Lebensdaten
1874 – 1953
Geburtsort
Schloß Trabuschgen bei Obervellach (Kärnten)
Sterbeort
Schloß Trabuschgen bei Obervellach (Kärnten)
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker ; Romanist ; Altertumswissenschaftler ; Papyrologe ; Jurist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 11880667X | OGND | VIAF: 73921987
Namensvarianten
  • Wenger Leopold Johann
  • Wenger, Leopold
  • Wenger Leopold Johann
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Wenger, Leopold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11880667X.html [13.07.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold Michael (1844–83), aus O., 1871 Bes. d. ehem. Herrschaft T., S d. Johann Ferdinand (1815–73), aus O., Handelsmann u. Gastgeber im Markt;
    M Theresia, T d. Franz Mulli (Mully) ( 1868), Berg- u. Hammerwerksbes. in O., Bes. d. Schlosses d. ehem. Herrschaft T.;
    Graz 1906 Hildegard (* 1883), T d. Valentin Caspaar (1848–1919), Dr.-Ing., Dir. u. Vorstand d. Hüttenverw. d. österr. Alpinen Montan-Ges. in Hieflau b. Leoben, u. d. Pia Wenger;
    1 T Maria;
    Ov d. Ehefrau Moritz Caspaar (1849–1927), Dr. iur., Doz. f. Volkswirtsch.lehre an d. Bergak. Leoben, Obering. u. Gen.sekr. d. österr. Alpinen Montan-Ges. in Wien;
    Schwager Walther Caspaar (* 1882), Obering. in d. Maschinenbauabt. d. k. u. k. Marine;
    N Valentin Caspaar (* 1924), Dr. med. vet., Veterinär, übergab d. Fam.archiv Caspaar d. Steiermärk. Landesarchiv.

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Volksschule in Obervellach und des Humanistischen Gymnasiums in Villach (Abitur 1893) begann W. 1893 das Studium der Rechtswissenschaft in Graz, wo er röm. Recht bei August Tewes (1831–1913) und Gustav Hanausek (1855–1927) hörte. Letzterer empfahl ihn nach der Promotion zum Dr. iur. 1897 für ein staatliches Reisestipendium nach Leipzig, wo W. 1899–1901 durch Ludwig Mitteis (1859–1921) mit der noch jungen Disziplin der jur. Papyrologie vertraut gemacht wurde. Der Habilitation für röm. Recht 1901 in Graz folgten das Extraordinariat ebenda 1902 sowie Berufungen als o. Prof. nach Wien (1904 / 05), Graz (1905–08), Heidelberg (1908 / 09) und München, wo W. 1909–26 lehrte (Rektor 1924 / 25) und bereits 1909 das Seminar (später Institut) für Papyrusforschung gründete. Nach einem einjährigen Ordinariat in Wien kehrte W. 1927 nach München zurück, das er 1935 vor dem Hintergrund der politischen Situation endgültig zugunsten Wiens verließ; dort wurde er am 29. 6. 1938 von seinen Amtspflichten entbunden. 1945 in Wien zum Honorarprofessor ernannt, wurde er 1946 in den dauerhaften Ruhestand versetzt.

    Wissenschaftsgeschichtlich steht W.s Name in erster Linie für das universalgeschichtliche Konzept einer „Antiken Rechtsgeschichte“, das er bereits 1905 in seiner Wiener Akademischen Antrittsvorlesung entfaltete und das in seinen eigenen Worten auf „eine für die antike Welt nur zusammenschauende, die einzelnen nationalen Gestaltungen von Staat und Recht auch in der wissenschaftlichen Betrachtung in Beziehung zu einander stellende Forschung“ zielte. Kritik erfuhr dieser Ansatz nicht zuletzt durch W.s Lehrer Mitteis, während seine Schüler, u. a. Paul Koschaker (1879–1951), Mariano San Nicolò (1887–1955) und Artur Steinwenter (1888–1959), die damit verbundene Methode einer historischen Rechtsvergleichung in jeweils modifizierter Form zur Anwendung brachten. W. hielt an der universalistischen Perspektive bis zu seinem Alterswerk fest. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit stellte neben dem Zivilprozeßrecht und dem Staatsrecht v. a. die Erschließung von papyrologischen und anderen inschriftlichen Quellen dar, die durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Altertumswissenschaftlern wie Ulrich Wilcken (1862–1944), Walter Otto (1878–1941) und Johannes Stroux (1886–1954) geprägt war.

    W.s umfängliche Privatbibliothek bildete 1956 den Grundstock für den Wiederaufbau der 1945 zerstörten Münchner Institutsbibliothek durch Wolfgang Kunkel (1902–81); in diesem|Zusammenhang wurde auch das von W. gegründete Institut nach ihm benannt.

  • Auszeichnungen

    A u. a. ao. Mitgl. (1912), o. Mitgl. (1914) u. Präs. (1932–35) d. Bayer. Ak. d. Wiss.;
    korr. Mitgl. d. Acc. delle Scienze dell’Istituto di Bologna (1914);
    wirkl. Mitgl. (1926), korr. Mitgl. im Ausland (1927), wirkl. Mitgl. (1935) d. Österr. Ak. d. Wiss.;
    korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Berlin (1933) u. Athen (1933);
    Mitgl. d. Acc. dei Lincei Rom (1950);
    Dr. iur. h. c. (Athen 1927, Harvard 1936, Wien 1950);
    Dr. phil. h. c. (München 1926, Graz 1927);
    Dr. rer. pol. h. c. (Wien 1947);
    – Goethe-Medaille (1944).

  • Werke

    |u. a. Zur Lehre v. d. actio iudicati, 1901 (Habil.schr.);
    Rechtshist. Papyrusstud., 1902;
    Papyrusforsch. u. Rechtswiss., 1903;
    Röm. u. antike Rechtsgesch., 1905;
    Die Stellvertretung im Rechte d. Papyri, 1906, ²1966;
    Vorber. über e. Publ. griech. Papyrusurkk. aus d. Kgl. Bayer. Hof- u. Staatsbibl. zu München, 1909;
    Über Papyri u. Gesetzesrecht u. über d. Plan e. Wortindex z. d. griech. Novellen Justinians, 1914;
    Zum Cippus Abellanus, 1915;
    Von d. Staatskunst d. Römer, 1925;
    Institutionen d. röm. Zivilprozeßrechts, 1925, ital. 1938, engl. 1940;
    Der heutige Stand d. röm. Rechtswiss. 1927, ²1970;
    Die Qu. d. röm. Rechts, 1953;
    Mithg.: u. a. Münchener Btrr. z. Papyrusforsch. (seit 1922: u. antiken Rechtsgesch.), 1915–54;
    ZSRGR, 1934, 1935 u. 1939–44;
    Reallex. f. Antike u. Christentum, 1950–53;
    Autobiogr. in: Österr. Gesch.wiss. d. Gegenwart in Selbstdarst. I, 1950, S. 133–56 (P);
    Nachlaß: Archiv d. Österr. Ak. d. Wiss., Wien.

  • Literatur

    L Nachrufe: H. Kreller, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 1953, S. 320–45 (W-Verz., P);
    E. Seidl, in: Studia et Documenta Historiae et Iuris 19, 1953, S. 452–60 (W-Verz.);
    M. Kaser, in: ZSRGR 71, 1954, S. XIII–XXVII;
    A. Steinwenter, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1955, S. 157–62;
    W. Kunkel, in: Geist u. Gestalt I, S. 255–59;
    G. Wesener, Röm. Recht u. Naturrecht, 1978, S. 79–85;
    E. Höbenreich, À propos „Antike Rechtsgesch.“, Einige Bemm. z. Polemik zw. Ludwig Mitteis u. L. W., in: ZSRGR 109, 1992, S. 547–62;
    G. Thür (Hg.), Gedächtnis d. 50. Todesj. L. W.s, 2006;
    D. Nörr, in: Denker, Forscher u. Entdecker, hg. v. D. Willoweit, 2009, S. 268–79 (P);
    A. Erler, in: HRG, Sp. 1262 f.;
    R. Domingo, Juristas universales, III, 2004, S. 917 f. (P);
    Österr. Gesch.wiss. 20. Jh.;
    K. Staudigl-Ciechowicz, in: Die Wiener Rechts- u. Staatswiss. Fak. 1918–1938, hg. v. T. Olechowski u. a., 2014, S. 274–77;
    zur Fam.: H. Hochenegg, Die W. zu Wiesenburg, in: FS f. Nikolaus Grass, hg. v. L. Carlen u. F. Steinegger, Bd. 2, 1975, S. 499–560 (P) (mit Stammtafel d. väterl. Vorfahren).

  • Porträts

    |Photogr. u. a. in: Geist u. Gestalt III, Nr. 201;
    Bildarchiv d. Univ. Wien(auch im Internet).

  • Autor/in

    Guido Pfeifer
  • Zitierweise

    Pfeifer, Guido, "Wenger, Leopold" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 779-780 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11880667X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA