Lebensdaten
1886 bis 1954
Geburtsort
Hagenau (Elsaß)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
klassischer Philologe ; Professor in Basel, Kiel, Jena, München und Berlin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11861942X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stroux, Franz Johannes
  • Stroux, Johannes
  • Stroux, Franz Johannes
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Zitierweise

Stroux, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861942X.html [22.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1835–99, Gymn.prof. f. Math. in H., S d. Ludwig Mathias (1804–86, Schuhmacher in Essen, u. d. Gertrud Hockmann (1804–43);
    M Franziska Faber (1843–1922, aus Krefeld;
    4 B (1 früh †) Heinrich (1875–1940, Dr. med., Arzt (s. Gen. 2), Ludwig (1879–1938, Staatsanwalt, Geschäftsführer d. Reichsverbands industr. Bauunternehmer, Franz (1889–1960, Dr. iur., Landger.rat, 4 Schw Maria Luise (Mimi) (1877–1944, Studienrätin am Mädchengymn. in Hildesheim, Anna (Mollie) (1878–1954), Studienrätin an e. Mittelschule in Hildesheim, Elisabeth (1880–1942, Wilhelm Caspers, 1876–1975, Dr. iur., Oberfinanzrat), Josefine (Fine) (1885–1972), Lehrerin an e. Mittelschule in Hildesheim;
    Paula (1892–1954, Geigerin, T d. Paul Speiser(-Sarasin) (1846–1935), Dr. iur., Advokat, o. Prof. f. Handels- u. Steuerrecht in Basel, Reg.rat, Nat.rat, 1907/08 Präs. dess., Verw.ratspräs. d. Schweiz. Sodafabrik Zurzach, Verw.rat u. a. d. Basler Handelsbank, d. Sandoz, d. Schweiz. Reederei, d. Basler Versicherungen u. d. Schweiz. Bundesbahn. Dr. phil. h. c., Basel 1914 (s. HLS), u. d. Elisabeth (Lily) Sarasin (1861–1938;
    S Leonhard (1930–2010, Oberschulrat, Philos., Hans-Heinrich (im 2. Weltkrieg vermißt), Ulrich (* 1938, ⚭ Beatrix Wolf, * 1938, Photogr.), Dipl.-Ing., Spezialist f. Telephonsysteme in Berlin u. München; Gvv d. Ehefrau Felix Speiser(-Merian) (1880–1949), Ethnol., Leiter d. Mus. f. Völkerkde. in Basel (s. NDB 24);
    N Karl Heinz (s. 2), Hanfried Caspers (1905–75, Liselotte v. Kirchenheim, 1913–2001), Dr. iur., Oberreg.rat im Justizmin. in Bonn, Bernhard (1931–90, Dr. med., Facharzt f. Hautkrankheiten u. Arbeitsmed.

  • Leben

    S. besuchte das Gymnasium in Hagenau und studierte 1904–09 in Straßburg und Göttingen Klassische Philologie und Geschichte; besondere Anregungen empfing er von Friedrich Leo, Eduard Schwartz und Jacob Wackernagel. Nach dem Staatsexamen arbeitete S. als Probekandidat und wiss. Hilfslehrer am Gymnasium seiner Heimatstadt, ab 1912 am Lyzeum in Straßburg. Nach seiner Promotion zu Theophrasts rhetorischen Theorien (1911 bei Richard Reitzenstein) unternahm er eine mehrmonatige Studienreise durch Frankreich, England und Italien. Mit seiner Habilitation in Straßburg und Ernennung zum Assistenten am Seminar für Klassische Philologie (1914) begann eine steile akademische Karriere: Noch 1914 wurde er Extraordinarius für Latinistik in Basel, 1917 ebenda Ordinarius. In den folgenden Jahren erhielt er (u. a. dank Werner Jaegers Einflußnahme) viele Rufe an andere Universitäten: 1922 wechselte er nach Kiel, 1923 nach Jena, 1924 nach München, 1928 nach Göttingen|(abgelehnt), schließlich 1935 als Nachfolger von Eduard Norden nach Berlin (Dir. d. Inst. f. Altertumskde.). Zu seinen Schülern zählten u. a. Karl Langosch, Otto Luschnat, Wolf Steidle, Rudolf Till und Ernst Zinn.

    Gleichermaßen bedeutsam als Forscher und akademischer Lehrer, war S. seit den 20er Jahren einer der prominentesten Latinisten. Ein Schwerpunkt seiner Studien galt der röm. Rechtsgeschichte, für die er auch papyrologische und epigraphische Quellen auswertete. Große Beachtung fand sein Buch „Summum ius, summa iniuria“ (1926), in dem er die Problematik von Strenge und Angemessenheit des Rechts entfaltete. Seine Forschung zum Verhältnis von Recht und Rhetorik ging von der Beschäftigung mit Ciceros „De oratore“ aus. Die geplante Teubner-Ausgabe der Schrift und den Abschnitt über „Rhetorik“ im Handbuch der Altertumswissenschaft stellte S. allerdings nie fertig. Er war Mitherausgeber mehrerer Zeitschriften. Nach dem 2. Weltkrieg gründete er die „Deutsche Literaturzeitung“ (1947) und den „Philologus“ (1948) neu und leitete sie bis zu seinem Tod als Herausgeber. Seine größten Verdienste erwarb sich S. als Wissenschaftsorganisator. Als Mitglied der Akademien in München und Berlin gehörte er zahlreichen wiss. Kommissionen an (1934–49 Präs. d. Thesaurus-Kommission) und begründete 1939 mit Otto Prinz und Paul Lehmann das „Mittellateinische Wörterbuch“, das nach langen Vorarbeiten seit 1967 erscheint. 1939–45 vertrat er die dt. Akademien bei der Union Académique Internationale. Seit dem 21. 6. 1945 leitete er kommissarisch die Berliner Akademie, zu deren Präsidenten er 1946 ernannt wurde (1951 Vizepräsident). Daneben war er 1946/47 gewählter Rektor der Humboldt-Universität. Mit der politischen Führung der SBZ/DDR arrangierte sich S., auch um den Fortbestand der Akademie und ihrer internationalen Beziehungen zu garantieren. Er war Präsident der Gesellschaft für Frieden und gute Nachbarschaft mit Polen, Vizepräsident des Kulturbundes der DDR (ab 1946), stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (ab 1949), Mitglied des Nationalrates der Nationalen Front und von 1949 bis zu seinem Tod Abgeordneter der Volkskammer der DDR.

  • Auszeichnungen

    A o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1929, korr. 1936) u. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1937); ausw. Mitgl. d. Acc. Letteraria Italiana Arcadia (1943); Mitgl. d. Vetenskapssocieteten i Lund (1943); Dr. iur. h. c. (Leipzig 1946); Nat.preis I. Kl. d. DDR (1950); VVO in Gold (1954); wirkl. Mitgl. d. Poln. Ak. d. Wiss., Warschau (1954).

  • Werke

    Weitere W u. a. De Theophrasti virtutibus dicendi, 1912 (Diss.); Hsl. Studien zu Cicero De oratore, 1921; Nietzsches Professur in Basel, 1925; Die Augustus-Inschr. auf d. Marktplatz v. Kyrene, 1928; Eine Ger.reform d. Ks. Claudius, SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1929; Das Problem d. Klassischen u. d. Antike, 1930, Nachdr. 1961 (mit W. Jaeger); Eine Hafeninschr. v. d. Küste d. Pontus, 1949; Röm. Rechtswiss. u. Rhetorik, 1949; Das hist. Fragment d. Papyrus 40 d. Mailänder Slg., 1953;
    Hg.: E. Schwartz, Charakterköpfe aus d. Antike, 1943, 41956;
    Mithg.: Gnomon, 1925–33; Die Antike, 1937–44; Philologus, 1929–44;
    Nachlaß: Staatsbibl. Preuß. Kulturbes. zu Berlin (Korr. mit E. Norden).

  • Literatur

    Wiss. Ann. 3, 1954, S. 815 f.;
    F. Zucker, in: FF 28, 1954, S. 318 f.;
    ders., in: Jb. d. Dt. Ak. d. Wiss. zu Berlin 1954, 1956, S. 388–92 (W-Verz.);
    W. Kunkel, in: ZSRGR 41, 1955, S. 514–16;
    F. Klingner, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1956, S. 164–67 (P);
    J. Irmscher, in: Das Altertum 24, 1979, S. 186–89;
    W. Scheler, in: spectrum, 1979, H. 12, S. 176;
    ders., Zum Gedenken an J. S., 1980;
    ders., in: Die Weltbühne 41, 1986, S. 1079–82;
    ders., in: Neues Dtld. v. 25. 8. 1986;
    J. Dummer, in: Philologus 124, 1980, S. 290–96;
    Altertumsforscher – Wiss.organisator – Humanist, Zum 100. Geb.tag v. J. S., 1987;
    F. Kudlien, in: Eikasmós 4, 1993, S. 357–64;
    S. Flachowski, in: Jb. f. Univ.gesch. 7, 2004, S. 191–214.

  • Portraits

    Öl/Lwd. v. H. Wagner, 1980 (Berlin, HU, Kustodie), Abb. in: Gelehrtenbildnisse HU Berlin, S. 183.

  • Autor/in

    Jonathan Groß
  • Empfohlene Zitierweise

    Groß, Jonathan, "Stroux, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 582-583 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861942X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA