Lebensdaten
1878 bis 1948
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Glen Cove (New York, USA)
Beruf/Funktion
Photochemiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 139143297 | OGND | VIAF: 100446597
Namensvarianten
  • Traube, Arthur Jonas
  • Traube, Arthur
  • Traube, Arthur Jonas

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Zitierweise

Traube, Arthur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139143297.html [05.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Waldemar, Kaufm. in B. S d. Jonas (* 1812/13), Manufakturenwarenhändler in B. (s. Gen. 1), u. d. Rebecca Aron;
    M Auguste Berend;
    1) Berlin 1903 1912 Erna Rosen (* 1883), aus B., 2) München 1920 1926 Margarethe Maria Helene Tegge (* 1893), aus Stolzenhagen, 3) München 1927 Margarethe Gross, geb. Hanz (* 1902); kinderlos.

  • Leben

    Nach seinem Chemiestudium am Photochem. Laboratorium der TH Berlin und seiner Promotion 1901 zum Dr. phil. arbeitete T. ebenda als Assistent seines Lehrers Adolf Miethe (1862–1927). Gemeinsam setzten sie die bereits unter Hermann Wilhelm Vogel (1834–98) begonnenen Forschungen zur Aufhebung der „Farbenblindheit“ der photographischen Emulsion fort und bestimmten 1902 den Cyaninfarbstoff Äthylrot als geeigneten Zusatz, um eine bis dahin unbekannte panchromatische Sensibilisierung der Bromsilber-Trockenplatte zu erreichen. 1904 wechselte T. zu Otto Perutz (1847–1922) nach München, wo die mit diesem Farbstoff angereicherte „Perchromoplatte“ hergestellt wurde und erstmals eine Empfindlichkeit für den gesamten Rotbereich des sichtbaren Spektrums aufwies. Infolge dieser Verbesserungen erfuhren die Bemühungen um die indirekte Farbphotographie neuen Auftrieb. 1906 nach Berlin zurückgekehrt, arbeitete T. an einem als „Diachromie“ bezeichneten Farbverfahren, bei dem die drei hinter Rot-, Grün- und Blaufiltern aufgenommenen schwarzweißen Auszugsdiapositive durch ein mit Silberjodid arbeitendes Beizfarbenverfahren in unlösliche Farbstoffbilder umgewandelt und für die Projektion übereinander gelegt wurden. Hierfür lieferte Perutz das erforderliche Material. 1916 arbeitete T. an einem verbesserten Farbverfahren, bei dem von den drei Auszugsnegativen drei Diapositive auf biegsamem Filmträger hergestellt wurden, die mit Hilfe einer Kupferbeize in Farbstoffbilder überführt und erneut passgenau zwischen zwei Gläsern zur Deckung gebracht wurden.

    Um dieses zwei Jahre später auf den Markt gebrachte „Uvachromie“-Verfahren (Traube, lat. uva) zu verwerten, gründete T. die „Uvachrom-Gesellschaft für Farbenphotographie“ mit Sitz in München, die 1919 mit der verlegerisch tätigen „Farbenphotographischen Gesellschaft“ in Stuttgart fusionierte und neben den erforderlichen chem. Materialien auch eine eigene Wechselschlittenkamera für die drei Farbauszüge vertrieb. 1922 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, in der T. als wissenschaftlicher Beirat fungierte. Das Unternehmen setzte hohe Erwartungen auf den Einsatz ihrer lichtbeständigen, in beliebiger Zahl reproduzierbaren Projektionsbilder in Werbung, Unterricht und Lehre sowie der Heimatpflege und dem Farbendruck. Dazu legte sie eigene Bildprogramme mit Diapositiven und Postkarten auf. Der eigentliche Gewinn wurde jedoch mit der Herstellung von Bromsilber-Kollodiumemulsion für verschiedene Klischeeanstalten erzielt. 1921 erwarb die „Powers Photo Engraving Company“ in New York die amerik. Rechte an dem Uvachromie-Verfahren. Hier entstanden 1924 in den Studios der „Famous PlayersLasky Corp.“ in Astoria (Oregon) Uvachromien von Rodolpho Valentino und Bebe Daniels zu dem schwarzweiß gedrehten Stummfilm „Monsieur Beaucaire“, die als farbige Lichtbilder in den Schaukästen der Filmtheater gezeigt wurden. 1922 fertigte der Münchner Photograph Heinrich Traut (1857–1940) Uvachromien von den Passionsspielen in Oberammergau, 1925 erschien das in mehrere Sprachen übersetzte, reich illustrierte Werk|„Roma sacra“, das allerdings die geschäftlichen Erwartungen nicht erfüllte. Die 1929 patentierte, nach dem Absaugeverfahren arbeitende „Uvatypie“ zur Herstellung farbiger Papierbilder erfuhr keine größere Verbreitung, weil in Zeiten der beginnenden Weltwirtschaftskrise dieses teure Verfahren abgesehen von Publikationen nur wenig nachgefragt wurde.

    Im Juni 1933 emigrierte T. mit seiner Frau in die USA, wo er bis zu seinem Tod die photochem. Abteilung bei der „Powers Photo Engraving Company“ in New York leitete. Sein langjähriger Partner Ludwig Preiss (1884– 1957) führte die Geschäfte unter dem Namen „Kunstverlag Farbenphotographie Preiss & Co“ weiter, wobei auch Aufnahmen für die Nationalsozialisten entstanden.

  • Auszeichnungen

    A bayer. Ludwigs-Medaille in Silber (1918); Goldmedaille d. Wiener Photograph. Ges. (1921).

  • Werke

    W Über photochem. Schirmwirkung, Diss. Berlin 1901;
    Ueber e. neue Perutzsche panchromat. Platte, in: Das Atelier d. Photographen 6, 1904, S. 88–96;
    Photogr. u. Farbenphotogr., Ihre Gesch. u. Entwicklung, o. J. [1908] (mit H. Auerbach);
    Uvatypie, Verfahren z. Herstellung v. Dreifarben-Photogrr. auf Papier n. d. Absaugeprinzip, in: Photograph. Korr. 67, 1932, S. 30–32; - Patente: Verfahren z. Herstellung panchromat. Trockenplatten, DRP 142 926, 1902 (mit A. Miethe); Verfahren z. Umwandlung v. Silberbildern in reine Farbstoffbilder unter Anlagerung v. organ. Farbstoffen an die d. Bild bildenden Metallverbindungen, DRP 187 289, 1905; Verfahren z. Herstellung v. Farbstoffbildern aus Kupferbildern, DRP 403 428, 1918 (f. Uvachrom-AG f. Farbenphotogr.); Absaugeverfahren z. Herstellung v. Farbenphotogrr., DRP 519 881, 1929.

  • Literatur

    L M. Petzold, Über d. T.sche Verfahren z. Färbung v. Diapositiven, in: L. Sanne u. E. Schröder, Dilettantismus u. Amateurphotogr., Eine Slg. v. Aufss., Stud. u. Skizzen, 1907, S. 55–57;
    P. Krause, Pioneering Photographic Color Systems, in: E. Ostroff (Hg.), Pioneers of Photography, Their Achievements in Science and Technology, 1987, S. 208–14 (P); – Qu George Eastman House, Rochester (New York).

  • Portraits

    P Photogrr., Abb. in: P. Krause (s. L) (Rochester, George Eastman House)

  • Autor/in

    Cornelia Kemp
  • Empfohlene Zitierweise

    Kemp, Cornelia, "Traube, Arthur" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 369-370 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139143297.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA