Lebensdaten
1915 bis 1978
Geburtsort
Saarbrücken
Sterbeort
Essen
Beruf/Funktion
Photograph ; Arzt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11875324X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Burger, Otto (bis 1916)
  • Steinert, Otto
  • Burger, Otto (bis 1916)
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Zitierweise

Steinert, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875324X.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Außerehel. V Hugo August Friedrich (1877–1940, wohl aus norddt. Pächter- u. Gutsbes.fam., Kaufm. in S.;
    M Elisabeth Burger (1888–1971, aus Hangard b. Neunkirchen/Saar;
    Mühlhausen (Elsaß) 1943 Marlis G. (1922–2005, Dr. phil., Dolmetscherin, Mitarb. am Inst. f. Völkerkonfliktforsch. in Genf u. am Inst. d`Etudes Politiques de Paris, 1972–98 Prof. am Inst. Universitaire de Hautes Etudes Internat. in Genf, Vf. u. a. v. „Die 23 Tage d. Reg. Dönitz“, 1967, Taschenb. 1978, engl. 1969, franz. 1971, ital. 1973, u. „Hitler“, franz. 1991, Taschenb. 1992, dt. 1994, span. 1996, poln. 2001 (s. Comité Franco-Allemand de recherches sur l`histoire de la France et de l`Allemagne aux XIXe et XX e iècles,

  • Leben

    S. begann im Alter von 14 Jahren zu fotografieren. 1934 legte er am Reformrealgymnasium in Saarbrücken das Abitur ab und studierte danach bis 1939 Medizin in München, Marburg, Rostock und Heidelberg. Schon als Student Mitglied der NSDAP (1936), trat er 1937 in das Sanitätskorps der Wehrmacht ein; 1939 beendete er sein Studium mit der Ärztlichen Staatsprüfung an der Berliner Univ. und einer Promotion an der Charité. 1940–43 war er an der West- und an der Ostfront eingesetzt, danach wieder in Berlin. 1945 aus dem Heer entlassen, arbeitete er zunächst als Studentenarzt in Kiel und war Mitgründer und erster Geschäftsführer des Studentenwerks der Univ. Kiel.

    Nach einem längeren Entnazifizierungsverfahren kehrte er 1947 ins Saarland zurück und bewarb sich – letztlich erfolglos – als Assistenzarzt am Landeskrankenhaus Homburg/Saar. Bis Anfang 1948 arbeitete er in dem Photoatelier Franz Altenkirch. Während dieser Zeit entstand der Plan, ein „Atelier für künstlerische Fotografie“ zu gründen; es gelang ihm, im Frühjahr 1948 an der „Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk“ in Saarbrücken eine Fotoklasse einzurichten. 1949 gründete er zusammen mit Wolfgang Reisewitz (1917–2012), Ludwig Windstoßer (1921–83) und Toni Schneiders (1920–2006) die Fotografengruppe „fotoform“, der sich später Peter Keetman und Siegfried Lauterwasser anschlossen, 1951 auch Heinz Hajek-Halke und Christer Christian (eigtl. Christer Strömholm).|Bereits 1952 wurde S. zum Direktor der Schule ernannt. Im Jahr zuvor hatte er mit dem ersten Teil einer Ausstellungstrilogie unter dem Titel „subjektive fotografie“ begonnen, die Beispiele internationaler Nachkriegsfotografie unter dem Gesichtspunkt des „persönlichen Fotogestaltens – vom ungegenständlichen Fotogramm bis zur psychologisch vertieften und bildmäßig geformten Reportage“ vorstellte. Dabei baute S. auf den Erfahrungen und Ergebnissen der „Neuen Seher“ der 20er Jahre auf. Sowohl mit einer „historischen Sektion“, in der er Arbeiten von László Moholy-Nagy, Herbert Bayer und Man Ray zeigte, als auch mit dem Wiederabdruck des Textes „Der literarische Fotostreit“ von Franz Roh (1890–1965) von 1931 im Katalog bekannte sich S. zu dieser Tradition. Vom Einfluß der Arbeiten Moholy-Nagys zeugen nicht zuletzt seine eigenen Fotografien, speziell die Fotogramme der späten 40er Jahre und die Luminogramme der 50er Jahre.

    Anfang der 60er Jahre betonte S. in einem Vortrag über die Gestaltungsmöglichkeiten der Fotografie die Bedeutung der künstlerischen Fotografie, distanzierte sich aber zugleich von dem Begriff Kunstfotografie, da dieser mit der malerischen Fotografie assoziiert werde, „die wir als stilfremd ablehnen“. Als geeigneter erschien S. der Begriff „subjektive fotografie“, womit „formelhaft das persönliche Gestaltungsmoment des Lichtbildners zum Ausdruck kommt“. Auf der Basis eines objektiven Bildmittels suchte S. der individuellen Anschauung Gestalt zu geben, strebte durch eine „schöpferisch gelenkte Technik“ nach der Verbindung von Kreativität und Ratio. In seiner Kategorisierung der technischen und subjektiv/ kreativen Faktoren, die die Darstellung bestimmen, wird als freieste Form der Bildfindung, in der der Gegenstand so abstrahiert wird, daß er „nur noch Formelement, Baustein der Komposition wird“, die absolute fotografische Gestaltung genannt. Diese Stufe fotografischer Gestaltung verfolgte S. seit 1949 systematisch und erreichte schließlich nach einer Phase zehnjährigen Experimentierens höchste Virtuosität. So verband er in dem 1952 entstandenen Bild „Maske einer Tänzerin“ die Technik der Montage mit der des Negativdruckes. Die hierdurch erzeugte Verfremdung des Portraits wurde noch gesteigert durch eine Illusionierung von Bewegung, erzielt durch die Kopiermontage. S.s eigentliche Bildwerkstatt war das Labor, aus dem Ausgangsmaterial Negativ entstand nie direkt ein Positiv. Über Umkopierungen, Solarisationen, Negativdrucke und durch kalkulierte Nachbelichtungen wurden fotografische Bilder so individuell geformt, daß es heute unmöglich ist, von S.s Negativen „reprints“ zu erstellen. 1958 wurde S. an die Folkwangschule für Gestaltung in Essen berufen und begann 1959 als Gastkurator im Museum Folkwang seine jährlich stattfindende Ausstellungsfolge „Beiträge zur Geschichte der Fotografie“. Anfang der 60er Jahre begann sich S.s Fotografie zu verändern; in der Lehre konzentrierte er sich verstärkt auf den bildjournalistischen Bereich. In dieser Zeit entstanden formal reduzierte, eindringliche Portraits der Nobelpreisträger und der Träger des Ordens „Pour le mérite für Wissenschaften und Künste“, außerdem – nach präzis konstruierten Stilleben – sehr strenge, kontrastreiche Landschaftsbilder. 1961 erwarb S. auf einer Auktion in Genf den Grundstock für eine Sammlung zur Geschichte der Fotografie, die er bis zu seinem Tod ständig erweiterte (heute Fotografische Slg. des Mus. Folkwang Essen). Die Integration des Studiums fotografischer Originale in die Ausbildung junger Fotografen war im europ. Kontext eine Pionierleistung, entsprechend international war seine Studentenschaft gerade in der Zeit seiner bis 1978 dauernden Essener Lehrtätigkeit. Als einer der einflußreichsten dt. Fotografen des letzten Jh. vollzog S. die seltene Symbiose eines radikalen Interesses am Experiment und einer systematischen Präzision bei der Beherrschung des Apparats und der fotografischen Prozesse. In der Betonung des technischen Charakters des Mediums und dessen spezifischer Gestaltungsmöglichkeiten grenzte S. die Fotografie von anderen Darstellungsmedien ab und gab ihr eine Eigenständigkeit in der künstlerischen Praxis. Darüber hinaus entfaltete er eine einflußreiche Lehrtätigkeit und eine wegbereitende Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit.

  • Werke

    Bull. N° 17, Sept. 2006, S. 14; W), T d. Peter Dalmer (1890–1948, Kaufm., u. d. Maria Degener-Böning (1894–1975;
    1 S Stefan (* 1945, Bärbel Brandecker, * 1949), Kaufm.

  • Auszeichnungen

    A 1. Preis f. Portraitfotografie d. 4. Internat. Foto-Ausst. in Bologna (1950); Prof. (1960); Kulturpreis d. Dt. Ges. f. Photographie (DGPh) (1962); Medaille „Davanne“ d. Soc. Française de Photographie (1965); David-Octavius-Hill-Medaille d. Ges. Dt. Lichtbildner (GDL) (1965); BVK am Bande (1974); – Vorstandsmitgl. d. DGPh (1954–76); Vors. d. GDL (1963–74); – O.-S.-Preis d. DGPh (seit 1979).

  • Werke

    W Einzelausstellungen: Foto-Ausst. Prof. Dr. O. S. Saarbrücken, Staatl. Landesbildstelle, Hamburg, 1954;
    o. T. (44 Fotogrr. v. O. S.), Royal Soc. of Photography, London, 1960;
    O. S., Der Initiator e. fotograf. Bewegung, Mus. Folkwang, Essen, 1976, danach Fotografiska Museet, Stockholm 1977;
    Fotomus. im Münchener Stadtmus., 1977;
    O. S., 1948–1958, Fotos aus seiner Saarbrücker Zeit, Studiogal. d. Modernen Gal. d. Saarland-Mus., Saarbrücken, 1989;
    Der Fotograf O. S., Mus. Folkwang,|Essen, Okt. 1999 – Jan. 2000;
    Der Fotograf O. S., Kunsthalle Kiel, Sept.-Dez. 2000;
    Ausst.reihen:
    subjektive fotografie, 1951, 1954 u. 1958;
    O. S. u. Schüler, 1954–73;
    Fotogrr.
    in: Agfa Photo-Historama, Mus. Ludwig, Köln;
    August Sander Archiv, SK Stiftung Kultur d. Stadtparkasse Köln;
    Bibl. Nat. de France, Paris;
    Fotomus. im Münchener Stadtmus., München;
    Moderna Museet, Stockholm;
    Mus. f. Kunst u. Gewerbe, Hamburg;
    Soc. française de photographie, Paris;
    Tokyo Metropolitan Mus. of Photography;
    Schrr.:
    Über Spannungspneumothorax b. Kriegsverletzungen d. Brust, Diss. med. Berlin 1939;
    Kataloge d. v. S. kuratierten Ausstellungen:
    subjektive fotografie, internat. Ausst. moderner fotografie, Saarbrücken 1951;
    subjektive fotografie, internat. Ausst. moderner fotografie, Saarbrücken 1954;
    Albert Renger-Patzsch, Der Fotograf d. Dinge, Ausst. Ruhrland- u. Heimatmus. Essen 1967;
    Bildnisse Hugo Erfurth, Aus d. fotogr. Slg. d. Folkwangschule Essen 1959;
    David Octavius Hill, Robert Adamson, Inkunabeln d. Photographie, Essen 1963;
    Kunstphotographie um 1900, Essen 1964;
    Die Kalotypie in Frankreich, Beispiele d. Landschafts-, Architektur- u. Reisedok.-fotogr., Essen 1966;
    Fotografinnen, Beispiele aus d. Arb. v. Fotografinnen in Dtld. seit 1925, Essen 1970;
    Menschen v. gestern u. heute, Fotogr. Portraits, Skizzen u. Dokumentationen v. Lotte Jacobi, Essen 1973;
    Fernsehfilm:
    Subjektive Fotografie, O. S. u. Schüler, 1968.

  • Literatur

    L Nachruf: C. H. Meyer, Mit Licht geschrieben, in: SZ v. 8. 4. 1978;
    J. A. Schmoll gen. Eisenwerth, in: Saarländ. Lb. III, 1986, S. 243–76 (P);
    J. Thorn-Prikker, Die Fotogr. als Kunst d. Verdrängung, in: FAZ v. 31. 12. 1990;
    U. Eskildsen (Hg.), Der Fotograf O. S. (Biogr., Verz. d. Ausst. u. Mitgl.schaften, L, P);
    1999;
    Ulrike Herrmann, O. S. u. sein fotogr. Werk, 1999;
    J. Glasenapp, Die dt. Nachkriegsfotogr., Eine Mentalitätsgesch. in Bildern, 2008, S. S. 161–88;
    J. Krichbaum, Lex. d. Fotografen, 1981.

  • Portraits

    Selbstporträt in e. alten Spiegel, Fotogr., 1956/57, Abb. in: Saarländ. Lb. III (s. L), S. 245;
    Fotogr. v. F. Kempe, 1970 (Mus. Folkwang, Essen), Abb. in: U. Eskildsen (s. L).

  • Autor/in

    Ute Eskildsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Eskildsen, Ute, "Steinert, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 191-193 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875324X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA