Lebensdaten
1879 bis 1968
Geburtsort
Marburg
Sterbeort
Marburg
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118798669 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stengel, Edmund Ernst
  • Stengel, Edmund
  • Stengel, Edmund E.
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Zitierweise

Stengel, Edmund E., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118798669.html [22.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Edmund (1845–1935, 1873 o. Prof. f. roman. u. engl. Philol. in M., 1907–11 Abg. d. RT, Geh. Reg.rat, 1919 Ehrenbürger d. Stadt Greifswald (s. Anglistenlex.; RT-Abg. Liberale), S e. Maurermeisters in Halle/Saale;
    M Ida, T d. Ernst Herrmann (1812–84, aus Dorpat, 1848 ao. Prof. f. Gesch. in Jena, 1857 o. Prof. in M. (s. ADB 55; Lb. Kurhessen III, 1928; Dt.balt. Biogr. Lex.), u. d. Charlotte Köppen;
    B Walter (1882–1960, Dr. phil.,|Kunsthist., 1926 Dir. d. Märk. Mus. Berlin (s. Wi. 1958);
    Hamburg 908 Frida (s. P), T d. Richard Barth (1850–1923, Dirigent, Komp., 1887 Univ.Musikdir. in M. (s. NDB I), u. d. Marie Storp ( 1920);
    Adoptiv-S Lothar S. v. Rutkowski (1908–92, Rassehygieniker d. SS, dann prakt. Arzt in Korbach, Med.rat, Schriftst. (s. L), S d. Arnold Rutkowski († 1918/19), ev. Pastor in Riga, u. d. Marie v. Bahder († 1918/19, zu beiden s. „Ihr Ende schaut an . . .“, Ev. Märtyrer d. 20. Jh., hg. v. H. Schultze u. A. Kurschat, 22008).

  • Leben

    Nach Vorschule und humanistischem Gymnasium in Marburg, seit 1896 in Greifswald, studierte S. nach dem Abitur 1898 Geschichte, neuere Philologie und Nationalökonomie in Lausanne, Greifswald und Berlin, wo er mit einer Diss. über die karoling. Formulare in den Immunitätsprivilegien der sächs. und sal. Könige 1902 durch Michael Tangl (1861–1921) promoviert wurde. 1903–05 war er Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica (MGH) in Berlin für die Konstitutionen Karls IV., 1907 habilitierte er sich bei Albert Brackmann (1871–1952) an der Univ. Marburg mit einer Arbeit über „Die Verfasser der deutschen Immunitätsprivilegien des 10. und 11. Jh.“ für mittlere und neuere Geschichte. Hier 1914 zum planmäßigen ao. Professor und 1922 zum Ordinarius ernannt, lehrte er Geschichte, hist. Hilfswissenschaften und hess. Landeskunde über die Emeritierung 1946 hinaus bis 1949, nur unterbrochen 1937–42 durch die Präsidentschaft des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde und in Personalunion zugleich des Preuß. Historischen Instituts in Rom. Charakteristisch war für S. von Beginn an die enge methodische Verbindung von Diplomatik und Rechtsgeschichte, die sich mit der Studie zum Heerkaisertum 1910 zu verfassungsgeschichtlichen Fragestellungen bis ins 19. Jh. erstreckte. 1908 übernahm S. die Edition des Urkundenbuches der Reichsabtei Fulda, dessen 1. Band, bis 802 reichend, 1913 zu erscheinen begann, aber erst 1958 abgeschlossen war. Bei den Vorarbeiten stieß S. auf die Sammelhandschriften des kurtrier. Offizials Rudolf Losse († 1364), die für die Geschichte des Reiches, der dt. Kanzleisprache wie der Literatur neue Quellen und Erkenntnisse brachten.

    In Marburg entfaltete S. eine reiche Tätigkeit als Lehrer und Organisator; er wurde dabei zu einem der Begründer der Geschichtlichen Landeskunde und machte Marburg zu einem Zentrum hilfswissenschaftlicher hist. Forschung. Durch den Plan für einen Hessischen Historischen Atlas regte S. eine Fülle von Arbeiten an, die später in den Geschichtlichen Atlas von Hessen eingingen; 1929–54 war er Vorsitzender der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Seit 1929 sammelte er die Überlieferung der dt. Originalurkunden vor 1200 in Verbindung mit den dt. Archivverwaltungen für ein „Lichtbildarchiv älterer Originalurkunden auf dt. Boden“, das er 1937–42 mit nach Berlin nahm und noch bis 1963 leitete, und plante ein Tafelwerk zu Urkundenfälschungen, das nicht realisiert wurde.

    S. war seit 1908 Mitglied der Nationalliberalen Partei, später der DVP, unterzeichnete das Bekenntnis dt. Professoren zu Hitler vom 11. 11. 1933 und erschien, obwohl er erst 1942 der NSDAP beitrat, 1937 in Berlin geeignet für die Leitung der 1935 zum „Reichsinstitut für ältere dt. Geschichtskunde“ umgewandelten MGH, nachdem deren kommissar. Präsident Wilhelm Engel rasch gescheitert war. Bis 1942 sicherte S., zugleich Honorar-Prof. an der Berliner Univ., die Kontinuität der wiss. MGH-Arbeit, wußte sich Rückhalt bei Himmler und der SS gegen eine Vereinnahmung durch Walter Franks „Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands“ zu verschaffen und betrieb dabei zeitweilig den Umzug nach München. Schließlich war er aber der Berliner Intrigen müde und kehrte auf seinen Marburger Lehrstuhl zurück, während Theodor Mayer (1883–1972) die Präsidentschaft des „Reichsinstituts“ übernahm. Nach einem Spruchkammerverfahren konnte S. 1947 seine akad. Tätigkeit in Marburg fortsetzen.

    Mit dem „Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde“, das er 1955 begründete und bis 1964 herausgab, schuf er ein maßgebendes Publikationsorgan für die hist. Hilfswissenschaften in Deutschland.

  • Auszeichnungen

    A korr. Mitgl. d. Berliner Ak. d. Wiss. (1936, o. 1939 gewählt, aber v. d. Regierung nicht bestätigt) u. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1941); Mitgl. d. Zentraldirektion d. MGH (1950), d. Hist. Kommissionen f. Hessen u. Waldeck (1954), Nassau, Hessen-Darmstadt u. Thür., d. Inst. f. österr. Gesch.forsch. (1954), d. Ver. f. hess. Gesch.- u. Landeskde. (1955), d. Hist. Ver. f. d. Volksstaat Hessen, d. Ges. f. Rhein. Gesch.kde. u. d. Regia Deputazione Romana di Storia Patria, Rom; Dr. iur. h. c. (Marburg); Brüder Grimm-Preis d. Univ. Marburg; Kulturpreis d. Stadt Fulda (1960).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Immunität in Dtld. bis z. Ende d. 11. Jh., 1. T., 1910, Neudr. 1964 (mehr nicht ersch.);
    Den Ks. macht d. Heer, 1910;
    Avignon u. Rhens, Forsch. z. Gesch. d. Kampfes um d. Recht am Reich in d. 1. Hälfte d. 14. Jh., 1930;
    Abhh. u. Unterss. z. Gesch. d. Reichsabtei Fulda, 1960;
    Abhh. u. Unterss. z. ma. Gesch., 1960;
    Abhh. u. Unterss. z. hess. Gesch., 1960;
    Abhh. u. Unterss. z. Gesch. d. Ks.gedankens im MA, 1965;
    Edd.:
    |Urk.b. d. Klosters Fulda, Bd. 1: Die Zeit d. Äbte Sturmi u. Baugulf, 1913–1958;
    Nova Alamanniae, Urkk., Briefe u. andere Qu. bes. z. dt. Gesch. d. 14. Jh., Bde. 1 u. 2/1, 1921–30;
    Nachlaß:
    Marburg, Hess. StA.

  • Literatur

    u. a. FS z. 70. Geb.tag, 1952 (P);
    Nachrufe:
    H. Beumann, in: Hess. Jb. f. Landesgesch. 18, 1968, S. XI–XV;
    H. Grundmann, in: DA 24, 1968, S. 605 f.;
    H. Appelt, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 119, 1969, S. 387–91;
    H. Büttner, in: HZ 209, 1969, S. 256 f.;
    W. Heinemeyer, in: AfD 16, 1970, S. 506–13;
    ders., in: Marburger Gel. 1977, S. 536–43 (P);
    H. Heiber, Walter Frank u. sein Reichsinst. f. Gesch. d. neuen Dtlds., 1966;
    I. Auerbach, Catalogus professorum academiae Marburgensis, 1979;
    H. Fuhrmann, „Sind eben alles Menschen gewesen“, Gel.leben im 19. u. 20. Jh., 1996 (P);
    U. Reuling, Von d. „Atlaswerkstatt“ z. Landesbehörde, Das Hess. Landesamt f. geschichtl. Landeskde. in Marburg in seiner institutionellen u. forsch.geschichtl. Entwicklung unter E. E. S. u. Theodor Mayer, in: Hundert J. Hist. Komm. f. Hessen 1897–1997, 1997, S. 1169–1203;
    ders., MAforsch. u. Landesgesch. auf neuen Wegen, Der Hist. E. E. S. als Wissenschaftler u. Wiss.organisator in d. zwanziger J., in: Die Philipps-Univ. Marburg zw. Ks.reich u. NS, 2006, S. 143–64 (P);
    A. Nagel, Im Schatten d. Dritten Reichs, MAforsch. in d. Bundesrep. Dtld. 1945–1970, 2005;
    J. Helmrath, Gesch. d. MA an d. Berliner Univ. v. d. Jh.wende bis 1945, in: Gesch. d. Univ. Unter den Linden, hg. v. R. vom Bruch u. H.-E. Tenorth, Bd. 5, 2010, S. 371–411;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1925–1970;
    Biogr. Lex. Gesch.wiss.;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    – zu Lothar S. v. Rutkowski: U. Hoßfeld, Nat.sozialist. Wiss.instrumentalisierung, Die Rolle v. Karl Astel u. L. S. v. R. b. d. Genese d. Buches „Ernst Haeckels Bluts- u. Geistes-Erbe“ (1936), in: Der Brief als wiss.hist. Qu., hg. v. E. Krauße, 2005, S. 171–94;
    Personenlex. Drittes Reich;
    Biogr. Lex. NS-Wiss.pol.

  • Portraits

    Photogrr., Abb. in: FS, 1952 (s. L), Fuhrmann, 1996 (s. L) u. Reuling, 2006 (s. L);
    Zeichnung v. Frida Stengel, Abb. in: Heinemeyer, 1977 (s. L), n. S. 536.

  • Autor/in

    Markus Wesche
  • Empfohlene Zitierweise

    Wesche, Markus, "Stengel, Edmund E." in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 245-247 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118798669.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA