Lebensdaten
1388 bis 1464
Geburtsort
Haselbach (Bezirk Korneuburg, Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Historiograph ; Chronist ; katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118681516 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ebendorfer von Haselbach, Thomas
  • Ebendorfer, Thomas
  • Ebendorfer von Haselbach, Thomas
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Ebendorfer, Thomas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118681516.html [26.03.2019].

CC0

  • Leben

    Aus wohlhabender niederösterreichischer Bauernfamilie stammend und gut vorgebildet, begann er etwa 1406 den Studiengang an der Wiener Universität und vollendete ihn 1428 durch die Promotion zum Doktor der Theologie. Schon 1420 oder 1421 hatte er die Priesterweihe erhalten, 1423 übernahm er zum ersten Male die Funktion des Rektors, 1427 wurde er auch Domherr zu Sankt Stephan in Wien. Frühzeitig bewies er große organisatorische Geschicklichkeit in äußeren und inneren Angelegenheiten der Universität, auch Redegewandtheit; gute Beziehungen zum landesfürstlichen Hofe, besonders zu Herzog Albrecht V. (später König Albrecht II.), machten ihn zum Mitwisser und Berater auch in politischen Fragen. Die Universität entsandte ihn 1432 zum Basler Konzil, auf dem er im folgenden Jahre vorzugsweise mit dem Hussitenproblem befaßt wurde (Aufenthalte in Prag, Brünn, Iglau, Stuhlweißenburg). Unnachgiebigkeit brachte ihn bald in Widerstreit mit der vom Herzog und dessen Schwiegervater Kaiser Sigmund befürworteten Konzessionstaktik gegenüber den Böhmen, so daß er Anfang 1435 abberufen werden mußte. Nach dem Tode König Albrechts II (1439) wurde er der Berater von Herzog (später König und Kaiser) Friedrich V. (III.), dessen Wortführer auf deutschen Fürstentagen in Mainz und Frankfurt er so lange blieb, wie Friedrich III. den Grundsatz der deutschen Neutralität vertrat. E. hat jederzeit am Konziliarismus festgehalten, und so ist es verständlich, wenn seit der Obödienzerklärung Friedrichs an Papst Eugen IV. und der Anerkennung Nicolaus' V. das Verhältnis der beiden bis zu offenem Mißtrauen seitens des Königs gelockert wurde. Unter dem Vorwande wenig belangvoller politischer Aufträge zwang dieser den alten Mann, die weite Reise nach Rom (Kaiserkrönung) und Neapel (1451/52) mit ihm zu unternehmen. Nach 1452 wandte sich E. unzweideutig dem jungen Herzog Ladislaus Postumus zu, was des Kaisers Argwohn bestärkte, und als E. seit 1460 deutliche Sympathien für des Kaisers ehrgeizigen Bruder Erzherzog Albrecht VI. bekundete, steigerte sich Friedrichs Abneigung zum Hasse, während E. seinerseits den Kaiser für die traurigen Verhältnisse Österreichs in der Zeit des Bruderkampfes verantwortlich machte. Unversöhnt mit Friedrich starb E. nach sehr kurzer Krankheit.

    Seine ungemein reiche und frühzeitig einsetzende literarische Tätigkeit umfaßt mehr als 150 gutenteils sehr umfangreiche Werke, meist in den Originalniederschriften überliefert (Nationalbibliothek Wien); bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts betrafen sie – abgesehen von seinen Aufzeichnungen über die Tätigkeit für das Basler Konzil („Diarium“, = Monumenta conciliorum generalium saeculi XV. I, Wien 1857) – philosophische, naturwissenschaftliche und vor allem theologische Gegenstände (Exegese, Dogmatik, Aszetik, kirchenrechtliche und Konzilsfragen, in Vorlesungs-, Predigt- und Gutachtenform); theologisches|Hauptwerk ist ein 6bändiger Kommentar zur Prophetia Isaiae 1-16 (Autograph, Nationalbibliothek Wien). Besonders seine Predigten fanden weite Verbreitung in ganz Süddeutschland, aber auch bis Siebenbürgen. Die Anregung zur Historiographie dankte er Friedrich III., für den er die Cronica regum Romanorum (Autograph cod. Vind. Pal. n. 3423, f. 165-349) 1449/51 anlegte und seither fortführte. Ferner Cronica Austrie, begonnen 1449/50, fortgesetzt bis in die letzten Lebenstage, nur abschriftlich überliefert (herausgegeben von H. Pez, in: Scriptores rerum Austriacarum II, Leipzig 1725, Spalte 698 folgende).

  • Werke

    Weitere W Tractatus de scismatibus 1451, hrsg. v. H. Zimmermann, in: AÖG 120, 1954; Cathalogus presulum Laureacensium 1451, hrsg. v. A. Rauch, Rerum Austriacarum Scriptores 2, Wien 1793, S. 431 ff.; De duobus passagiis christianorum principum 1456 (cod. n. 3423, f. 357 ff. Autogr.) u. Cronica pontificum Romanorum 1458 (ebd. f. 15 ff.).

  • Literatur

    ADB V;
    J. Aschbach, Gesch. d. Wiener Univ. I, 1865, S. 493 ff.;
    K. Großmann, Die Frühzeit d. Humanismus in Wien…, in: Jb. f. Landeskde. v. Nd.österr., NF 22, 1929, S. 169 ff.;
    A. Lhotsky, T. E., e. österr. Gesch.schreiber, Theologe u. Diplomat d. 15. Jh., in: Schrr. d. MG 15, 1957 (P, Grabstein).

  • Autor/in

    Alphons Lhotsky
  • Empfohlene Zitierweise

    Lhotsky, Alphons, "Ebendorfer, Thomas" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 223 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118681516.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ebendorfer: Thomas E. von Haselbach, geb. 12. August 1387 zu Haselbach, einem vormals bedeutenderen Orte des Landes Oesterreich o. d. Enns, 1464, einer der wichtigsten Chronisten des 15. Jahrhunderts, hervorragend zugleich als Theologe und Professor der Wiener mittelalterlichen Hochschule. Als 17jähriger Jüngling sah er den Landesherzog Albrecht IV. aus dem Znaimer Kriegslager todtkrank durch den Heimathsort nach Wien geschafft werden und bewahrte in seiner Erinnerung die kummervollen Worte, mit denen der Habsburger das Loos seiner hart geprüften Unterthanen beklagte. Seit 1405 studirte er an der Wiener Hochschule, erwarb 21. März 1412 das artistische Magisterium und die Befähigung zum akademischen Lehramte und hielt in den Jahren 1412—25 ununterbrochen Vorträge an der facultas artium über verschiedene philosophische Disciplinen, lateinische Grammatik, Mathematik, Naturwissenschaften und die Politik des Aristoteles. 1418—19 Librarius oder Bibliothekar der philosophischen Facultät, Decan und Thesaurarius oder Schatzmeister derselben, war er nichts destoweniger bestrebt, bei der ersten und begünstigtsten der 4 Facultäten, der theologischen nämlich, unterzukommen und förmlich in dieselbe zu übertreten. 1421 wurde er Baccalaureus formatus Theologiae, 1427 Licentiat und endlich 1428 Doctor und Decan der theologischen Facultät. Inzwischen bekleidete er 1423—24 das Rectorat und bethätigte sich wiederholt als Consiliarius und Coadjutor des Decanates. Seine hervorragende Kenntniß der Universitätsgeschäfte und Satzungen, verbunden mit unverwüstlicher Arbeitskraft und regem Eifer für das Wohl der Hochschule, erwarb ihm unter den Berufsgenossen ein verdientes Ansehen, wie dies die öftere Wahl zum Decan und außerdem noch zwei Mal zum Rector (1429, 1445) darthun. Zugleich in der Seelsorge thätig, namentlich als tüchtiger Kanzelredner, finden wir ihn als Pfarrer von Falkenstein, seit 1442 von Perchtoldsdorf bei Wien, ohne daß ihn natürlich der Genuß dieser nicht uneinträglichen Pfründen seiner eigentlichen Thätigkeit als Glied der Hochschule entfremdet hätte. — Auch war ihm als solchem keine bedeutungslose Rolle im öffentlichen Leben zugewiesen. 1432—34 vertrat er die Wiener Universität auf der Kirchenversammlung zu Basel; als Concilsmitglied reiste er mit Andern nach Prag, um den schwierigen Ausgleich mit dem Hussitismus weiter zu fördern (April 1433). — Ein Halbjahr später begab er sich mit dem Bischof Nikodemus von Freising auf den Kurfürstentag zu Frankfurt a/M. 1434 veranlaßte er selbst seine Rückberufung von Basel, da er die Unionsbestrebungen der Kirchenversammlung mit seinem der Hochschule verpfändeten Eide, in die Gestattung des Kelches an die Hussiten nicht zu willigen, unvereinbar fand. Dennoch erschien er 1435 inmitten der Synodalgesandtschaft, die sich auf dem wichtigen Tage zu Iglau einfand, der das kirchliche Versöhnungswerk krönen sollte. Seit 1440 finden wir unsern E. häufig als Rathgeber Kaiser Friedrichs III., Herzog Albrechts VI., der Wiener Stadtgemeinde und der österreichischen Adelsschaft, andererseits als eifrigen Sachwalter der Wiener Hochschule. Friedrich war ihm bis zum J. 1444 sehr geneigt und verwendete ihn zu Botschaften nach Mainz, Frankfurt, Nürnberg und Basel (1440—44). Der Basler Concilhandel mit Papst und Kaiser verstimmte den gewissenhaften und friedliebenden Mann nach allen Seiten; er zog sich ganz zurück und mußte es erleben, daß sein königlicher Gönner, mit der Haltung der Universität in der Kirchenfrage unzufrieden, in E. einen geheimen Widersacher vermuthete. Dies war auch der Grund, daß Thomas unter ehrenvollen Vorwänden als Botschafter an kleinere italienische Höfe und nach Neapel gesendet wurde, um Einladungen zur kaiserlichen Hochzeit zu überbringen (Ende 1451). Gelegentlich dieser Reise ins welsche Land weilte E. auch zu Rom und erlangte von dem ihm geneigten Papste die Ernennung und Bestätigung der Universitätsprivilegien. Als Kaiser Friedrich nach Neapel reiste (Sommer 1452). kehrte E. nach Oesterreich zurück und erscheint dann als Mitglied und Sprecher der Universitätsdeputation, die den Kaiser und seine junge Gattin begrüßen sollte. Unter der Regierung König Ladislaus' des Nachgebornen finden wir unsern E. unter den geheimen Räthen des Landesfürsten, jedoch dieser unerquicklichen Stellung bald überdrüssig. Nach dem Tode des Albrechtiners (November 1457) zählte er zu den Persönlichkeiten, die angesichts des leidigen Bruderkrieges der beiden Habsburger, Friedrich und Albrecht, und inmitten des unabsehbaren Jammers der Parteifehden zur Neutralität Wiens und seiner Hochschule riethen, immer vermitteln und beschwichtigen wollten. — Seine Gegner verdächtigten ihn jedoch beim Kaiser als Anhänger des Widerparts und Friedrich mochte auch an Verrath und Undank seines ehemaligen Günstlings glauben, denn es heißt, daß er Miene|machte, E. von der Hochschule zu entfernen. Dieser durchlebte die sturmbewegte Zeit von 1461—63 und starb, 77jährig, den 8. Januar 1464.

    Bedeutsam erscheint Ebendorfer's testamentarische Verfügung, wonach man seine Schriften an einem sicheren Orte zum Gebrauche der Universitätsangehörigen gesammelt verwahren solle. Diese Andeutung und der, allerdings ungerechte, Vorwurf des später lebenden Professors und Gelehrten Cuspinianus (Spießhammer), E., dieser „undankbare, unehrenhafte und boshafte“ Theologe habe als „hinterlistiges Füchslein“ testamentarisch dafür gesorgt, daß nicht bei Lebzeiten der betreffenden Fürsten seine lügnerischen Ausfälle veröffentlicht würden. — legen nur zu sehr die Vermuthung nahe, man habe von befreundeter Seite Ebendorfer's nachgelassenes Hauptwerk, seine Chronik des Landes Oesterreich, im Originaltexte beseitigt und, im 4. und 5. Buche namentlich willkürliche Abänderungen für die Abschrift unternommen, um so manche herbe, unmuthige Auslassung des Verfassers zu mildern oder ganz zu unterdrücken.

    Ebendorfer's litterarischer Nachlaß ist ziemlich umfangreich und in historischer Beziehung von Belang. Es sind wichtige Materialien zur Zeitgeschichte, in welchen sich Fleiß und Genauigkeit, aber wenig Geist und Kritik abspiegeln. Außer den handschriftlich vorhandenen Werken: „Liber australis v. Chronicon imperatorum Romanorum", „Chronicon pontificum Romanorum“, „Liber de Schismatibus“ und zwei Reiseberichten über kirchliche Missionen wurden bisher die beiden unstreitig wichtigsten Denkmale seiner schriftstellerischen Thätigkeit, das „Chronicon Austriae“ und das „Diarium gestorum per legatos concilii Basileensis pro reductione Bohemorum“ durch den Druck veröffentlicht. Das „Chronicon Austriae“ liefert eine für die damalige Zeit sehr ausführliche Geschichte des Landes und der Fürsten Oesterreichs von der fabelhaften Urzeit bis zum December 1463. Ursprünglich auf drei Bücher, bis gegen 1452 berechnet, fand sie eine Erweiterung durch ein 4. und 5. Buch. Verglichen mit dem stofflich verwandten Werke seines jüngern Zeitgenossen Aeneas Sylvius Piccolomini (Historia Friderici) erscheint Ebendorfer's Werk unkritisch, schwerfällig, geist- und geschmacklos, aber es entschädigt für diese Mängel reichlich als Zeitgeschichte durch reiches Detail, tagebücherliche Genauigkeit und eine objective, oft freimüthige Darstellungsweise ohne jeden oratorischen Prunk und schöngeistigen Flimmer. Für die Zeit von 1404—63 bildet sie eine unentbehrliche Hauptquelle. Sie findet sich abgedruckt im I. Bande der von H. Pez edirten Scriptores rer. austr. vet. et gen. Das Diarium, für die Geschichte der Basler Concilverhandlungen äußerst belangreich, wurde von E. Birk im I. Bande der Serr. Concil. Basil. I. 1857. p. 701—783, auf Kosten der Wiener Akad. der W. veröffentlicht, als Theil der Monum. concilii Basileensis.

    • Literatur

      Zu vgl. Birk's Vorrede a. a. O. S. 31—44. Zeitzberg's Studie in d. österr. Wochenschrift f. Litt, und Kunst, J. 1864. Nr. 25—26. Voigt's Enea Silvio P. u. s. Zeit, II. Bd. 346 f., besonders aber Aschbach's Gesch. der Wiener Universität 1865, Wien, S. 493—525.

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Ebendorfer, Thomas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 526-528 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118681516.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA