Windstoßer, Ludwig

Lebensdaten
1921 – 1983
Geburtsort
München
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Photograph ; Fotodesigner ; Fotograf
Konfession
-
Normdaten
GND: 133453820 | OGND | VIAF: 293642144
Namensvarianten

  • Windstosser, Ludwig Leopold
  • Windstoßer, Ludwig
  • Windstosser, Ludwig Leopold
  • Windstosser-Tripps

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Zitierweise

Windstoßer, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133453820.html [25.01.2026].

CC0

  • Windstosser, Ludwig Leopold

    | Photograph, * 19.1.1921 München, † 3.6.1983 Stuttgart.

  • Genealogie

    V Otto (* 1880), aus Lauterecken (Pfalz), Handelsvertr., Kaufm. in London u. M., S d. Wilhelm (1841 – v. 1918), bayer. Bez.geometer, u. d. Ida Clarus (1850 – v. 1918);
    M Kätchen Dürr (* 1895), aus Bremen;
    B Wilhelm Maja (* 1924), Handelsvertr. in Sindelfingen;
    Stuttgart 1943 Ingrid Lischke (1922–2015), techn. Zeichnerin b. d. Robert Bosch GmbH in St.;
    1 S Peter (1953–2010), Photogr.

  • Biographie

    W. schloß um 1937 das Realgymnasium in Berlin ab und absolvierte 1937–40 eine Lehre als Mechaniker bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. 1940 bestand er die Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Ingenieurschule in Esslingen. Noch im selben Jahr wurde er zum Kriegsdienst einberufen und u. a. als Kanonier an der Ostfront in Rußland eingesetzt.

    Bereits hier übte er sich als Amateurphotograph, wovon diverse private Fotoalben zeugen. 1944 verwundet, besuchte W. nach seiner Entlassung aus dem Lazarett Kurse als technischer Zeichner bei Bosch. 1945 mußte er erneut Kriegsdienst leisten, diesmal in Schlesien.

    Nach dem 2. Weltkrieg ging W. 1946–47 bei dem Stuttgarter Photographen Adolf Lazi (1884–1955) in die Lehre. Zusammen mit Wolfgang Reisewitz (1917–2012), Toni Schneiders (1920–2006) und Otto Steinert (1915–1978) gründete er 1949 die Gruppe „fotoform“, die maßgeblich zu einer neuen Bildsprache der westdt. fotokünstlerischen Nachkriegsavantgarde beitrug. Noch im selben Jahr kamen Peter Keetman (1916–2005) und Siegfried Lauterwasser (1913–2000) hinzu, 1951 Heinz Hajek-Halke (1898–1983) und Christer Christian (eigtl. Christer Strömholm, 1918–2002). Anknüpfend an die photographischen Tendenzen der 1920er und frühen 1930er Jahre erarbeitete die Gruppe gemeinsame Kriterien für eine zukunftsweisende Nutzung des Mediums, um auch in Deutschland Anschluß an die moderne europ. Photographie zu finden. An der zu Beginn der 1950er Jahre von Steinert initiierten Bewegung der „subjektiven fotografie“ war W. nur am Rande beteiligt. Die Aktivitäten von „fotoform“ ebbten nach 1953 deutlich ab.

    Ab 1948 arbeitete W. vorrangig als freischaffender Industriephotograph, ab 1950 übernahm er erste Großaufträge in Werbung und Dokumentation. Steile Perspektiven, ungewöhnliche Bildausschnitte und starke Kon|traste finden sich neben aufwendig arrangierten Produktionsszenen in den Werbephotographien, die er für diverse Firmen – u. a. für Mannesmann, Ruhrkohle, Merck, AEG, Zeiss oder Lauffenmühle – realisierte. Insgesamt arbeitete er für über 150 westdt. wie internationale Unternehmen.

    Als ausgebildeter Mechaniker und technischer Zeichner besaß W. ein ausgeprägtes Auge für technische Details. Sein Erfolg, insbesondere mit Großaufträgen aus der Montanindustrie, erlaubte ihm einen hohen Lebensstandard.

    So konnte er 1957–59 ein repräsentatives Wohnhaus an der Neuen Weinsteige 80 in Stuttgart (Architekt Max Bächer, 1925–2011; Gartenarchitekt Hans Luz, 1926–2016) errichten lassen, das 1964 zudem ein eigenes Laborgebäude zur Entwicklung auch von Farbphotographien erhielt.

    Ab 1952 widmete sich W. darüber hinaus der photographischen Illustration zahlreicher Städteporträts und Bildbände. W. bezeichnete die Arbeit an den Bildbänden als „lukrative Erholung“ und als eine Möglichkeit, den eigenen photographischen Horizont zu erweitern. Das inhärente Bedürfnis nach zeitgemäßen Ausdrucksformen spiegelte sich neben künstlerischen Ambitionen wie „fotoform“ auch in den Photobüchern. So zeigte etwa der Bildband „Berlin: teils teils“ (mit Thilo Koch, 1972) durch geschickte Gegenüberstellungen ein Porträt West-Berlins in einer von Wiederaufbau und Fortschritt, aber auch dem Wunsch nach Normalität und Sicherheit geprägten Zeit. Diverse weitere Städtebücher galten vornehmlich dem badenwürtt. Raum, v. a. der Wahlheimat Stuttgart.

    Seit 1964 leitete W. den Arbeitskreis Bild im Centralverband Deutscher Fotografen (CV).

    Mit seinen Freunden Franz Lazi (1922–1998) und Walter E. Lautenbacher (1920–2000) gründete er 1969 den Bund freischaffender Fotodesigner (BFF), in dessen Vorstand er auch war. Zudem wurde er 1973 Mitglied im Präsidium der EUROPHOT Arbeitsgemeinschaft der europ. Berufsphotographen. Ab Aug. 1982 zwang eine schwere Erkrankung W. zu wiederholten Krankenhausaufenthalten; in dieser Zeit wurden einige Aufträge von seinem Sohn Peter übernommen.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Ges. Dt. Lichtbildner (GDL) (1967);
    3. Preis b. ersten gr. internat. Fotowettbewerb d. Zs. Camera (1951);
    Ehren-Plakette v. Centralverband d. Dt. Fotografenhandwerks z. Jahresschau (photo 64) (1964);
    Beste Gesamtleistung auf d. Bildausst. Dt. Berufsphotographen in Stuttgart (1964);
    Goldene Ehrennadel d. Centralverbands Dt. Fotografen (CV) (1970).

  • Werke

    Weitere W u. a. Fotoalben in d. Slg. Fotogr. d. Kunstbibl. im Mus. f. Fotogr., Staatl. Museen zu Berlin;
    weitere Arbb. im Mus. Folkwang, Essen, u. in d. Gal. Kicken, Berlin;
    Ausst.: 2. Ausst. photograph. Kunst 1949 in Neustadt an der Haardt, 1949;
    fotoform-Ausst. auf d. photokina in Köln, 1950, 1951 u. 1952;
    subjektive fotografie–Internat. Ausst. moderner Fotogr. in Saarbrücken, 1951;
    Europhotoausst., Luzern, 1963;
    Photo 64, Stuttgart, 1964;
    Commercial Photography mit F. Lazi u. W. E. Lautenbacher, Stuttgart, 1967;
    W.-Ind.fotogr. im Bahnhof Bonn-Bad Godesberg u. im Wirtsch.min., Bonn, 1978;
    fotoform-Ausst. in d. Gal. Kicken, Köln, 1980;
    fotoform, Dt. Fotogr. d. 50er J., Robert Morat Gal., Hamburg, 2007/08;
    L. W., Fotogr. d. Nachkriegsmoderne, Mus. f. Fotogr.Staatl. Mus. zu Berlin, Berlin, 2019/20;
    Schrr.: Maulbronn, 1954 (mit K. Bertsch);
    Das Stuttgart-Buch, 1960 (mit H. Missenharter);
    E. Merck AG (Hg.), Von d. Merck’schen Engel-Apotheke z. pharm.-chem. Grossbetrieb 1668–1968, Text: F. Ebner u. L. Lerch, Photogrr.: L. W., 1968;
    Mahle KG (Hg.), Arbeit an Grenzen: 50 J. Mahle, 1970;
    Stuttgart im Bild, 1974 (mit P.-U. Faerber);
    Martin Knoller, Seine Kuppelfresken in d. Abteikirche Neresheim, 1976 (mit N. Stoffels);
    Baden-Württ. im Wandel d. Gesch., 1979 (mit M. Tripps);
    Bibliogr. d. Veröff./Beteiligungen, in: S. R. Dietzel u. a., s. L;
    Art. u. Interviews: Gedanken zu e. Ausst./Thoughts on an exhibition, in: Camera 28, Nr. 9, 1949, S. 286–88;
    Scharf oder unscharf?, in: Foto-Spiegel, Nr. 17, Febr. 1949, S. 4 f.;
    Zehn gegen neunzig, in: Photo-Mag. 1, Nr. 9, Sept. 1949, S. 15;
    R. Freitag, Über e. Fotografen, L. W., ebd. 4, Nr. 8, Aug. 1952, S. 36;
    Fotografen, die Karriere machen, L. W., Industrie „Die Aufnahme ist für mich Rohstoff“ [Interview mit W.], ebd. 21, Nr. 1, Jan. 1969, S. 18–21;
    B. Lohse, L. W., Die gute alte Ind.fotogr.–Wo ist sie geblieben?, ebd. 34, Nr. 1, Jan. 1982, S. 40–47;
    Ind.bilder mit Hasselblad, in: Hasselblad, Dez. 1980, S. 6–13;
    Nachlaß: Slg. Fotogr. d. Kunstbibl. im Mus. f. Fotogr., Staatl. Museen zu Berlin.

  • Literatur

    |J. A. Schmoll gen. Eisenwerth f. d. Inst. f. Auslandsbeziehungen (Hg.), „subjektive fotografie“, Der dt. Btr. 1948–1963, 1989;
    U. Domröse (Hg.), Positionen künstler. Photogr. in Dtld. seit 1945, 1997;
    L. Derenthal, Bilder d. Trümmer- u. Aufbaujahre, Fotografie im sich teilenden Dtld., 1999;
    S. R. Dietzel, L. Höfchen u. J. Panzer f. d. Kunstbibl., Staatl. Mus. zu Berlin (Hg.), L. W., Fotogr. d. Nachkriegsmoderne, Ausst.kat. Berlin 2019 (P).

  • Porträts

    |Fünf Mitglieder d. Gruppe fotoform, photokina Köln 1951, Photogr. v. O. Steinert (Mus. Folkwang, Essen), Abb. in: Dietzel u. a. (s. L), S. 8;
    Selbstporträt, Abzug v. 1978 (Staatl. Museen zu Berlin, Kunstbibl.).

  • Autor/in

    Stefanie Regina Dietzel
  • Zitierweise

    Dietzel, Stefanie Regina, "Windstosser, Ludwig Leopold" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 237-238 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133453820.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA