Lebensdaten
1882 bis 1954
Geburtsort
Calbe/Milde (Altmark)
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Publizist ; Schriftsteller ; Übersetzer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118752758 | OGND | VIAF: 14759438
Namensvarianten
  • Stapel, O. Fr. Wilhelm
  • Stapel, Otto Friedrich Wilhelm
  • Stapel, Wilhelm
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Zitierweise

Stapel, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752758.html [12.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm, Uhrmacher in C.;
    M Berta Wienecke; Vorfahre Jakob (erw. 1597), Bgm. in Bismark (Altmark);
    1912 Martha Kühlhorn;
    1 S Henning (1914–86, ev. Pfarrer.

  • Leben

    S. besuchte das humanistische Gymnasium in Calbe, absolvierte 1898–1901 eine Buchhandelslehre und holte 1905 das Abitur in Salzwedel nach. Im selben Jahr begann er ein Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Volkswirtschaft an den Universitäten Göttingen, München und Berlin. 1911 wurde er bei Robert Vischer (1847–1933) in Göttingen mit der Arbeit „Der Meister des Salzwedeler Hochaltars“ (gedr. in: J.ber. d. altmärk. Gesch.ver. 38, 1911, S. 95–178) zum Dr. phil. promoviert. Anschließend begann er eine journalistische Tätigkeit bei der Tageszeitung „Der Beobachter“ in Stuttgart, wechselte aber noch 1911 zu der von Ferdinand Avenarius (1856–1923) herausgegebenen Zeitschrift „Der Kunstwart“ nach Dresden. Während des 1. Weltkriegs wandte sich S. von früheren liberalen Überzeugungen ab. Dabei war die Auseinandersetzung mit Fichtes Volksbegriff ebenso leitend wie seine neue berufliche Tätigkeit im „Hamburger Volksheim“ (1917–19), wo er mehrfach nachgedruckte Vorträge hielt (Volksbürgerl. Erziehung, 1917, 41942). Der Volksbegriff stand von nun an im Zentrum von S. Denken, das er seit 1919 als Herausgeber der Zeitschrift „Dt. Volkstum“ (seit 1926 mit Albrecht Erich Günther, 1893–1942) publizistisch verbreitete. Das demokratische System der Weimarer Republik lehnte S. radikal ab und vertrat antisemitische Standpunkte. Er unterstützte offen den Nationalsozialismus, wurde aber nicht Parteimitglied. Nach 1933 arbeitete er zeitweise als Referent in der „Forschungsabteilung Judenfrage“ am „Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands“, an das ihn dessen Präsident Walter Frank (1905–45) heranzog. Einflußreicher war seine Beteiligung an der NS-Kirchenpolitik. Mit der in seinem 1932 erschienenen Hauptwerk „Der christliche Staatsmann“ entfalteten „Volksnomoslehre“ lieferte S. der Kirchenpartei „Dt. Christen“ und dem 1933 eingesetzten Reichsbischof Ludwig Müller (1883–1945) eine theoretische Fundierung. Mit dem Volksnomos postulierte S. eine Gleichwertigkeit des Alten Testaments mit dem nicht näher definierten Nomos eines anderen Volkes, also auch des „dt. Nomos“. Dieser übernehme die Funktion des biblischen Gesetzes. S. wurde damit zum publizistischen Verfechter einer Synthese von luth. Christentum und völkischem Denken. Kirchenpolitisch rechtfertigte er die nationalsozialistischen Eingriffe in die ev. Landeskirchen 1933/34 ebenso wie die Bemühungen des Ministers Hanns Kerrl (1887–1941), die ev. Kirchen mit Hilfe von „Kirchenausschüssen“ neu zu ordnen. Zunehmend geriet er in Konflikt mit neuheidnischen Kräften, die das von ihm agitierte Miteinander von Christentum und dt. Volkstum bekämpften. Resigniert legte S. Ende 1938 die Herausgeberschaft des „Dt. Volkstums“ nieder und zog sich verbittert zurück. Seine Hoffnung, nach 1945 als vermeintliches Opfer des Regimes noch einmal publizistische Geltung zu erlangen, erfüllte sich nicht. Lediglich seine 1937 erstmals erschienene Übersetzung des „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach erfuhr mehrere Nachdrucke und erreichte eine größere Öffentlichkeit.

  • Werke

    Weitere W Antisemitismus u. Antigermanismus, Über d. seel. Problem d. Symbiose d. dt. u. d. jüd. Volkes, 1928;
    Sechs Kap. über Christentum u. NS, 1931;
    Volkskirche oder Sekte?, 1934;
    Die drei Stände, Versuch e. Morphol. d. dt. Volkes, 1941;
    Nachlaß:
    DLA Marbach/Neckar.

  • Literatur

    Albert Schaefer, in: Wolfram-Jb. 1954;
    H. Keßler, W. S. als pol. Publizist, Ein Btr. z. Gesch. d. kons. Nationalismus zw. d. beiden Weltkriegen, 1967 (P);
    H. Thomke, Pol. u. Christentum b. W. S., 1973;
    W. Keinhorst, W. S., Ein ev. Journalist im NS, Gratwanderer zw. Pol. u. Theol., 1993;
    L. Dupeux, Der Kulturantisemitismus v. W. S., in: K. Nowak u. G. Raulet (Hg.), Protestantismus u. Antisemitismus in d. Weimarer Rep., 1994, S. 167–76;
    S. Lokatis, W. S. u. Carl Schmitt, Ein Briefwechsel, in: Schmittiana 5, 1996, S. 27–108;
    A. Goßler, Theol. Nationalismus u. völk. Antisemitismus, W. S. u. d. „kons. Rev.“ in Hamburg, 1997;
    O. Schmalz, Kirchenpol. unter d. Vorzeichen d. Volksnomoslehre, W. S. im Dritten Reich, 2004;
    Wi. 1935;
    Altmark-Persönlichkeiten;
    Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
    Biogr. Hdwb. Erwachsenenbildung;
    Lex. Konservatismus;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    RGG4;
    BBKL X (W, L).

  • Autor/in

    Oliver Schmalz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmalz, Oliver, "Stapel, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 56-57 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752758.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA