Lebensdaten
1881 bis 1962
Geburtsort
Guben/Neisse
Sterbeort
Braunschweig
Beruf/Funktion
Automobilkonstrukteur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1050188543 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Staniewicz, Willy
  • Staniewicz, Willy Alfons Leo

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Zitierweise

Staniewicz, Willy, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1050188543.html [24.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M N. N.;
    Hete Haune (* 1892);
    S Willy (* 1916), T Charlotte (* 1919).

  • Leben

    S. begann seine Laufbahn als Ingenieur 1903 bei der „Cudell Motor Comp.“ in Aachen. Hier lernte er die Automobilkonstrukteure Karl Slevogt (1876–1951) und Paul Henze (1880–1966) kennen. Nach halbjährigem Aufenthalt bei der Fa. Gebr. Stoewer in Stettin kam S. 1906 zur „Büssing OHG“ nach Braunschweig. Hier wurde er zusammen mit Hieronymus Greißinger (* 1877) enger Mitarbeiter des Firmengründers Heinrich Büssing (1843–1929). Zunächst arbeitete er am ersten Lkw-Programm von Büssing mit, seit 1909 leitete er die 1907 gegründete Büssing Lastkraftwagenfabrik in Berlin. Hier erprobte S. die Eignung von Lkw mit den verschiedensten Aufbauten für den Transport von Möbeln, Bier, Papier und Mehl und konstruierte auch schon Kipper. Es war die erste Automobiltransportgesellschaft überhaupt.

    In Berlin wurde die Inspektion der Verkehrstruppen im Oberkommando des Heeres auf S. aufmerksam und verwendete ihn 1911–13 als zivilen Berater. Er war an der Einführung der Lkw beim Heer und an der Entwicklung eines Armeelastwagens mit Allradantrieb beteiligt. S. gehörte zu den ersten Zivil-Ingenieuren bei den militärischen Dienststellen von Heer und Fliegertruppe. 1919 zu Büssing nach Braunschweig zurückgekehrt, leitete S. die Versuchs-, Prüf- und Fahrabteilung. Schon in Berlin hatte er Versuche mit Stahlrädern, Vollgummi- und Luftbereifungen, Blatt- und Schraubenfederungen, sowie mit Gleit- und Wälzlagern an der Radnabe angestellt. Als Chefkonstrukteur setzte er sie jetzt mit Kardanwellen fort, die Büssing damals noch selbst herstellte. 1920 baute S. einen Dreitonnen-Lkw mit Kardanantrieb. Das führte ihn 1923 zur Idee eines Dreiachsers mit Antrieb durch zwei separate Kardanwellen und Riesenluftreifen. Dieses Dreiachsfahrgestell war der erste Schritt zum Großraumomnibus. Auf einer USA-Reise 1924 mit dem Vorstandsvorsitzenden Paul Werners (1877–1953) sah S. bei der „Twin Coach Comp.“ von Frank R. Fageol in Kent (Ohio) einen Bus mit stehendem Motor an der Seite unter der Sitzbank. Während Paul Filehr (1885–1964) den Dreiachser 1924–27 im Detail konstruierte, entwickelte S. 1925 zusammen mit der Hannoverschen Waggonfabrik einen rahmenlosen, selbsttragenden Omnibusaufbau. 1927 stellte er in Köln den ersten dt. Dreiachs-Doppeldecker für die Berliner Omnibus-Gesellschaft vor (10,5 m Länge, Raum f. 72–82 Personen). Den Vorschlag von Büssings genialem Motorenkonstrukteur Paul Arendt (1893–1968), einen Dieselmotor liegend unterflur einzubauen, griff S. nicht auf, da er die Lösung des stehenden Seitenmotors vorzog. 1930–35 war S. ao. Vorstandsmitglied, 1943–53 zweiter Geschäftsführer der „Büssing-NAG GmbH“, danach gehörte er bis 1960 dem Aufsichtsrat an. Seit 1948 arbeitete er weiter im Geschäftsbereich Omnibusse und entwarf Tram- und Reisebusse, Linien- und Großraumbusse, dazu Fahrgestelle für die Karosserie-Industrie. 1951 brachte er den ersten dt. Dreiachs-Lkw der Nachkriegszeit mit einer Ladefläche über die ganze Wagenlänge heraus.

  • Auszeichnungen

    A Dr.-Ing. E. h. (Braunschweig 1950); BVK (1954).

  • Werke

    Heinrich Büssing u. d. Straße, in: Automobiltechn. Zs. 55, 1953, S. 221–23;
    Omnibusse einst u. jetzt, in: Der Mitarbeiter 1952, Nr. 8–10 u. 1953, Nr. 1–2;
    Patente
    DRP 393 973/74, 396 429, 398 674, 396 768, alle 1923 (Dreiachs-Lkw);
    DRP 411 508, 1924 (Kfz-Dreiachser mit 2 beieinander liegenden Hinterachsen u. Bremsen d. beiden Hinterradpaare);
    DRP 486 152, 1928 (Kfz-Vielachser mit eigenen Motoren);
    DRP 608 703, 1932 (elektr. Oberleitungsbus);
    DRP 632 968, 1934 (Trambus).

  • Literatur

    E.Valentin, Heinrich Büssing u. sein Werk, 1927 (P);
    H. Büssing, hg. v. d. MAN Nutzfahrzeuge GmbH, 1986, S. 72 ff. u. 168;
    Automobiltechn. Zs. 52, 1950, S. 197 (P);
    ebd. 58, 1956, S. 323;
    H. Pieper, Über d. Entwicklung d. Büssing-Lkw u. Omnibusse bis etwa 1914, ebd. 63, 1961, S. 370–80;
    ebd. 64, 1962, S. 345;
    ebd. 63, 1961, S. 345 (P);
    H. Ch. v. Seherr-Thoß, Die dt. Automobilindustrie, 21979, S. 18–46, 108–18, 176 u. 203.

  • Autor/in

    Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß †
  • Empfohlene Zitierweise

    Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "Staniewicz, Willy" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 56 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1050188543.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA