Lebensdaten
1866 bis 1933
Geburtsort
Brandenburg/ Havel
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Kulturhistoriker ; Bibliothekar
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117256730 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steinhausen, R. F. K.
  • Steinhausen, Georg
  • Steinhausen, R. F. K.
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Zitierweise

Steinhausen, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117256730.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1840–98, Hist., Philol., Geograph, Lehrer in Prenzlau, B. u. Küstrin, Dir. d. Gymn. in Friedland (Meckl.), seit 1876 Dir. d. Gymn. u. d. Realschule in Greifswald, 1887, preuß. Roter Adlerorden 4. Kl., S d. N. N., um 1835 Bgm. v. Küstrin;
    M Anna Louise Schneider;
    Greifswald 1892 Frieda (* 1870), aus Naugard, T d. Friedrich v. Normann (1817–95, aus seit d. 14. Jh. erw. rügenscher Adelsfam., preuß. Oberst, u. d. Emilie Meyer (1834–98, aus Luxemburg;
    1 S Eberhard (1893–1918 ⚔).

  • Leben

    S. besuchte nach häuslichem Privatunterricht Gymnasien in Friedland und seit 1876 in Greifswald. Nach der Reifeprüfung 1883 nahm er an der Univ. Greifswald ein Studium der Philologie und Geschichte auf, das er 1887 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloß. Die Greifswalder Universitätsbibliothek stellte ihn erst als Volontär, dann als wiss. Assistenten ein. 1892 wurde er Kustos an der Universitätsbibliothek Jena. 1901–31 leitete S. die Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (Bibl.dir. 1907). Nach Eintritt in den Ruhestand berief die Univ. Heidelberg 1932 S. zum o. Honorarprofessor für Kulturgeschichte.

    S. trat als Autor, Herausgeber und Organisator auf dem Gebiet der Kulturgeschichte hervor. Sein bedeutendstes, bis heute rezipiertes Werk „Geschichte des dt. Briefes“ (2 Bde., 1889/91, Nachdr. 1968) betrachtete er selbst nur als eine Vorarbeit für sein (nach eigener Auffassung) Lebenswerk, die „Geschichte der dt. Kultur“ (1904), mit der er nicht nur Fachpublikum, sondern v. a. das Bildungsbürgertum erreichen wollte. S. plädierte für eine gegenüber der politischen Geschichte eigenständige, an universalen Fragen ausgerichtete Kulturgeschichtsforschung. Seine Vorbilder sah er in Gustav Freytag, Wilhelm Heinrich Riehl und Jacob Burckhardt. Nach Übernahme der bis dahin von Christian Meyer geführten „Zeitschrift für dt. Kulturgeschichte“ gab er diese 1894–1902 im Verlag von Emil Felber (Berlin) in vierter Folge unter dem Titel „Zeitschrift für Kulturgeschichte“ heraus. 1903 begründete S. das bis heute existierende „Archiv für Kulturgeschichte“. Mit der Quellensammlung „Denkmäler der dt. Kulturgeschichte“ wollte S. nach dem Vorbild der Monumenta Germaniae Historica eine weitere Säule für die Kulturgeschichtsforschung schaffen, diese gelangte jedoch nicht über die von ihm selbst herausgegebenen „Dt. Privatbriefe des Mittelalters“ (2 Bde., 1899 /1907) und Arthur Kerns „Dt. Hofordnungen des 16. und 17. Jh.“ (1905/07) hinaus. Zugleich gab S. die „Monographien zur dt. Kulturgeschichte“ (12 Bde., 1899–1905) heraus.

    Als Anhänger eines romantischen, bürgerlichen Liberalismus zeigt sich in S.s Werk eine v. a. pragmatische Auffassung von Kulturgeschichte als Versuch, die als defizitär empfundene Gegenwart zu bewältigen. Im Zuge der fortschreitenden Professionalisierung der historischen Forschung konnte S. seine Geltung als Wissenschaftler abseits der Universitäten auf Dauer nicht behaupten. Wirtschaftliche Schwierigkeiten machten Veränderungen bei der Herausgabe des „Archivs für Kulturgeschichte“ erforderlich: 1910 erfolgte der Wechsel vom Duncker-Verlag zum Verlag B. G. Teubner (Leipzig u. Berlin). Gleichzeitig wurde S. ein elfköpfiger wissenschaftlicher Beirat zur Seite gestellt,|zwei Jahre später als Mitherausgeber Walter Goetz (1867–1958). Dieser übernahm faktisch die Leitung der Zeitschrift und verlieh ihr ein neues, geistesgeschichtliches Profil. Damit war S. mit seinem Ziel einer eigenständigen Kulturgeschichte gescheitert.

    Nach dem 1. Weltkrieg, den er als Offizier erlebte (zuletzt preuß. Major d. Landwehr), und dem Tod seines einzigen Sohnes in engl. Kriegsgefangenschaft versuchte er das Kriegstrauma in mehreren Abhandlungen („Die Schuld der Heimat“, „Die Grundfehler des Krieges und der Generalstab“, beide 1919, „Die Verteidigung des Generalstabes“, 1920) zu verarbeiten. In den 20er Jahren wandte er sich v. a. aktuellen zeitgeschichtlichen Problemen zu. Seine letzte große Abhandlung, die „Dt. Geistes- und Kulturgeschichte von 1870 bis zur Gegenwart“ (1931) blieb seinerzeit ohne feststellbare Resonanz und geriet zusammen mit dem übrigen Werk, abgesehen von den frühen Arbeiten zur Briefforschung, in Vergessenheit. Jedoch ist seit den 1990er Jahren ein zunehmendes, von der Kulturwissenschaft ausgehendes Interesse an S. und seinem Konzept von Kulturgeschichte zu bemerken.

  • Auszeichnungen

    A Tit.prof. (1905); Mitbegründer u. stv. Vors. d. Kurhess. Ges. f. Kunst u. Wiss. (1912 ff.); preuß. Roter Adlerorden 4. Kl. (1913); E. K. II. Kl. (1916?).

  • Werke

    De legum XII tabularum patria, 1887 (Diss.);
    Gesch. d. dt. Briefes, Zur Kulturgesch. d. dt. Volkes, 2 T., 1889–91, Nachdr. 1968;
    (Hg.) Der Kaufm. in d. dt. Vergangenheit, 1899, 21924, Nachdr. u. d.T. Kaufleute u. Handelsherren in alten Zeiten, 1970, 21979;
    Dt. Privatbriefe d. MA, Bd. 1: Fürsten- u. Magnaten, Edle u. Rr., Bd. 2: Geistliche, Bürger I, 1899–1907;
    Gesch. d. dt. Kultur, 1904, 41936;
    Au
    tobiogr. in: Die Gesch.wissenschaft d. Gegenwart in Selbstdarst., hg. v. S. Steinberg, 1925, S. 233–74 (W-Verz., P);
    Der pol. Niedergang Dtlds. in seinen tieferen Ursachen, 1927.

  • Literatur

    W. Goetz, in: AKG 24, 1934, S. 1 f.;
    F. Flaskamp, Eine Begegnung mit G. S., ebd. 53, 1971, S. 154–57;
    J. Herold, G. S. u. d. Kulturgesch., ebd. 85, 2003, S. 29–70 (P);
    H. Bernert, Die Murhardsche Bibl. d. Stadt Kassel u. ihre wiss. Bibliothekare, in: 125 J. Murhardsche Stiftung d. Stadt Kassel u. ihrer Bibl. 1863–1988, hg. v. H.-J. Kahlfuß, 1988, S. 105–31, bes. S. 111 (P);
    St. Haas, Hist. Kulturforsch. in Dtld. 1880–1930, 1994;
    H. Schleier, Gesch. d. dt. Kulturgesch.forsch. 1, 22008, S. 931–81;
    L. Deile, Kulturgesch. als Kulturkritik, Nachfragen b. G. S., 2008 (W-Verz., P);
    Rhdb. (P);
    Historikerlex.;
    A. Habermann u. a., Lex. dt. wiss. Bibliothekare 1925–1980, 1985;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I;
    Kosch, Lit.Lex.3 (W, L).

  • Autor/in

    Jürgen Herold
  • Empfohlene Zitierweise

    Herold, Jürgen, "Steinhausen, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 193-194 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117256730.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA