Lebensdaten
1856 bis 1938
Geburtsort
Krayerhof bei Maria Laach
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Chemieindustrieller ; Produzent von Photogelatine
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136018920 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stoess, Carl Wilhelm Heinrich
  • Stoeß, Heinrich
  • Stoess, Heinrich
  • mehr

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Zitierweise

Stoess, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136018920.html [21.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob Heinrich (1830–69), Apotheker, Chemiker, betrieb auf d. Krayerhof e. chem.-pharmazeut. Fabrik, S d. Johann Heinrich (1783–1842), Apotheker in Speyer, u. d. Christiana Mariana Saurmann (* 1804);
    M Caroline (1831–1915), seit 1871 in Köln, später in Wiesbaden, T d. Johann Wilhelm Käßberger, Gerbereibes. in Wiesbaden, u. d. Katharina Margarete Cron;
    Ov N. N., Bes. e. Chemie-Im- u. Exportuntern. in Liverpool, dt. Konsul ebd.;
    B Louis (* 1859, ⚭ Doris, 1868–1951, T d. Albert Eisenstuck, 1828–1913, Strumpffabrikbes. in Chemnitz, Gründungsmitgl. d. Sektion Chemnitz d. Dt. Alpenver.), Kaufm., Bes. e. Glashütte in Penzig (Niederschlesien), reiste 1928–29 mit S. n. Indien, Ehrensenator d. TH Karlsruhe;
    Schweinfurt 1888 Marie (1866–1941), aus Chemnitz, T d. Friedrich Hermann Hempel (1839–1900), u. d. Wilhelmine Laura Göhler (1846–1910);
    2 S Walter (1889–1972, Käte Mietling), Dr. phil., Chemiker, trat 1914 in d. „Heidelberger Gelatine-Fabrik H. Stoess & Co.“ ein, mit S. Mitgründer d. „Chemische Werke Stoess GmbH“ in Eberbach, Dir. d. „Chem. Werke Odin Gmbh“ in Eberbach, Heinz (1895–1961), Kaufm., Buchhändler in H., Diakon;
    E Gerda (1919–2006, Heinrich Koepff, 1911–86, Geschäftsführer d. Gelatinefabrik in Eberbach, 1950 mit Robert Pauli Scherer Mitgründer d. R. P. Scherer GmbH, S d. Paul Koepff, 1856–1942, Rotgerber, 1883 Mitinh. d. Gelatinefabrik Gebr. Koepff in Göppingen), Kunstsammlerin, Expertin f. franz. Glas d. Art Nouveau (s. L); N 2. Grades Wilhelm Keppler (1882–1960), Maschinenbauing., trat 1914 in d. „Heidelberger Gelatine-Fabrik H. Stoess & Co.“ ein, 1921 Mitdir. d. „Chem. Werke Odin“, 1933–36 Beauftragter f. Wirtsch.fragen in d. Reichskanzlei, 1938 Staatssekr. im AA (s. NDB XI); Verwandte Luise Saurmann (1842–1932, Wilhelm Chrysostomus Heinrichs, 1836–1908, Dr. phil., Gründer u. Bes. d. Gelatine-Fabrik C. W. Heinrichs in Höchst b. /M., V d. Meta Heinrichs, 1864–1954, aus Hoechst b. F., Vorkämpferin d. Frauenemanzipation, 1919–24 u. 1926–33 Stadträtin in F., 1] Wilhelm Hammerschlag, 1889, Chemiker, 2] Max Quarck, 1860–1930, Sozialpol., Publ., s. NDB 21).

  • Leben

    S. besuchte die Realschule in Wiesbaden, bildete sich dort an einer privaten pharmazeutischen Lehranstalt fort und absolvierte eine kaufmännische Lehre in Frankfurt/M. 1878–80 arbeitete er in Liverpool im Chemie-Im- und Exportunternehmen seines Onkels und trat dann in die 1872 gegründete Gelatine-Fabrik seines Verwandten Wilhelm Chrysostomus Heinrichs in Höchst/M. ein, die seit 1879 vorwiegend Emulsions-Gelatine zur Beschichtung photographischer Negative herstellte. 1888 überwarf sich S. mit Heinrichs und gründete mit der Mitgift seiner Frau bei Ziegelhausen/Neckar die „Heidelberger Gelatine-Fabrik H. Stoess & Co. oHG“, die ebenfalls v. a. Photogelatine aus Kalbshäuten produzierte. Auf der Weltausstellung in Chicago 1893 erhielt S. für seine Produkte einen „highest award“. Wahrscheinlich lernte er dort George Eastman (1854–1932) kennen, für dessen Eastman Kodak Comp. er mindestens seit 1905 produzierte; die Lieferungen wurden mit Kriegseintritt der USA 1917 eingestellt und 1919 wieder aufgenommen. 1913 produzierte S.s Unternehmen bereits 300 t, 10% der dt. Gelatine-Produktion; ⅔ davon wurden exportiert.

    Seit Kriegsbeginn arbeitete S.s Verwandter Wilhelm Keppler im Unternehmen, 1919 trat S.s Sohn Walter in die Firma ein. 1921 gründeten S. und Eastman die „Chemischen Werke Odin GmbH“ in Eberbach, die zu 50% im Besitz der „Eastman Kodak Ltd.“, London, waren, zu 30% S. als Generaldirektor und zu je 10 % seinem Sohn Walter und Keppler, beide Direktoren, gehörten. Das Unternehmen produzierte Photogelatine ausschließlich für Eastman Kodak. 1927 erwarb S. ein weiteres Gelände bei Eberbach und gründete mit Walter die Gelatinefabrik „Chemische Werke Stoess & Co. GmbH“ als Ersatz für die nicht mehr erweiterungsfähige Ziegelhäuser Anlage; Keppler wurde einer von drei Geschäftsführern. Noch vor Aufnahme der Produktion erlitt S. einen Schlaganfall, war seither teilweise gelähmt und konnte die Unternehmensleitung nicht mehr selbst ausüben.

    S. richtete seine Aktivitäten von Anfang an auf den Weltmarkt aus und setzte auf einen innovativen Produktionszweig im Zeitalter der Laien- und Massenphotographie. Er war verbandspolitisch tätig, Mitglied der DVP, pflegte freundschaftlichen Kontakt mit Julius Curtius (1877–1948) und galt als großzügig, sozial und paternalistisch. Die NS-Aktivitäten seines fachlich geschätzten Verwandten Keppler nahm er hin. Keppler schied 1932, auch auf Verlangen der Eastman Kodak Comp., die seine NS-Propaganda nicht dulden wollte, als Direktor der Odin-Werke aus und wurde zum selben Zeitpunkt von Walter Stoess als Geschäftsführer der Chem. Werke Stoess entlassen. Seither beriet er Hitler in Wirtschaftsfragen und gründete den „Keppler-Kreis“, seit 1935 „Freundeskreis Reichsführer SS“. 1936 verkaufte er seine Beteiligungen an den Chemischen Werken Stoess und den Odin-Werken an die Familie Stoess.

    Mit Kriegsausbruch 1939 wurden die „Chemischen Werke Odin“ unter „Feindvermögensverwaltung“ gestellt und geschlossen. Die als kriegswichtig eingestuften „Chemischen Werke Stoess“ produzierten fast bis Kriegsende geringere Mengen Gelatine. Ein Teil des Werks wurde für Daimler-Benz requiriert; hier bauten Zwangsarbeiter Kettenantriebsräder für Panzerfahrzeuge. Seit 1942 plante Walter die Vereinigung mit der „Deutsche Gelatine-Fabriken AG“ (DGF AG), die 1889 aus dem Zusammenschluß eines seit 1875 in Schweinfurt bestehenden Unternehmens mit der Gelatinefabrik Heinrichs in Höchst entstanden war und der sich 1911 die 1883 in Göppingen von den Brüdern Wilhelm Heinrich (* 1846) und Paul Robert Koepff (1856–1942) gegründete Gelatinefabrik angeschlossen hatte. 1948 wurde Walter Stoess (NSDAP-Mitgl. seit 1934) von den Alliierten die Verfügungsgewalt über sein Unternehmen zurückgegeben und Heinrich Koepff, jüngster Sohn von Paul Koepff, trat als Geschäftsführer in die Chem. Werke Stoess ein. Auf deren Gelände gründete er 1950 mit dem US-amerik. Hersteller pharmazeutischer Gelatine-Kapseln „R. P. Scherer Corporation“ die sehr erfolgreiche „R. P. Scherer GmbH“. 1965 erwarb die Chem. Werke Stoess GmbH die größere DGF AG, im selben Jahr heiratete Heinrich Koepff in zweiter Ehe S.s Enkelin Gerda. 1972 wurden die beiden Unternehmen formell zur „DGF Stoess & Co. GmbH“ (seit 1989 AG) vereinigt, die seither weltweit expandiert. Die Aktien der AG sind ausschließlich in den Händen von Nachkommen der Gründer der Vorgängerfirmen. Die „DGF Stoess AG“ produzierte 2008 unter dem Markennamen „Gelita“ 27 % der weltweit hergestellten Gelatine und war damit Weltmarktführer.

  • Auszeichnungen

    A bad. KR (1917); Orden v. Zähringer Löwen; Ehrensenator d. Univ. Heidelberg (1926); Mitbegründer u. Vors. d. Südwestdt. Unternehmerverbandes; stellv. Vors. d. IHK Heidelberg (1922–28).

  • Literatur

    M. Henkel, H. S., Ein Pionier d. Fotogelatine, in: P. Blum (Hg.), Pioniere aus Technik u. Wirtsch. in Heidelberg, 2000, S. 94–107 (P);
    S. Tode, Die GELITA Story, 125 J. DGF STOESS AG, 2003 (Qu, L, P);
    Wenzel;
    Rhdb. (P);
    Lex. Weltmarktführer, S. 226 f.;
    zu Gerda Koepff: Eva Schmitt, Glas d. Art Nouveau, Die Slg. G. K., 1998.

  • Autor/in

    Martin Henkel
  • Empfohlene Zitierweise

    Henkel, Martin, "Stoess, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 398-400 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136018920.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA