Lebensdaten
1840 - 1930
Geburtsort
Peulendorf bei Scheßlitz (Oberfranken)
Sterbeort
Freising (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Jurist ; Staats- und Kirchenrechtler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117271160 | OGND | VIAF: 42610945
Namensvarianten
  • Stengel, Karl Michael Joseph Leopold Freiherr von
  • Stengel, Carl Freiherr von
  • Stengel, Karl von
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Stengel, Karl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271160.html [18.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. bayer. Linie d. kurpfälz. Beamten- u. Juristenfam.;
    V Franz (1808–60), bayer. Revierförster, Forstmeister, Forstrat in P., Kulmain, Pressath u. zuletzt F., S d. Georg (1775–1824), bayer. Gen.kommissär in M., u. d. Katharina Freiin v. Stengel (1778–1861;
    M Friederike (1816–79), aus Bamberg, T d. Michael Frank, Bauing. aus Bamberg, u. d. Anna Grau;
    Gr-Ov Hermann (s. 1); Gr-Tante-v Rosina (1788–1862, Ludwig Frhr. v. Leonrod, 1774–1859, Jur., Präs. d. Appellationsger. v. Mittelfranken in Ansbach u. in Eichstätt, s. ADB 18; Schärl; NDB 14*);
    Schw Katharina (1842–1930, Hermann Escherich, 1840–82, Fabrikbes.);
    München 1871 Karoline (1846–1910), T d. Karl Josef Ott ( v. 1871), Advokat in M., u. d. Ursula Schildhauer;
    2 S Hermann (1872–1954, Vizekonsul, Legationsrat, Konsul, zuletzt bis 1926 dt. Gesandter in Bolivien, Juli 1933 Ruhestand (s. Biogr. Hdb. Auswärtiger Dienst), Heinz (1876–1906, Lt. z. See, 1 T Karitta (1879–1964, Otto Gonnermann, 1886–1950, aus Nürnberg, Gutsbes. in Bad Tölz);
    N Georg Escherich (1870–1941, bayer. Oberforstmeister, Führer d. „Bayer. Heimatschutzes“, Karl Leopold Escherich (1871–1951, o. Prof. d. Zool. in Karlsruhe u. M., Entomol. (beide s. NDB IV).

  • Leben

    S. besuchte 1849–59 Gymnasien in Bamberg und Bayreuth und studierte seit 1859 Rechts- und Staatswissenschaften sowie Philosophie in München; 1860 wurde er Stipendiat des Maximilianeums (Staatsexamen 1866). Nach kurzer Tätigkeit seit 1870 als jur. Hilfsarbeiter im bayer. Justizministerium wechselte S. 1871 als Landgerichtsrat in die ksl. Justizverwaltung von Elsaß-Lothringen, zunächst in Mühlhausen, seit 1879 in Straßburg. Aus dieser Zeit resultierte seine Beschäftigung mit preuß. und franz. Verwaltungsrecht, die sich in mehreren Veröffentlichungen niederschlug, aufgrund derer S. 1881 ohne Habilitation „unter Verleihung der jur. Doktorwürde“ auf einen neu eingerichteten Lehrstuhl für Verwaltungsrecht an der Univ. Breslau berufen wurde. Ein neuer Schwerpunkt der Breslauer Zeit galt dem Kolonial- und Völkerrecht; S. war, teilweise in herausragender Stellung, Mitglied der dt. Kolonialgesellschaft (1885 Vorstandsmitgl.) und des Flottenvereins. Er gehörte zu den Kolonialrechtlern, die die ksl. Kompetenzen gegenüber dem Reichstag großzügig interpretierten. Vor der preuß. Landtagswahl 1888 war S. mit einer antisemitischen Rede aufgefallen, in der er sich gegen die „Herrschaft des Judentums“ aussprach. 1890 wechselte er auf ein Ordinariat für Staatsrecht, Völkerrecht und Rechtsphilosophie nach Würzburg (Rektor 1894/95). Aufgrund seines großen Lehrerfolges wurde S. 1895 auf das Ordinariat für Staats- und Kirchenrecht an der Univ. München versetzt (em. 1910).

    Als Dogmatiker des öffentlichen Rechts spielte S. keine herausragende Rolle. Nachhaltige Wirkung erzielte er durch die Herausgabe von enzyklopädischen Sammelwerken und Lehrbüchern (teilw. nach franz. Vorbild) zum Reichs- und preuß. Staats- und Verwaltungsrecht, dessen bekanntestes das von Max Fleischmann (1872–1943) fortgeführte „Wörterbuch des dt. Staats- und Verwaltungsrechts“ (5 Bde., 1890–97, 21912/14 als „Stengel-Fleischmann“) war.

    Als Völkerrechtler gehörte S. einer die Souveränität betonenden konservativen Richtung an; als Delegierter des Dt. Reichs nahm er 1899 auf Vermittlung des Reichskanzlers v. Bülow an der ersten Friedenskonferenz von Den Haag teil, die er skeptisch bewertete. Die „Friedensbewegung“ Bertha v. Suttners bekämpfte S. publizistisch. S. war als „Flottenprofessor“ ein typischer Vertreter einer konservativen Professorengeneration, deren Karriere mit der „Inneren Reichsgründung“ zusammenfiel. Während und nach dem 1. Weltkrieg äußerte sich S. kaum öffentlich, zur Staatsrechtslehre der Weimarer Republik wahrte er, auch aus Altersgründen, Distanz, die in seinem Nichtbeitritt zur Staatsrechtslehrervereinigung deutlich wurde.

  • Auszeichnungen

    A Dr. h. c. (Breslau 1881);
    Mitgl. d. Inst. Colonial Internat., Brüssel (1894);
    bayer. Verdienstorden v. Hl. Michael IV. Kl. (1896);
    preuß. Roter Adler-Orden III. Kl. (1900);
    Rr. d. Verdienstordens d. bayer. Krone (1904);
    Offz. d. kongoles. Ordens Leopold II. (1904);
    bayer. GR (1908);
    bayer. GJR (1910);
    Ehrenmitgl. d. dt. Kolonialges. (1911).

  • Werke

    Die Uebertr. d. Verw.-Rechtsprechung an d. o. Gerichte, in: Hirths Ann., 1875, S. 1313–80;
    Das öff. Recht u. d. Verw.ger.barkeit in Elsaß-Lothringen, ebd. 1876, S. 808–39 u. 897–930;
    Dt. Kolonialstaatsrecht, ebd. 1887, S. 309–97;
    Die preuß. Verw.reform u. d. Verw.ger.barkeit, 1883;
    Begriff, Umfang u. System d. dt. Verw.rechts, in: Zs. f. d. gesamte Staatswiss. 38, 1884, S. 281 ff.;
    Lehrb. d. dt. Verw.rechts, 1886;
    Die staats- u. völkerrechtl. Stellung d. dt. Kolonien, 1886;
    Die dt. Schutzgebiete, ihre rechtl. Stellung, Vfg. u. Verw., 1889, 31895;
    Das Staatsrecht d. Kgr. Preußen, 1894;
    Die Vfg.urk. d. Kgr. Bayern v. 26. Mai 1818 u. d. Entwickelung d. bayer. Vfg.rechts seit deren Erlassung, 1895;
    Der ewige Friede, 1899, 31899;
    Dt. Kolonialpol., 1900, 21907;
    Die Rechtsverhältnisse d. dt. Schutzgebiete, 1901;
    Der Kongostaat, 1903;
    Weltstaat u. Friedensproblem, 1909;
    Rechtsgutachten z. Meckl. Vfg.frage, 1911;
    Gutachten betr. d. Rechtsansprüche, die Ihrer Kgl. Hoheit, d. Prn. Luise v. Belgien, auf d. Vermögen d. ehem. Fondation de la Couronne du Congo zustehen, 1912;
    Ks. u. Reich, 1914;
    Zur Frage d. wirtschaftl. u. zollpol. Einigung v. Dtld. u. Österr.-Ungarn, 1915;
    – Nachlaß: Fam.nachlaß v. Stengel im Bayer. HStA, Geh. Hausarchiv, München;
    Briefe in d. Bayer. Staatsbibl., München (Briefe u. a. an Karl v. Amira u. Johannes Schulte) sowie in d. Schleswig-Holstein. Landesbibl., Kiel (Briefe an Lorenz v. Stein);
    eigene Archivstudien:
    Univ.archive München u. Würzburg;
    Bayer. HStA, München.

  • Literatur

    B. v. Suttner, Herrn Dr. C. v. S.s u. anderer Argumente für u. wider d. Krieg, 1899;
    dies., Autobiographisches, 1909, S. 441, 446 f., 453 u. 471;
    J. Novicow, Der ewige Krieg, Antwort auf e. Schrift „Der ewige Friede“ d. Herrn Prof. K. Frhrn. v. S., 1899;
    W. Zils (Hg.), Geistiges u. künstler. München in Selbstbiogrr., 1913, S. 351 f. (kurze Autobiogr.);
    DJZ 1930, S. 551;
    E.-W. Böckenförde, Gesetz u. gesetzgebende Gewalt, 1958, S. 316 ff.;
    P. Schiera, Laboratorium d. bürgerl. Welt, 1992, bes. S. 136 ff. u. 154;
    M. Stolleis, Gesch. d. öff. Rechts in Dtld., Bd. 2, 1992, S. 303 u. 402 f.;
    M. Czapliński, Verz. d. Prof. d. Jur. Fak. d. Univ. Breslau (1811–1945), in: Jb. d. Schles. Friedrich-Wilhelms-Univ. zu Breslau XXXIV, 1993, S. 157–84;
    W. Pauly, Max Fleischmann (1872–1943 u. d. öff. Recht in Halle, in: ders. (Hg.), Hallesche Rechtsgel. jüd. Herkunft, 1996, S. 33–52;
    A. Eyffinger, The 1899 Hague Peace Conference, 1999, S. 148 f.;
    T. van Rahden, Juden u. andere Breslauer, 2000, S. 121 f.;
    M. Grohmann, Exot. Vfg., 2001, S. 96–105;
    F. Herrmann, Das Standardwerk, Franz v. Liszt u. d. Völkerrecht, 2001, S. 105 f. u. 113;
    A. Röpke, Die Würzburger Jur.fak. v. 1815 bis 1914, 2001, S. 220 f.;
    M. Schubert, Der schwarze Fremde, 2003, S. 269–73;
    R. Müller, Verw. als Wiss., 2006, S. 31 f.;
    K. Nowacki, Grundriß d. Gesch. d. Rechtswiss. an d. Univ. Breslau, 2007, S. 50 f. (P);
    Dt. Kolonial-Lex., 1920;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    zur Fam.: Neues Allg. Dt. Adelslex. 9, 1870, S. 11 f.;
    GHdA Bayern 1, 1950, S. 656.

  • Autor/in

    Martin Otto
  • Empfohlene Zitierweise

    Otto, Martin, "Stengel, Karl von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 244-245 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271160.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA