 (Erzz.);
Der Vater meines Vaters, 2010 (Hörspiel);
Sterben ist Mist, d. Tod aber schön, Träume vom Himmel, 2011;
Eine souveräne Frau, 2012 (Erzz.);
– Nachlaß: DLA Marbach/Neckar. -
Literatur
|E. Rudolph, Aussage z. Person, 1977, S. 192–207;
H. Schlumberger, Die Sprache ist krank oder Ich bin e. andere Generation (Interview), in: Publikation, Juni 1972, S. 24–29;
K. Wellner, Leiden an der Fam., Zur soz.pathol. Rollenanalyse im Werk G. W.s, 1976;
T. Scheuffelen (Hg.), G. W., Materialienbuch, 1977 (P);
I. Ferchl, Die Rolle des Alltäglichen in d. Kurzprosa v. G. W., 1980;
G. P. u. M. Knapp, G. W., 1981 (P);
G. Häntzschel u. a., G. W., 1982 (P);
K. Siblewski (Hg.), G. W., Auskunft f. Leser, 1982;
M. Jurgensen, Dt. Frauenautoren d. Gegenwart, 1982, S. 123–96;
D. Lutz-Hilgarth, Lit.kritik in Ztgg., Dargest. am Bsp. G. W., 1984;
D. Pollerberg, Formen d. Leidens, Stud. zu G. W.s Erzz., 1984;
H. Wagener, G. W., 1986 (P);
B. Pivert, Ni vivre, ni mourir, L’ennui dans l’oeuvre de G. W., Diss. Paris 1999;
ders., Bilder in d. Art v. Hopper, Zum 70. Geb.tag v. G. W., in: Dt. Bücher 3, 2001, S. 192–204;
ders., Gauloises z. Geb.tag, Interview mit G. W., ebd. 4, 2002, S. 273–82;
ders., So spannend ist d. Leben nicht (Interview) in: Berliner Ztg. v. 18.5.2002;
R. Eidukevičiene., Jenseits d. Geschlechterkampfes, Traditionelle Aspekte d. Frauenbildes in d. Prosa v. Marie-Luise Kaschnitz, G. W. u. Brigitte Kronauer, 2003;
R. Friesen Blume, Ein anderer Blick auf d. bösen Blick, Zu ausgew. Erzz. G. W.s aus feminist.-theoret. Perspektive, 2007 (P);
I. Scheidgen, Ein Schwebezustand zw. Himmel u. Erde, Zum 75. Geb.tag d. Schriftst. G. W., in: Die Tagespost v. 18.5.2007;
dies., Der Sehnsucht trauen, Zwei Bücher d. Grande Dame d. Kurzgesch., ebd., v. 5.2.2011;
dies., G. W., Schreiben ist e. Krankheit, Nichtschreiben auch, in: dies., Fünfuhrgespräche, 2008, S. 177–202 (P);
dies., G. W., Ich muss neugierig bleiben, 2012 (P);
S. Doering, G. W. z. Achtzigsten, Träume vom Himmel, in: FAZ v. 21.5.2012;
K. Hillgruber, Zum Tod d. Erzählerin G. W., Ich bleibe in meiner Nähe, in: Der Tagesspiegel v. 24.6.2015 (P);
R. M. Gropp, Kämpferin auf Samtpfoten, in: FAZ v. 23.6.2015 (P);
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
Killy;
Metzler Autorenlex. (P);
Metzler Autorinnenlex. (P);
Stadtlex. Darmstadt;
Hess. Biogr. (P). -
Autor/in
Sunhild Galter -
Zitierweise
Galter, Sunhild, "Wohmann, Gabriele, geborene Guyot" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 393-395 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118634607.html#ndbcontent